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„Du liebst China nicht, du sprichst wie ein Teufel mit gespaltener Zunge“

Nur Stunden nach der Fertigstellung des untenstehenden China-Artikels sah ich auf Facebook ein kleines Video über ein tibetisches Mädchen, das laut Autor in der Provinz Sichuan lebt. Sichuan hat eine gemeinsame Grenze mit Tibet. Das Unternehmen China Plus Culture postet täglich neue, schöne Fotos oder Videos von Menschen, Tieren, Landschaften und allem schönen in China. Ich beschloss, über die Kommentare ein Gespräch zu versuchen. Hier das Ergebnis:

Der Original-Dialog in Facebook.

Ich frage: Wieso lebt ein tibetisches Mädchen in Sichuan?

Antwort: Bitte poliere mal deine Geografie-Kenntnisse auf. Sehr viele Tibeter leben in den angrenzenden chinesischen Regionen, seit ÄONEN.

Ich: Kein Grund, aggressiv zu sein: Immerhin ist bekannt, dass China zahlreiche Tibeter gezwungen hat, im Hauptland zu leben und zu arbeiten, damit sie chinesischer werden…

Antwort: Kein Grund, defensiv zu werden, verbunden mit deinen wiederholten substanzlosen Lügen verkaufst du deine Landsleute für blöd.

Ich (jetzt ärgerlich): Ich bin alles andere als defensiv. Was China Tibet antut, ist eine internationale Schande! Und du solltest dich für den Versuch schämen, uns verkaufen zu wollen, dass alle Tibeter ein glückliches Leben führen!

Antwort: Lügen zu wiederholen und darauf zu bestehen, macht sie noch lange nicht wahr. Schäme dich dafür, dass man dich so leicht in die Irre führen kann!

Ich: Leider bist du es, der in die Irre geführt und gehirgewaschen wird. Glaubst du wirklich, die ganze Welt ist blind, nur weil China das so will? Wir sehen, was passiert, weil wir freie Medien haben. Wir werden nicht vergessen, was passiert ist, auch wenn es mehr als 60 Jahre her ist. Wir laden den Dalai Lama persönlich ein, um ihm zuzuhören. Ich sah ihn zweimal. Wie könnt ihr es wagen, die ganze Welt zu belügen?

Antwort: Jetzt mal zurück zur Frage warum ein tibetischen Mädchen in Sichuan lebt. Wie war das denn mit den Briten in Indien? Was hat Indien gelernt, nachdem es von Churchill und den Briten massakriert wurde? Solche Taten der Geschichte sollte man nie vergeben und vergessen. Aber du lässt sie ganz bequem beiseite und wiederholst Lüge um Lüge.

Ich: Ja, du hast Recht: England hatte in Indien nichts zu suchen – ist aber auch gegangen. England hatte auch in Hongkong nichts zu suchen – und ging ebenfalls. Und China unterzeichnete einen Vertrag über zwei Systeme in einem Staat, erfunden von Deng Xiaoping, der bis 2047 dauern sollte, aber 2020 von China gebrochen wurde. Hongkong wird nie wieder frei sein. Das ist der Unterschied, verstehst du? Warum zum Beispiel dürfen die Tibeter ihre Gebetsfahnen nicht mehr aufhängen, so wie sie es in ihrer Geschichte immer getan haben? Warum hat China so eine Angst vor allen Menschen, die anders denken als die Regierung? China ist so ein riesiges Land, so schön, mit so viel Platz und einer enormen Wirtschaftskraft – aber andere Kulturen behandelt es nicht souverän. Als ich in China war, liebte ich euer Land, und ich bewundere bis heute eure weise historische Kulturgeschichte. Auch darum enttäuscht mich diese Art zu denken, so sehr.

Antwort: Die Briten sind aus Hongkong rausgeschmissen worden! Hör auf, mir so einen Müll zu erzählen! Als ob du Hongkong so sehr lieben würdest, dass du dich um seine Freiheit sorgst! Du spricht doch nur für dich selbst. Nein, du liebst China nicht, du sprichst mit gespaltener Zunge, so wie der Teufel, der du bist.

Ich: Ich weiß, du must so antworten, denn das ist die offizielle Sichtweise. Wenn die Briten aus Hongkong rausgeschmissen worden wären; warum hätte dann Deng Xiaoping seine Zeit verschwendet um den Plan mit zwei Systemen in einem Staat zu entwickeln? Ich persönlich glaube, es ist falsch, andere Länder zu kolonialisieren. Wenn beispielsweise ein Land Wasserressourcen braucht, die auf dem Territorium eines anderen Landes liegen, kann es einen ordentlichen Vertrag unterschreiben, in dem das Teilen des Wassers geregelt wird. Europa hat vor 150 Jahren viele falsche Entscheidungen getroffen. Aber Europa hat daraus gelernt: Es ist nicht klug, andere, sogar gegenteilige Meinungen und Werte zu zerstören, denn damit werden auch Ressourcen vernichtet, mit denen man gemeinsame Ziele verfolgen könnte. Ja, dann muss man viele Gespräche führen und es dauert lange. Aber weniger Menschen werden derart gedemütigt, dass sie an nichts anderes mehr denken können, als an Rache, statt ein gemeinsames Gebäudes aus gleichen Zielen zu bauen. Es tut mir leid, dass du mich für einen Teufel hältst. Wie schade, dass wir uns nicht persönlich treffen können. Du könntest mit eigenen Augen sehen, dass andere Länder keine Teufel sind. Wir werden niemals diese EINE Menschheit bilden, die die Fähigkeit hat, unseren Planeten zu retten, so lange Regierungen das nicht wollen und die Leute sich weigern, ihre eigenen Augen und Ohren, ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.

Siehe auch den jetzt folgenden Beitrag über China, seine Nachbarn und die Welt

China, seine Nachbarn und die Welt: Ein leises Netz wird immer dichter

Schon als sehr junger Mensch war ich begeistert von China. In der Schule lernten wir viele verschiedene Denkweisen, in alle stürzte ich mich mit offenem Geist. Während wir uns mit Nihilismus und Existentialismus auseinandersetzten, kursierte unter uns die Mao-Bibel. Wir lasen die Worte des großen Vorsitzenden, denn anderen direkten Zugang zum Kommunismus gab es für uns nicht. Er wurde gelehrt, aber wir konnten ihn nicht von innen ansehen.

Als ich 18 war und das Abitur in der Tasche hatte, träumte ich von einem Studium der Sinologie, wollte Mandarin lernen und Simultanübersetzerin werden, denn mir war klar: Ein Land mit derart vielen Menschen wird expandieren und auf die eine oder andere Art mit allen Nationen dieser Erde in Kontakt sein. Es sollte nicht sein. Mein Vater verlangte, ich solle gefälligst arbeiten gehen solle, bis ich Kinder bekommen und ohnehin Hausfrau werden würde. Ich ging also arbeiten und träumte weiter vom Land der Mitte. Ich befasste mich mit Feng Shui, mit traditioneller chinesischer Medizin, mit dem Taoismus und dem frühen Buddhismus in dem Land mit dieser Jahrtausende alten Hochkultur. Als ich schließlich gutes Geld verdiente, erfüllte ich mir einen Jugendtraum: Ich organisierte zusammen mit einem Veranstalter eine Gruppenreise nach China mit einem Programm meiner Wahl.

Es war im November vor mehr als 20 Jahren, als wir schließlich nach einem ellenlangen Flug in Peking landeten. Die untergehende Sonne tauchte die Smog-Glocke über der Stadt in ein mystisches Licht, das uns während des gesamten Aufenthaltes begleitete. Ich liebte die kaiserlichen Anlagen, fotografierte wie wild die herrliche Deckenmalerei in den Wandelgängen, bestaunte die winzigen Betten der Konkubinen. Wir sahen riesige Gewürzmärkte, besuchten eine traditionelle chinesische Apotheke, ein entsprechendes Krankenhaus und die Altstadt von Peking, wo ich einem alten Hobbymaler eine Federzeichnung von Bambus mit einem Gedicht dazu abkaufte: „Der Bambus ist unzerstörbar, denn er beugt sich, wenn der Sturm kommt, statt an ihm zu zerbrechen.“ Die Eiche sei das falsche Modell, lächelte der kluge alte Mann. Heute sehe ich, in welchem Ausmaß das stimmt.

Wir bestiegen die große Mauer an einer Stelle, wo außer uns keine anderen Touristen waren – die Landschaft war trunken von goldenem Licht und bunten Herbstfarben. Wir bestaunten die Terrakotta-Armee, bei der jeder der tausenden Tonsoldaten ein anderes Gesicht hat; wir fuhren durch weite Felder, auf denen Bauern arbeiteten, wir machten eine Flussfahrt bei Guilin, begleiteten die Kormoran-Fischer, schlenderten durch die abendlichen Straßen mit dem bunten Trubel und den unzähligen Garküchen. Wir aßen merkwürdiges Fleisch von kleinen Körpern, die Hunde oder Katzen gewesen sein mögen – Fleisch von lebendigen Schlangen wollten wir lieber nicht aussuchen. Wir lernten alles über die Kunst der gefüllten, dampfgegarten Nudeln, wir lebten wie „Götter in Frankreich“. Gespräche mit unseren jungen Reiseführern machten uns deren Lebenswirklichkeit deutlich; wir sahen, dass sie unter Zwängen standen. Ein Gespräch mit einem unsympathischen Teilzeit-Führer in China (oben), der uns Langnasen sichtbar verachtete, macht mich bis heute ärgerlich. Der Mann behauptete steif und fest, der Buddhismus komme aus China, und China habe Tibet „befreit“. Überhaupt sei die chinesische Rasse die beste der Welt und werde früher oder später die Welt auch beherrschen. Ich war froh, als wir den Mann wieder los waren, aber vergessen habe ich seine Worte nie. Unser liebenswerter Langzeit-Führer, der junge Shu (unten), hätte uns gern eine weitere Reise organisiert. Ich wäre so gern wieder gekommen. Aber jeder Versuch, mit ihm nach der Heimkehr Kontakt aufrecht zu halten, lief ins Leere.

Hongkong, damals noch unter britischer Krone, war der Abschluss einer herrlichen Reise. Ich war fasziniert davon, wie in dieser Stadt althergebrachtes chinesisches Leben und westlicher Protz aufeinander trafen und eine spannende Verbindung miteinander eingingen. Natürlich waren wir auf dem Jademarkt, spazierten durch Straßen, in denen Lebensmittel wie vor 100 Jahren verkauft wurden, sahen die westlichen Läden mit schwerem Goldschmuck und dicken Klunkern, bewunderten das goldene Abendlicht im Hafen, wo zwischen modernen Schiffen eine kleine rote Dschunke daran erinnerte, dass Hongkong eine Metropole des alten China war.

Seit 1843 war Hongkong Kronkolonie der Briten. 1997 wurde ein Vertrag zur Rückgabe an China vereinbart, der laut Idee Deng Xiaopings nach dem Motto „ein Land, zwei Systeme“ ablaufen sollte. China musste einige Bedingungen akzeptieren, die in der chinesisch-britischen gemeinsamen Erklärung zu Hongkong festgelegt wurden, wie die Ausarbeitung und Annahme der Miniverfassung Hongkongs vor seiner Rückkehr. Das Grundgesetz stellte sicher, dass Hongkong sein kapitalistisches Wirtschaftssystem und seine eigene Währung (den Hongkong-Dollar), das Rechtssystem, das Gesetzgebungssystem sowie die Rechte und Freiheit der Menschen für 50 Jahre, als Sonderverwaltungszone von China, behalten könne. Im Jahr 2047 sollte dies ablaufen, bis dahin erlaubte die Vereinbarung Hongkong, in vielen internationalen Umgebungen (z.B. Welthandelsorganisation und Olympische Spiele) als eigene Entität und nicht als Teil von China aufzutreten.

Riot police officers clash with protesters in Hong Kong, on Wednesday, May 27, 2020. China officially has the broad power to quash unrest in Hong Kong, as the country’s legislature on Thursday nearly unanimously approved a plan to suppress subversion, secession, terrorism and seemingly any acts that might threaten national security in the semiautonomous city. (Lam Yik Fei/The New York Times)

Wie wir heute wissen, war China nicht bereit, diesen Vertrag einzuhalten. Im Juni 2020 wurde das Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit in Hongkong durch den Ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses verabschiedet. Die örtlichen Parteien lösten sich umgehend auf, denn sie fürchteten politische Verfolgung. Diese findet nun gnadenlos statt. Bereits seit 2014 hatten Studenten gegen die zunehmende Einflussnahme Chinas in Hongkong protestiert; heute sitzen die maßgeblichen Organisatoren, die nicht geflüchtet sind, in Haft. Lange vor dem Ende des Übergabevertrages hat China die Wirtschaftsmetropole mit eiserner Hand zurück ins Reich geholt.

2020 war China mit rund 1,44 Milliarden Einwohnern das Land mit der weltweit größten Bevölkerungszahl. Nur Indien hat mit 1,382 Milliarden Menschen ähnlich viele Einwohner. Chinas Wirtschaft ist die größte der Welt und ihr Motor. Ökonomen schätzen, dass Chinas BIP von Oktober bis Dezember 2020 im Jahresvergleich um fünf bis sechs Prozent wachsen wird, die Wirtschaft damit wieder auf das Niveau vor der Corona-Pandemie zurückkehrt und das Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 etwa acht bis neun Prozent erreichen wird. Laut IMF-Prognosen könnte Chinas Wirtschaft im Vergleich zu den USA dann um mehr als 75 Prozent an Größe gewinnen. Zurzeit arbeitet die Volksrepublik daran, ihre Importabhängigkeit von Hightech-Produkten, sowie von Lebensmitteln, Agrartechnologie und Biotechnologie sowie Energieträgern wie Öl, Gas und den wichtigsten Mineralien, die in neuen Energiespeichern verwendet werden, zu reduzieren. Auf der Exportseite will das Land weiterhin in globale Märkte vordringen, um seine neuen Elektrofahrzeuge, 5G-Dienste und Technologien im Zusammenhang mit neuer Infrastruktur, intelligenten Fabriken und intelligenten Städten zu exportieren.

Das sind keine guten Nachrichten für europäische Unternehmen, die in China tätig sind. Laut einer Studie der Europäischen Handelskammer in China und des Berliner China-Thinktanks Merics, die im Januar 2021 in Peking vorgestellt wurde, sagen 96 Prozent der europäischen Firmen in China, dass sie von der Entflechtung, also dem Decoupling, betroffen sind. „Decoupling-Maßnahmen sowohl seitens der USA wie auch Chinas bergen Risiken für globale Lieferketten“, heißt es in einer Stellungnahme von Volkswagen China an das „Handelsblatt“. „Ein besonderes Risiko sehen wir zudem im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie, die insbesondere für Anwendungen wie das vernetzte Fahren von Bedeutung ist.“

Anfang der 1990er Jahre avancierte das Südchinesische Meer zu einem global beachteten Konfliktherd. Dort prallen die territorialen und maritimen Ansprüche von bis zu sieben Staaten aufeinander, von denen jedoch nur drei, die VR China, Vietnam und die Philippinen, in größerem Ausmaß in Konflikte vor Ort involviert waren. Die anderen Länder, Malaysia, Brunei, Indonesien und die Republik China auf Taiwan, die alle auch Ansprüche geltend machen, blieben in westlicher Wahrnehmung eher im Hintergrund. Auslöser war die 1982 verabschiedete und 1994 in Kraft getretene Seerechtskonvention (United Nations Convention on the Law of the Sea; UNCLOS). Sie ermöglichte es Küstenstaaten, alle unterseeischen Ressourcen in einer bis zu 200 Seemeilen breiten Zone vor ihren Küsten zu kontrollieren. Die „Festlandssockelregelung“ erlaubte zudem eine Ausdehnung entsprechender Anrechte bis zu insgesamt 350 Seemeilen ins Meer. Im Südchinesischen Meer führte dies zu einer Vielzahl überlappender Ansprüche. Schon in den 1970er und 1980er Jahren hatten die Konfliktparteien, allen voran Vietnam, die Philippinen und schließlich auch China, eine Reihe von Inseln und Atollen militärisch besetzt. Ein zunehmend selbstbewusst und aggressiv auftretendes China, versucht kontinuierlich, seine Maximalforderungen (80 Prozent des betroffenen Gebietes) in kleinen Schritten gegen andere, weitaus schwächere Anspruchsteller durchzusetzen. Diese versuchen, ihre Position durch Rückgriff auf die Regionalorganisation ASEAN und die mit
eigenen Interessen in der Region aktive hegemoniale Militärmacht USA zu stärken.

Der Taiwan-Konflikt hat zwar in den vergangenen Jahren zu keinen militärischen Scharmützeln geführt, aber die Drohungen Pekings Richtung Taiwan haben zugenommen – samt den diese begleitenden Militärübungen. Das demokratische Taiwan ist de facto unabhängig, wird aber von China als abtrünnige Provinz angesehen. Wenn China einmal in Zukunft seinen Großmachtanspruch militärisch unter Beweis stellen will, dann droht Taiwan das Opfer zu sein. Schutzmacht Taiwans sind aber die USA – was China von Abenteuern abhalten, aber auch dazu führen könnte, dass die beiden Großmächte militärisch aufeinanderprallen.

Was es bedeutet, im Griff Chinas zu sein, zeigt nicht nur das Drama der Uiguren, das sich seit 1990, nur am Rande der öffentlichen Aufmerksamkeit, im Westen der chinesischen Volksrepublik in einer Region, die an Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan grenzt, abspielt. Die islamische Minderheit wird seit Jahren in Umerziehungslager gesteckt und zu Zwangsarbeit verpflichtet, mit dem Ziel, sowohl ihre Religion, als auch ihre Identität auszulöschen und ein chinesisches Volksbewusstsein zu implementieren.

Bereits 1950 besetzte China das Nachbarland Tibet und nannte das „Befreiung des tibetischen Volks vom Feudalismus.“ Der religiöse Führer der Tibeter, der Dalai Lama, und 80 000 Landsleute flohen 1959 nach einem niedergeschlagenen Volksaufstand nach Indien. Peking reagierte mit einer Politik der verbrannten Erde. Bis 1966 wurden mindestens 6000 Klöster und Tempel zerstört. Bauern und Nomaden wurden zum Leben in Volkskommunen gezwungen, Tausende Tibeter starben in Arbeitslagern und durch Hungersnöte. Seit den 1980er Jahren setzte eine rücksichtslosen Ausbeutung der Bodenschätze in der ökologisch sensiblen Hochlandregion ein. Durch die systematische Ansiedlung von Millionen Chinesen wurden die Tibeter zur Minderheit in ihrer Heimat. Genauso lange wie der Konflikt zwischen China und Tibet laviert auch die internationale Staatengemeinschaft hin und her. Einerseits gibt es Sympathien für das Autonomie-Streben des kleinen Volks im Himalaya-Gebirge. Andererseits will es sich wegen knallharter geopolitischer und wirtschaftlicher Interessen niemand mit der kommunistischen Führung in Peking verscherzen.

1995 entführte China Tibets 11. Panchen Lama, Gedhun Choekyi Nyima, im Alter von sechs Jahren gemeinsam mit seinen Eltern. Seither wurde er nicht wieder gesehen. Unmittelbar nach der Entführung von Gedhun Choekyi Nyima hat China einen anderen tibetischen Jungen zum eigenen Panchen Lama erklärt. Dieser vertritt seither öffentlich die ideologische Linie der KP und wird von vielen Tibetern als „Panchen Zuma“, „falscher Panchen“, bezeichnet. . Zuletzt hatten sich im August 2020 fünf Menschenrechtsexperten und Expertengremien der Vereinten Nationen mit einem öffentlichen Schreiben an die chinesische Regierung gewandt und den freien Zugang unabhängiger Beobachter zu dem Entführten und seiner Familie gefordert. In ihrer Erklärung äußern die UN-Menschenrechtsexperten auch ihre Besorgnis über die von der chinesischen Regierung erlassenen „Reinkarnationsregeln“ für den tibetischen Buddhismus. Diese stellten eine Verletzung der Religionsfreiheit der Tibeter dar, erlauben sie doch unter anderem staatliche Einmischung in die Bestimmung eines Nachfolgers des Dalai Lama.

Die Macht des Milliarden-Volkes wird zum Drama aller, die ins Augenmerk ihres Interesses geraten; so gesehen zuletzt in Hongkong. Niemand wird einen Finger rühren, um sie zu retten, weil alle Mächte der Welt vom Wirtschaftsmotor Chinas abhängig sind. Um sich weiteres wirtschaftliches Ansehen zu verschafften, baut China zurzeit an der neuen Seidenstraße, die durch zahlreiche Länder bis nach Europa führt. Die beteiligten Nationen hoffen auf Arbeitsplätze und neue Einnahmen. Tatsache ist aber: Neun von zehn Projekten werden durch chinesische Firmen ausgeführt. Dabei merken besonders die Europäer erst spät, wie sie sich selbst Nachteile bereitet haben: Chinesische Unternehmen können bisher in Europa investieren, ohne diskriminiert zu werden. Andersherum funktioniert das aber nicht. Gleichzeitig nutzt China das Projekt zu bilateralen Verhandlungen mit den Ländern, durch die die neue Seidenstraße führen wird, wie etwa Italien und unterminiert damit die gemeinsame europäische Politik.

Experten befürchten, dass im Falle von Zahlungsschwierigkeiten China großen Einfluss in den betroffenen Ländern bekommen könnte – sei es über Deals, die dann geschlossen werden, oder dadurch, dass Peking gleich ganz die Kontrolle über wichtige Projekte wie Häfen und Bahnstrecken bekommt. Damit könnte das Regime, das unter Xi immer weiter in Richtung Diktatur driftet, die Westmächte in den Regionen noch mehr zurückdrängen. Kleine Länder, die sich moderne Straßen, Häfen oder Eisenbahnstrecken selbst nicht leisten könnten, heißen die Initiative willkommen und geraten damit in eine Schuldenfalle: Die Kredite, die China gewährt, werden sie kaum zurück zahlen können.

In Afrika präsentiert sich China bereits seit Mitte der 1950er Jahre als ein prominenter Partner im anti-kolonialen Kampf. Die Unterstützung umfasste nicht nur die Ausbildung und Ausrüstung von Milizen, sie gipfelte auch im Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Sambia und Tansania, die es dem Binnenland Sambia erlaubte, das damalige Rhodesien und das Südafrika der Apartheid zu meiden, die den Zugang zu Schiene und Hafen kontrollierten. Deng Xiaoping drängte Chinas Staatsunternehmen, externe Märkte und Rohstoffquellen zu erschließen. Diese konzentrierten sich zunächst auf den Rohstoffsektor, um Erdöl und andere Ressourcen für den boomenden Produktionssektor des Landes zu sichern, und stießen in Afrika auf offene Arme. Die Beziehungen entwickelten sich rasch und wurden im Jahr 2000 durch das Forum für die Zusammenarbeit zwischen China und Afrika (FOCAC) formalisiert. Das FOCAC diente in der Folge als Plattform für die rasche Ausweitung der Beziehungen. China wurde schnell zu einem wichtigen Infrastrukturbetreiber auf dem afrikanischen Kontinent und 2009 zu seinem größten Handelspartner.

Insgesamt entfallen etwa 22 Prozent der Schulden Afrikas auf China. Diese Darlehen sind gebunden, was bedeutet, dass die Ausführung der Projekte durch chinesische Auftragnehmer verlangt wird. Bei den Neuverhandlungen mit den afrikanischen Partnern beharrt Peking jedoch auf dem undurchsichtigen Ansatz, jeden Schuldner als Einzelfall zu behandeln. Die rasche Zunahme der afrikanischen Staatsschulden bei China wird langfristige Folgewirkungen haben. Peking hat bereits breite afrikanische Unterstützung etwa in der UNO aufgebaut und festigt dieses Verhältnis durch die aktive Teilnahme an UNO-Friedensmissonen auf dem Kontinent. Chinesische Investitionen beispielsweise in Äthiopiens Schuh- und Bekleidungsindustrie haben dem Land ermöglicht, sich als Exporteur auf dem europäischen Markt zu etablieren, westliche Marken wie H&M haben ebenfalls begonnen, in Äthiopien zu produzieren. China überrundet auch westliche Konkurrenten, wenn es um den aufstrebenden afrikanischen Verbrauchermarkt mit 1,2 Milliarden Menschen geht. Der chinesische Mobilfunkhersteller Transsion erzielt mit dem Verkauf preiswerter Handys, die auf die Bedürfnisse der afrikanischen Verbraucher zugeschnitten sind, beträchtliche Gewinne. Die Beteiligung von Huawei auf allen Ebenen der Internet-Lieferkette, von Unterwasserkabeln bis hin zum Verkauf von Mobiltelefonen, hat das Unternehmen zu einer gewaltigen Marktpräsenz in Afrika geführt, die durch die engen Beziehungen zu staatlichen chinesischen Finanzinstituten noch zusätzlich gefestigt wird.

Und Europa? Von Angela Merkel ist bekannt, dass sie eine fundamentale Verschiebung der globalen Machtverhältnisse in Richtung Asien für unabwendbar hält. China steigt auf, und Europa steigt ab. Sieben Jahre lang hatten Brüssel und Peking das Investitionsabkommen verhandelt, das am 30. Dezember 2020 besiegelt wurde; zu einer Zeit, in der die USA wegen des Präsidentenwechsels politisch gelähmt waren. Dieser Abschluss am vorletzten Tag des Jahres 2020 trägt klar die Handschrift von Angela Merkel. Sie hatte bereits vor der Corona-Pandemie die Beziehungen zwischen China und der EU zu einem zentralen Thema der deutschen EU-Ratspräsidentschaft gemacht. Daran hat sie trotz Corona festgehalten und den Abschluss mit China bis zuletzt vorangetrieben.

Brüssel betont zwar, dass die Beziehung zu den USA erneuert werden müsse, auch um gegenüber China zusammenzuarbeiten. Wenige Tage vor der Amtseinführung von Präsident Biden einen Vertrag mit China zu schließen, kommt allerdings einem ausgestreckten Mittelfinger gleich, der signalisiert: Im Zweifel ist der Marktzugang so wichtig, dass wir auf Biden nicht warten können. Dass Merkel den Abschluss vorangetrieben hat, obwohl die EU China zum systemischen Rivalen erklärt hat, zeigt auch, dass sie in der Politik mit China eine dezidiert eigene Linie verfolgt. Der deutschen Autoindustrie dürfte das recht sein. VW verkauft jedes zweite Auto in der Volksrepublik, und für Daimler ist China der wichtigste Markt. Dank des Abkommens dürfen sie dort künftig auch bei Elektrofahrzeugen mitmischen. Mit der strategischen Entscheidung, so stark auf den chinesischen Markt zu setzen, hat insbesondere Volkswagen sich in eine Abhängigkeit manövriert, die der Bundesregierung kaum noch die Wahl lässt, China kritisch gegenüber zu treten. 

Ob das Abkommen der EU die erwünschten Vorteile bringt, darf bezweifelt werden: Die Entkopplungsstrategie der chinesischen Regierung von den Weltmärkten hat bundesdeutschen Unternehmen bereits erhebliche Nachteile gebracht. Im Januar 2021 sagte Jörg Wuttke, Präsident der EU-Handelskammer in Peking vor Journalisten: „Wir sind an einem Wendepunkt“. Die Probleme bei Halbleitern hätten gerade erst wieder deutlich gemacht: „Man kann untergehen, wenn in der Produktionskette nur ein einziges Teil fehlt, denn dann kann ein Produkt möglicherweise nicht auf den Markt gebracht werden.“ Umgekehrt ist China seit Jahren in Europa auf Dauer-Einkaufstour. Gekauft wird alles, was strategisch nützlich sein könnte: Beginnend mit Wald und landwirtschaftlichen Flächen über Immobilien bis hin zu innovativen Unternehmen. In Tschechien landete ein Investor einen Coup der besonderen Art: Die staatliche Finanzierungsgesellschaft CITIC übernahm mehrheitlich die Medea-Gruppe, Teil eines großen Medienunternehmens, zu dem auch die Zeitschrift „Tyden“ und Barrandov-TV gehören. Wer mehr als 250 000 Euro investiert, erhält eine Eintrittskarte für den Schengenraum. Von den 15 369 „goldenen Visa“ bekamen Chinesen bisher den größten Anteil, ebenso von den 5302 Dauer-Aufenthaltsgenehmigungen.

Bei den Gesellschaften, die in Europa investieren, ist nicht alles Gold, was glänzt. Eins der jüngsten Beispiele ist die Pleite des Großkonzerns HNA, der den Flughafen Frankfurt/Hahn in der rheinland-pfälzischen Provinz gekauft hat (82,5 Prozent; der Rest gehört dem Land Hessen). Die ursprünglich rein chinesische Fluggesellschaft kaufte zwischen 2015 und 2017 weltweit rund 2000 Unternehmen für mindestens 50 Milliarden Dollar. Unter anderem hielt der Konzern auch 9,9 Prozent Anteile an der Deutschen Bank. Ab 2018 geriet er in Zahlungsschwierigkeiten, im Januar 2021 meldete er Insolvenz an. In den sozialen Medien tummeln sich inzwischen tausende mittlere und kleine chinesische Unternehmen, die alles vermarkten, was man sich vorstellen kann. Darunter sind Textilien, deren Schnitte oft im Westen kopiert wurden und in den buntesten Farben genäht werden. Kommen die Waren dann nach bis zu vierwöchiger Lieferzeit an, sind sie meist minderwertig. Elektroteile funktionieren nicht oder haben andere Mängel. Reklamationen für Privatkunden unmöglich – es gibt keinerlei Handhabe. Vermarktet werden auch Dinge wie original Apple Produkte auf Webseiten, die der von Apple täuschend ähnlich sehen und innerhalb kurzer Zeit wieder verschwinden. Wer keinen Paypal-Käuferschutz genießt, hat dabei das Nachsehen. Daneben gibt es Unternehmen wie Alibaba, das chinesische Pendant zu Amazon, die sich anschicken, im nächsten Zug aktiv den Westen zu erobern.

Parallel dazu ist China in allen sozialen Medien aktiv, um das Land so positiv wie möglich darzustellen. Dazu gehören kleine Videos von Pandababies, wunderschöne Naturaufnahmen, Landschaftsfotos und vor allem Fotos der zahlreichen kulturellen Minderheiten im Land, wie etwa die Menschen aus Nepal, die angeblich rundum glücklich sind. Versuche, in Kommentaren darauf hinzuweisen, dass das so nicht stimmen kann, werden von den Autoren mit Beschimpfungen beantwortet.

Betrachtet man die weltweiten Aktivitäten des Reichs der Mitte, wirken sie wie ein lautlos fein gesponnenes Netz, das sich langsam, aber sicher immer weiter verdichtet. Dazu braucht das Land im Gegensatz zum lauten, oft empathiefreien Auftreten der USA keinen einzigen Krieg. Umso nachhaltiger sind dafür die Ergebnisse einer Politik, die seit inzwischen rund 70 Jahren verfolgt wird. Auch überall in Europa sind chinesische Einkäufer unterwegs, bilden sich kleine chinesische Kolonien, die widerum Ware vertreiben. So kommt es beispielsweise, dass der Markt seit einigen Jahren massenweise von billigen Kleidungsstücken überschwemmt wird mit der Aufschrift „Made in Italy“. Sie werden in Italien von Chinesen hergestellt und vertrieben.

3440 Kilometer Grenze haben China und Indien gemeinsam. Seit den 1950er Jahren gibt es immer wieder Streit darum, besonders auf den Bergen im Himalaya. Peking beansprucht etwa 90.000 Quadratkilometer eines Gebiets für sich, das sich unter indischer Kontrolle befindet. Auch dort geht China aggressiv vor, etwa mit dem Bau neuer Dörfer. Indien versucht, dem mit neuer, besserer Infrastruktur entgegen zu wirken. Ein weiteres Krisengebiet, Sikkim, liegt an einer Engstelle, die die einzige Verbindung zwischen dem Westen und Osten Indiens darstellt. Immer wieder Truppen beider Länder gegenüber, genau wie im Krisengebiet Ladakh.

Im Himalaya führt China einen erbitterten Krieg um Wasser: Am Fluss Yarlung Tsangpo, der in Tibet entspringt, sollen Turbinen mit einer Rekordleistung von 60 Gigawatt installiert werden – fast dreimal so viel wie im bisher weltgrößten Wasserkraftwerk, dem Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtse. Der Yarlung Zangbo ist der größte Hochgebirgsfluss der Welt. Er fließt 1 700 Kilometer über das Tibet-Plateau auf einer Höhe von etwa 4 000 Metern und folgt dabei der Nahtstelle zwischen Indien und Eurasien. Im Ost-Himalaya bricht er aus dem Hochplateau in der weltbekannten, hufeisenförmigen Zangbo-Schlucht nach Indien durch. Der Fluss, der in Indien Brahmaputra heißt, ist der wasserreichste Fluss Asiens, auf den hunderte Millionen Menschen angewiesen sind. Die Wasserstände dort sind zuletzt auf ein „besorgniserregend niedriges Niveau“ gefallen, wie die Mekong-Flusskommission – eine zwischenstaatliche Organisation von Mekong-Anrainern, an der China nicht beteiligt ist – mitteilte.

Auch der Mekong entspringt auf chinesischem Territorium. Der größte Fluss Südostasiens setzt seinen Weg fort durch Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam. China hat ihn mit insgesamt 11 Dämmen gestaut, ein wichtiger darunter ist der Jinghong-Damm in der Provinz Yunnan. „Die chinesischen Staudämme haben verheerende Folgen für die Menschen, die flussabwärts leben“, kritisiert die Umweltschutzorganisation International Rivers. Der Mekong tritt jedes Jahr zur Schneeschmelze im Himalaya und in der Monsunzeit in den Anrainerstaaten über die Ufer und befruchtet das Land mit wertvollen Sedimenten. Von 2019 bis April 2020 wurde der Nuozhadu- Damm mit Wasser gefüllt.2019 fiel der Fluss an der Grenze zwischen Thailand und Laos weitgehend trocken. Millionen von Fischen erstickten in kleinen übrig gebliebenen Pools. Die Situation war so dramatisch, dass Thailand seine Armee mobilisierte, um für Entspannung zu sorgen. Im selben Jahr gab es im Mekong-Delta keinen Monsun-bedingten Anstieg des Wassers. Millionen von Menschen im Delta sind immer wieder ohne Zugang zu Trinkwasser, weil von China so viel davon zurück gehalten wird. Zwischen Thailand und Laos wurden dagegen wiederholt zwischendurch plötzlich kurzzeitig enorme Überflutungen registriert. Das Wasser stieg innerhalb kürzester Zeit um mehrere Meter, richtete in den anliegenden Orten enorme Schäden an und sank ebenso plötzlich wieder. Peking behandelt seine Wasserpolitik als Staatsgeheimnis und teilt nichts dazu mit. Beobachtungen von Außen werden als Diffamierungen durch die USA behandelt.

Wir sollten niemals und zu keinem Zeitpunkt vergessen, aus welchem Beweggrund heraus China so konsequent agiert: Das Land will die nächste Supermacht werden. Die einzige Supermacht. Die Macht, die ihre Ansprüche im Zweifelsfall ohne Rücksicht auf Andere durchsetzen wird. Und die, die allen anderen diktiert, wie sie handeln; ja, was sie denken sollen.

Dabei kann das Land auf fast 1,5 Milliarden Menschen zurück greifen, die vom politischen System überzeugt sind; gar nicht anders können, als überzeugt zu sein. „Die Kommunistische Partei Chinas, die befürchtet, die Gewährung politischer Freiheit könnte ihre Macht gefährden, hat einen Orwellschen Hightech-Überwachungsstaat und ein ausgeklügeltes Internet-Zensursystem errichtet, um öffentliche Kritik zu überwachen und zu unterdrücken,“ vermerkt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in ihrem Jahresbericht 2020. „Peking hat lange Zeit die Kritik im eigenen Land unterdrückt. Nun versucht die chinesische Regierung, diese Zensur auf den Rest der Welt auszuweiten“, schreibt HRW-Chef Kenneth Roth in dem Bericht. Sollte China daran nicht gehindert werden, drohe eine „dystopische Zukunft“, in der sich niemand außerhalb der „Reichweite chinesischer Zensoren“ befinde. Zudem drohe das internationale Menschenrechtssystem so stark geschwächt zu werden, dass keine Überprüfung der Repression durch nationale Regierungen mehr möglich sei, warnte Roth. Dies zeigt sich laut dem HRW-Bericht bereits jetzt in den Gremien der Vereinten Nationen. Peking setze immer ausgefeiltere Technologien zur Unterdrückung ein und greife dadurch massiv in die Privatsphäre der Menschen ein. DNA-Proben würden unter Zwang gesammelt und große Datenanalysen sowie künstliche Intelligenz eingesetzt. „Ziel ist es, eine Gesellschaft frei von Dissens zu schaffen“, so die Menschenrechtler.

Human Rights Watch appellierte an die demokratischen Staaten, gemeinsam gegen Pekings Strategie vorzugehen. Sie sollen dafür etwa Alternativen zu chinesischen Krediten zur Verfügung stellen und das Vermögen chinesischer Regierungsvertreter einfrieren, die sich an der Unterdrückung der Uiguren beteiligten. HRW-Chef Roth wollte den Jahresbericht eigentlich in Hongkong vorstellen, doch wurde ihm am Flughafen der chinesischen Sonderverwaltungsregion die Einreise verweigert

Wie es aussieht, wenn sich ein Volk den chinesischen Eingliederungsbemühungen widersetzt, berichtet jedes Jahr die „Interntional Campaign for Tibet“ (ICT). Das Tibet-Jahr 2020:

Januar: Chinesische Behörden zerstören historische Gebäude in Lhasa und ersetzen sie durch Beton und Glas. Die ICT fordert die UNESCO auf, dagegegn einzuschreiten.

Februar: Wegen Corona findet das tibetische Neujahrsfest Losar unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

März: Chinesische Drohgebärden zum Tag der Tibet-Solidarität am 10. März: Peking inszeniert einen marzialischen Truppenaufmarsch in Lhasa, während die Tibeter des Aufstands vom 10. März 1959 gedenken, nach dem ihr geistlicher Führer flüchten musste.

April: Der Mönch Gendun Sherab erliegt den langfristigen Folgen seiner schweren Folter in chinesischer Haft, Er hatte ein Dokument des Dalai Lama in die sozialen Medien weiter geleitet.

Mai: Wegen Corona erteilt der Dalai Lama am 16. Mai erstmals buddhistische Unterweisungen via Internet. Vor dem bedeutendsten Heiligtum des tibetischen Buddhismus, dem unter UNESCO-Schutz stehenden Jokhang-Tempel in Lhasa wurden zwei neue Pavillons im chinesischen Stil errichtet.

Juni: Im Rahmen einer „Umweltsäuberung“ befehlen Behördenvertreter und Polizisten der tibetischen Bevölkerung, ihre Gebetsfahnen in den Dörfern und auf Bergspitzen zu entfernen. Bilder des Dalai Lama dürfen sie schon lange nicht mehr besitzen.

Juli: Der Dalai Lama wird 85. Der Komponist Khadro Tseten wird zu sieben, der Sänger Tsego zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Beide haben ein Lied zu Ehren des Dalai Lamas eingespielt und verbreitet.

August: Hochrangige Menschenrechtler der UNO kritisieren Pekings „Reinkarnationsregeln“ für tibetische Lamas und fordern Zugang zum verschwundenen Panchen Lama Gendum Choekyi Nyima. Schwer krank wird die Tibeterin Dolkar aus chinesischer Haft entlassen, wo sie gefoltert und zu Schwerarbeit gezwungen wurde.

September: Zehn Mitglieder des Unterstützungskommitees für das örtliche Kloster werden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die chinesischen Behörden zwingen hunderttausende Tibeter in ein staatliches „Arbeitspogramm“ mit militärischen Umerziehungszentren und Transfers in chinesische Provinzen. Wenn sie vorgegebene Arbeitsquoten nicht erreichen, drohen Strafen.

Oktober: Der Tod der 36jährigen Lhamo wird bekannt. Sie starb in chinesischer Haft und wurde sofort eingeäschert, was eine Untersuchung unmöglich machte.

November: ICT-Geschäftsführer Kai Müller spricht bei einer Expertenanhörung im deutschen Bundestag. Er übergibt auch eine Petition im auswärtigen Amt. 2500 Menschen fordern die Bundesregierung auf, die Arbeitsprogramme in Tibet zu verurteilen und das Thema in Gesprächen mit der chinesischen Regierung auf den Tisch zu bringen.

Dezember: Der „Tibetan Policy and Support Act“ wird rechtskräftig. Das neue US-Gesetz ermöglicht persönliche Sanktionen gegen chinesische Funktionäre, die versuchen, sich in die Nachfolge es Dalai Lama einzumischen. Die chinesische Regierung teilt mit, die „Zentralregierung“ habe den religiösen Status und die Titel des Dalai Lama, sowie von Panchen Lama festgelegt. Offenbar sieht sie sich in deren Nachfolge. Die Stellungnahme der UN-Experten sei eine Einmischung in innere Angelegenheiten. Der tibetische Schriftsteller Gedrun Lhundrup ist verschwunden. Der tibetische Mönch Rinchen Tsultrim wird seit über einem Jahr ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten.

Im Januar 2021 ging es genau so weiter: Der 19jährigen Tenzin Nyima hatte im November 2019 für die Unabhängigkeit Tibets protestiert und wurde in der Folge mehrfach inhaftiert. Im Oktober 2020 wurden seine Angehörigen aufgefordert, den Mönch aus dem Gefängnis abzuholen. Er war so schwer geschlagen worden, dass er nicht mehr sprechen und sich nicht mehr bewegen konnte. Seine Familie brachte ihn noch in mehrere Krankenhäuser, aber man konnte ihm nicht mehr helfen.

Das Spendenkonto der International Campaign for Tibet, in deren internationalem Beirat unter anderem Harrison Ford und Desmund Tutu sitzen, deren internationaler Vorsitzender Richard Gere ist, ist bei der Bank für Sozialwirtschaft: IBAN DE20 1002 0500 0003 2104 00. Spenden können steuerlich abgesetzt werden.

Siehe auch:

Tibet: Ein Volk im Würgegriff protestiert mit immer mehr Selbstverbrennungen

Updates:

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Chinesische Geschäftsleute: „Spionage-Abwehr-Training“ gegen ausländische Einflüsse

„If China wins with its central bank digital currency, that’s the end of the American hegemony.”

Beijing takes pointers from Mao in protracted power struggle with US

Sagenumwobenes Shambala verborgen in einem Himalaya-Tal …

Es ist nicht einfach, etwas über das Tal der Unsterblichen im Himalaya zu recherchieren – man findet überall Brocken und drumherum gestaltete Geschichten (siehe auch Link ganz unten). Deshalb hier ein Artikel, veröffentlicht im Nexus-Magazin, der ganz viele Mosaiksteine zum sagenumwobenen Shambhala zusammengetragen hat. Das Magazin bietet auch Denkansätze zu weiteren Themen, die Aaravindha Himadra behandelt; es lohnt sich, dort zu stöbern.

Der Jade-Turm

In vielen tibetischen Schriften und fernöstlichen Überlieferungen findet sich der aus alten Zeiten stammende Glaube an ein geheimes Reich von Weisen, die in vollkommener Abgeschiedenheit in einem unzugänglichen Teil des asiatischen Gebirges leben. Orientalisten nennen diesen rätselhaften Ort Chang Shambhala oder Nördliches Shambhala (manchmal auch Shamballa geschrieben). Tibetische Mönche sind überzeugt von der Existenz eines mysteriösen, schönen Tals, umgeben von schneebedeckten Bergen, das sich von Nordtibet bis in die Mongolei erstreckt. Dieses Tal, so heißt  es, könne nur von Reisenden betreten werden, die über erfahrene bzw. mystische Führung verfügen.

In Überlieferungen heißt es, dieser geheime Landstrich könne nur von Eingeweihten oder Personen gefunden werden, die sich dem spirituellen Erwachen der Menschheit verschrieben haben. Das Zentrum Shambhalas bildet der berühmte Jade-Turm. Dieser steht in einer alten Stadt, die laut tibetischen Mönchen von unterirdischen Quellen beheizt wird. Der heiße Wasserdampf steigt in die Atmosphäre auf und sorgt für eine natürliche Inversion, was sich in einer feinen Nebeldecke äußert. Diese verbirgt die unter ihr liegende Landschaft, sodass das Tal von der Luft aus nicht gesehen werden kann. Mehrere Forscherteams, die den Himalaya bereist haben, berichteten, sie hätten an heißen Quellen gelagert, die eine reichhaltige Vegetation in einer ansonsten kargen, felsigen, eisbedeckten Landschaft hervorgebracht hätten. Wie die Tibeter, Russen und Chinesen glauben auch die Inder an einen Ort, an dem perfekte Menschen leben. Sie nennen diese Menschen Kalapa (oder Katapa) von Shambhala, und angeblich leben diese permanent in einem Umfeld von übernatürlichen Energien.

Der bekannte russische Autor, Maler und Entdecker Professor Nicholas Roerich (1874 – 1947) reiste fünf Jahre lang, von 1923 bis 1928, durch alle sieben Verwaltungsbezirke Tibets. In seinem Buch „Himalaya – Abode of Light“ 1 schrieb er, dass dieses geheime Tal jenseits von großen Seen und schneebedeckten Gipfeln in den höchsten Bergen der Welt liege. Professor Roerich scheint Shambhala schließlich gefunden zu haben, und daher wurden seine Bücher und Bilder für den vorliegenden Artikel sorgfältig analysiert; ebenso wie die Werke seines Sohns, Dr. George Roerich (1902 – 1960), einem herausragenden Orientalisten, Philologen, Kunstkritiker und Ethnographen mit Abschlüssen aus Harvard und der Sorbonne. Die Familie Roerich lebte im Kulu-Tal in Nordindien, nahe der Grenze zu Westtibet. Von dort aus organisierte sie mehrere groß angelegte Expeditionen in unerforschte Gebiete des Tibet-Plateaus, dem höchstgelegenen Land der Erde. Dutzende Sherpas sowie norwegische, tibetische, mongolische und chinesische Träger begleiteten diese manchmal monatelangen Expeditionen.

Jürgen MItter
Tal im Himalaya, von Nebel geschützt. Foto: Jürgen Mitter

Ein anderer bekannter Forscher, Andrew Tomas, Autor des Buches „Shambhala – Oasis of Light“ 2, verbrachte viele Jahre in Tibet, wo er erfuhr, dass das Reich Shambhala in einem von hohen, schneebedeckten Gebirgszügen umschlossenen Tal liege, dessen Bewohner sich in unterirdische Katakomben zurückziehen könnten. Diese und andere Erforscher Asiens beschreiben unentdeckte Täler inmitten des verschneiten tibetischen Gebirges, tief verborgen in den Weiten des Himalaya. Das „Bhagavata Purana“ und die Sanskrit-Enzyklopädie „Vachapattya“ siedeln Shambhala im Norden des Himalaya am Fuße des mythologischen Bergs Meru an. Dort, so glauben viele, träfen Sterblichkeit und Unsterblichkeit aufeinander. Auf einer Karte aus dem 17. Jahrhundert ist der Ort genauer verzeichnet. Veröffentlicht wurde diese Karte 1830 in Antwerpen von Csoma de Körös, einem ungarischen Philologen, der vier Jahre lang in einem buddhistischen Kloster in Tibet verbrachte.

Er gibt die geographische Lage Shambhalas mit 45 bis 50 Grad nördlicher Breite an, jenseits des Sees Manus Hu gelegen, etwa 100 Kilometer östlich des Dorfes Karamay. Bemerkenswert ist, dass ein altes Klosterdokument, auf das der russische Forscher Nikolai M. Prjevalsky (1839 – 1888) stieß, für die Lage Shambhalas 88 Grad östlicher Länge angibt.3 Laut diesen beiden Koordinaten befände sich Shambhala ein wenig östlich des Altaigebirges, einem großen, bis zu 4.506 Meter hohen Gebirgssystem in Zentralasien – und genau dorthin führten mehrere der Roerich-Expeditionen.

Das geheime Tor zum „Tal der Unsterblichen“

Jahrtausendelang glaubten die verschiedenen Völker Asiens, dass dieses verbotene Gebiet gut bewacht sei und dass nur den im Herzen Reinen Zugang gewährt werde. Die Fragen, die sich stellen, lauten: Wer sind die Menschen, die in dieser Abgeschiedenheit leben – und was sind sie? Der tibetischen Legende nach handelt es sich um „Stille Wächter“ – ehemals gewöhnliche Männer
und Frauen, die aufgrund ihrer spirituellen Entwicklung einen „Passierschein“ nach Shambhala erhielten. Andrew Tomas legt eindrucksvolle Beweise in Form tibetischer Quellen aus alten Klosterbibliotheken vor, in die er Einblick nehmen durfte. Durch seine Funde erfahren wir Genaueres über diese erleuchtete Gemeinschaft:

„Die Bruderschaft von Shambhala wird von einer kleinen Gruppe höherer Wesen geführt, die manchmal als Mahatmas bezeichnet werden, was auf Sanskrit so viel heißt wie ,die mit der großen Seele‘. Es sind übermenschliche Wesen mit übernatürlichen Kräften, die ihre Entwicklung auf diesem Planeten abgeschlossen haben, aber unter den Menschen bleiben, um ihnen bei ihrer spirituellen Entwicklung zu helfen. […] Die Lebensdauer ihres Körpers ist praktisch unbegrenzt, weil sich das Rad der Wiedergeburt für sie nicht mehr dreht.“ 4

Mit anderen Worten: Sie sind Unsterbliche – und soviel man über diese Gemeinschaft der Erleuchteten weiß, spielt das Konzept der Wiedergeburt eine wichtige Rolle in ihrer Philosophie. In tibetischen Schriften ist zu lesen, dass

„seit Menschengedenken eine Dynastie weiser Herrscher himmlischen Ursprungs das Reich Shambhala regiert und das unschätzbar wertvolle Erbe des Kalachakra bewahrt, der mystischen Wissenschaft des esoterischen Buddhismus.“ 5

Symbol des Kalachakra, hier als Anhänger
Symbol des Kalachakra

Nachdem er sieben Jahre in Tibet und China gelebt hat, schrieb der deutsche Autor Hartwig Hausdorf in seinem Buch „Die weiße Pyramide“, dass die Weisen von Shambhala „nicht ganz von dieser Welt sind; sie muten eher außerirdisch an […] eine Spezies, die uns der Universale Geist geschickt hat“ 6. Seit Urzeiten glauben Tibeter und andere asiatische Völker daran, dass unter ihnen Weise leben, die über den Tod hinausgewachsen sind, in einem physischen Körper über die Erde wandeln und durch das Universum reisen. Früher wurden sie als „heilige Unsterbliche“ bezeichnet, und angeblich haben sie eine Reihe von alchemistischen „Unsterblichkeitselixieren“ entwickelt. Eines davon soll aus pulverisierter und mit Zinnober versetzter Jade bestehen. Die „Unsterblichen“ tranken es, um ihren Körper in den Zustand des hsien zu bringen – physische Unsterblichkeit in einem vergeistigten Körper.

Die sogenannten „Mahatma-Briefe an A. P. Sinnett“ 7 wurden zwischen 1880 und 1885 von Mahatmas verfasst, die angeblich in Shambhala gelebt haben. Sofern das stimmt, würden sie eine Quelle a us erster Hand darstellen und das Reich aus dem Innersten Kreis der östlichen Weisen heraus beschreiben. Auf der Grundlage dieser Briefkorrespondenz schrieb Sinnett „The Occult World“ (1881) und „Esoteric Buddhism“ (1883). Beide Bücher hatten großen Anteil am aufkommenden Interesse an der Theosophie. Die schriftlichen Antworten und Ausführungen der Mahatmas aus Shambhala auf Sinnetts Fragen wurden 1923 unter dem Titel „The Mahatma Letters to A. P. Sinnett“ veröffentlicht (Die Originalbriefe der Mahatmas werden in der Abteilung für seltene Schriften der British Library aufbewahrt und können mit einer Sondergenehmigung eingesehen werden.) Das mysteriöse Reich Shambhala erhält durch die Schriften der Mahatmas weitere Konturen. Den Mahatmas wurden prophetische Fähigkeiten zugeschrieben. Der ehrwürdige Mahatma Morya, ein Eingeweihter rajputischer Herkunft, beschreibt in einem Brief an Sinnett von 1881 das imposante geheime Tor zum Tal der Unsterblichen:

„An einem Ort, von dem Außenstehende nie erfahren werden, gibt es einen Abgrund, über den sich eine schwächlich anmutende Brücke aus geflochtenem Gras spannt, unter der ein wilder Strom hindurchbraust. Selbst der Kühnste aus einem eurer Bergsteigervereine würde keinen Fuß darauf setzen, denn die Brücke hängt durch wie ein Spinnennetz und wirkt fadenscheinig und unpassierbar. Doch das ist sie nicht. Und wer es wagt, darüber zu schreiten, und es schafft […], gelangt in eine Schlucht von atemberaubender Schönheit. Dies ist einer der Orte, an denen wir leben und von denen europäische Geographen nichts wissen. Unweit des alten Lamaklosters steht der uralte Turm, der Generationen von Bodhisattvas [Menschen, die sich dem Mitgefühl verschrieben haben und vollkommene Weisheit verkörpern] hervorgebracht hat.“ 8

Die Bewohner mehrerer Dörfer in Tibet behaupten, dass bestimmte Gegenden nur mit besonderer Erlaubnis betreten werden können. Mahatma Morya sagte dazu:

„Von verlässlichen Reisenden haben Sie ja bereits erfahren, dass die Führer sich weigern, sie in bestimmte Gebiete zu bringen. Sie lassen sich lieber töten, als die Reisenden dorthin zu begleiten. Wenn ein leichtsinniger Reisender dennoch weitergeht, so schneidet ihm ein Erdrutsch den Weg ab. Wenn der Reisende darüber hinwegklettert, so wird ihn ein Steinschlag treffen, denn wer hier nicht willkommen ist, wird sein Ziel auch nicht erreichen.“ 9

Es wurde schon von Menschen und Tieren berichtet, die unwillkürlich zu zittern begannen, sobald sie sich bestimmten Orten in einem solchen Gebiet näherten, so als würden sie mit unsichtbarer Strahlung beschossen. Ein anonymer Dalai Lama aus dem 19. Jahrhundert

„begab sich einst auf den langen Weg von Lhasa in die Mongolei, und auf einem Abschnitt der Strecke begannen Menschen wie Tiere der Karawane aus keinem ersichtlichen Grund zu zittern. Der Dalai Lama erklärte das Phänomen damit, dass die Gruppe gerade eine verbotene Zone Shambhalas durchquere, deren spirituelle Schwingungen für die Reisenden unerträglich hoch seien.“ 10

Der russische Entdecker N. M. Prjevalsky und der deutsche Linguist und Historiker A. H. Francke berichten in ihren Büchern beide von dem merkwürdigen Verhalten der Einheimischen, die sich durch nichts dazu bringen ließen, bestimmte Bereiche im Norden Tibets zu betreten. 11 Ein russischer Teilnehmer an einer von Roerichs Expeditionen berichtete Andrew Tomas persönlich, dass ihre Gruppe dieselbe Erfahrung gemacht habe – auch da weigerten sich einige der Träger an einem Punkt in Nordtibet weiterzugehen. Der Russe gab an, er selbst habe einen Widerwillen dagegen empfunden, weiterzureiten, und habe nicht so recht begriffen, warum. Es sei ein „unheimliches und unerklärliches“ Gefühl gewesen, das er nicht noch einmal empfinden wolle.12

Mysteriöse Bergmenschen

In Turfan, Sinkiang, in Westchina lauschten die Mitglieder einer Roerich-Expedition der faszinierenden Geschichte über eine groß gewachsene, dunkelhaarige Frau mit ernster Miene, die regelmäßig aus den tiefen Höhlen auftauche, um Bedürftigen zu helfen. Ihre Taten brachten ihr den Respekt der Bevölkerung im gesamten asiatischen Raum ein.

„Auch von Reitern mit Fackeln wird berichtet, die in unterirdischen Gängen verschwinden.“ 13

Augenzeugen berichten auch von bunt gekleideten, gekrönten Lamas (wahrscheinlich aus Shambhala) in Sänften, die von jeweils vier Männern getragen werden. Roerich erzählt, dass groß gewachsene, schlanke, weißhäutige Menschen gesichtet wurden, die in Höhlengängen verschwanden, sobald sich Fremde näherten. Als seine Expeditionstruppe später den Karakorum-Pass überquerte, hat ein einheimischer Führer Roerich zufolge des Öfteren große, weiß gekleidete Männer und Frauen gesehen, die aus geheimen Höhlen auftauchten. Manchmal sollen diese mysteriösen Bergmenschen auch Reisenden geholfen haben. Anfang des 20. Jahrhunderts berichtete die indische Zeitung Statesman von einem britischen Major, der einen großen, leicht bekleideten Mann mit langen Haaren gesehen haben will, der, auf einen langen Bogen gestützt, seinen Blick über das Tal schweifen ließ. Als der Mann den Major entdeckte, sprang er einen steilen Hang hinab und verschwand. Die Einheimischen erklärten Roerich, es habe sich um „einen der Schneemenschen“ gehandelt, die „das heilige Land bewachen“.14

Auf einem seiner Gemälde hat Roerich inmitten von Fels und Schnee eine Schneefrau dargestellt, die ebenfalls einen Bogen hält. Obwohl sie von Eis und Schnee umgeben ist, ist sie nur leicht bekleidet, so als würde eine warme Aura sie vor der Kälte schützen. Roerich sagt:

„In den Ausläufern des Himalaya finden sich zahlreiche Höhlen, und es heißt, dass von diesen Höhlen aus unterirdische Gänge bis weit unter den Kanchenjunga führen. Einige Menschen sind gar bis an das Steintor gelangt, das sich noch nie aufgetan hat, weil die Zeit noch nicht gekommen ist. Die unterirdischen Gänge führen bis in das herrliche Tal.“ 15

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Original-Buch von Nicholas Roerich über Shambhala

Professor Roerich beschreibt das „herrliche Tal der Unsterblichen“ genauer. Schon früh auf seiner Reise traf er auf Pilger, die ihm erzählten:

„Hinter diesen Bergen leben heilige Männer und Frauen, die die Menschheit durch ihre Weisheit retten; viele schon haben versucht, diese Heiligen zu finden, sind aber gescheitert […] Sobald sie über den Kamm kommen, verirren sie sich.“ 16 „Dennoch gelangte Nicholas Roerich auf einem Pferd in dieses Gebiet. Er blieb einige Tage lang verschwunden, und als er zurückkehrte, warfen sich die Asiaten ihm zu Füßen und riefen, er sei ein ,Gott‘, denn kein Mensch hätte die Grenze nach Shambhala ohne göttliche Gewähr zu überschreiten vermocht.“ 17

Vielleicht gab es einen Grund, warum Roerich ungehindert in die verbotene Enklave gelangt ist, denn die Mahatmas hatten Sinnett versichert:

„Wen wir kennenlernen wollen, der wird uns genau an der Grenze finden.“ 18

Roerichs Bemerkung gegenüber einem Lama, einem religiösen Lehrer, in Tibet lässt darauf schließen, dass er Shambhala tatsächlich erreichte:

„Mit eigenen Augen haben wir einen der drei weiß gekleideten Grenzposten Shambhalas gesehen.“ 19

Abgesehen davon, dass Roerich die Heimat der Mahatmas besuchen wollte, ist der Zweck einer seiner Expeditionen nicht ganz klar. Diese führte ihn 1928 über Tibet und Xinjiang zum Altai. In seinem Tagebuch jedenfalls geht er nicht genauer auf das Ziel ein. Die Expedition scheint jedoch etwas mit dem Bruchstück eines heiligen Kosmischen Steins zu tun gehabt zu haben, das an seinen rechtmäßigen Platz im Jade-Turm im Herzen Shambhalas zurückgebracht werden sollte.

„Dieses Fragment war nach Europa gesandt worden, um mit seiner Kraft die Einrichtung des Völkerbundes zu unterstützen, die – wenngleich sie scheiterte – nach dem Ersten Weltkrieg angestrebt wurde.“ 20

Dieses Fragment war angeblich Teil eines sehr viel größeren Kosmischen Steins, und es scheint so, als sei es Roerich bestimmt gewesen, das Bruchstück zurück nach Shambhala zu bringen.

Versteckte Oase einer fortschrittlichen spirituellen Kultur

Auch in den volkstümlichen Erzählungen Russlands gibt es Hinweise auf eine Gemeinschaft von Erleuchteten, die an einem Ort im Herzen Asiens leben, der auf russisch Belovodye heißt – das „Land der lebenden Götter“. In dem jährlich erscheinenden Journal of the Russian Geographical Society von 1903 findet sich ein Artikel mit dem Titel „Ural-Kosaken reisen ins Belovodye-Reich“, verfasst von einem Entdecker namens Korolenko. Und im Jahr 1916 veröffentlichte die West Siberia Geographical Society einen Bericht des russischen Historikers Belosliudov mit dem Titel „Über die Geschichte von Belovodye“.

Da beide Artikel von wissenschaftlichen Instanzen veröffentlicht wurden, sind sie von großem Interesse, denn sie künden von einer tief verwurzelten Überzeugung, die noch immer in vielen „alten Gläubigen“ Russlands lebendig ist – dass Belovodye ein geheimes irdisches Paradies irgendwo tief im Südwesten Sibiriens ist. Beide Artikel stützen die Annahme, dass es im nördlichen Tibet tatsächlich ein geheimes heiliges Reich gibt, ein Reich uralter Weisheit. Ein mysteriöser Einheimischer berichtete auch der russischen Psychiaterin und Autorin Dr. Olga Kharitidi während ihres Aufenthalts im abgelegenen Sibirien von den außergewöhnlichen Menschen einer uralten Kultur, die in diesem geheimen Reich zurückgezogen leben:

„Was diese Menschen insbesondere auszeichnet, ist, dass die inneren Dimensionen des Geistes bei ihnen hochentwickelt sind. Der gesamten Gemeinschaft ist eine wunderbare spirituelle Intensität eigen, die in der modernen materialistisch geprägten Gesellschaft nur von Wenigen erfahren wird. Sie verfügen über schier unglaubliche Weisheit auf psychologischem Gebiet. Sie können ihr Zeitempfinden steuern und selbst über weite Entfernungen hinweg telepathisch miteinander kommunizieren. Sie können in die Zukunft schauen, und ihre Gesellschaftsstruktur ist die effektivste, die es je gab.“ 21

Ein Gesetz des Tals der Unsterblichen aber bleibt auf ewig in Kraft – dass nämlich „niemand, der nicht erwünscht ist, den Weg dorthin findet“. 22 Nur wer „Kalagiya“ vernommen hat, den „Ruf, den Shambhala über den Wind aussendet“, 23 oder telepathisch von den Großen Meistern eingeladen wird, kann darauf hoffen, sicher in das „Tal der weisesten Menschen der Erde“ 24 zu gelangen.

Augenzeugen berichten von Shambhala

Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde Apollonius, ein hoch angesehener, charismatischer griechischer Weiser, nach Shambhala „gerufen“. Er hatte eine „Wegbeschreibung“ erhalten und wusste genau, wo er die „Heimstatt der Weisen“ 25 finden würde. Apollonius wurde im Jahr drei nach Christus in Tyana, Kappadokien, geboren und starb im Jahr 98. Er wurde nach dem griechischen Gott Apollo benannt, und das Volk nannte ihn respektvoll „Sohn Gottes“.26 Er lehrte die Doktrin des „Inneren Lebens“,27 ging barfuß, ließ Haare und Bart wachsen und trug Kleidung aus weißem Leinen. Auf seinen Reisen wurde er von einem assyrischen Schreiber namens Damis begleitet, der Appolonius’ Worte und Taten in einem Tagebuch festhielt. Dank Damis’ aus 97 Kodizes bestehender Sammlung sind uns heute Apollonius’ bemerkenswerte Erlebnisse überliefert.

Um etwa 200 n. Chr. entwickelte Kaiserin Julia Domna, die zweite Frau des aus Britannien stammenden römischen Kaisers Septimus Severus (Kaiser von 193 bis 211), ein so starkes Interesse an den bewegenden Ereignissen in Apollonius’ Leben, dass sie den griechischen Schriftsteller und Sophisten Flavius Philostratus (ca. 170 – 245) beauftragte, eine Biographie über Apollonius zu schreiben. Philostratus nannte sein Werk „Das Leben des Apollonius von Tyana“.
Von Philostratus erfahren wir, dass Apollonius viele Monate lang im Himalaya blieb.28 Als Apollonius in „einer Stadt unter dem Berg Paraca“ 29 eintraf und dem König Hiarchas (in einigen Übersetzungen „Iarchas“ genannt, was „heiliger Herrscher“ bedeutet) einen Brief überreichte, erfuhr er überrascht, dass der König dessen Inhalt schon kannte. Apollonius wandte sich daraufhin Damis zu und sagte:

„Wir haben hier Menschen von echter Weisheit vor uns, denn sie scheinen über die Gabe der Voraussicht zu verfügen.“ 30

Während seines Aufenthalts wurde Apollonius Zeuge unglaublicher Dinge. Er sah, wie aus Schächten im Boden Säulen aus strahlend hellem, bläulichem Licht senkrecht nach oben stiegen. Auch sprach er voller Erstaunen von leuchtenden Steinen, die er pantarbes nannte. Diese Steine vermochten so hell zu leuchten, dass die Nacht zum Tage wurde. Die wissenschaftlichen und geistigen Errungenschaften der Bewohner dieser verborgenen Stadt beeindruckten Apollonius so stark, dass er widerspruchslos nickte, als König Hiarchas sagte:

„Frag, was immer du wissen möchtest, denn du bist hier unter Menschen, die alles wissen.“ 31

Apollonius fragte, für was sie sich selbst hielten, und König Hiarchas erwiderte: „Wir betrachten uns als Götter.“ 32 Apollonius wurde nicht nur Zeuge, wie die Bewohner von Shambhala sich die Kraft der Sonne zunutze machten, sondern „er sah auch, wie sie zwei Cubit [etwa ein Meter] über dem Boden schwebten; nicht etwa, weil sie ein Wunder zur Schau stellen wollten –  denn ein solches Gebaren verabscheuen sie –, sondern weil sie Rituale, bei denen sie die Erde verlassen und sich der Sonne nähern, als Huldigung des Göttlichen empfinden.“ 33

Ähnliche Phänomene wurden von der bekannten Orientalistin und Schriftstellerin Alexandra David-Néel (1868 – 1969) berichtet, die als erste westliche Frau den Titel des Lama verliehen bekam. Ihre Aussagen stützen Philostratus’ Darstellungen. David-Néel beschreibt Shambhala als ein Reich, das

„nicht in Zeit und Raum verankert ist, wie wir es sind. Shambhala ist heute hier und morgen dort.“ 34

Über die Bewohner Shambhalas sagte Apollonius:

„Sie leben auf der Erde und leben doch nicht auf ihr, sie sind von Schutzmauern umgeben und sind es doch nicht, und sie besitzen nichts und verfügen doch über den Reichtum der ganzen Welt.“ 35

Was die Ideologie der Bewohner Shambhalas angeht, so vertrat König Hiarchas eine kosmische Philosophie, der zufolge „das Universum lebendig“ 36 ist. In den Mahatma-Briefen heißt es, die Bewohner Shambhalas seien weder Atheisten noch Agnostiker, sondern Pantheisten im weitesten Sinne, und glaubten, dass das Universum und Gott letztlich identisch seien. Auf dieses Konzept von der kosmischen Evolution geht auch zurück, dass der Reinkarnationsgedanke in der Philosophie dieser Wächter der Menschheit eine so große Rolle spielt.

Stonehenge im Himalaya

Als Roerich 1928 durch den Himalaya reiste, stieß er in 4.572 Metern Höhe auf drei lange, schnurgerade Reihen großer, aufrecht stehender Steine, die mit Inschriften versehen waren und sich durch ihre besondere Form von der Umgebung abhoben. Die drei Reihen endeten in einem großen Steinkreis, in dessen Mitte drei Menhire standen. Roerich zufolge wirkte der Ort wie eine Mischung aus dem britischen Stonehenge und dem keltischen Carnac in der Bretagne – Stätten, die Roerich zuvor besucht hatte. Seine Karawane sollte ihr Lager eigentlich nur über Nacht in der Nähe dieses steinernen Rätsels aufschlagen, doch Roerich blieb drei weitere Tage und entdeckte in der Umgebung noch vier weitere Formationen aus aufrecht stehenden Steinen. Roerich war fasziniert von seinem Fund und fragte seine tibetischen Bergführer, wer diese Steine aufgestellt habe. Zur Antwort bekam er:

„Niemand weiß es […] Aber diese Stätte aus alter Zeit wird Doring genannt […], der Ort der heiligen
Steine. Die Alten unseres Volkes sagen, vor langer Zeit sei ein unbekanntes Volk durch dieses Gebiet gezogen, das sich für einige Generationen, aber nicht dauerhaft, hier angesiedelt habe.“ 37

Roerich rätselte viel darüber, warum mitten im Himalaya in dieser Höhe „eine Nachbildung von Stonehenge und Carnac“ 38 zu finden sei.

Shang Doring
Shang Doring fiel der chinesischen Kulturrevolution zum Opfer. Nur eine Stele überlebte. Quelle: tibetarcheologie.com

Weitere merkwürdige Phänomene in Tibet

In diesem immensen Gebiet ist es schon häufiger zu seltsamen Begebenheiten gekommen, und einige davon legen die Anwesenheit höherer spiritueller Wesen nahe. Alexandra David-Néel erzählt in ihrem Buch „The Superhuman Life of Gesar of Ling“ 39 von einem merkwürdigen Erlebnis, das sie selbst in der kleinen Stadt Jyekundo in einem abgelegenen Teil Nordwesttibets hatte. Dort traf sie einen tibetischen Lama, der in dem Ruf stand, gelegentlich in einer verschneiten Bergregion zu verschwinden, in der es keine Siedlungen gab und ein Mensch zu verhungern oder zu erfrieren drohte. So kehrte der Lama unweigerlich nach einiger Zeit zurück, und auf neugierige Fragen hin sagte er immer nur, er habe „bei den Göttern in den Bergen“ 40 gelebt.

Eines Tages bat Madame David-Néel ihn halb im Spaß, halb im Ernst, bei seiner nächsten Reise dem „Herrscher über die Berge“ 41 einen kleinen Strauß chinesischer Papierblumen als Geschenk von ihr zu überreichen. Einige Monate später kehrte der Lama von einer erneuten Reise in das rätselhafte Reich zurück und überreichte der französischen Gelehrten ein Souvenir des „Herrschers“: Eine schöne blaue Blume, die im Juli im Süden Tibets blüht. Alexandra David-Néel war verblüfft, denn in Jyekundo lag die Temperatur zu dieser Zeit bei 20 Grad unter null, der Fluss war von einer zwei Meter dicken Eisschicht bedeckt und der Boden steinhart gefroren. „Woher stammt diese Blume?“, fragte sie erstaunt, und der Lama entgegnete:

„Nun, vielleicht aus einem warmen Tal im Norden.“ 42

Auch Roerich berichtete von einer Reihe außergewöhnlicher übernatürlicher Geschehnisse, u. a. dem plötzlichen Auftauchen von Rigden Jyope (oder Djapo), dem Herrscher Shambhalas. Wenn dieser einen bestimmten Lama-Tempel betrat, so heißt es, entzündeten sich die Kerzen darin von selbst. Roerich berichtet:

„Einmal lag ganz plötzlich ein besonderer Duft in der Luft, wie von Tempel-Räucherwerk – und das mitten in der Gobi, wo sich in alle Richtungen über hunderte von Kilometer nichts als Steinwüste erstreckt. Nicht ein einziger Tempel, ja nicht einmal eine Hütte war in Sicht, und dennoch nahmen alle Expeditionsmitglieder zur gleichen Zeit diesen Duft wahr. Das geschah gleich mehrmals und war durch nichts zu erklären.“ 43

In der Finsternis zahlreicher Nächte beobachtete Roerich ein hell strahlendes weißes Licht, das wie eine Säule zum Himmel aufstieg. „Was geschieht hier?“, fragte er seine Lama-Führer, und diese antworteten: „Das Licht stammt aus dem Turm von Shambhala.“ 44 Das Licht, erklärten sie, werde von einem großen, dreieckigen, leuchtenden Stein auf der Spitze des Jade-Turms ausgestrahlt, dem sogenannten Chintamani-Stein. Sie sagten, der Stein besitze okkulte Eigenschaften, vermittle auf telepathische Weise innere Führung und bewirke einen Bewusstseinswandel bei denen, die mit ihm in Kontakt kämen. Der Chintamani-Stein soll

„von einem geflügelten Pferd [einem lung-ta] auf die Erde gebracht worden sein, von Botschaftern der Götter aus einem Sonnensystem im Sternbild des Orion.“ 45

Angeblich gab es mehr als nur diesen einen seltsamen und „kostbaren Stein“:46 Laut alten lamaistischen Überlieferungen wurden drei dieser Pyramiden-Schlusssteine zur Erde gebracht und immer dort aufgestellt, wo gerade ein für die Menschheit wichtiger spiritueller Prozess stattfand. Einer soll sich auf der Spitze der Großen Pyramide von Gizeh befunden haben, ein weiterer eben auf dem Jade-Turm von Shambhala, und der dritte liegt vielleicht in den Tiefen des Ozeans an einem Ort namens Atlantis.

Vajra groß

Das Rätsel um das magische Zepter

In einer tibetischen Überlieferung heißt es, dass im Jahr 331 n. Chr. eine Kiste „aus dem Himmel gekommen“ 47 sei, in der sich vier heilige Gegenstände befanden. Darunter war ein goldener Stab, der dorge genannt wurde und dem angeblich übernatürliche Kräfte innewohnten. Seit Jahrhunderten ranken sich in Tibet die phantastischsten Geschichten um diesen Stab, und in den meisten tibetischen Lamaklöstern finden sich heute Nachbildungen aus Silber, Messing oder Eisen. Es heißt, dieser Stab habe während bestimmter religiöser Zeremonien ein helles Licht ausgestrahlt und in der Hand des jeweiligen Königs von Shambhala mächtige kosmische Kräfte bündeln und gezielt leiten können. Er soll auch Blitze geschleudert und Löcher in die Wolken gebrannt haben.

Viele Jahre nach Entdeckung der Kiste erschienen eines Tages fünf Fremde vor dem damaligen König von Shambhala, Tho-tho-ri Nytan-tsan, und unterwiesen ihn in dem richtigen Umgang mit den heiligen Gegenständen, so die Legende weiter.

Merkwürdiges Flugobjekt über dem Himalaya

Mahatma Morya bezeichnete Shambhala als „die Stadt der Wissenschaften“ 48, und diese Aussage rechtfertigt es zu untersuchen, ob diese Gemeinschaft (oder Gemeinschaften) einer höherstehenden Kultur vielleicht über hochentwickelte Technologie verfügt. Dass die Bewohner dieser rätselhaften Ansiedlung sich mit Wissenschaft befassen, lässt sich anhand einer Geschichte festmachen, die Roerich über einen Lama erzählte. Dieser Lama kehrte nach einer langen Reise in ein abgelegenes Kloster zurück in sein eigenes. In einem geheimen unterirdischen Gang traf er auf zwei Männer, die ein wertvolles Zuchtschaf trugen, und die Männer erzählten dem Lama, sie brächten das Schaf in das Tal der Unsterblichen, wo es der wissenschaftlichen Zucht dienen solle.49

In einem anderen Bericht über Zentralasien mit dem Titel „Beasts, Men and Gods“ beschreibt der Forscher und Autor Dr. Ferdinand Ossendowski faszinierende Dinge, und seine Dokumentation liest sich ebenso fesselnd wie die von Nicholas Roerich, Alexandra David-Néel und Andrew Tomas. Ein mongolischer Lama erzählte Ossendowski nicht nur von einem ausgedehnten Tunnelsystem unter dem Himalaya, sondern auch von„merkwürdigen Fahrzeugen, die mit großer Geschwindigkeit durch die Gänge brausten.“ 50

Maschinen, die sich mit hoher Geschwindigkeit durch unterirdische Gänge bewegen, lassen auf technische Errungenschaften von hohem Niveau schließen, und das hunderte Jahre vor unserem Wissen über komplexe technische Zusammenhänge. Diese Überlieferung stammt aus einer Zeit lange vor dem Aufkommen ähnlicher Technologien in der westlichen Welt. Eine ähnliche Geschichte stammt aus dem Arabien des 10. Jahrhunderts und berichtet über unterirdische Fahrzeuge unter dem Gizeh-Plateau. Es besteht also die Möglichkeit, dass Shambhala und die Große Pyramide über ein unterirdisches Tunnelsystem miteinander verbunden sind. Auf seinen Reisen durch Tibet hatte Roerich Einblick in alte Lama-Texte, in denen von „eisernen Schlangen“ die Rede ist, die „den Raum verschlingen und dabei Feuer und Rauch speien“. Auch von „Bewohnern ferner Sterne“ 51 ist die Rede. Über dem Gebiet von Shambhala sind zudem schon oft Flugobjekte gesichtet worden, die sich überaus schnell bewegen. Der folgende Bericht stammt aus Roerichs Tagebuch und beschreibt ein Erlebnis, das die Expedition nahe dem Karakorum-Gebirge hatte:

„Am 5. August etwas Bemerkenswertes! Wir befanden uns in unserem Lager im Kukunor-Gebiet nahe der Humboldt-Kette. Am Morgen, etwa gegen halb zehn, bemerkten unsere Träger einen besonders großen schwarzen Adler am Himmel über uns. Sieben von uns beobachteten diesen ungewöhnlichen Vogel. Da sagte ein anderer Träger: ,Dort, weit über dem Vogel, ist noch etwas anderes.‘ Und dann schrie er erstaunt auf. Wir alle sahen, wie etwas von Nord nach Süd zog, etwas Großes, Schimmerndes, das das Licht der Sonne reflektierte, ein großes ovales Objekt, das sich mit hoher Geschwindigkeit bewegte. Als es über unserem Lager war, wechselte das Objekt abrupt die Richtung und bewegte sich nicht mehr nach Süden, sondern nach Südwest. Und dann verschwand es im tiefen Blau des Himmels. Wir hatten sogar Zeit, unsere Ferngläser zu holen, sodass wir deutlich eine ovale Form mit schimmernder Oberfläche ausmachten, in der sich das Sonnenlicht brach.“ 52

Roerichs Sichtung fand gut zwei Jahrzehnte vor Kenneth Arnolds berühmter Beobachtung statt –  der Beobachtung einer Gruppe von runden, metallischsilbernen Flugobjekten nahe des Mount Rainier im US-Bundestaat Washington, die den Begriff „fliegende Untertasse“ prägen sollte. Nur ein Flugzeug unbekannten Typs kann das abrupte Flugmanöver durchgeführt haben, das Roerich in seinem Tagebuch beschreibt. Beim Anblick der Scheibe sagte einer der Lamas, die die Expedition begleiteten, zu Roerich:

„Das ist das Zeichen Shambhalas. […] Die Unsterblichen Shambhalas wachen über Sie. […] Haben Sie bemerkt, in welche Richtung sich das kreisförmige Objekt bewegt hat? […] In diese Richtung müssen Sie gehen.“ 53

Das Dreieck von Shambhala

Im zweiten Teil unserer Suche nach dem mysteriösen „Tal der Unsterblichen“ werden wir die „drei Wachposten von Shambhala“ lokalisieren, die das „Dreieck von Shambhala“ formen. In diesem Gebiet ereignen sich aufsehenerregende Dinge; so wurden hier zum Beispiel in jüngerer Zeit Hinweise auf eine interstellare Tragödie sowie Pyramiden entdeckt.

Endnoten

  1. Roerich, N. K.: „Himalaya – Abode of Light“ (Bombay: Nalanda Publications, 1947)
    2. Tomas, Andrew: „Shambhala – Oasis of Light“ (London:Sphere Books, 1977)
    3. Prjevalsky, N. M.: „Mongolia“ (London, 1876), übersetzt von Boris Fereng; S. 63
  2. Tomas: „Shambhala“, S. 43f.
  3. Tucci, Giuseppe: „Tibetan Painted Scrolls“ (Rom, 1949, Bd. I)6. Hausdorf, Hartwig: „Die weiße Pyramide“; rückübersetzt aus der englischen Ausgabe (Florida: New Paradigm Books, 1998), S. 92,102
    7. Alfred Percy Sinnett (1840 – 1921) war der Herausgeber der britischen Zeitung Pioneer in  Allahabad, Indien, wo er von 1879 bis 1889 lebte. Ihm wurde das Privileg zuteil, in die Himalaya-Bruderschaft der Hohen Yogis aufgenommen zu werden.
    8. „Passport to Shambhala“, veröffentlicht von der West Siberia Geographical Society, 1923, Brief 18, S. 31; englische Übersetzung von Professor Vladimir Andrei Vasiliu, 1933 [enthält den vollständigen Abdruck der „Mahatma Letters to A. P. Sinnett“]
    9. Ebd., Brief 18, S. 32
    10. Roerich, N. K.: „Heart of Asia“ (New York: Roerich Museum Press, 1930); auch in Tomas: „Shambhala“, S. 54
    11. Prjevalsky: „Mongolia“, S. 101; Francke, A. H.: „A History of Western Tibet“ (London: Partridge and Co., 1907)
    12. Tomas: „Shambhala“, S. 58
    13. Ebd., S. 59
    14. Roerich: „Heart of Asia“
    15. Roerich: „Himalaya“; zitiert in Tomas: „Shambhala“, S. 39
    16. Roerich: „Heart of Asia“; auch in Tomas: „Shambhala“, S. 59 passim
    17. Tomas: „Shambhala“, S. 58
    18. „Passport to Shambhala“, Brief 15, S. 131
    19. Roerich: „Himalaya“
    20. Saint-Hilaire, J.: „On Eastern Crossroads“ (New York, 1930); zitiert in Tomas: „Shambhala“, S. 63
    21. Kharitidi, Dr. Olga: „Entering the Circle“ (San Francisco: Harper, 1996)
    22. „Road to Shambhala“, ein seltenes tibetisches Buch aus dem 18. Jh., das vom dritten Panchen Lama, dem „Großen Gelehrten“ (1738 – 1780), verfasst wurde; übersetzt von Cheng Yuan, 1901
    23. Ebd.
    24. Hamamoto, L. C.: „The Soul Doctrine“, Lhasa; übersetzt von C. Chan, 1916, S. 67
    25. Sinnett, A. P.: „Esoteric Buddhism“ (London: Neuauflage von 1903 des Originals aus dem Jahr 1883)
    26. „Encyclopaedia Britannica“, 9. Aufl ., Bd. 10, „Apollonius“
    27. Ebd.
    28. Philostratus: „The Life of Apollonius of Tyana“ (London: Loeb Classical Library, 1912), acht Bücher in zwei Bänden; übersetzt von F. C. Conybeare. Hinweis: Alle nachfolgenden Apollonius-Zitate stammen aus Buch 3, in dem fast ausschließlich Apollonius’ Reise nach Nordtibet beschrieben wird.
    29. Ebd.
    30. Ebd.
    31. Ebd.
    32. Ebd.
    33. Ebd.
    34. David-Néel, Alexandra: „Magic and Mystery in Tibet“ (NY: Dover Publications, 1971; Erstveröffentlichung 1929)
    35. Philostratus, „The Life of Apollonius“, Buch 3
    36. Ebd.
    37. Roerich: „Himalaya“, passim
    38. Ebd.
    39. David-Néel, Alexandra und Kendall, Claude (Hrsg.): „The Superhuman Life of Gesar of Ling“ (New York: 1934, übersetzt von Violet Sydney; Erstveröffentlichung 1931)
    40. Ebd.
    41. Ebd.
    42. Ebd.
    43. Zitiert in Tomas: „Shambhala“, S. 57
    44. Roerich: „Himalaya“
    45. Evans-Wentz, Dr. Walter Y.: „The Tibetan Book of the Great Liberation“ (Oxford University Press, 1954)
    46. Ebd.
    47. Tomas: „Shambhala“
    48. „Passport to Shambhala“, Brief 62, S. 101
    49. Roerich, N. K.: „Altai-Himalaya: A Travel Diary“ (Brookfi eld, CT: Arun Press, 1983; Erstveröffentlichung 1929)
    50. Ossendowski, Ferdinand: „Beasts, Men and Gods“ (NY: E. P. Dutton & Co., 1922)
    51. Roerich: „Heart of Asia“
    52. Roerich: „Altai-Himalaya“
    53. Roerich: „Heart of Asia“, passim

 

Siehe auch: Falsche Mythen, die in anderen Ländern über Shambhala Verbreitung fanden und

Dem Lichtstrahl folgen bis zum Rand der Zeit: Meditieren mit Aaravindha Himadra

Tibet: Ein Volk im Würgegriff protestiert mit immer mehr Selbstverbrennungen

Es war nur ein kurzer Beitrag im ZDF heute journal – aber er war ungewöhnlich offen: Es ging um die Selbstverbrennungen in Tibet, mit dem die verzweifelten Menschen auf ihre hilflose Situation aufmerksam machen wollen. Seit sich das Nachbarland China 1951 das Land auf dem Dach der Welt einverleibt hat – chinesisch heißt das „befreit“ – wird die tibetische Kultur systematisch verdrängt. Chinesen siedeln in der „Provinz“, Soldaten kontrollieren die einheimische Bevölkerung und behandeln sie mehr als grob.

Was sucht das Riesen-Reich China in Tibet? Die Antwort ist einfach Wasser. Weite Teile Chinas sind bereits jetzt viel zu trocken – es gibt Wissenschaftler, die behaupten, dass die Hauptstadt Pekings bereits jetzt nicht mehr vor dem Wüstensand zu retten ist.

In Tibet gibt es mehr als 20 Flüsse mit einem Einzugsgebiet von über 10 000  und über 100 Flüsse mit einem Einzugsgebiet von über 2000 Quadratkilometern. Sie führen in der Regel sehr viel Wasser von guter Qualität. Die größten Flüsse sind der Jinshajiang, der Nujiang, der Lancangjiang und der Yarlung Zangbo. Mehrere Flüsse Tibets fließen in Nachbarländer, wo sie dann Ganges, Indus, Brahmaputra, Mekong, Salween und Irawadi heißen. Der Yarlung Zangbo ist der größte Fluß Tibets. Innerhalb Chinas hat der Yarlung Zangbo eine Länge von 2057 Kilometern. In Indien heißt er Brahmaputra. China staut die Flüsse in riesigen Stauseen, um der Volksrepublik dauerhaft Trinkwasser-Reserven zu sichern.

Dazu kommt, dass das Hochplateau Tibets  die meisten Seen und die größten Seefläche der Welt aufweist Es gibt mehr Salzwasserseen als Süßwasserseen. 17 Seen, die alle eine Fläche von mehr als 50 Quadratkilometer haben, liegen über 5000 Meter hoch. Im Bild unten sieht man den Yamzhog Yumco, aufgenommen von der Freundschaftsstraße zwischen Lhasa und Gyangzê von Peter Vigier.

Seit Juni 2012 hat China Individualtourismus in Tibet verboten. Reisegruppen (ab fünf Personen) müssen einen chinesischen Führer dabei haben. Ausländische Medienvertreter dürfen nicht nach Tibet reisen. Und die chinesischen Behörden in den tibetischen Regionen sollen die zunehmenden Selbstverbrennungen (innerhalb der letzten beiden Jahren rund 100) unterbinden – was zu noch mehr Druck auf die Bevölkerung führt (siehe FAZ).

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Protest gegen die gewaltsame Unterdrückung durch China in Form von Selbstverbrennung – das ist in der westlichen Gedankenwelt nur schwer nachvollziehbar. Und wieso bedienen sich vor allem Mönche und Nonnen dieser radikalen Methode, wo doch der Buddhismus auf Gewaltlosigkeit gründet?

Man muss sich dazu klar machen, in welcher Lage das tibetische Volk ist. Kein Land der Welt wird sich mit der größten Volkswirtschaft der Erde China anlegen, um Tibet zu helfen. Bereits auf Treffen westlicher Politiker mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, reagiert die Volksrepublik äußerst verschnupft, sagt Termine ab, verzögert Abkommen. So beschränken sich die Staaten darauf, Chinas Handeln in Tibet zu kritisieren und ab und an dem Dalai Lama die Hand zu geben.

Die Klöster des Landes sind traditionell auch die Zentren der Bildung. Während die einfache Bevölkerung zumeist eine Glaubensmischung aus Bön – dem alten tibetischen Schamanismus und der tibetischen Form des Buddhismus, des Lamaismus praktiziert, studiert man in den Klöstern eine ausgefeilte Denkweise, praktiziert unzählige, komplizierte Rituale und verfeinert den Geist in jeder nur denkbaren Weise. Hier erkannte man schnell das Ziel der chinesischen Politik: Die buddhistische Tradition sollte zu einer Art Folklore degradiert, Touristen farbenfroh und friedfertig präsentiert und ansonsten bedeutungslos werden. Hier setzte deshalb China von Beginn an auch den Schwerpunkt der Unterdrückung: Die Mönche und Nonnen sollten zum Schweigen gebracht werden (siehe dazu tibetfocus.com).

Der Buddhismus sieht den Tod nicht als Ende des Lebens. Er ist, vereinfacht gesagt, ein Ausstieg aus einem sterbenden Körper, dem Wiedergeburten so lange folgen werden, bis  das höchste Stadium der Erleuchtung erreicht ist. Negative Handlungen, zu denen der Selbstmord gehört, verlängern den Weg (vergl. faz.net) . Wenn man nun aber betrachtet, wie jung die meisten Menschen waren, die sich in den letzten Jahren selbst entzündet haben – und dass manchen nur noch dieser drastische Weg sinnvoll erscheint, um überhaupt Aufmerksamkeit in der übrigen Welt zu erregen, erscheint ihr Vorgehen in einem anderen Licht.

Die „Welt“ wird wohl auch weiterhin nicht aktiv werden, um Tibet zu befreien. So bleibt uns einfachen Menschen eins zu tun: Wir müssen aufmerksam machen auf die Dinge, die dort geschehen, damit das Licht der Öffentlichkeit auf sie fällt. Nur so kann verhindert werden, dass irgendwann die ursprüngliche tibetische Kultur wirklich nur noch im Museum zu besichtigen sein wird.

Siehe auch:

www.tibetfocus.com  und

http://tibet.net/

Update: Chinas latest restrictions for Tibetans: No passports

Update: 105. Selbstverbrennung

Update: Selbstverbrennungen: Chinas Tibet-Funktionäre ätzen gegen „Dalai Lama-Clique

Update: China erlaubt Bilder des Dalai Lama

Update: Internet für Tibeter ausschließlich mit gläserner Identität

Update: Liberalisiert China seine Tibet-Politik? Brisantes Buch im Köcher

Update: No one likes the Dalai Lama any more

Update: A new wave of torture hits Tibet

Update: Dalai Lama kündigt die Wiedergeburt auf

Update: The golden urn – Even China accepts that only the Dalai Lama can legitimise its rule in Tibet

Update: Tibeter verbrennt sich aus Protest in China

Flammender Protest, erschreckende Kälte

Heute ist der 26jährige Exiltibeter gestorben, der sich am Montag in Indien selbst angezündet hat. Er tat das im Rahmen einer Protestkundgebung gegen den Besuch des chinesischen Präsidenten Hu Jiantao. In Indien lebt der Dalai Lama im Exil, seit China 1959 Tibet besetzt hat.

Noch immer wollen die Bewohner sich aber nicht als Teil Chinas sehen. Nachdem sich vor allem die Mönche in den buddhistischen Klöstern zunehmenden Repressalien ausgesetzt sehen, nimmt die Zahl der demonstrativen Flammentode ständig zu.

An dieser öffentlichen Selbsttötung besonders erschreckend: Nachdem der junge Mann sich angezündet hatte und schreiend durch die Straßen Neu Delhis lief bis er schließlich fiel, gab es nur wenige Mitdemonstranten, die sich anstrengten, ihn mit Fahnen und Wasserflaschen zu löschen. Die Medienvertreter waren statt dessen damit beschäftigt, sich um den besten Platz zum Fotografieren zu balgen – und tausende anderer Menschen sahen den Schauspiel zu, ohne auch nur einen Finger zu rühren.

So hat der junge Mann nicht nur dafür gesorgt, dass sein vergessenes Land auf dem Dach der Welt für ein paar Tage in der ganzen Welt ein Thema wurde. Er hat auch aufgezeigt, was unsere ganze Gesellschaft kennzeichnet: eine unglaubliche Gleichgültigkeit.

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