Schlagwort: Twitter

So wandern unsere Daten über die Kontinente – eine interaktive Grafik

Eine interessante interaktive Grafik, die man auch als App laden kann, hat opendatacity erstellt: Klicken Sie auf das Bild, um auf die Grafik zu kommen. Klicken Sie dann ein Unternehmen in der Kopfleiste an und verfolgen Sie den Weg der Anfragen.

„Die Kabel-Routen auf der Karte stammen von www.cablemap.info. Wie die Pakete durch das Netz reisen, haben wir mit dem Programm Traceroute ermittelt“, schreibt das Unternehmen. „Es nutzt eines der grundlegenden Internet Protokolle (IP). Es fragt ab, welche IP-Router (Schaltstellen) die Anfrage, die in einem oder mehreren „Paketen“ erfolgt, weitergeleitet wird. Doch nicht jeder Router antwortet auf „Traceroute“ und welches Unterseekabel exakt genutzt wird, ist uns auch nicht bekannt. Auch können sich je nach Tageszeit oder Wochentag die Routen der Pakete drastisch ändern.

So sind die in der Anwendung gezeigten Verbindungen typische Beispiele (in Zeitlupe), die wir aus vielen verschiedenen tatsächlichen Anfragen an die jeweiligen Dienste ausgewählt haben. Hinweis: Die Standorte, die anhand der IP-Adresse der Router ermittelt werden, stimmen nicht unbedingt mit dem tatsächlichem pyhsischen Standort überein, sondern ggf. nur mit dem Firmensitz dessen Betreibers“.

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Shitstorm über Amazon: ARD berichtet zur Situation der Leiharbeiter

Ganz böse Reportage am Montag in der ARD zu den Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter beim Versandhaus Amazon: Im Schwerpunkt in Bad Hersfeld waren die beiden Reporter Diana Löbl und Peter Onneken wochenlang unterwegs und fanden Zustände vor, die man in Deutschland so nie erwartet hätte. Schließlich wurden sogar sie selbst bedroht.

In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft, beschäftigt Amazon Leiharbeiter, die über Zeitarbeitsfirmen engagiert werden. Darunter ist die arbeitslose spanische Kunstlehrerin Silvina, die sich als einzige detailliert äußert. In Spanien sei das Angebot von Amazon gefeiert worden,berichtet sie; sogar das Fernsehen habe darüber berichtet. In Deutschland angekommen, sei die Enttäuschung jedoch groß gewesen: Als erstes wurde der angekündigte Stundenlohn deutlich gekürzt.

Was dann kommt, erinnert an Sklavenhaltung: Die Zeitarbeitsfirma bringt die Mitarbeiter in Bungalows einer leerstehenden Ferienanlage unter, zahlt zwei kalte Mahlzeiten am Tag und behält die Kosten für beides vom Lohn ein. Die Mitarbeiter werden streng bewacht von einem Sicherheitsdienst, der problemfrei gewalttätig wird, sobald ihm etwas nicht passt. Das müssen die Reporter auch am eigenen Leib erfahren, als ihre Tarnung auffliegt, der Sicherheitsdienst in ihre Zimmer eindringt und die Herausgabe des Filmmaterials verlangt. Nur mit Hilfe der Polizei können sie unbeschadet das Gelände verlassen.

Der Gipfel des Ganzen: Einige Männer des Sicherheitspersonals tragen Kaputzenpullis der Marke Thor Steinar, die klar auf die rechtsradikale Szene verweisen. Die Reporter forschen auf Homepages und bei den Facebook-Freunden des Chefs des Sicherheitsunternehmens nach und finden auch hier klare Hinweise.

Die Reaktion im Netz kam prompt: Ein Shitstorm brach nach der Sendung über Amazon herein. Heute morgen sprangen eine große Zahl von Medien auf die Reportage an und fragten bei Amazon um eine Stellungnahme nach. Bild.de erhielt diese Antwort:

„Über 7700 festangestellte Mitarbeiter arbeiten in den deutschen Amazon-Logistikzentren, in der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Amazon-Mitarbeiter saisonal befristet ein. Diese Mitarbeiter unterstützen uns, um die erhöhte Anzahl an Kundenbestellungen in Spitzenzeiten zu bewältigen. Gleichzeitig haben wir dadurch die Möglichkeit, potenzielle neue langfristige Mitarbeiter kennenzulernen und gemäß unserem zukünftigen Wachstum einzustellen. In absoluten Spitzenzeiten arbeiten wir darüber hinaus mit Zeitarbeitsfirmen zusammen.

Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 € brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 € brutto. Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, verdienten bei einer 37,5 Stundenwoche 1.400 € brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1.500 Euro im Monat. Diese Beträge wurden per Vertrag auch dann bezahlt, wenn nicht die volle vertragliche Stundenzahl angefordert wurde.

Sicherheit hat oberste Priorität in unseren Logistikzentren. Wir nehmen die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst und überprüfen externe Dienstleister, die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig. Wichtig ist uns hier auch die Rückmeldung unserer Mitarbeiter: Wann immer Mitarbeiter Verbesserungen im Rahmen der Arbeitsbedingungen oder der Unterbringung vorschlagen, prüfen wir dies umgehend.

Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten.

Unser Ziel ist es, Bestellungen unserer Kunden jederzeit schnell und zuverlässig auszuliefern. Wir wissen: Das geht nur mit zufriedenen Mitarbeitern – unabhängig davon, ob sie langfristig beschäftigt, saisonal angestellt oder uns über eine Zeitarbeitsfirma unterstützen. Sie können sicher sein, dass wir jedem Vorfall in unseren Logistikzentren und im Umfeld, der uns von Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht wird, nachgehen und bei Bedarf umgehend Verbesserungen einleiten.“

Neben viel Empörung gab es im Netz allerdings auch realistische Kommentare. Hier drei Beispiele aus twitter:

Mitch Unterberger ‏@frolueb
Ich bin SO WÜTEND auf amazon! Ich werde meine Gutscheine deswegen erst in 2 Wochen einlösen, wenn es keinen mehr juckt.
stef stuff ‏@stefstuffde
Regt Ihr Euch mal ruhig alle über #amazon auf, aber wenn ich den lokalen Einzelhandel bejubele, kommt immer so’n“ Woanders billjger“
Duesenberg ‏@Duesenberg_
Wie Amazon hat Dreck am Stecken? Geiz ist doch geil dacht ich. Nicht Amazon ist schuld, Amazon ist nur das Symptom, der Spiegel von uns.
arbeitslos...
Ja – so ist es – leider. Bei aller gerechtfertigten Empörung über die aufgezeigten Zustände muss man sich doch einige weiterführende Fragen stellen:

Warum ist Amazon so erfolgreich? Warum sind Discounter so erfolgreich? Warum ist Geiz geil?

Weil wir alle darauf getrimmt sind? Nein, das ist nur die halbe Antwort. Weil die Mehrheit der Menschen immer weniger Geld hat, für das sie sich aber immer mehr verausgaben muss – das trifft es schon eher.

Und warum haben alle immer weniger Geld?

Weil die Kosten immer weiter steigen.

Warum steigen die Kosten immer weiter?

Hier liegt der Hase im Pfeffer. Hier liegt auch ein Grund, aus dem ich diesen Blog unterhalte: Es gibt eine grundlegende Ungerechtigkeit, die global angelegt ist. Letztendlich lässt sie sich zurückführen auf das Geld- und Bankensystem. So lange es Banken gibt, die mit Krediten immer mehr „Wachstum“ schaffen – ein Wachstum, das auf Pump finanziert ist, wird sich die Lage nicht ändern. Die Zinsen schöpfen Geld aus dem Nichts – die Banken wachsen. Und die Menschen, die dieses Wachstum mit ihrer Arbeit bezahlen müssen, wachsen auch – in eine moderne Sklaverei hinein.

Im Kleinen kann man das messen an der zunehmenden Zahl überschuldeter Haushalte – im Großen an den überschuldeten Staatshaushalten.

Da ist es ein geringer Trost, dass auch Banken bankrott gehen können – dann nämlich, wenn wache Investoren Entwicklungen schneller voraussehen als sie selber und die Gewinne abschöpfen. Was geändert werden muss, um wirklich allen Menschen ein besseres Leben zu verschaffen, ist das weltweite Finanz-System.

Was kann nun der Einzelne tun, um daran etwas zu ändern?

Information ist das erste Gebot: Wie hängen die Dinge zusammen? Wer zieht wo welche Strippen? Was wird wo einfach zu groß und damit übermächtig?

Handeln ist die Folge: Setzen wir uns ein für kleinteilige Energieversorgung, für das Wasser als Menschenrecht, für das bedingungslose Grundeinkommen – für alles, was Menschen möglichst viel Selbstbestimmung erhält. Dass das auch mehr Selbst-Verantwortung bedeutet, ist allerdings der Preis dafür.

Siehe auch: Amazon ist angetreten, die Handelswelt das Fürchten zu lehren

Update: Offener Brief des noch jungen Schoer-Verlages zu den Amazon-Bedingungen für Verlage 

Update: Arbeitsministerium verlangt Aufklärung

Update: Amazon feuert Sicherheitsfirma und weitere Reaktionen

Update: Häufig unwürdige Bedingungen bei Zeitarbeitsfirmen

Update: Was bei der ARD-Dokumentation verschwiegen wurde

Update: Deutschland-Chef Kleber: Betriebsrat gut, aber keine Verhandlungen mit Ver.di

Update: Neue Vorwürfe aus Graben: „Menschen werden dressiert“

Update: Amazon steigert Gewinn

Update: Amazon bekam Millionen deutscher Fördergelder

Update: „Inside Amazon“ – ein Erfahrungsbericht

Update: Sieben Gründe warum Amazon so mächtig ist

Update: EU prüft Steuerpraxis von Amazon und anderen 

Update: USA: Amazon zahlt keine Steuern auf Milliardengewinne

Die Entwicklung des Internets innerhalb von zehn Jahren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siehe dazu auch: Frauen übernehmen das soziale Internet – eine Analyse der Nutzer-Strukturen

 

Manipulation in Sprache und Inhalt: Wie informiere ich mich?

Woran erkenne ich die Qualität einer Nachricht?

Ist sie oberflächlich? Ist sie fundiert? Will sie mir eine bestimmte Meinung unterschieben?

Eine einfache Frage – aber sie hat eine ungeheure Bedeutung und gewinnt täglich mehr dazu. Je stärker sich die Euro-Krise zuspitzt, je mehr  Kriegsrethorik um sich greift – aktuell am Beispiel Syrien – oder auch Israel und Iran – desto wichtiger wird es, ganz genau zu untersuchen: WER sagt mir da WAS und vor allem: WIE sagt man es mir?

Einen sehr klugen Beitrag zum Thema hat Bewusst TV gesendet: Alexander Wagandt macht deutlich, dass ich aus der Sprache einer Botschaft sehr gute Rückschlüsse auf das Denken dessen ziehen kann, der sie mir sendet. Anders ausgedrückt: Ein Mensch, der nur in zwei Kategorien denkt, etwa Liebe und Hass, wird sich auch so ausdrücken: Er ist entweder absolut FÜR etwas oder absolut DAGEGEN. Es gibt keine Zwischentöne und damit eine große Gefahr von Ungerechtigkeit. Wenn ich einen Menschen oder eine Sache nicht liebe – hasse ich sie dann gleich?

Ich nicht. Sie vielleicht?

Zehn Methoden der Manipulation sollte ich kennen und immer im Hinterkopf haben, wenn ich mich mit Sprache auseinandersetze. Der Franzose Sylvain Timsit hat Methoden der „Gehirnwäsche“ zusammengefasst, die nicht nur Regierungen gut bekannt sind, sondern auch Unternehmen, die etwas verkaufen möchten, Frauen und Männern, die politische oder religiöse Ansichten oder Ideologien offensiv vertreten oder ganz einfach ihr eigenes Ego stärken wollen, indem sie Macht über andere Menschen gewinnen. Immer wieder hört man in diesem Zusammenhang von Sektenführern. Aber so einfach ist es nicht: Psychopathen sind in allen Schichten der Gesellschaft vertreten.

Zurück zu den Nachrichten: Woran erkenne ich nun, ob ich fundiert und kompetent informiert oder in eine bestimmte Richtung manipuliert werde? Ich frage so:

1. Wie ist die Sprache: Handelt es sich um eine Information oder eine Meinungsäußerung? Wird sachbezogen berichtet, emotional geschildert oder sofort bewertet? Am Beispiel Israel – Iran hier mal drei „Nachrichten“, an denen der Unterschied erkennbar ist:

  • Israel vermutet, dass der Iran Uran anreichert, um eine Atombombe herzustellen. Der Iran dementiert. (Das ist die reine Nachricht.)
  • In Israel wächst die Angst vor einer atomaren Bedrohung aus dem Iran. Die dortige Regierung betont jedoch unermüdlich, Uran ausschließlich zu zivilen Zwecken der Energieversorgung anzureichern. (Eine Nachricht, die Angst macht. Der Iran äußert sich beruhigend.)
  • Wird der Ayatollah-Staat Iran seine Drohung wahr machen und das verhasste Israel von der Landkarte tilgen?  Die Regierung in Tel Aviv denkt über einen Erstschlag nach. Teheran betont, Uran ausschließlich zu zivilen Zwecken anzureichern, will sich aber weiteren internationalen Kontrollen entziehen.  (Hier wird es manipulativ: Das Wort Ayatollah-Staat suggeriert radikal-islamisches Handeln. Die „Drohung“ ist so alt wie der Staat Israel und basiert auf der wechselvollen Geschichte des heutigen israelischen Staatsgebietes, das in der Geschichte immer wieder sowohl von muslimischen, als auch jüdischen Bevölkerungen bewohnt wurde. Iran vertritt die Meinung, dass mit der Staatsgründung Israels dem arabischen Teil der Bevölkerung die angestammte Heimat weg genommen wurde. Der Hinweis darauf, dass Iran sich weiteren internationalen Kontrollen entziehen will, will aufzeigen, dass Iran nicht nur radikal denkt, sondern auch friedliche Lösungen offenbar ablehnt. Alles zusammen rechtfertigt indirekt, aber gezielt einen Erstschlag Israels gegen Iran.)

2. Woher kommt die Nachricht? Wer spricht oder schreibt sie? In welchen Medium? Gibt es allgemein bekannte politische oder religiöse Einstellungen der Autoren oder Medien? In welchem Zusammenhang wird die eigentliche Nachricht veröffentlicht? Gibt es weiterführende Informationen?

3. Was sagen die Anderen? Das ist im Internet mit wenigen Klicks herauszufinden: Geben Sie bei Google oder noch besser twitter  entsprechende Suchworte ein. In unserem Beispiel genügt Israel + Iran + zum Beispiel das Tagesdatum.

4. Kann es sein, dass ich auf subtile Weise manipuliert werde, weil etwa mein Land zu einem bestimmten Länder-Block gehört? Subtile Manipulation kann allein schon dadurch entstehen, dass mir bestimmte Aspekte einer Nachricht vorenthalten werden. Ich informiere mich also zusätzlich bei den „Gegnern“ – in unserem Beispiel russische, asiatische und arabische Nachrichtensender. Hier sind allerdings Englischkenntnisse zwingend erforderlich, weitere Sprachkenntnisse hilfreich.

5. Wie ordne ich nun meine gesamten Informationen ein? Hier hilft ein Blick in die Geschichte. Die finde ich in Wikipedia, Google und Youtube, um nur einige zu nennen. Ich gebe also ein: Israel + Geschichte, Iran + Geschichte. Hilfreich sind zudem Suchbegriffe wie Religion, Wirtschaft, Bodenschätze, Erdöl, Wasserversorgung, Atomwaffen, Atomwaffensperrvertrag … und so weiter.

Eine solche Recherche braucht ihre Zeit – Zeit, die ich nicht immer habe. Ich selbst habe für mich deshalb eine sehr schnelle Methode gefunden, die Nachrichten herauszufiltern, die ich suche. In meinem twitter-Kanal habe ich internationale Medien abonniert. Ich folge nur diesen – egal wer mir selbst folgt. Der Grund ist einfach: Ich möchte nicht von thematischer Vielfalt erschlagen werden. Die Medienauswahl liefert zu meinen Interessen innerhalb kürzester Zeit internationale Sichtweisen. Ich sehe also zur möglichen Kriegsgefahr Israel – Iran Meldungen etwa aus Israel, aus den USA, aus China, von Al Jazeera, aus Russland, aus ganz Europa, von diversen Bloggern, die der einen oder anderen Seite zugeneigt sind. Ich finde sowohl Informationen, als auch Kommentare, dazu meist Videos.

Einige der tweets gebe ich an meine Follower weiter – hier treffe ich die Auswahl, für die ich persönlich stehe. Das kann bedeuten, dass ich schlicht informieren möchte, es kann bedeuten, dass ich eine Warnung weiterreichen möchte, es kann auch heißen, dass ich ein Signal zu erkennen glaube, das später an Bedeutung zunehmen wird. Einige tweets inspirieren mich zu einem Blog. Vor allem aber geht es mir darum, mich selbst so unabhängig wie möglich zu informieren: Auch jenseits der staatlichen und privaten Medien Deutschlands, beziehungsweise der sogenannten „westlichen Welt“.

Warum ich das mache?

  • Weil ich Journalistin bin und eine ausgeprägte Meinung zum Schlagwort „objektive Berichterstattung“ habe.
  • Weil ich ein politisch denkender Mensch bin. Ich möchte WISSEN, was passiert – vor allem auch hinter den Kulissen, in den Köpfen und Herzen der Entscheider.
  • Und weil ich erkannt habe, dass nicht alle Menschen gute Menschen sind.
  • Macht ist die stärkste Droge der Welt. Ich möchte ihr etwas entgegen setzen: Klare Werte und ein Plädoyer für die Liebe.

Siehe auch:

Über Kommunikation und die Grenze von Worten

Update und Anschauungsmaterial: Iran baut Uran-Anreicherung aus 

Update: Mind-Control – Vortrag des Psychologen Heiner Gehring

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Kontrollwahn? US-Pläne für den Cyber-Ernstfall

Von Alfred Krüger, entnommen heute.de

SOPA, PIPA – und jetzt CISPA: In den USA jagt ein Netz-Gesetz das nächste. Der jüngste Entwurf verspricht Firmen Schutz vor Datenspionen und Hackern und soll die Weitergabe sensibler Informationen an Behörden erleichtern. Datenschützer protestieren.

Mitte Januar liefen Netzaktivisten zusammen mit Bürgerrechtlern und Unternehmen wie Google, Facebook oder eBay Sturm gegen SOPA und PIPA, zwei Gesetzentwürfe gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet. Die US-Ausgabe der Wikipedia schloss aus Protest gegen eine befürchtete Zensur des Internets sogar für einen Tag die Tore. Die Proteste hatten Erfolg. SOPA und PIPA sind mittlerweile vom Tisch.

Mehr Schutz vor Spionen und Hackern

Nun stößt ein anderer US-Gesetzentwurf auf nicht minder heftige Kritik – zumindest bei Bürgerrechtlern und Netzaktivisten. Es geht um den Cyber Intelligence Sharing and Protection Act (CISPA), ein Gesetz zur Bekämpfung von Kriminalität und Datenspionage im Internet. Es soll Regeln festlegen, wie staatliche Stellen und private Unternehmen im Falle einer Bedrohung der Cybersicherheit Informationen austauschen können.

Der umstrittene Gesetzentwurf stammt aus der Feder des republikanischen Kongressabgeordneten Michael Rogers. Staaten wie China würden über das Internet gezielt Industrie- und Wirtschaftsspionage betreiben, sagt Rogers. „Jahrelange Arbeit und Milliarden Dollar, die in Forschung und Entwicklung geflossen sind (…), das alles kann in Sekunden verloren sein.“ Staat und Wirtschaft müssten sich deshalb besser vor Spionage und anderen Netzgefahren schützen.

 „Datenschutz wird ausgehebelt“

Unternehmen wie Facebook oder Microsoft schlagen in dieselbe Kerbe. „Wenn ein Unternehmen einen Angriff erkennt, kann die schnelle Weitergabe von Informationen andere Unternehmen und deren Kunden davor schützen, ebenfalls zum Opfer zu werden“, so Facebook-Vize Joel Kaplan. An Rogers schrieb er deshalb einen offiziellen Dankesbrief. „Ihr Gesetz befreit uns von lästigen Regeln, die uns daran hindern, unser Cyber-Ökosystem zu schützen“, so Kaplan in dem Brief.

Solche Äußerungen sind Wasser auf die Mühlen der CISPA-Gegner. Sie warnen davor, dass das geplante Gesetz im Falle einer tatsächlichen oder nur behaupteten „Cyberbedrohung“ sämtliche Datenschutzrechte außer Kraft setzen könnte. „Es gibt fast keine Einschränkungen, welche Informationen gesammelt und wie sie benutzt werden dürfen, solange sich ein Unternehmen auf ‚Cybersicherheit‘ beruft“, heißt es in einem Aufruf der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF).

Auch Urheberrechtsverletzer im Visier

Wann die Sicherheit eines Unternehmens oder einer Behörde bedroht sei, werde im Gesetzentwurf viel zu vage definiert, kritisiert die EFF. Als Sicherheitsbedrohung gelten nämlich nicht nur Angriffe krimineller Hacker, die das Netzwerk eines Unternehmens schwächen, unterbrechen, zerstören oder Daten ausspionieren könnten. Das Gesetz soll ausdrücklich auch bei Urheberrechtsverletzungen greifen.

Kritiker des Gesetzes wie die Vereinigung Reporter ohne Grenzen warnen deshalb vor einem „drakonischen Sicherheitsgesetz“, das unter dem Deckmantel der Cybersicherheit ein weit reichendes Kontrollsystem installieren könnte. Webunternehmen wie Facebook und Google, aber auch Internetprovidern werde es erlaubt, beliebige Daten ihrer Nutzer ohne den normalerweise nötigen Gerichtsbeschluss an staatliche Stellen herauszugeben – darunter protokollierte Webseitenzugriffe, Inhalte von E-Mails und IP-Adressen, mit denen zum Beispiel Nutzer von Tauschbörsen identifiziert werden können.

US-Regierung mahnt Datenschutz an

Mittlerweile hat sich auch das Weiße Haus in die Debatte um CISPA eingeschaltet. Ein Gesetz, das Unternehmen und Behörden besser vor Netzangriffen schützen solle und zu diesem Zweck die Weitergabe von Nutzerdaten regele, müsse „robuste Vorkehrungen“ enthalten, um Privatsphäre und Bürgerrechte ausreichend zu schützen. Die Obama-Regierung werde kein Gesetz unterstützen, „das den Datenschutz der Bürger im Namen der Sicherheit opfere“. Ein Veto gegen das Gesetz, das in diesen Tagen im US-Repräsentantenhaus verhandelt wird, kündigte das Weiße Haus jetzt an.

Nachtrag von Newswatch4u: Bericht über die entsprechende Debatte im US-Kongress.

Zweiter Nachtrag: CISPA wurde klammheimlich und im Eiltempo durchgewunken.

„Euer Internet ist nur geborgt – nur in Blogs kann machen, was man will“

Eine Kolumne von Sascha Lobo, erschienen in Spiegel Online vom 17.4.2012

Wer Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke nutzt, ist im Netz nicht wirklich frei. All diese Dienste können von den Betreibern jederzeit verändert, verkauft, zensiert, geschlossen werden. Wer wirklich frei im Internet veröffentlichen will, braucht eine eigene Website.

Ende Februar 2012 versucht ein Mitarbeiter von muenchen.de, dem offiziellen Portal der Stadt München, die eigene Facebook-Seite zu erreichen, die bis dahin unter facebook.com/muenchen zu finden war. Erfolglos. Die Seite war ohne Vorwarnung gesperrt worden. Die fast 400.000 Fans der Seite – mit einem Mal so unerreichbar wie das Internet im ICE zwischen Hamburg und Berlin.

Facebook hatte sich entschieden, Städte selbst zu vermarkten. Aber leider vergessen, das den Städten mitzuteilen.

Rückschwenk in den Januar 2012: Google stellt die twitterähnliche Plattform Jaiku ein, die damit dem Schicksal vieler anderer Google-Dienste folgt: Google Labs, Google Buzz, Google Health, Google Wave. Selbst die „Social Search“-Plattform Aardvark wurde geschlossen, obwohl sie einen famosen Rekord des 21. Jahrhunderts hielt: Google bezahlte für 90.000 aktive Nutzer 50 Millionen Dollar. Aardvark liegt damit in der ewigen Rangliste der teuersten Netzunternehmen mit 555 Dollar je Nutzer an dritter Stelle. Die beiden ersten Ränge belegt natürlich konkurrenzlos Jerry Yangs Beerdigungsinstitut für Start Ups: an Platz zwei Geocities für 830 Dollar je Nutzer. Und uneinholbar im ewigen New-Economy-Himmel Broadcast.com mit sagenhaften 10.961 Dollar je aktivem Nutzer, beide 1999 für Milliardenbeträge gekauft von Yahoo. Selbstredend sind auch diese beiden Dienste inzwischen geschlossen.

Sprung in den März 2012, in dem ein vielgenutztes Start-Up namens Posterous in seinem Blog glücklich verkündet, von Twitter gekauft worden zu sein. Die Gründer erklären, dass ihr Service weiterbestehen wird. Wenn aber wider Erwarten doch nicht – man kann ja nie wissen! – würde man zumindest „ausreichend lange vorher“ bescheid sagen. Aber trotzdem jetzt schon mal geeignete Instrumente für den Download der Inhalte bereitstellen. Also nur für den Fall. Den rein hypothetischen.

Obwohl diese drei Ereignisse der sozialen Medienlandschaft aus den ersten drei Monaten des Jahres 2012 scheinbar wenig miteinander zu tun haben, hängen sie damoklesschwer über den anderthalb Milliarden Social-Media-Nutzern der Welt. Denn ihr Internet ist nur geborgt. Wenn aus irgendeinem Grund, der selbst Franz Kafka als unverhältnismäßig kafkaesk erschienen wäre, der eigene Account gesperrt würde – man stünde einer undurchdringlichen Wand aus Allgemeinen Geschäftsbedingungen gegenüber, verputzt mit Kontaktformularen und einem englischsprachigen Help-Forum, wo nur noch Nutzer Nutzern nutzen.

Eigentlich ist es eine Banalität und sollte gar nicht mehr erwähnt werden müssen: Daten auf sozialen Netzwerken müssen unter allen Umständen so behandelt werden, als könnten sie jederzeit verloren gehen. Denn sie können jederzeit verloren gehen. Trotzdem scheint die Welt likebegeistert anders zu handeln: All ihr digitales Schaffen findet im geborgten Internet statt. Social Media ist ohne Zweifel der aktuelle Stand des Internets. Vom Umbau des größten Internetunternehmens, Google, in ein doppelplusgutes Social Network mit angeschlossener Suche bis zum Börsengang von Facebook: das Netz atmet social. Aber wer auf seine digitale Freiheit Wert legt, für den bleibt – solange freie Social Networks wie Diaspora noch irrelevant sind – nur das schönste, aber anstrengendste Instrument für die soziale Vernetzung und das Teilen von Inhalten übrig: die selbst kontrollierte Website, also das Blog.

Zeitgleich mit dem monetenhaften Aufstieg der sozialen Netzwerke begann im deutschsprachigen Raum der Niedergang der Blogs. Facebooks Nutzungszahlen sind gigantisch, ebenso YouTubes Abrufe oder Twitters Tweethagel. Und auch Google Plus ist stets bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben zur Zufriedenheit der Nutzer zu erledigen.

Gleichzeitig sank aber die Zahl der Verlinkungen von Blogs untereinander so stark, dass Jens Schröder – über Jahre das inoffizielle, statistische Bundesblogamt – sein Projekt deutscheblogcharts.de mangels Masse und Sinnfälligkeit einstellte. Der Grund für den Sinkflug des Blogs: Soziale Befindlichkeiten werden heute auf Facebook geteilt, kurze Mitteilungen und Links auf Twitter und auf Facebook, Fotos auf einer der hundert Plattformen sowie auf Facebook, Videos auf YouTube und auf Facebook – für fast jede Art von Äußerung, die in einem Durchschnittsblog 2005 der Netzöffentlichkeit präsentiert wurde, gibt es heute ein eigenes Social Network. Und Facebook.

Dabei kann man auf einem Blog machen, was man möchte. Ärgerlicherweise bedeutet das auch, dass man machen muss, was man möchte. Und dauernd möchten zu müssen ist recht energieaufwendig. Ein soziales Netzwerk dagegen bietet nur ein sehr eingeschränktes Spektrum an Möglichkeiten: Auf Facebook kann man sich ganz simpel völlig frei entscheiden zwischen allem, was Mark Zuckerberg für angemessen hält. Die Veröffentlichung bestimmter Fotos, Links zu bestimmten Websites oder auch die Inhaberschaft bestimmter, problematischer Meinungen gehört nicht dazu.

Es scheint, als würde sich zwischen den sozialen Netzwerken und den Blogs das ewige gesellschaftspolitische Drama wiederholen: Freiheit ist eine so anstrengende und gelegentlich komplizierte Angelegenheit, dass viele Leute sie offenbar gern eintauschen gegen ein enges Korsett, wenn das bloß gut geheizt ist und sich nicht allzu kompliziert anfühlt. Heute gibt es in Deutschland über 23 Millionen aktive Facebook-Nutzer, aber (nach Expertenschätzung) nur wenige hunderttausend Blogs. Mit dem zunehmenden digitalen Bewusstsein in der Bevölkerung, quer durch alle digitalen Schichten von der Softwareingenieurin bis zum Bundestagsabgeordneten, ist die Zeit für eine Renaissance des selbstkontrollierten Blogs gekommen: Bürger zu Bloggern, das Blog ist die digitale Stimme des Einzelnen.

Es gibt viele Anzeichen, dass sich eine digitale Gesellschaft entwickelt, vom Erfolg der Piratenpartei bis zur Netzselbstverständlichkeit einer jungen Generation. Aber den Rahmen für diese digitale Gesellschaft setzen bisher nicht diejenigen, die er betrifft, sondern die Aktionäre einer handvoll kalifornischer Konzerne. Und das wiederum ist die Schuld derjenigen, die Internet sagen und Social Networks meinen, die nicht bemerken, dass sie auf Facebook, Twitter und Google Plus nur zu Gast sind. Der Weg vom Netzkonsumenten zum mündigen Digitalbürger führt nur über eine selbstkontrollierte Webseite, alles andere ist unterhaltsames, nützliches, schmückendes Beiwerk.

Anmerkung: Der Autor ist mit allen erwähnten Personen freundschaftlich verbunden außer mit Jerry Yang, Mark Zuckerberg, Franz Kafka und den Bundestagsabgeordneten. Außerdem bestreitet er einen Teil des Lebensunterhalts durch Bloggen, weshalb man ihm ein indirektes, wirtschaftliches Interesse an einer florierenden Bloglandschaft unterstellen kann.

NEWSWATCH4U – die Online-Zeitung

Gespeist aus dem gleichnamigen twitter-Kanal wird die Online-Zeitung NEWSWATCH4U zweimal täglich mehrsprachig aktualisiert.