Kategorie: thinkabouts

Nichts ist unmöglich …

Herbst: ‚Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben’…

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

-Rilke-

Wie finde ich heraus, was ich mit meinem Leben tun soll?

Ray Dalio (* 1. August1949) ist ein US-amerikanischer Unternehmer und Hedgefonds-Manager. Der Multi-Milliardär gehört zu den reichsten Männern der Welt. 
Dalio studierte an der Long Island University und an der Harvard Business School. Er gründete 1975 das Hedgefondsunternehmen Bridgewater Associates. Ray Dalio ist verheiratet, hat vier Kinder und wohnt mit seiner Familie in Greenwich, Connecticut.  

Die Meinung des 69jährigen zur Lage an den weltweiten Finanzmärkten wird international geschätzt. Im Firmennetzwerk LinkedIn stellte ihm jetzt ein Nutzer eine interessante persönliche Frage: 

„Was ist, wenn man keine Ahnung hat, was man mit seinem Leben anfangen soll? Ich bin 31 Jahre alt und habe immer noch keine Sch..  Ahnung.“

Antwort Dalios: „Es ist verständlich, dass du mit 31 nicht sicher bist, was du mit deinem Leben machen willst, obwohl du dich wahrscheinlich daran geben solltest, bald etwas ernsthaft auszuprobieren. Nicht selten sind Menschen in diesem Alter sicher  zu zuversichtlich, weil sie auf einem gleichmäßigen Weg sind, ohne die Notwendigkeit, viel zu erforschen. Auf der anderen Seite sind die Menschen manchmal verwirrt über die Vielfalt der Wahlmöglichkeiten. Das Leben ist ein Sammelsurium von Möglichkeiten. Man kann nicht alle probieren, nur um sicherzustellen, dass man die beste Wahl trifft.

Frage dich, ob der Grund, warum du nichts entschieden hast 

a) ist, dass du bisher nichts gefunden hast, was dich wirklich begeistert, oder

b) dass du dich nicht entscheiden kannst, weil dich so viele Dinge  gleichzeitig begeistern.

Im Fall von a) hast du wahrscheinlich grundsätzlich ein Problem, dich für irgend etwas zu begeistern, denn das Leben hat dich ganz sicher in Kontakt mit genügend Themen in Kontakt gebracht, für die es sich zu brennen lohnt.

Im Fall von b) mache dir klar, dass du niemals wissen wirst, ob du für dich selbst das Beste gewählt hast – und dass das Warten auf Gewissheit die Reise eines Narren ist, weil du die Wahrheit nie erfahren wirst. Also bleibe bei etwas, das dich begeistert; so lange, bis dies nicht mehr der Fall ist. Falls du  denkst, dass du nicht genügend Gelegenheit hattest, zu sehen, was für dich  passt, schlage ich vor, zu experimentieren und Persönlichkeitstests zu machen, um herauszufinden, was für ein Mensch du bist und welche Bereiche geeignet für dich sein können. Dann solltest du dich zwingen, eine Wahl zu treffen und Erfahrungen zu machen, so lange wie dir das gut tut. Fang an und geh vorwärts – in der Gewissheit, dass du jederzeit deine  Meinung ändern und umschwenken kannst.“ 

Über 800 Leser reagierten innerhalb kurzer Zeit begeistert von der Antwort des erfolgreichen alten Mannes. Einige ergänzten die Ratschläge durch Buchvorschläge (leider alle in englisch) und persönliche Ratschläge: 

„Stelle dir selbst drei Fragen, und antworte absolut ehrlich darauf: 1. Bin ich gut darin? 2. Liebe ich was ich tue? 3. Hilft es Anderen? Wenn du alle drei Fragen mit Ja beantworten kannst, ist du richtig. Gib alles.“

„Und ich möchte ergänzen: Bleib mindestens für ein Jahr bei der selben Sache. Erst dann weißt du, ob nicht alte Programme in dir selbst dafür sorgen, dass du dich verloren fühlst.“

Was ist Zeit? Gibt es sie überhaupt? Oder gibt es sie gleich mehrfach?

Die Zeit: Nach dem irdischen Element Wasser ist sie wohl das Faszinierendste, das uns vom Leben geschenkt wird. Immer wieder versuchen wir Menschen, sie zu messen, zu definieren, in irgendeine begreifbare Form zu bringen – nie gelingt es uns wirklich. Denn sie ist uns über, in jeder Hinsicht, die Zeit.

Da gibt es zum Beispiel die Newton’sche Definition: „Die absolute, wahre und mathematische Zeit verfließt an sich unwiederbringlich und besteht ihrer Natur nach gleichförmig und ohne Beziehung auf irgendeinen äußeren Gegenstand.“  

Albert Einstein fand heraus, dass Newton nicht ganz Recht hatte: Dessen Definition erwies sich nämlich als unvereinbar mit der „Elektrodynamik bewegter Körper“. Einsteins  Relativitätstheorie befasst sich deshalb mit der Struktur von Raum und Zeit sowie mit dem Wesen der Gravitation. Kurz und unpräzise zusammengefasst: Zeit lässt sich dehnen, krümmen und komprimieren, Vorgänge, die sich mathematisch berechnen lassen. In seiner unnachahmlichen Art formulierte das Genie für uns Unwissende zwei Beispiele: „Zeit ist das, was man an der Uhr abliest“ – und „Fünf Minuten mit einem schönen Mädchen vergehen wie im Fluge, die selbe Zeit auf einer heissen Ofenplatte ist allerdings eine Ewigkeit!“

Damit wir praktisch mit ihr umgehen können, haben wir Menschen „unsere“ Zeit exakt definiert:  Eine Sekunde entspricht dem 86400. Teil einer Erdumdrehung oder genauer gesagt 9.192.631.770 Schlägen eines Cäsium-Atoms in einer Atomuhr. So wissen wir, wie lang eine Woche, ein Monat, ein Jahr sind und können am Ende unseres Lebens die im Körper verbrachte Zeit genau feststellen. Wir wissen, wie lange es von Sonnenaufgang bis -untergang dauert, können nach einem allgemein anerkannten Schlüssel Termine planen und was sonst noch so unseren Alltag bestimmt.

Prof. Dr. Gernot Münster ist Physiker. In seinem Referat Was ist Zeit?“ stellt er sich interessante Fragen: Hat die Zeit einen Anfang, ein Ende? Kann es „Zeitreisen“ geben? Kann sich die Zeit zyklisch zu einem Kreis schließen? Wie kommt es zu dem Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft? Er kommt zu ebenso interessanten Ergebnissen:

„Bei genauerem Hinsehen kann man mehrere Zeitpfeile unterscheiden
1. psychologisch: Erinnerung richtet sich in die Vergangenheit und nicht in die Zukunft
2. thermodynamisch: Nach dem 2. Hauptsatz nimmt die Entropie stets zu
3. elektrodynamisch: Strahlung breitet sich von der Quelle mit fortschreitender Zeit aus
4. quantentheoretisch: die Zustandsänderungen im Messprozess sind unumkehrbar
5. kosmologisch: das Weltall dehnt sich aus.

Die Zeitpfeile 1-4 hängen zusammen. Die mit ihnen verbundenen irreversiblen Vorgänge laufen aufgrund von Wahrscheinlichkeitsgesetzen ab, die ein Fortschreiten von geordneten zu mehr ungeordneten Zuständen beschreiben. Dabei wächst insgesamt die Unordnung der betrachteten Systeme (Entropie).  Der Zeitpfeil lässt sich in diesem Fall darauf zurückführen, dass ein geordneter Anfangszustand (mit niedriger Entropie) vorliegt. Während die Gesetze zeitlich umkehrbar sind, führen die Anfangsbedingungen zu einer Unumkehrbarkeit von Vorgängen. Die Frage nach dem Zeitpfeil führt daher zu der Frage nach dem Ursprung des geordneten Anfangszustandes. Hierauf gibt es noch keine allgemein akzeptierte Antwort. Allerdings gibt es eine plausible Hypothese, wonach der Ursprung in der Kosmologie (Urknall) begründet ist, und die Expansion des Weltalls als eine Art „Master-Zeitpfeil“ wirkt.“

Eine weitere grundlegende Feststellung des Professors ist die Tatsache, dass auch die Zeit selbst relativ ist: „Die Relativität der Zeit wird gerne im so genannten Zwillingsparadoxon veranschaulicht: Ein Zwilling verlässt die Erde in einem Raumschiff, welches mit hoher Geschwindigkeit ins Weltall fährt und nach ein paar Jahren wieder zurückkehrt. Während der auf der Erde verbliebene Zwilling zum Greis gealtert ist, entsteigt dem Raumschiff seine deutlich weniger gealterte Schwester. Zwar liegt die Realisierung dieser Geschichte weit außerhalb der heutigen Möglichkeiten, der Effekt wurde jedoch mit Hilfe von Atomuhren in Flugzeugen experimentell bestätigt.“

Wer  bis hierher gelesen hat, wird gemeinsam mit mir festgestellt haben, dass all die klugen Köpfe wertvolle Definitionen zum Thema Zeit liefern – aber keine vollständigen – keine, die wirklich befriedigen.

Ganz anders gehen spirituelle Menschen mit der Frage um, was Zeit ist. Schamanische Heiler aller Erdteile vereint die Praxis des „Reisens“ in einem Trancezustand, der Zeit und Raum gleichermaßen überwindet. Auf solchen Reisen kann man ebenfalls die Zeit dehnen, krümmen und komprimieren – und im Erleben dieser Reisen sind die Prozesse auch umkehrbar.

MU

Der Buddhismus, ein großer philosphischer Erkenntnisweg, der fälschlich mit einer Religion verwechselt wird, hat sein eigenes Ziel im Umgang mit der Zeit definiert: Kurz und unpräzise zusammengefasst geht es darum, diese zum Stillstand zu bringen, um hinter sie zu schauen. So gibt es etwa im Zazen die Praxis des MU. MU bedeutet übersetzt „hat nicht“. Nach intensiver, meist langjähriger Übung, die daraus besteht, den Kopf zu leeren von allen Gedanken, das Gehirn daran zu hindern, ständig  zu plappern, und statt dessen dem Atem zu folgen, wie er ein und ausgeht ganz ohne unser Zutun – all dies unter ständiger Wiederholung des Mantras MU – erreicht der Übende einen Punkt, an dem eine glasklare Einsicht darin besteht, dass die Zeit nicht nur relativ ist: Vielmehr gibt es sie gar nicht.

Hinter all dem Werden und Vergehen gibt es ein unvergängliches Sein. Etwas, das es vor dem Beginn des Universums gab und danach weiter geben wird. Es ist ein Phänomen, das nicht Zeit, sondern Bewusstsein ist. Hier wohnt der „große Geist“, „Gott“, „der Schöpfer“ oder wie auch immer wir es nennen wollen. Wer hier ankommt, muss nicht zurück in das Rad des Samsara, den großen Kreislauf von Geburt und Tod, denn er hat erkannt, dass er, völlig unberührt von irgendwelchen physikalischen Prozessen, IST.

In einer ähnlichen Erkenntnis bewegen sich Menschen, die sich den verschiedenen Methoden des Remote Viewings verschrieben haben – hier allerdings aus sehr praktischen Gründen. Remote Viewer arbeiten heute an Fällen, wo normale Methoden nicht weiterführen, es geht dabei oft um sehr viel Geld. Sie suchen beispielsweise Tanker, die auf den Ozeanen der Welt verschwunden sind, und werden dazu von Versicherungen angeheuert.

Im Remote Viewing existiert der Begriff der Matrix – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film. Ein „Viewer“ muss in diese Matrix vordringen, um erfolgreich arbeiten zu können. Dort findet sich, wie in einem Hologramm, alles was jemals im Universum war und ist, und zwar gleichzeitig. Das besondere an dieser Matrix ist, dass man beliebig darin herumreisen kann – vorwärts, rückwärts oder quer durch Jahrhunderte oder Jahrtausende. Man erreicht sie, indem mit mechanischen Mitteln das Gehirn daran gehindert wird, seine gewohnten Blockaden aufzustellen. Dann folgt der befreite Geist seinem Hinweisgeber, etwa einem Foto, in die Situation, in der dieses  entstand und kann sich von dort aus beliebig bewegen.

Remote Viewing

Das, was die Matrix ausmacht, hat mit dem, was wir gewöhnlich unter Zeit verstehen, nichts mehr zu tun. Vielmehr ist es ein wabernder Ozean von Informationen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die gleichzeitig betrachtet werden können und  erst durch gezielte Nachforschungen in eine für uns nutzbare zeitliche Reihenfolge gebracht werden müssen.

Zeit gibt es nicht  – sie ist eine Illusion. Dieser These hängen immer mehr heutige Physiker an. Dr. med. Detlef B. Bartel, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, hat sich in einem Aufsatz mit der Frage auseinandergesetzt: „Die Physiker bezeichnen die vierdimensionale Welt als Block-Universum der Raumzeit. In dieser Welt fließt keine Zeit mehr. Alles ist auf einmal da. Der philosophische Begriff dafür lautet: Eternalismus.

Es bleibt nun noch die Frage, wieso wir trotzdem eine fließende Zeit erleben,“ schließt der Autor und beantwortet sie für sich so: „Das dürfte daran liegen, dass unser Gehirn durch seine physikalische Beschränktheit immer nur Momentaufnahmen herstellen kann, die wir dann zu einem Ganzen zusammensetzen. Diese Momentaufnahmen erscheinen uns wie vorbeifließende Bilder. Ähnlich wie bei einem Zelluloidfilm, auf dem schon alle Bilder da sind. Erst durch das Abspielen des Filmes entsteht der Eindruck von fließender Zeit, obwohl das Filmmaterial selbst zeitlos ist.“

Aber nicht nur theoretische Erwägungen unseres Gehirns sorgen für das Gefühl von fließender Zeit. Wir selbst und alles Leben auf dem Planeten sind geprägt von Werden und Vergehen. Nach der Phase von Wachstum und Entwicklung folgen eine relativ kurze Blütezeit und ein  unterschiedlich langes Vergehen. Je länger Menschen leben, desto länger ist auch diese Zeit des langsamen Abbaus,  in der das nicht mehr möglich ist, was Physiker als herausragende Eigenheit der Zeit beschreiben: Ihre Neigung, sich auszudehnen. Statt dessen beobachtet der Geist den alternden Körper, lebt zunehmend mehr in wehmütiger Erinnerung statt in Zukunftsplänen und muss irgendwann akzeptieren, dass sich der Körper niederlegt und seine Arbeit gänzlich einstellt. Dieser lineare Ablauf von Lebenszeit wirkt nicht nur fließend, er ist es auch.

Wurmloch

Mit einer Ausnahme: Kein feststellbares Altern gibt es bei den Gefühlen. Verliebtheit beispielsweise wird meist jungen Menschen zugeordnet. Man frage aber Menschen jeden Alters: Auch am Ende eines langen Lebens kann ein Mensch verliebt sein wie einst mit 16 Jahren. Ähnlich verhält es sich mit dem gegensätzlichen Gefühl, dem Hass. Oder mit der Sehnsucht. Es ist, als seien die Gefühle eine Art „Wurmloch“ im Universum, das die Verbindung zwischen linearen, endlichen Zeiträumen und der Unendlichkeit ermöglicht.  Gibt es also Liebe über den Tod hinaus? Treffen wir geliebte Menschen und Tiere wieder? Und wie könnte das dann sein? Im Zustand des grenzenlosen unsterblichen Seins oder in einem neuen, endlichen Leben?

Wobei das mit unserer derzeitigen Lebenswirklichkeit auch nicht sein muss, was es zu sein scheint. Ein Vermächtnis des unlängst verstorbenen Stephen Hawkings ist die Theorie, dass es parallel zu unserem noch andere Universen, vielleicht Multiversen gibt, in denen wir ebenfalls leben, aber andere Entscheidungen treffen, so dass Pech im aktuellen Universum Glück im parallelen sein könnte. Was für Perspektiven! Und wie schade, dass wir unsere parallelen Leben nicht bewusst wahrnehmen können!

Nahe-Skywalk im Video – Drohnenflug über Hochstetten-Dhaun und das Tal

2015, kurz nach der Eröffnung, habe ich schon einmal über den Nahe-Skywalk geschrieben. Die Plattform über dem alten Steinbruch St. Johannisberg, einem Ortsteil von Hochstetten-Dhaun bei Kirn an der Nahe, erfreut sich konstanter Beliebtheit und wird mittlerweile auch bei tripadvisor bewertet. Der Skywalk liegt an der Hunsrück- Schiefer- und Burgenstraße, sowie am Wildgrafenweg, die zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten bieten. Die Besichtigung kostet nichts.

Hier nun ein kleines Video, aufgenommen mit der DJI Phantom 4 Pro Plus.

Unter Glas seh‘ ich die Ander’n durch ihr buntes Leben wandern…

 

nicht mehr jung, eher schon alt

nicht mehr warm – nein, bald schon kalt

nicht gehasst, auch nicht geliebt

nichts mehr da, was mich einst trieb

*

nur das herz, es brennt noch immer

ohne hoffnung – nein, noch schlimmer

voller sehnsucht, voller trauer

nichts im leben war von dauer

*

unter glas seh‘ ich die ander’n

durch ihr buntes leben wandern

nur der schmerz, der niemals ging

zeigt mir heute, dass ich bin

*

so erschöpft von all dem warten

auf den einlass in den garten

*

werde, herz, doch endlich leis‘

ich will heim zum großen geist

„Kaltes Herz“: Narzisstischer Missbrauch und wie man wieder auf die Beine kommt

Es ist eine ganz große Liebe.  Eine, die rasend schnell intensiv wird. So intensiv, dass Kopf und Herz in einem einzigen Rausch schwelgen und das leise innere Warnen bereitwillig überhören. Der Traum von Glück scheint wahr zu werden:  Geliebt zu sein, mit Haut und Haaren. Begehrt zu werden, voll und ganz. Ein kongeniales Gegenüber zu haben,  mit dem man sich tief verbunden fühlt: Das könnte die lebenslang vermisste Dualseele sein. Das Herz tanzt.

Schnell wird die Bindung eng. Beide  werden unzertrennlich. So unzertrennlich, dass  Freunde und Familie völlig außen vor bleiben. Aber so bleibt es nicht. Manchmal schleichend, manchmal sehr schnell, aber immer nach dem selben Muster geht der  geliebte Partner auf Distanz. Mal mehr körperlich, mal vor allem seelisch, immer verbal. Aus Liebesbekunden werden Abwertungen, aus langen, liebevollen Gesprächen werden Vorhaltungen, Schuldzuweisungen. Der Gefährte spricht plötzlich nicht mehr – manchmal über Tage, manchmal über Wochen – er verdreht Erinnerungen, lügt, betrügt. erinnert sich nicht an Versprechen, weicht jedem klärenden Gespräch aus.  Und es kann noch viel, viel schlimmer werden – wenn man an einen Narzissten geraten ist.

Ehemalige Partner von Narzissten berichten von Monaten, Jahren, Jahrzehnten in Beziehungen, in denen sie sich gedemütigt, entwertet, alleingelassen fühlten, in denen sie alle Freunde und nicht selten ihr ganzes Geld verloren und es dennoch über lange Zeit nicht schafften, sich zu trennen. Warum? Weil es doch eine so große Liebe war. Weil gleich am Anfang der Beziehung der Grundstein gelegt wurde für eine Sucht: Den verzweifelten Wunsch, (wieder) vollständig geliebt zu werden – und zwar so, wie man eben ist. Damit wird eine Trennung emotional schwerer als jeder Drogenentzug.

„Kaltes Herz“  – Narzisstischen Missbrauch überwinden“ heißt ein Buch von Monika Celik, das sich als Ratgeber an Betroffene wendet.  Veröffentlicht wurde das Buch im Self-Publishing Verlag Twentysix. Im dortigen Shop belegt es zurzeit Platz 1 unter den Ratgebern.

Die Lektüre ist schwere Kost – besonders, wenn man sich selbst im Buch wiederfindet. Die zahlreichen Beispiele reflektieren lange Gesprächen der Autorin mit Betroffenen sowie  ihre eigenen Geschichte. Auch Monika Celik war mehrfach in narzisstischen Beziehungen gefangen, hat Höllenqualen gelitten, bevor sie es geschafft hat, sich aus dem Kreislauf der Sucht zu befreien. Auf 435 Seiten geht es jetzt um Lovebombing, Crazymaking und Gaslighting, um Lügen, emotionale Erpressung, Abwertung und Isolierung des Opfers, um Silent Treatment, wütende Monologe und Gewalt, um Victim-Blaming, Stalking, Hoovering und Flying Monkeys – alles Begriffe, die typische Muster in Beziehungen mit Narzissten spiegeln.

Die Autorin definiert genau: Nicht nur die Diagnose Narzissmus, sondern auch die der dependenten Persönlichkeit oder des Co-Narzissten. Alles wird über wahre Geschichten   verdeutlicht. Das macht das Buch so schwer zu lesen: Schwer wiegt die Last des Erlebens der Frauen und Männer, die narzisstischen Missbrauch mit tiefen Blessuren überlebt haben. Und dann, im letzten Fünftel, kommt konkrete Hilfestellung – die noch schwerer zu verdauen ist. Erlösung aus dem Muster gibt es nämlich nur, wenn die Betroffenen bereit sind, nicht nur den Partner anzuklagen, sondern sich selbst genau zu betrachten.

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Welche sind meine eigenen Anteile an meiner destruktiven Beziehung? Welche schädigenden Glaubenssätze habe ich verinnerlicht? Wie ist das mit meinem Wunsch, gebraucht zu werden –  mit meiner eigenen Bedürftigkeit? Wie ist mein Selbstwertgefühl entwickelt – nicht zu verwechseln mit Selbstbewusstsein? Im Hinterfragen dieser Punkte  liegt der Schlüssel dazu, die furchtbare Sehnsucht nach einer Trennung zu überwinden und einen Weg echter Veränderung zu betreten. Kaum jemand schafft es, diesen Weg allein zu gehen. Betroffene brauchen, das stellt die Autorin unmissverständlich klar, die Hilfe von fachlich qualifizierten Therapeuten. Selbsthilfegruppen können wertvolle Foren sein, in denen man sich austauschen kann und in akuter Not Ansprechpartner findet. Ergänzend dazu gibt es Tipps, wie man sich im Alltag helfen kann, wenn die (Sehn-)Sucht nach dem Partner allzu zerstörerisch wütet.

Die Autorin sprich von „Narz“ und „Narzisse“; übliche Ausdrucksweise in Selbsthilfegruppen. Sie duzt ihre Leser, bleibt immer in einer relativ lockeren Umgangssprache und hält mit ihrer eigenen Meinung  nicht hinter den Berg – das mag man, oder man mag es nicht. Auf jeden Fall ist das Buch ein starker Ratgeber:  Man kann wahllos ein Kapitel aufschlagen und ist immer direkt an einer wichtigen Stelle. Und die Gedanken zur Selbstbetrachtung kann man nicht oft genug lesen, getreu dem Motto: „Wer sich nicht selbst helfen will, dem kann niemand helfen“ (Pestalozzi).

*

In diesem Blog gibt es verschiedene Geschichten über erlebte narzisstische Beziehungen. Sie finden sie unter dem Stichwort „Männer – Frauen“

Wie die Ozeane und die Atmosphäre gemeinsam das Klima gestalten

Die Ozeane der Welt und die Atmosphäre arbeiten zusammen. Sie tauschen Hitze, Feuchtigkeit und Gase aus. Veränderungen in der Temperatur der Meeresoberflächen beeinflussen die Bewegungen der Atmosphäre, was sich wiederum auf Wetter und Klima auswirkt. Das ist keine Einbahnstraße: Die Atmosphäre beeinflusst die Ozeane und deren Strömungen, die ihrerseits eine bedeutende Rolle auf unseren Klima-Ausgleich haben.

Ein Film, den die ESA heute ins Netz gestellt hat.

The world’s oceans and atmosphere work as a system, exchanging heat, moisture and gases. Changes in the temperature of sea surface affect atmospheric dynamics, which in turn influence the weather and climate. This is not a one-way process, however, because the atmosphere also affects the oceans and helps to drive ocean circulation, which plays an important role in moderating our climate.