Kategorie: thinkabouts

Nichts ist unmöglich …

Spanien-Urlaub trotz Corona- Reisewarnung

Was für ein hässliches Jahr 2020 doch ist: Ein Virus hat dafür gesorgt, dass viele Menschen sogar Freunde und Familienangehörige als potentielle Überbringer des Todes sehen und wir mit angsterfüllten Blicken aufgefordert werden, bloß nicht zu nah zu kommen. Abstand und Maske werden wohl zu den Unwörtern des Jahres werden. Bei mir persönlich gehört ein weiteres dazu: Panikmache.

Nach Mexico wäre ich gern geflogen im Frühjahr. Keine Chance: Der Flugverkehr war weltweit praktisch eingestellt. Gut, dass ich nicht gebucht hatte: Ich würde, wie tausende Andere trotz EU-Gesetz der Erstattungspflicht innerhalb von zwei Wochen auch nach Monaten noch auf mein Geld warten – so wie ich auch noch immer darauf warte, dass die Bundesregierung wie versprochen die Kosten für die Thomas-Cook-Anzahlung für Ägypten von vor einem Jahr erstattet. Der Sommerurlaub gehört dem Hund, deshalb suche ich dann, wenn möglich, ein günstiges Ferienhaus mit Garten und Pool. So hatte ich schon im Januar für den September ein schönes Haus im Süden Kataloniens gefunden und gebucht.

Wochen vor Reisebeginn kam sie: Die erneute Reisewarnung der Bundesregierung für Spanien. Die zweite Welle habe das Land erwischt, alles sei ganz furchtbar, die Bürger sollten Rücksicht üben und zuhause bleiben. Parallel dazu kam die Mail des spanischen Vermieters: Man habe inzwischen so viele Verluste gemacht, dass man auch aus Kulanzgründen auf keinen Fall Stornierungen zustimmen werde. Da war das Haus dann schon für zwei Wochen bezahlt. Was tun?

Einige meiner Facebook-Freunde sind derart von den Maßnahmen der Bundesregierung überzeugt, dass sie einen Shitstorm über jeden loslassen, der versucht, selbst zu denken. Ich sehe das differenzierter: Man kann Abstand halten, ohne auf alles verzichten zu müssen. Außerdem: So viel Geld habe ich nun auch nicht, dass ich bereit wäre, es einem Vermieter in Spanien zu schenken. Da es sich um keine Pauschalreise handelt, habe ich kein Recht auf Erstattung bei Stornierung. Also fahre ich. Basta.

Vorher gibt es noch Kopfzerbrechen: Bis 15. September gilt zwar die Möglichkeit, sich als Reiserückkehrer kostenlos testen zu lassen. Aber es dauert bis zu zehn Tagen, bis das Ergebnis da ist, das geht gar nicht. Außerdem sind die Testzentren oft nur vormittags geöffnet, an Wochenenden nur bis Samstag mittag oder gar nicht. Sie liegen auch nicht etwa an den Autobahnen, sondern irgendwo in anliegenden Städten. Was für ein Unsinn. Welcher Rückkehrer ist denn samstags mittags schon zurück, oder sucht nach einer langen Fahrt noch umständlich irgendwo das Zentrum? Ich finde schließlich ein privates Unternehmen, das am Flughafen Frankfurt rund um die Uhr sieben Tage die Woche testet und verspricht, bei kostenlosen Tests innerhalb von 12, bei kostenpflichtigen innerhalb von 8 Stunden das Ergebnis mitzuteilen. Ok, das geht. Also los.

Nach all den Warnungen vor strengen Kontrollen erwarte ich an den Grenzen zu Frankreich und Spanien Posten, die Fieber messen oder ähnliches. Weit gefehlt: Weder auf dem Hin- noch auf dem Rückweg sind an den deutschen, französischen oder spanischen Grenzen irgendwelche Kontrolleure zu finden, das freie Schengen-Europa funktioniert wie immer. Aber die Autobahnen sind leerer. 14 Stunden für 1400 Kilometer trotz Pausen: einzigartig. Die Autoroute du Süd, auf der ich in über 40 Jahren zu jeder Tages- und Nachtzeit nie ohne Stau unterwegs war, ist auf dem nächtlichen Hinweg wie leer gefegt. Das, so denke ich mir, scheint tatsächlich eine Folge der vielen Corona-Verbote zu sein.

In Spanien angekommen stelle ich fest, dass die Regeln hier strenger sind als bei uns: Auch auf der Straße hat man Maske zu tragen, egal wie heiß es ist. Das gilt sogar auf dem Weg zum Strand. Erst ab Handtuch ist es erlaubt, das Teil endlich abzulegen. Das Ferienhaus in L’Amletlla de Mar liegt in einer dieser Villengegenden, die in Katalonien überall die alten Fischerorte umgeben. Dort wohnen nur ganz wenige Einheimische, fast alle Häuser werden an Touristen vermietet. Das Viertel ist so gut wie leer, es herrscht eine merkwürdige, dumpfe Stimmung. Beim Einkauf im Supermarkt und beim Spaziergang durch die Stadt wird klar: Ich bin ausschließlich unter Spaniern. Nur zweimal sehe ich eine deutsche Familie in diesem Urlaub. Trotz zahlreicher Ausflüge kann ich die deutschen Autos zählen: Es sind genau fünf in zwei Wochen.

In den kleinen Städtchen, wo die Einwohner unter sich sind, herrscht reger Betrieb. Aber es ist anders als in Deutschland. Obwohl 98 Prozent der Spanier die Masken- und Abstandsregeln strikt einhalten, wird nicht ständig darüber diskutiert. Man trifft sich auf der Straße, auf dem Markt, im Restaurant, hält den gebotenen Abstand, verzichtet aber nicht auf fröhliche Gespräche und Lachen. Das wirkt sehr erleichternd auf mich: Endlich mal raus aus der verbissenen, panischen Stimmung zuhause.

Die Hundestrände sind hier, wie überall, wo es sie in Spanien überhaupt gibt, eine Zumutung. Klein, felsig oder voller Kies, trotz des schönen klaren Wassers kein Vergnügen. Gott sei Dank gibt es das Ebro-Delta! Hier herrscht eine zauberhafte Stimmung. Man fährt lange über schmale Sträßchen durch die weite Ebene, in der die Reisfelder grüngolden leuchten. Dazwischen viele Bewässerungskanäle, vereinzelt Eukalyptusbäume und Palmen. Dazwischen gewürfelt und weit verstreut Pumphäuschen und Wohnhäuser. Das letzte Stück ist eine Sandpiste. Nur ein kleines Schild weist auf das Ziel hin: Platja Marquesa. Hier erreicht einer der vielen Arme des Ebros das Meer. Und hier ist endlich, was ich gesucht habe: Ein ewig langer Strand aus feinem Fluss-Sand mit einem rauschenden Meer. Es sind kaum Menschen hier: An Wochentagen liegt der Mindest-Abstand bei 500 Metern und mehr. Das sorgt dafür, dass auch der Hund toleriert wird: Herrlich. Lucy holt stundenlang Stöckchen aus den Fluten, ich sammele Muscheln und Schneckenhäuser.

Wie im Flug vergehen die beiden Wochen, der lange Rückweg steht an. Es ist ein heißes Wochenende mit etwas mehr Verkehr auf der Autoroute du Sud; Franzosen nutzen die Gelegenheit für ein Wochenende am Meer. Auch diesmal nirgendwo eine Kontrolle: Nach 14 Stunden ist es überstanden. Kaum empfängt das Autoradio wieder deutsche Nachrichten, höre ich neue Panikmeldungen über Corona in Frankreich und Spanien. Weiß unsere Regierung eigentlich, was sie diesen Ländern mit ihren Reisewarnungen antut? Mal ganz zu schweigen von den vielen Bundesbürgern, die dieses Jahr nicht fahren konnten…

Sonntag: Test am Flughafen FFM: Rechts werden die zahlenden Kunden von Firmenpersonal betreut, links die Gratis-Reiserückkehrer von der Bundeswehr. Von Stau keine Spur. „Hinsetzen. Mund auf. Gleich fertig.“ So unangenehm es ist, sich von einem Fremden im Mund herumstochern zu lassen, muss ich fast lachen: Soldaten…

Ok, das mit den 12 Stunden war nichts, es hat 24 gedauert. Ich bin natürlich negativ. Wo hätte ich mich auch anstecken sollen…. ?

„Das Recht auf eine gesunde Umwelt muss klar festgestellt werden!“

Spätestens seit er den Geldbeutel des kleinen Mannes erleichtert, ist der Klimawandel in aller Munde. Es gibt Welt-Klimakonferenzen, große und kleine Politiker-Runden, jede Menge Streit und kaum wirkungsvolle Maßnahmen. Vor diesem Hintergrund hat der britische „Economist“ im Herbst einen Preis ausgeschrieben Er befragte er Autoren dazu befragte, welche wirtschaftlichen und politischen Veränderungen es – wenn überhaupt – braucht, um dem Klimawandel effektiv zu begegnen.


Einige Monate, nachdem die Preisträgerin gekürt worden war, startete die Zeitung einen Versuch: Die selbe Frage wurde einer künstlichen Intelligenz vorgelegt. Der Algorythmus GPD-2 wurde letztes Jahr im Februar in San Francisco von der Gruppe Open AI veröffentlicht.

Während die Preisträgerin Larissa Parker auf Basis ihrer umfangreichen Kenntnisse ein durchdachtes Modell präsentiert, wie tatsächlich Regierungen gezwungen werden könnten, aktiv zu werden, fasst die künstliche Intelligenz hauptsächlich die verschiedenen Komponenten des Problems Klimawandel zusammen, einschließlich der bekannten Forderungen. Recht verwaschen wird gefragt, wie die ständigen Wachstumsprogramme gebremst oder gar gestoppt werden könnten, gefordert, dass alle Menschen gleichermaßen von Wohlstand und Energie profitieren müssen. Wie das konkret geschehen kann, lässt der Artikel aber durchgehend offen. Dennoch ist erschreckend, in welchem Ausmaß Computerprogramme bereits jetzt Dissertationen schreiben können, allein, indem sie sich auf Inhalte beziehen, die frei im Netz verfügbar sind. Ebenso fällt auf, dass sich die KI als US-amerikanisch betrachtet, wenn sie von „wir“ und „uns“ spricht. Wenn so etwas weltweit verbreitet, die künstliche Intelligenz möglicherweise sogar befähigt wird, eigenständig Projekte zu entwerfen, wird auf bisher unnachahmliche Weise der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Eine Vorstellung, die sehr nachdenklich macht.

Ich habe beide Beiträge übersetzt. Hier zunächst der Artikel der Preisträgerin. Die 25jährige Larissa Parker studiert gerade Jura in der McGill Universität Montreal. Sie hat bereits einen Magister in Umweltmanagement von der Universität Oxford und einen Bachelor von der Universität Toronto. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Recht Verwaltung und Gesellschaft ihrer Universität und engagiert sich in Basisbewegungen für das Klima.

undefined „Im März 2019 streikte ich zusammen mit 100 000 jungen Menschen in den Straßen Montreals. Wir besetzten stundenlang die Innenstadt und forderten von unseren Entscheidungsträgern verstärkte Klimaaktivitäten. Kinder aller Altersstufen marschierten für ihr Recht, in einer gesunden Welt aufzuwachsen.

Im letzten Jahrzehnt wurde aus dem ’nicht bei mir‘-Phänomen ein ’nicht während meines Lebens‘. Nachdem ich als jugendliche Delegierte jahrelang die Klimakonferenzen der Vereinten Nationen besucht hatte, habe ich Regierungen rund um die Erde dabei beobachtet, wie sie kurzfristige Energie-Effekte dem langfristigen Wohlergehen des Planeten und meiner Generation vorzogen. Obwohl sich 195 Nationen verpflichteten, die Treibhausgas-Emissionen schnell zu reduzieren, um das Ansteigen der CO2-Emissionen so weit zu begrenzen, dass sich die Durchschnittstemperaturen um weniger als zwei Prozent im Vergleich zum Niveau der vorindustriellen Zeit erhöhen, sind viele Länder weit davon entfernt, ihre Ziele zu erreichen. In Kanada haben beispielsweise die gegenwärtigen politischen Entscheidungen nicht nur keine Reduzierung, sondern sogar eine Steigerung der Treibhausgase bewirkt. Der letzte nationale Bestandsbericht verzeichnete einen Anstieg der Emissionen von 2016 auf 2017 um acht Millionen Tonnen oder ein Prozent.

Dieses mangelnde Verantwortung greift weltweit um sich, jedoch sind nur wenige Systeme so frei, dies beim Namen nennen zu können. Obwohl die Klimastreitereien immer neuen Anlass zu Klimaaktionen mit hunderten von Fällen rund um die Erde geben, haben diese doch nur einen geringen Handlungsspielraum: Nur die heutige Generation hat das legale Recht zu klagen und tut das auch. Aber sie muss beweisen, welchen Einfluss die Dinge auf sie haben oder haben werden. Im Zusammenhang mit dem Klima gibt es aber das Problem, dass die Wirkung der Treibhausgase Jahrzehnte braucht, ehe sie deutlich zutage tritt. So ist es unglaublich schwierig, die Luftverschmutzung durch heutige Aktivitäten anzugreifen, wenn man deren Folgen noch gar nicht sieht. Deshalb fühlen sich die Regierungen auch nicht besonders unter Druck, ihre Ziele einzuhalten oder gar gravierende Veränderungen einzuleiten.

Ich habe mich entschieden, Jura zu studieren, weil ich große Hoffnung habe, dadurch etwas verändern zu können. Eine Lösung von vielen ist nämlich, das Recht der jungen Generation auf eine gesunde Umwelt offiziell anzuerkennen. So entsteht das Recht, Klima-Untätigkeit vor Gericht zu bringen und Regierungen durch internationale Gesetzgebung in der Verantwortung zu halten, ihre Ziele auch umzusetzen. Wenn eine Regierung dann nicht hinreichend aktiv wird, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, tut sie nicht genug, um Unheil von kommenden Generationen fern zu halten, verletzt also deren Recht auf eine gesunde Umwelt.

Das Problem dabei ist die rechtliche Situation kommender Generationen – besser, das Fehlen einer solchen, weil es keine identifizierbaren Individuen gibt, auf die man sich beziehen könnte. Obwohl es leicht ist, die fundamentale Bedeutung einer gesunden Umwelt für die künftigen Menschen zu begreifen, erkennt das Gesetz sie nur widerwillig an, weil die meisten der Betroffenen noch gar nicht geboren sind. Wie oder wann sie die Folgen des Klimawandels erfahren werden, ist nicht klar. Dennoch repräsentieren sie unsere Kinder, Enkel und Urenkel. Es ist also sehr gut vorstellbar, dass wir am Ende des Tages die Pflicht haben, sicherzustellen, dass sie den Planeten in einem Zustand übernehmen, der vergleichbar zu dem unseren ist.

Diese Denkweise hat in einer Handvoll Staaten dazu geführt, dass man beginnt, solche Rechte anzuerkennen, zumindest in einer begrenzten Form. Besonders bekannt ist der Fall Oposa gegen Factoran. Der oberste Gerichtshof der Philippinen hat eine Sammelklage im Auftrag kommender Generationen gegen Abholzungsgenehmigungen akzeptiert. Insbesondere hat das Gericht festgestellt, dass wir natürliche Ressourcen treuhänderisch zum Wohle gegenwärtiger und kommender Generationen verwalten, dass folgerichtig die Regierung in der Verantwortung steht, diese zu schützen. Ein ähnlicher Fall wurde 2015 in Pakistan verhandelt. Ein siebenjähriges Mädchen, vertreten durch ihren Vater, reichte Klage gegen den Staat ein wegen Verletzung der verfassungsgemäßen Rechte der heutigen Jugend und kommender Generationen durch ihrer Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel. 2016 erlaubte der oberste Gerichtshof, die Klage weiter zu führen. Sie ist noch nicht entschieden. Verschiedene Klagen gegen die Regierungen der USA, Kanadas und Großbritanniens laufen zurzeit ebenfalls.

Obwohl er begrenzt und oft sehr langsam ist, ist die Fähigkeit des Rechtsweges, Normen, Gesetze und Verhalten zu modifizieren oder zu stärken, beträchtlich. Durch gesetzgebende und administrative Entwicklungen ebenso wie durch juristische Interpretationen der Verfassung hat das Recht die Möglichkeit, den Weg für soziale Transformation zu formulieren. Nehmen wir nur den Fall Edwards gegen Kanada – einen berühmten Fall aus dem Jahr 1928, der Frauen den Weg in den Senat ebnete. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Frauen nicht als ‚Personen‘ im Sinne der Verfassung anerkannt gewesen. Die Entscheidung beseitigte eine Grenze in der Frage, wer im Sinne der Verfassung eine Person ist und stellte sicher, dass Frauen wegen der engen Interpretation dieser nicht länger Rechte verweigert wurden.

Es hat Vorteile, Rechtsstandpunkte zu klären und und Rechte zuzugestehen. Trotz all ihrer Mängel werden Gerichtsentscheidungen oft als rechtmäßig, verbindlich und einprägsam wahrgenommen, weil die Rechtssprechung unabhängig ist. Und Gerichtsentscheidungen setzen nicht selten Präzedenzfälle für die Zukunft.

Natürlich erreicht das Recht das nicht aus eigener Kraft. Normalerweise passiert so etwas aufgrund einer Veränderung der gesellschaftlichen Werte. Für mich ist so eine Veränderung durch die Klimabewegung gerade sehr deutlich geworden. Eine zunehmende Zahl Jugendlicher rund um die Erde kommt zusammen, um ihre Regierungen zu konsequenteren Aktionen gegen den Klimawandel zu drängen und so katastrophale Effekte zu vermeiden. Sie üben zivilen Ungehorsam, wie etwa Schulstreiks, und haben Klagen angestrengt, um umweltverschmutzende Aktivitäten zu bekämpfen und kraftvollere politische Antworten darauf zu fordern.

Ich hoffe, dass Richter und Entscheidungsträger diese Stimmen nun bald hören; sie werden doch immer lauter. Das langsame Voranschreiten der Klimaveränderung und die Schwierigkeiten, Verantwortlichkeit von einer Generation zur nächsten zu übertragen, machen es nötig, neue Gesetzesgrundlagen zu entwickeln, die die Rechte und Verantwortung intergenerationeller Gerechtigkeit feststellen, einführen und so untermauern. Die formale Anerkennung der Rechte kommender Generationen würde den Umfang von Klima-Rechtsstreitigkeiten erweitern und heutigen Klägern ermöglichen, in ihrem Sinne aktiv zu werden. Obwohl dies nur ein Weg von vielen ist, um Klimagerechtigkeit zu erreichen, würde die Achtung der Rechte kommender Generationen auf eine gesunde Erde dauerhaften Einfluss auf rechtliche und politische Entscheidungen kommender Jahrzehnte haben.“

Nun die Antwort der künstlichen Intelligenz zur Frage: Welche fundamentalen wirtschaftlichen und politischen Veränderungen, wenn überhaupt, sind nötig für eine effektive Antwort auf die Klimaveränderung?

undefined„Wollen wir die selben Wege wie in den letzten Jahrzehnten ohne irgendwelche Veränderungen gehen?

Gibt es einen Weg, ein nachhaltiges Energiesystem aufzubauen, das beides leistet: bezahlbar und umweltverantwortlich zu sein? Die Grundannahme hinter diesem Artikel ist, dass wir die Wirtschaftlichkeit unserer Energieversorgung verändern, indem wir in die nötige Infrastruktur investieren, mit dem Ziel, dass sie für alle bezahlbar wird.

In unserer Welt ständigen Wachstums gibt es eine Fülle von Energie und die Mittel, die Mengen davon verfügbar zu machen, die wir brauchen. Wir sind uns der Tatsache sehr bewusst, dass nicht alle Menschen über genug Geld verfügen, um nachhaltig Energie zu erzeugen, zu speichern und zu nutzen. Der Grund? Wir sind diejenigen mit den Möglichkeiten, sie zu nutzen, wir sind die, die die wirtschaftlichen Voraussetzungen dazu schaffen können, und wir sind auch die, die Produktionsmittel besitzen und benutzen werden. Der einzige Grund, warum wir es nicht tun ist, dass uns das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen nicht vollständig klar ist.

Warum ist das wichtig?

Es muss eine fundamentale Veränderung der Paradigmen stattfinden, die uns zwingt, nachhaltige Energiesysteme in dem Maß einzuführen, wie es nötig wäre. Die Welt entfernt sich von fossilen Brennstoffen und beginnt, völlig neue, saubere Energiequellen zu erschließen. Die Welt muss ein System erfinden, das die wirtschaftlichen Möglichkeiten der arbeitenden Bevölkerung maximiert.

Das erste Mal in der Geschichte besteht nun die Möglichkeit, energiewirtschaftlich unabhängig zu werden, allen Menschen weltweit zu erlauben, gemeinsam an der wirtschaftlichen Chance zu arbeiten, die wir alle seit Jahrzehnten suchen. Mit diesem Paradigmenwechsel im Hinterkopf ist es jetzt vielleicht an der Zeit, einen Moment darüber nachzudenken, was wir anders machen können.

Ist es möglich, eine Wirtschaft aufzubauen, die genug Energie produziert, um alle Menschen auf dem Planeten zu ernähren? Ist es möglich, ein System zu entwickeln, das weder fossile Brennstoffe, noch Atomkraft braucht und doch das Potential hat, die wirtschaftlichen Möglichkeiten aller Menschen zu maximieren? Untersuchen wir diese Fragen und warum die so wichtig sind.

Was brauchen wir?

Wir wissen seit langem, das die Kohlenstoffemissionen rapide ansteigen, teilweise wegen technologischer Neuerungen, einschließlich solcher, die die reichhaltigen Ressourcen der Erde an Kohle nutzen. Aber was kann getan werden, um das Tempo des globalen Wachstums zu verlangsamen, vielleicht sogar zu stoppen? Und was, wenn überhaupt, muss verändert werden und eine nachhaltige langfristige Lösung für das Problem des Klimawandels zu erreichen?

Eine Anzahl von Faktoren wurden vorgeschlagen. Einer davon ist es, das Modell der Entwicklungsökonomie zu überdenken. Damit zusammen hängt das wachsende neue Paradigma der Energieeffizienz. Eine effizientere, weniger energieintensive Art zu wirtschaften schließt eine Veränderung im Denken über die Wirtschaft und den sozialen Kontext der globalen Erwärmung ein, sowie die Bedeutung der CO2-Reduzierung in einer sich verändernden Umwelt. Schließlich sollte festgehalten werden, dass viele Länder ihren Kohlenstoffausstoß reduziert haben, einige aber immer noch einen stärkeren Emissionanstieg haben als andere.

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat vorgeschlagen, sich dem Klimawandel auf drei Wegen zu nähern: Regierungen reicher uznd armer Länder suchen Wege, Emissionen zu reduzieren. Die Entwicklungsländer unternehmen Schritte, um sich dem Klimawandel anzpassen. Das IPCC stellt außerdem fest, dass der beste Weg, mit dem Klimawandel umzugehen die Anpassung an Wandel und Abschwächung ist. Aber wie werden wir antworten?

Obwohl der IPCC Bericht die verständnisvollste und verständlichste umfassende Bewertung des Klimwandel-Probems ist, liefert er dennoch ein unvollständiges Bild. Er hat eine Anzahl wichtiger Maßnahmen vorgeschlagen, aber seine Forderunen basieren auf unvollständigen Annahmen. Wahrscheinlich wird viel mehr nötig sein, bevor das Ziel erreicht wird, und einige Probleme, die der IPCC-Report nennt, werden sehr real werden.

Ein wichtiger Schritt wäre zu untersuchen, wie wir auf die globale Erwärmung reagieren können, indem wir Schritte unternehmen, um die Emissionen des Energiesektors um 20 Prozent im Vergleich zum Niveau von 2005 zu senken, die des Transportsektors um 30 Prozent. Der IPCC könnte helfen, den globalen Bezugsnahmen festzulegen und sicherzustellen, dass die Vereinigten Staaten und andere entwickelte Nationen in der Lage bleiben, damit umzugehen und die Herausforderung kosteneffektiv und nachhaltig zu meistern.

Die Antwort könnte in einer anderen Welt liegen.

Um die Zunahme der Weltbevölkerung zu verkraften, wird der Wert der Gesundheit des Planeten im gleichen Tempo wachsen. Das bedeutet, dass, wenn nicht massive und schnelle Verbesserungen in der Technologie zur Nutzung der immensen Produktivität der Ressourcen der Erde stattfinden, ist die Zukunft der Erde in ernster Gefahr. Die Ressourcen werden abnehmen, die Weltbevölkerung wird rapide anwachsen und ein neuer Typ von Naturkatastrophen wird zunehmend wahrscheinlich.

Die schnelle Zunahme des Wohlstandes der Welt wird die zur Verfügung stehende Menge an Energie für Erhaltung und wirtschaftliche Entwicklung senken. Deshalb wird durch die Menschen das CO2 in der Atmosphäre zunehmen. Das wiederum wird mehr extremes Wetter, zunehmende und gewaltsamere Konflikte sowie große Dürren verursachen. Das wird das Risiko von Hungersnöten, von Seuchen und Infektionen erhöhen. Zusätzlich wird wachsendes Einkommen und Wohlstand mehr Menschen erlauben, in die Städte zu kommen und so mehr Formen von Umweltverschmutzung hervorrufen.

Global werden die Folgen der Erderwärmung schlimmer und flächendeckender, sie werden neue Bedingungen für Umweltzerstörungen hervorrufen mit mehr extremen Wettervorkommnissen, ernsten Dürren und häufigeren, gravierenden Wetterkatastrophen.

Wir müssen dieses Risiko für die Zukunft der menschlichen Zivilisation erkennen und jetzt reagieren. „

In der Wüste Ägyptens: Gott ist zu groß für einen Namen

Ende Oktober ist nicht mehr Sommer, auch nicht in Ägypten. Die Sonne geht früh unter, und trotz Temperaturen über 30 Grad braucht meine Haut keinen Sonnenschutz mehr. Angenehm warm ist es, als wir starten: Nur Ahmed und ich. Auf dem Quad. Durch die Wüste.

Ich soll ein Arafat-Tuch um den Kopf wickeln, wegen des Staubs. Aber aus dem Alter, freiwillig lustige politische Demonstrationen zu machen, bin ich raus. Ich habe ein weißes Tuch dabei. Von einem Wüstenbesuch in Tunesien vor Jahrzehnten. Ein Arafat-Tuch kaufe ich trotzdem: Mitbringsel für die Tochter einer Freundin. Helm auf, Startknopf drücken und los geht es.

Als wir aus der Garage fahren, sehen wir andere Reisegruppen starten: Eine mit rund 15 Teilnehmern fährt in Reih und Glied hintereinander gerade los. Der Letzte tut mir leid. Ob er außer Staub überhaupt was sieht? Eine andere große Gruppe ist mit Jeeps bereits gestartet. Nach etwa zwei Kilometern treffen wir sie wieder: Ein Fahrzeug ist in Flammen aufgegangen und brennt völlig aus. Die anderen Autos sind schon weiter gefahren. Wir werden sie später wieder sehen, wenn sie zum Fotostopp halten.

Mit dem Quad durch die Wüste – nicht den ausgetretenen Pfaden der Anderen folgen, sondern eigene Wege gehen – das war das Versprechen. Ich sehe auf den ersten Blick: Hier sind alle Pfade ausgetreten. Direkt nach dem letzten Haus von Hurghada beginnt die Wüste, und in ihr tummeln sich Touristenmassen. Aber ich habe keine Zeit, enttäuscht zu sein: Ahmed nimmt Fahrt auf, und ich habe Mühe, ihm zu folgen.

Auf den ersten Blick scheint alles glatt und eben. Aber das ist es nicht: Die Wüste besteht aus Steigungen und Böschungen, es gibt stattliche Bodenwellen, und überall liegen dicke Steine herum. Sie stammen von den spitzen, morschen Bergen, die die Ebenen umranden. Ich entdecke halbrunde Hügel mit Einfahrten: Militär hat sich hier überall eingegraben. „Ja, in Ägypten gibt es sehr viel Militär“, sagt Ahmed. „Leider“.

Wir fahren schnell Richtung Westen. Es schüttelt mich durch. Keine Zeit, an meine arme Lendenwirbelsäule zu denken: Das Licht beginnt, mich gefangen zu nehmen. Der junge Mann vor mir fährt in einer Fontäne aus Staub. Staub scheint sich auch aus dem Raum zwischen Armen und Körper zu ergießen – im Gegenlicht sieht das wundervoll aus: Als nehme das Licht Gestalt an und fließe um den Körper und das Gefährt vor mir. Ich bin verzaubert und vergesse stellenweise, schräg hinter meinem Vordermann zu bleiben, um nicht reinen Staub einatmen zu müssen.

Zuerst erscheinen sie blau, dann werden sie langsam dunkler: Die Silhouette der Berge vor uns kommt näher. Ich sehe, dass sie aus Schotterhalden über einem festen Kern bestehen. An manchen haben sich Sanddünen gefangen: Was für ein schönes Licht! Ich möchte anhalten, in Ruhe fotografieren. Aber es geht nicht. Ahmed ist schon fast außer Sichtweite. Also rase ich los und genieße das Glücksgefühl, das sich meiner bemächtigt: Ob sie sich so gefühlt haben, die begeisterten „embedded journalists“, die 2003 an Bord der US-Panzer durch die irakische Wüste rasten? Was für ein hässlicher Gedanke. Ich schüttele den Kopf, rücke Tuch und Helm zureckt und nehme mir vor, beim Rückweg auf jeden Fall an dieser Düne anzuhalten.

Viel zu schnell kommen wir an ein mit großen Steinblöcken umgrenztes Feld. Dahinter einige Verschläge aus Palmwedeln und Stroh, zwischen ihnen ein Spitzzelt, dem ich zutraue, auch einen Regenschauer zu überstehen. Auch die Schafe und Ziegen, die etwas weiter entfernt beisammenstehen, haben so einen Palmwedel-Stroh-Verschlag als Schutz vor der Sonne. Wir halten vor einem anderen und gehen hinein.

Uns folgt eine dunkel gekleidete Frau, von deren Gesicht nur die Augen erkennbar sind. Die aber lächeln, während sie beginnt, vorbereiteten Teig auszurollen und schnell über dem Feuer zu backen. Ich soll essen. In winzigen Blechtässchen wird starker schwarzer Tee gereicht. Nein danke, für mich trotzdem ohne Zucker. Das Brot schmeckt frisch und gut, und Ahmed beginnt, in singendem Tonfall zu erzählen: Von der arabischen Wüste links und der Sahara rechts des Nils. Davon, wie Wüstenbewohner mit Hilfe ihrer Kamele Wasser finden. Er wird unterbrochen: Die Frau weist darauf hin, dass sie etwas zu verkaufen hat.

Natürlich. Ich stehe auf und betrachte aus kleinen Perlchen gebastelte Armbänder und Halsketten, rieche an Duftöl in kleinen Plastikdosen. Na klar, ich kaufe ein. Für umgerechnet zehn Euro erstehe ich allerlei Schmuck. Mein Versuch, selbst Brot mit dem Holzstück auszurollen, scheitert kläglich. Es geht halt nicht, wenn ich mich gleichzeitig unterhalte.

Und schon müssen wir weiter.

Ich bitte Ahmed, an dieser Sanddüne anzuhalten. Die Sonne steht schon tief. Er hält nicht. Aber ich. Wie so oft auf meiner ganzen Ägypten-Reise, ärgere ich mich, dass nirgendwo genug Zeit ist, eine Stimmung zu erfühlen, in Ruhe den rechten Standpunkt für das schönste Licht zu suchen. Ich fotografiere also, und Ahmed kehrt ungeduldig um. „Jalla, die Sonne geht gleich unter!“ Jaja, ich komme schon.

Wir schaffen es nicht mehr zu dem niedrigen Hügel, von dem aus wir den Sonnenuntergang bewundern wollten und halten mitten in einer riesigen, kahlen Fläche. Und da geht er auch schon zwischen den Bergspitzen davon, der glühende Feuerball, und mit dem Licht entschwindet sofort die restliche Wärme. Mich fröstelt, ich ziehe eine Weste an. „Du hast viele Sachen dabei,“ staunt zum wiederholten Mal Ahmed. Ja, stimmt. Die Gopro umgeschnallt, die Canon EOS 6D im Rucksack, das Handy für die abendlichen Postings, Wasser, die Jacke… Er nimmt die Kamera in die Hand. „Boah, ist die schwer. Warum tust du dir das an?“ Na weil ich gute Bilder machen will, warum sonst. Und nein, ein Handy macht eben nicht genau so gute Bilder.

„Du musst jetzt wirklich hinter mir fahren“. Ahmed winkt entschlossen, und ich schere ein. Ja klar. Wir nähern uns unserem Ausgangspunkt. Am Horizont zieht in einer Staubwolke die Karawane der anderen Quadfahrer vorbei. Rechts von uns rasen die Jeeps heran. Und schon sind wir zurück. Hinter den Bergen ruht noch glutrot der Widerschein unseres wärmenden Sterns. Er wird schnell blasser. Die Nacht bricht an.

„Sag mal“, fragt Ahmed im Auto Richtung Rücksitz: „Glaubst du an Gott?“

Hm. Ich bin überrascht. „Ja, würde ich schon sagen“, antworte ich. „Aber ich glaube weder an den Gott der Bibel, noch an den des Koran.“ „Woran glaubst du dann?“ „Ich bezeichne mich als Buddhistin.“

„Ah. Hauptsache, du glaubst an Allah. Das ist sehr wichtig.“ Ich verzichte darauf, die Philosophie des Zen zu erklären, sage statt dessen: „Ich finde es ziemlich egal, wie wir Gott nennen. Er ist ohnehin viel zu groß, um einen Namen zu haben.“ Ahmed denkt nach. Ja, eigentlich kann er da zustimmen. Und auch wieder nicht. Ihm ist etwas anderes wichtig. Zu viele Menschen haben einen falschen Eindruck vom Islam. „Im Koran steht nicht, dass Mohammed der einzige Prophet ist,“ sagt er. „Der Koran akzeptiert viele Propheten.“

Ich berichte von den Schwierigkeiten, die wir in Deutschland mit radikalen Muslimen haben und ihrer Interpretation des Koran. „Hast du islamische Bücher?“ will Ahmet wissen. Ja, ich habe verschiedene. Darunter auch den Koran. Aber das Thema Flüchtlinge ist für mich nicht fertig. Ich erzähle von dem Stress, den wir zum Beispiel in Badeanstalten haben, weil muslimische Frauen in Burkinis baden, und dem Aufstand, den Muslime regelmäßig machen, weil Männer und Frauen in meiner Heimat so viel mehr zusammen tun, als in ihren Herkunftsländern. Ahmed denkt nach. „Weißt du,“ sagt er, „ich denke, dass diese Flüchtlinge, die jetzt alle zu euch kommen, in ihrem eigenen Land Loser waren. Sie kommen aus den ärmsten Gegenden, haben dort keine Bildung genossen und nichts erreicht. Deshalb haben sie sich auf den Weg zu euch gemacht.“ Hm. Ich finde, er hat Recht. Zu viele der Immigranten in unserem Land sind Armutsflüchtlinge. Sie suchen einfach ein besseres Leben. Ich denke an all diese Boote voller junger schwarzer Männer und frage mich, wie wir sie alle integrieren sollen, ob sie sich überhaupt integrieren wollen.

Wir reden weiter. Über die Frage, ob Gott einzig oder mehrfach ist. Über die heiligen Bücher. Und über die Macht, die Menschen mit Hilfe der heiligen Bücher über andere Menschen auszuüben versuchen.

Viel zu schnell sind wir wieder am Hotel. Der Sicherheitsdienst sieht uns zu, als wir uns verabschieden: Mit der Hand auf dem Herzen, und ehrlich dankbar, ein offenes Gespräch geführt zu haben.

Das war schön.

So müsste es öfter sein.

Dann gäbe es keine Kriege.

Ein alter Wunsch ist wieder in mir wach: Ich möchte richtig in die Wüste. Mehrere Tage lang. Vielleicht mit einer Karawane reisen, solange mein Körper es noch mitmacht. Und die Menschen kennen lernen. Authentisch.

Riffe, Delphine und die Zeugen vergangener Kulturen

Zwei Dinge gibt es, die man in Ägypten unbedingt tun sollte: Im Roten Meer schnorcheln oder tauchen – und die unglaublichen Zeugen vergangener Hochkulturen bewundern. Eine Woche ist knapp, um all das zu verwirklichen, aber man kann es ja versuchen: Zum Beispiel durch das Buchen einer Tour, die das Schwimmen mit Delphinen im Meer verspricht – sofern die Delphine Lust haben.

Um es kurz zu machen: Die Delphine hatten keine Lust. Und ich kann das bestens verstehen.

Schon am Hotelstrand war ich erstaunt über all diese Boote. Abends „parkten“ sie in langen Reihen an Stegen, morgens liefen sie in Massen aus, und den ganzen Tag über lag wohl ein halbes Dutzend von ihnen an der Riffkante, die vom Strand aus gut zu sehen war.

Das Rote Meer verfügt zwar über warmes Wasser, aber die Wassertemperaturen sind nicht zu vergleichen etwa mit jenen in der Karibik. Im Sommer mögen es 28 Grad werden, im Herbst sind es noch 24, im Winter deutlich weniger. Womöglich ist das jedoch der Grund, dass die wunderschönen Unterwassergärten überall so voll prallen Lebens sind. Die gefürchtete Bleiche ist nur an wenigen Stellen zu sehen, die sehr dicht unter der Wasseroberfläche liegen, ansonsten sind die vielfältigen Korallen weitgehend unversehrt. Um sie herum tummeln sich Unmengen von Fischen – Seeigel oder Seesterne sieht man dafür kaum.

Delphine gibt es auch (noch) viele. Dass es sie dort noch gibt, kann den unbedarften Urlauber nur verwundern. Denn auf sie wird in einer Art und Weise Jagd gemacht, die jedem Tierfreund die Haare zu Berge stehen lässt. Wo auch immer unsere Yacht auftauchte: Mindestens ein halbes Dutzend anderer Boote waren schon da. Einige hatten Schlauchboote voller Schnorchler zu Wasser gelassen; bereit, sich bei Ansicht eines Delphins in die Fluten zu stürzen. Bei anderen saßen die Schnorchler in voller Ausrüstung auf der Rampe. Ich sah sie im Dutzend von der fahrenden Yacht springen, als endlich Delphinköpfe auftauchten, um Luft zu holen. Was taten wohl unsere klugen Brüder der Meere? Sie tauchten wieder unter und wurden nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich haben sie sich untereinander darüber lustig gemacht, dass diese trampeligen Erdbwohner tatsächlich dachten, sie könnten ihnen das Wasser reichen….

Aber im Ernst: Was dort passiert, ist Tierquälerei und wird die Delphine auf Dauer ausrotten. Unter Wasser herrscht ein unglaubliches Getöse der ganzen Motoren. Und diese Gruppenjagd auf die armen Tümmler… Ab 2020 erhöht die ägyptische Regierung die Preise für Tourenanbieter drastisch. Vielleicht dämmt das die Aggression ein wenig ein.

Vor lauter Suche nach den Delphinen hätten wir fast das Schnorcheln vergessen. In über 12 Stunden auf dem Wasser hielten wir an zwei Spots, die allerdings tatsächlich ergreifend schön waren: Langgestreckte, steil abfallende Riffe im insgesamt nicht sehr tiefen Meer voller blühenden Lebens. Leider ist es nicht ungefährlich, dort zu schnorcheln: An den Rändern der Riffe gibt es starke Strömungen, der Seegang kann nachmittags recht stark werden, ungeübte Schwimmer ermüden schnell und müssen per Schlauchboot eingesammelt werden. Deshalb mussten wir alle dem Guide folgen – und ich war mal wieder ernüchtert: Keine Chance, am richtigen Punkt einfach zu verweilen und zu genießen, so gut wie keine Möglichkeit, das Licht richtig einzufangen.

Aber: Unser Anbieter hatte einen Fotografen an Bord. Der übernahm, was Schnorchlern generell schwer fällt: Gesichert durch Schwimmer und Leine tauchte er am Riff herab und nahm die bunte Meeresfauna im Detail auf. Die Bilder konnten wir anschließend käuflich erwerben. Sie sind in mein Video eingeflossen. Dieser Fotograf hielt auch unsere Begegnung mit einem Walhai im Bild fest. Sie fand statt, als die meisten von uns die nasse Badekleidung bereits abgelegt hatten – wie schade. Der Riese war völlig entspannt.

Sollte ich wieder ans Rote Meer kommen, werde ich die Delphine in Frieden lassen. Aber ich werde schnorcheln, was das Zeug hält: Schönere Riffe habe ich bisher nur auf den Malediven gesehen.

Von Hurghada nach Kairo – hm. Es gibt Angebote, die Tour per Kleinbus zu machen, aber der Weg ist dafür schlicht zu weit. Bereits nach Luxor ist es eine Höllentour: Man ist rund 16 Stunden unterwegs, wobei mehr als die Hälfte der Fahrt geschuldet sind. In Luxor dann gibt es die Qual der Wahl: Jede Menge Tempel und Gräber. Nicht in einem, auch nicht in zwei oder drei Tagen befriedigend zu erforschen. Aber man kann es ja versuchen.

„Die Mumie kehrt zurück“ – war das nicht Amun Re, um den es im Buch/Film geht? Der Karnak-Tempel ist dem Sonnengott gewidmet und eine eindrucksvoll große Kultstätte. Nach kurzer Einführung durch den Guide haben wir gerade mal 30 Minuten Zeit, durch einen Teil des größten Tempels Ägyptens mit einer Fläche von rund 30 Hektar zu laufen: der reine Stress. Und dennoch: Die zahlreichen Säulen, die unglaublich gut erhaltenen Inschriften, die dunkle „Kapelle“ in der Mitte mit ihrem fast schwarzen „Altar“: Eindrucksvoll und in jeder Hinsicht groß. So oft habe ich in Paris den Place de la Concorde umrundet. Dass der Obelisk in seiner Mitte aus diesem ägyptischen Tempel stammt, wusste ich bis vor kurzem nicht.

Im Schnellverfahren lernen wir etwas über Grundsymbole der ägyptischen Bilderschrift, über Säulen, Obelisken, Dynastien – und schon geht es weiter. Auf einem Ausflugsschiff setzen wir über den Nil – und staunen: In Luxor gibt es so manchen Luxus. Auch Privatwohnungen mit Terrassen zum Nil und dem eigenen Boot davor. Massenabfertigung beim Mittagessen auf der anderen Seite. Ich beschränke mich auf das wirklich gute Brot – traue der Küche nicht.

Und weiter zum nahegelegenen Tal der Könige: Ein Kessel zwischen steilen Kalksteinfelsen. Wenn die Touristenmassen es durch den Basar mit unendlich aufdringlichen Händlern geschafft haben, erwartet sie eine informative Eingangshalle. Von dort aus geht es mit kleinen Bähnchen hinauf zu den Gräbern. Sie liegen dicht beieinander, und man hat die Qual der Wahl. Es gab elf Pharaonen namens Ramses – welchen wählt man? Oder soll man 10 Euro extra zahlen, um das Grab des Tutanchamun zu sehen? Der Guide rät ab: Da der Pharao sehr jung gestorben ist, es es ein sehr kleines Grab. Wenig ansehnlich bis auf die Mumie des Pharaos, die dort immer noch ausgestellt ist. Er reicht ein Foto rund. Ok. Ich habe genug gesehen.

Der Guide sucht aus: Dreimal Ramses. Die Wahl ist gut. Das Durchlaufen weniger: Grade mal zehn Minuten werden uns pro Grab zugestanden. Ich beginne, mich wirklich zu ärgern. 15 Euro kostet eine Lizenz, wenn man nicht mit dem Handy, sondern einer richtigen Kamera fotografieren will. Man muss das Papier am Eingang jedes Grabes vorzeigen, und wird im Innern ständig von Aufsehern belästigt, die erst die Lizenz sehen und dann gegen ein Trinkgeld durch die Räume führen wollen. Unmöglich, sich all den Eindrücken zu ergeben, die auf den Besucher einstürmen: Herrliche Wand- und Deckenmalereien. Ganze Bildergeschichten vom Leben der hier Beerdigten; erklärende Tafeln, mystische Beleuchtung.

Ich bewundere, wie sorgfältig hier restauriert wurde, wie die Farben nach Jahrtausenden noch leuchten – sehe die Steinmetze arbeiten, Prozessionen einziehen, die den toten Pharao bringen, möchte bleiben, die inneren mit den äußeren Bildern verbinden, und muss schon wieder raus. Beim dritten Grab bin ich richtig sauer und bleibe einfach länger – nur um anschließend die Anderen im improvisierten Café sitzen zu sehen. Aha. Dafür war also Zeit.

Wir müssen weiter, und zwar schnell. Der Tempel der Hatschepsut schließt um 16 Uhr. Es ist nicht weit, nur einmal um den Berg herum. Auf der anderen Seite der gleiche Steilhang, unter dem flach in drei Terrassen der Tempel liegt. Wieder eine blitzschnelle theoretische Einführung: Ich lerne, dass die Kuh ein Zeichen für Mütterlichkeit, Gebärfähigkeit und Wohlstand ist, dass Hatschepsut, der einzige weibliche Pharaoh, zwar Männerkleider trug, aber durch geheime Zeichen ihre Weiblichkeit doch darstellen ließ. Ihr Stiefsohn Tutmosis III und weitere Nachfolger ließen fast alle Abbildungen von ihr vernichten. Aber wer genau hinschaut, kann sie noch erkennen.

Ganz oben ist ein „Allerheiligstes“, das erst seit gut einem Jahr der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Die Guides werden am Eingang gebeten, hier bitte keine lauten Erklärungen zu geben. Ich gehe achtsam hinein, bestaune den gewölbeähnlichen Sternenhimmel und will mich einfühlen – da tritt ein lauthals telefonierender polnischer Wichtigtuer im Maßanzug auf und lässt sich von seiner demütigen Entourage in Siegerpose fotografieren. Die Polen sind an dieser Ausgrabungsstätte federführend. Ich versuche, ihn mit Blicken zu töten – es dauert Minuten, bis er begreift und sein Handy mal schweigend zum Fotografieren nutzt. Und schon ist die Zeit wieder um.

Der ärgerliche Guide wartet unten: Er möchte pünktlich Feierabend machen und fürchtet den abendlichen Stau in der Stadt. Wir fahren los. Es wird 21 Uhr sein, wenn wir zurück sind. Die Rückfahrt wird zur Qual: Müde Beine, keine Möglichkeit, diese auszustrecken und beim erzwungenen Stopp an einer Gaststätte unterwegs werden wir von einem halben Dutzend voll verschleierter junger Frauen körperlich massiv bedrängt: Sie wollen Geld. Als sie nicht genug bekommen, schlagen sie ihren Eseln mit Stöcken ins Gesicht und zwingen sie, ihren eigenen Kot zu fressen. Ich würde am liebsten zuschlagen, bin ziemlich bedient und schließlich froh, zurück im schützenden Hotel zu sein.

Ob es wohl Sinn macht, die Anlagen in Eigenregie zu besichtigen? Oder kann man sich der ganzen Geldforderungen dann gar nicht mehr erwehren? Wenn man dann noch nach Kairo möchte, um die Pyramiden zu sehen und im Roten Meer schnorcheln will, braucht man vier Wochen, um sich wohl zu fühlen. Kann ich mit dem aggressiven Bakschisch-Fordern so lange umgehen? Ich weiß es (noch) nicht.

Herbst: ‚Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben’…

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

-Rilke-

Wie finde ich heraus, was ich mit meinem Leben tun soll?

Ray Dalio (* 1. August1949) ist ein US-amerikanischer Unternehmer und Hedgefonds-Manager. Der Multi-Milliardär gehört zu den reichsten Männern der Welt. 
Dalio studierte an der Long Island University und an der Harvard Business School. Er gründete 1975 das Hedgefondsunternehmen Bridgewater Associates. Ray Dalio ist verheiratet, hat vier Kinder und wohnt mit seiner Familie in Greenwich, Connecticut.  

Die Meinung des 69jährigen zur Lage an den weltweiten Finanzmärkten wird international geschätzt. Im Firmennetzwerk LinkedIn stellte ihm jetzt ein Nutzer eine interessante persönliche Frage: 

„Was ist, wenn man keine Ahnung hat, was man mit seinem Leben anfangen soll? Ich bin 31 Jahre alt und habe immer noch keine Sch..  Ahnung.“

Antwort Dalios: „Es ist verständlich, dass du mit 31 nicht sicher bist, was du mit deinem Leben machen willst, obwohl du dich wahrscheinlich daran geben solltest, bald etwas ernsthaft auszuprobieren. Nicht selten sind Menschen in diesem Alter sicher  zu zuversichtlich, weil sie auf einem gleichmäßigen Weg sind, ohne die Notwendigkeit, viel zu erforschen. Auf der anderen Seite sind die Menschen manchmal verwirrt über die Vielfalt der Wahlmöglichkeiten. Das Leben ist ein Sammelsurium von Möglichkeiten. Man kann nicht alle probieren, nur um sicherzustellen, dass man die beste Wahl trifft.

Frage dich, ob der Grund, warum du nichts entschieden hast 

a) ist, dass du bisher nichts gefunden hast, was dich wirklich begeistert, oder

b) dass du dich nicht entscheiden kannst, weil dich so viele Dinge  gleichzeitig begeistern.

Im Fall von a) hast du wahrscheinlich grundsätzlich ein Problem, dich für irgend etwas zu begeistern, denn das Leben hat dich ganz sicher in Kontakt mit genügend Themen in Kontakt gebracht, für die es sich zu brennen lohnt.

Im Fall von b) mache dir klar, dass du niemals wissen wirst, ob du für dich selbst das Beste gewählt hast – und dass das Warten auf Gewissheit die Reise eines Narren ist, weil du die Wahrheit nie erfahren wirst. Also bleibe bei etwas, das dich begeistert; so lange, bis dies nicht mehr der Fall ist. Falls du  denkst, dass du nicht genügend Gelegenheit hattest, zu sehen, was für dich  passt, schlage ich vor, zu experimentieren und Persönlichkeitstests zu machen, um herauszufinden, was für ein Mensch du bist und welche Bereiche geeignet für dich sein können. Dann solltest du dich zwingen, eine Wahl zu treffen und Erfahrungen zu machen, so lange wie dir das gut tut. Fang an und geh vorwärts – in der Gewissheit, dass du jederzeit deine  Meinung ändern und umschwenken kannst.“ 

Über 800 Leser reagierten innerhalb kurzer Zeit begeistert von der Antwort des erfolgreichen alten Mannes. Einige ergänzten die Ratschläge durch Buchvorschläge (leider alle in englisch) und persönliche Ratschläge: 

„Stelle dir selbst drei Fragen, und antworte absolut ehrlich darauf: 1. Bin ich gut darin? 2. Liebe ich was ich tue? 3. Hilft es Anderen? Wenn du alle drei Fragen mit Ja beantworten kannst, ist du richtig. Gib alles.“

„Und ich möchte ergänzen: Bleib mindestens für ein Jahr bei der selben Sache. Erst dann weißt du, ob nicht alte Programme in dir selbst dafür sorgen, dass du dich verloren fühlst.“