Schlagwort: Schamanismus

Was ist Zeit? Gibt es sie überhaupt? Oder gibt es sie gleich mehrfach?

Die Zeit: Nach dem irdischen Element Wasser ist sie wohl das Faszinierendste, das uns vom Leben geschenkt wird. Immer wieder versuchen wir Menschen, sie zu messen, zu definieren, in irgendeine begreifbare Form zu bringen – nie gelingt es uns wirklich. Denn sie ist uns über, in jeder Hinsicht, die Zeit.

Da gibt es zum Beispiel die Newton’sche Definition: „Die absolute, wahre und mathematische Zeit verfließt an sich unwiederbringlich und besteht ihrer Natur nach gleichförmig und ohne Beziehung auf irgendeinen äußeren Gegenstand.“  

Albert Einstein fand heraus, dass Newton nicht ganz Recht hatte: Dessen Definition erwies sich nämlich als unvereinbar mit der „Elektrodynamik bewegter Körper“. Einsteins  Relativitätstheorie befasst sich deshalb mit der Struktur von Raum und Zeit sowie mit dem Wesen der Gravitation. Kurz und unpräzise zusammengefasst: Zeit lässt sich dehnen, krümmen und komprimieren, Vorgänge, die sich mathematisch berechnen lassen. In seiner unnachahmlichen Art formulierte das Genie für uns Unwissende zwei Beispiele: „Zeit ist das, was man an der Uhr abliest“ – und „Fünf Minuten mit einem schönen Mädchen vergehen wie im Fluge, die selbe Zeit auf einer heissen Ofenplatte ist allerdings eine Ewigkeit!“

Damit wir praktisch mit ihr umgehen können, haben wir Menschen „unsere“ Zeit exakt definiert:  Eine Sekunde entspricht dem 86400. Teil einer Erdumdrehung oder genauer gesagt 9.192.631.770 Schlägen eines Cäsium-Atoms in einer Atomuhr. So wissen wir, wie lang eine Woche, ein Monat, ein Jahr sind und können am Ende unseres Lebens die im Körper verbrachte Zeit genau feststellen. Wir wissen, wie lange es von Sonnenaufgang bis -untergang dauert, können nach einem allgemein anerkannten Schlüssel Termine planen und was sonst noch so unseren Alltag bestimmt.

Prof. Dr. Gernot Münster ist Physiker. In seinem Referat Was ist Zeit?“ stellt er sich interessante Fragen: Hat die Zeit einen Anfang, ein Ende? Kann es „Zeitreisen“ geben? Kann sich die Zeit zyklisch zu einem Kreis schließen? Wie kommt es zu dem Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft? Er kommt zu ebenso interessanten Ergebnissen:

„Bei genauerem Hinsehen kann man mehrere Zeitpfeile unterscheiden
1. psychologisch: Erinnerung richtet sich in die Vergangenheit und nicht in die Zukunft
2. thermodynamisch: Nach dem 2. Hauptsatz nimmt die Entropie stets zu
3. elektrodynamisch: Strahlung breitet sich von der Quelle mit fortschreitender Zeit aus
4. quantentheoretisch: die Zustandsänderungen im Messprozess sind unumkehrbar
5. kosmologisch: das Weltall dehnt sich aus.

Die Zeitpfeile 1-4 hängen zusammen. Die mit ihnen verbundenen irreversiblen Vorgänge laufen aufgrund von Wahrscheinlichkeitsgesetzen ab, die ein Fortschreiten von geordneten zu mehr ungeordneten Zuständen beschreiben. Dabei wächst insgesamt die Unordnung der betrachteten Systeme (Entropie).  Der Zeitpfeil lässt sich in diesem Fall darauf zurückführen, dass ein geordneter Anfangszustand (mit niedriger Entropie) vorliegt. Während die Gesetze zeitlich umkehrbar sind, führen die Anfangsbedingungen zu einer Unumkehrbarkeit von Vorgängen. Die Frage nach dem Zeitpfeil führt daher zu der Frage nach dem Ursprung des geordneten Anfangszustandes. Hierauf gibt es noch keine allgemein akzeptierte Antwort. Allerdings gibt es eine plausible Hypothese, wonach der Ursprung in der Kosmologie (Urknall) begründet ist, und die Expansion des Weltalls als eine Art „Master-Zeitpfeil“ wirkt.“

Eine weitere grundlegende Feststellung des Professors ist die Tatsache, dass auch die Zeit selbst relativ ist: „Die Relativität der Zeit wird gerne im so genannten Zwillingsparadoxon veranschaulicht: Ein Zwilling verlässt die Erde in einem Raumschiff, welches mit hoher Geschwindigkeit ins Weltall fährt und nach ein paar Jahren wieder zurückkehrt. Während der auf der Erde verbliebene Zwilling zum Greis gealtert ist, entsteigt dem Raumschiff seine deutlich weniger gealterte Schwester. Zwar liegt die Realisierung dieser Geschichte weit außerhalb der heutigen Möglichkeiten, der Effekt wurde jedoch mit Hilfe von Atomuhren in Flugzeugen experimentell bestätigt.“

Wer  bis hierher gelesen hat, wird gemeinsam mit mir festgestellt haben, dass all die klugen Köpfe wertvolle Definitionen zum Thema Zeit liefern – aber keine vollständigen – keine, die wirklich befriedigen.

Ganz anders gehen spirituelle Menschen mit der Frage um, was Zeit ist. Schamanische Heiler aller Erdteile vereint die Praxis des „Reisens“ in einem Trancezustand, der Zeit und Raum gleichermaßen überwindet. Auf solchen Reisen kann man ebenfalls die Zeit dehnen, krümmen und komprimieren – und im Erleben dieser Reisen sind die Prozesse auch umkehrbar.

MU

Der Buddhismus, ein großer philosphischer Erkenntnisweg, der fälschlich mit einer Religion verwechselt wird, hat sein eigenes Ziel im Umgang mit der Zeit definiert: Kurz und unpräzise zusammengefasst geht es darum, diese zum Stillstand zu bringen, um hinter sie zu schauen. So gibt es etwa im Zazen die Praxis des MU. MU bedeutet übersetzt „hat nicht“. Nach intensiver, meist langjähriger Übung, die daraus besteht, den Kopf zu leeren von allen Gedanken, das Gehirn daran zu hindern, ständig  zu plappern, und statt dessen dem Atem zu folgen, wie er ein und ausgeht ganz ohne unser Zutun – all dies unter ständiger Wiederholung des Mantras MU – erreicht der Übende einen Punkt, an dem eine glasklare Einsicht darin besteht, dass die Zeit nicht nur relativ ist: Vielmehr gibt es sie gar nicht.

Hinter all dem Werden und Vergehen gibt es ein unvergängliches Sein. Etwas, das es vor dem Beginn des Universums gab und danach weiter geben wird. Es ist ein Phänomen, das nicht Zeit, sondern Bewusstsein ist. Hier wohnt der „große Geist“, „Gott“, „der Schöpfer“ oder wie auch immer wir es nennen wollen. Wer hier ankommt, muss nicht zurück in das Rad des Samsara, den großen Kreislauf von Geburt und Tod, denn er hat erkannt, dass er, völlig unberührt von irgendwelchen physikalischen Prozessen, IST.

In einer ähnlichen Erkenntnis bewegen sich Menschen, die sich den verschiedenen Methoden des Remote Viewings verschrieben haben – hier allerdings aus sehr praktischen Gründen. Remote Viewer arbeiten heute an Fällen, wo normale Methoden nicht weiterführen, es geht dabei oft um sehr viel Geld. Sie suchen beispielsweise Tanker, die auf den Ozeanen der Welt verschwunden sind, und werden dazu von Versicherungen angeheuert.

Im Remote Viewing existiert der Begriff der Matrix – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film. Ein „Viewer“ muss in diese Matrix vordringen, um erfolgreich arbeiten zu können. Dort findet sich, wie in einem Hologramm, alles was jemals im Universum war und ist, und zwar gleichzeitig. Das besondere an dieser Matrix ist, dass man beliebig darin herumreisen kann – vorwärts, rückwärts oder quer durch Jahrhunderte oder Jahrtausende. Man erreicht sie, indem mit mechanischen Mitteln das Gehirn daran gehindert wird, seine gewohnten Blockaden aufzustellen. Dann folgt der befreite Geist seinem Hinweisgeber, etwa einem Foto, in die Situation, in der dieses  entstand und kann sich von dort aus beliebig bewegen.

Remote Viewing

Das, was die Matrix ausmacht, hat mit dem, was wir gewöhnlich unter Zeit verstehen, nichts mehr zu tun. Vielmehr ist es ein wabernder Ozean von Informationen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die gleichzeitig betrachtet werden können und  erst durch gezielte Nachforschungen in eine für uns nutzbare zeitliche Reihenfolge gebracht werden müssen.

Zeit gibt es nicht  – sie ist eine Illusion. Dieser These hängen immer mehr heutige Physiker an. Dr. med. Detlef B. Bartel, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, hat sich in einem Aufsatz mit der Frage auseinandergesetzt: „Die Physiker bezeichnen die vierdimensionale Welt als Block-Universum der Raumzeit. In dieser Welt fließt keine Zeit mehr. Alles ist auf einmal da. Der philosophische Begriff dafür lautet: Eternalismus.

Es bleibt nun noch die Frage, wieso wir trotzdem eine fließende Zeit erleben,“ schließt der Autor und beantwortet sie für sich so: „Das dürfte daran liegen, dass unser Gehirn durch seine physikalische Beschränktheit immer nur Momentaufnahmen herstellen kann, die wir dann zu einem Ganzen zusammensetzen. Diese Momentaufnahmen erscheinen uns wie vorbeifließende Bilder. Ähnlich wie bei einem Zelluloidfilm, auf dem schon alle Bilder da sind. Erst durch das Abspielen des Filmes entsteht der Eindruck von fließender Zeit, obwohl das Filmmaterial selbst zeitlos ist.“

Aber nicht nur theoretische Erwägungen unseres Gehirns sorgen für das Gefühl von fließender Zeit. Wir selbst und alles Leben auf dem Planeten sind geprägt von Werden und Vergehen. Nach der Phase von Wachstum und Entwicklung folgen eine relativ kurze Blütezeit und ein  unterschiedlich langes Vergehen. Je länger Menschen leben, desto länger ist auch diese Zeit des langsamen Abbaus,  in der das nicht mehr möglich ist, was Physiker als herausragende Eigenheit der Zeit beschreiben: Ihre Neigung, sich auszudehnen. Statt dessen beobachtet der Geist den alternden Körper, lebt zunehmend mehr in wehmütiger Erinnerung statt in Zukunftsplänen und muss irgendwann akzeptieren, dass sich der Körper niederlegt und seine Arbeit gänzlich einstellt. Dieser lineare Ablauf von Lebenszeit wirkt nicht nur fließend, er ist es auch.

Wurmloch

Mit einer Ausnahme: Kein feststellbares Altern gibt es bei den Gefühlen. Verliebtheit beispielsweise wird meist jungen Menschen zugeordnet. Man frage aber Menschen jeden Alters: Auch am Ende eines langen Lebens kann ein Mensch verliebt sein wie einst mit 16 Jahren. Ähnlich verhält es sich mit dem gegensätzlichen Gefühl, dem Hass. Oder mit der Sehnsucht. Es ist, als seien die Gefühle eine Art „Wurmloch“ im Universum, das die Verbindung zwischen linearen, endlichen Zeiträumen und der Unendlichkeit ermöglicht.  Gibt es also Liebe über den Tod hinaus? Treffen wir geliebte Menschen und Tiere wieder? Und wie könnte das dann sein? Im Zustand des grenzenlosen unsterblichen Seins oder in einem neuen, endlichen Leben?

Wobei das mit unserer derzeitigen Lebenswirklichkeit auch nicht sein muss, was es zu sein scheint. Ein Vermächtnis des unlängst verstorbenen Stephen Hawkings ist die Theorie, dass es parallel zu unserem noch andere Universen, vielleicht Multiversen gibt, in denen wir ebenfalls leben, aber andere Entscheidungen treffen, so dass Pech im aktuellen Universum Glück im parallelen sein könnte. Was für Perspektiven! Und wie schade, dass wir unsere parallelen Leben nicht bewusst wahrnehmen können!

Zerrissenes Herz schreit um Hilfe – eine schamanische Reise zum All und zurück

Eine Liebe wird nicht erwidert – eine schamanische Reise auf der Suche nach Heilung eines zerrissenen Herzens.

*

Als ihr Herz nicht mehr aufhörte zu schreien nach der Liebe ihres Lebens, rief sie ihre  Tiere zu Hilfe. „Führt mich zu ihm,“ weinte sie. „Wo ist er, warum lässt er mich so verzweifelt allein?“

Der Wolf und der Panther holten sie ab am Fuße der Wurzel des Baumes, zu der sie wie immer die Trommel getragen hatte, und es ging los: Über die Blumenwiese gelangten sie bald zu einer Sandwüste mit hohen Dünen und schmalen Schluchten. Ihr Tempo steigerte sich immer mehr: Inzwischen rannten sie – schnell und schneller, und über sich bemerkte sie  den Adler. Er übernahm und trug sie mit seinen Flügeln immer höher  hinaus. Das Meer und kleine Inseln darin, die wie Diamanten auf einem großen Smaragd schimmerten, wurden kleiner und kleiner. Im All angekommen, sah sie hinab zur Erde, und ihr Herz brannte.

Da tauchte sie auf aus dem Dunkel, die kleine Raumkapsel mit dem Geliebten darin. Der Adler setzte sie bei ihm ab. „Ich bin hier! Dreh dich um! Schau mich an,“ weinte sie und hämmerte auf seine Schultern. Aber die Liebe ihres Lebens rührte sich nicht. Mit toten Augen starrte er in wohl ein Dutzend Bildschirme gleichzeitig, während seine Hände über die Tastatur rasten.

Ein wilder Zorn ergriff sie. „Hilf mir, Adler, ich will ihn zerreißen, damit er mich nicht mehr verletzen kann!“  Sie begann, mit den Händen seine Haut abzureißen; der Adler zerfetzte sein Fleisch mit seinem scharfen, gebogenen Schnabel. Der Mann ihres Lebens leistete keinen Widerstand, löste sich auf. Und tatsächlich fanden sie es: Tief verborgen in seiner Mitte und winzig, aber dort pulsierte sein Herz. Vorsichtig nahm sie es in ihre  Hände, spürte seine zaghafte Wärme und sah, wie es sich trotz der Liebkosung schmerzhaft zitternd zusammenzog. „Setze ihn wieder zusammen, lieber Adler,“ bat sie. „Das Herz meiner Liebe friert so…“  Sie hoffte, nun, da sie sein Herz in Händen gehalten hatte, würde er sie wenigstens ein einziges Mal ansehen. Aber schneller als sie ihn hätte berühren können, bildete sich eine neue, eiserne Haut um seinen Körper, starrten seine Augen wieder in die Bildschirme, war alles andere Luft für ihn.

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Schneidender Schmerz erfasste aufs Neue ihr Herz, sie weinte bittere Tränen. „Wie soll ich dich erreichen, Mann meines Lebens? Wie muss ich sein, um dir nah sein zu können?“ Sie beobachtete, wie sich auch um ihren Körper eine eiserne Haut bildete. Nun starrte auch sie in die Bildschirme, aber ihr Herz suchte noch immer seins. Sie  rückte näher zu ihm und sein eiserner Arm umfing tatsächlich ihre Schultern. Butterweich durchdrang seine Hand ihren Panzer, erfasste ihr Herz – und zog sich eilends zurück, als ob sie verbrenne. Glühende Tränen höhlten ihre Augen aus. Wie liebt man einen Zombie?

Langsam sahen sie das Raumschiff unter ihnen im Dunkel  verschwinden. „Bring mich zur Sonne, Adler, ich will verbrennen,“ rief sie in tiefster Not. Der Adler stieg auf und stieg auf, aber die Sonne war zu weit weg, er konnte nicht mehr atmen.

In wirbelnden Spiralen taumelten sie zu Boden. „Tötet mich, ich will nicht mehr leben“, schrie sie, und die Tiere gehorchten. Wolf, Panther und Adler zerrissen und zerfetzten ihren Körper. Nur das Herz ließen sie heil. So schnell sie konnten, eilten sie damit zu dem hohen Felsen über dem Grand Canyon, wo der alte Indianer lebt, den sie schon so  oft besucht hatte.

Der Indianer rief sein Volk zusammen. Sie legten ihr Herz in ihren Kreis und begannen, zum Klang der Trommel zu tanzen. Leise murmelten sie heilige Formeln, während das Feuer brannte und die Sonne glühend über dem Canyon unterging. Langsam erhob sich eine neue Gestalt um das Herz herum aus den Flammen des Feuers und begann, mit zu tanzen.

Da rief sie die Trommel zurück.

 

Link: Schamanisches Reisen lernen: www.schamanismus.org

Dualseele, Zwillingsflamme, Liebe: Die große Sehnsucht, nach Hause zu kommen

Seelengefährten, Duale, Zwillingsseelen, Twin Flames – die perfekte Liebesbeziehung, das Verschmelzen mit dem Anderen zu einem vollkommenen Ganzen –  es ist eine Sehnsucht, so alt wie die Menschheit selbst. Unzählige Foren, Channelings, wunderschöne Youtube-Videos, halten diese Sehnsucht – vor allem bei Frauen – lebendig und profitieren finanziell davon. Ein Mann, der eine Frau um den Finger wickeln möchte, hat es leicht, sobald es ihm gelingt, sie zu überzeugen, dass auch er auf der Suche nach seiner Zwillingsseele ist.

Was hat es auf sich mit diesem Zwillingsflammen-Konzept? Ist es eine reine Wunschvorstellung, oder vielleicht doch mehr?

Nein, ich will hier nicht eine weitere Abhandlung zur Frage formulieren, wie, bzw. wann und unter welchen Schwierigkeiten zwei Dualseelen sich in der heutigen Zeit des Aufstiegs finden können, bzw. werden.  Oder sagen wir: nicht nur… 😉

Schauen wir zunächst auf das Prinzip hinter dem Konzept der Zwillingsseele: Es geht um die Vereinigung der männlichen mit der weiblichen Kraft. Nur wenn beide Energien zusammen kommen, entsteht ein vollständiges Ganzes. Ein perfektes Ganzes. Etwas göttliches. Etwas Gott-Gleiches.

Damit sind wir beim übergeordneten Thema: Die Heimkehr zu Gott, die Verschmelzung mit dem reinen, perfekten, universellen Einen, aus dem wir gekommen sind – das ist die Grund-Sehnsucht jeder Religion, egal nun, ob monotheistisch, in der Verehrung eines tausendköpfigen Pantheons oder in Naturreligionen aller Art. Unvollständig fühlen wir uns – fehlbar, verletzlich, schutzbedürftig, klein, allein – und sterblich. Unter dem Schutz eines allmächtigen großen Geistes wären wir das nicht mehr; vielmehr wäre unsere Zukunft hell, voller Liebe und vor allem unendlich.

Für mich ergibt sich daraus umgehend die nächste Frage: Wenn Gott hell, voller Liebe, unendlich, unsterblich, allwissend und allmächtig ist: Warum hat er sich dann milliardenfach fehlbar und sterblich inkarniert?

War ihm langweilig? Ist er ein Narzisst? Sucht er ein DU?

Auch die Kirche weiß darauf nicht wirklich eine Antwort. Recht verschraubt formuliert das Neue Theologische Wörterbuch:  „Die Selbstmitteilung Gottes an den Menschen wäre eine mögliche freie und radikal höchste Antwort Gottes auf diese Frage. In diesem Zusammenhang besagt Inkarnation, dass Gott selber Frage und Fraglichkeit zu eigen angenommen hat und daß er darin sich selber zur Antwort gibt. Dabei wird, wie das Dogma von Chalkedon sagt, der Wesensunterschied von Göttlichem u. Menschlichem nicht vermischt. ”Dasjenige“ an Gott, was der Kreatur Mensch mitteilbar ist, wird als sein Wort in der Inkarnation und als sein Geist (Heiliger Geist ) dem Menschen bleibend zu eigen mitgeteilt, ohne sich in es zu verwandeln. Vom Menschsein her gesehen könnte die Übereignung des Menschen Jesus an Gott, die den Menschen mit Gott eint, ohne daß er in Gott verwandelt würde, als Selbsttranszendenz gesehen werden.

Gott hat einen Teil von sich geteilt

Zu deutsch: Gott wollte sich selbst erfahren (vielleicht sogar weiter entwickeln?) und hat deshalb einen Teil von sich in viele kleine Teile aufgespalten, die stärker materialisiert sind, aber auch nur über eine kurze materielle Lebenszeit verfügen. Diese vielen kleinen Teile – im weitesten Sinne also nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen, sondern auch der Planet Erde mit allen anderen Planeten im Universum, haben eines gemeinsam: Sie bilden zwar die ganze Größe und Vollkommenheit Gottes ab, ja, sind Gott selbst in einem einzigen großen, lebenden Organisamus, können diese Tatsache jedoch nicht erfassen; erklären wir es lapidar damit, dass der Einzelne zu klein dafür scheint. Jedoch ist zumindest den Menschen ihre eigene Unvollkommenheit ebenso bewusst wie die Tatsache, dass es eine größere, steuernde Intelligenz gibt.

Lässt man die jeweiligen glaubensspezifischen Details der Weltreligionen einmal weg, sind alle Suchenden auf einem vergleichbaren Weg. Es gibt einen „großen Geist“, der das Leben steuert, aus dem der Mensch gekommen ist und zu dem er wieder zurück kehren wird. In seiner derzeitigen materiellen Existenz kann er nur mit Mühe und großer Übung in Kontakt mit dem Über-Menschlichen treten; sei es etwa durch Yoga-Übungen und -Meditationen wie im Hinduismus, durch schamanische Reisen wie in den Naturreligionen, durch Whirling wie im Sufismus. Quer durch alle Religionen ziehen sich mystische Erfahrungen, die Lehren der Mystiker sind im Judentum, im Christentum und im Islam gleichermaßen ein fester Bestandteil. Auf dem gleichen Weg sind die heutigen Esoteriker. Auch hier glaubt man an die liebevoll steuernde, höhere Intelligenz, mit der sich Kontakt aufnehmen lässt, zum Beispiel durch Channeling. Das Vokabular ist anders, die Deutungen bunter, so manche der Mainstream-Praktiken oberflächlich, aber das Suchen ist das gleiche.

Insgesamt gesehen kommt zur offenen Frage, warum Gott sich solche Mühe macht zu inkarnieren, das Problem, dass alle Glaubens-Erlebnisse, Erleuchtungen und andere mystischen Erfahrungen geistig, nicht materiell sind. So gesellt sich zu unserer Sehnsucht, von Unvollkommenheit und Tod erlöst zu werden, eine ganz konkret materiell-lebendige: Jeder Mensch sucht einen Gegenpol – und zwar zum Anfassen. Damit entspricht er einem Naturgesetz: Alles Lebende sucht die Vereinigung zwischen männlichen und weiblichen Energien – zunächst einmal, um die Art zu sichern. Darüber hinaus ergänzen sich die beiden Prinzipien natürlich weit tiefer.

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Besonders gut lässt sich die Tiefe der Dimension am taoistischen Prinzip des Yin und Yang erkennen. In der Natur zeichnet sich das weibliche Yin zum Beispiel durch den Mond, Dunkelheit, Stille und Erde und das männliche Yang durch Sonne, Licht, Bewegung und Himmel aus. Beide Elemente formen in ihrer Gegensätzlichkeit eine Einheit. Wenn in der Natur Yin und Yang zusammenkommen, wird Leben kreiert. Trennen sie sich, wird Leben zerstört. Der Mensch erlangt und bewahrt Gesundheit durch ein Leben im Gleichgewicht. Im Westen vielfach vereinfacht als harmonischer Zusammenklang männlicher und weiblicher Energie verstanden, stellt das Yin Yang ein vollständiges kosmisches Gesetz dar: Es geht um den Menschen als „Partner“ des Himmels, das berühmte „wie oben, so unten“.  Sehr genau, allerdings im Original auch sehr wortarm ausgearbeitet, ist dies im I Ging, dem Buch der Wandlungen, das trotz zahlreicher westlicher Interpretationsversuche für die hiesige Denkweise weitgehend ein „Buch mit sieben Siegeln“ geblieben ist.

Vergleichbar vielschichtig ist das Bild von Ardhanareshwara im Hindusismus, zu dem ich einen separaten Blog veröffentlicht habe. Aber hier, wo man jahrundertelang sexuell nicht prüde war, findet sich der direkte Bezug zur heutigen Suche nach der Dualseele. In Ardhanareshwahra vereinigt sich Shiva, der gestaltende männliche Gott mit seiner Shakti, der erhaltenden, weiblichen Göttin. Sie tun dies in der Mythologie auf sehr menschliche Weise körperlich. Sie zeugen Kinder, werden damit dem Naturgesetz gerecht, sie genießen ihre Lust durch ihre Körper – und sie erleben die vollkommene Verschmelzung zu einer neuen, kosmischen Einheit, die nicht nur die höchste Stufe möglicher Entwicklung, sondern auch das größte, denkbare Glück darstellt.

Ist es „normalen“ Menschen möglich, diesen Grad der Verschmelzung zu erreichen – und wollen sie das überhaupt?

Plumps – willkommen zurück in den Niederungen des Alltags. 😦

Der Alltag mit all seinen Problemen und Widersprüchen… Im Alltag braucht jedes Individuum ein gesundes „Ich“, das vor jedem „Wir“ erst einmal das Überleben sichert. Das einfachste Beispiel dazu: Ein Säugling will vor allem anderen erst einmal Milch, Wärme und Schutz. Ob es seiner Mutter gut geht, interessiert ihn in diesem Stadium nicht. Soziale Kompetenz, Hinwendung zum Du, im Extremfall Altruismus, werden erlernt. Das Zusammenleben in einer immer bevölkerungsstärkeren Gesellschaft verlangt Regeln. Dazu gehören Teilen und Fürsorge, aber auch Ellenbogen und Intrigen: Das Berufsleben ist ein Haifischbecken, sogar Nachbarschaft und Familie können dazu mutieren.

Der persönliche Freiraum ist also eng, die meiste Gestaltungsfreiheit liegt, für die Öffentlichkeit kaum sichtbar, im Privatleben, in den Beziehungen. Hier kommt nun alles zusammen: Der Mensch, getrimmt auf Kampf, auf das Betonen seiner Individualität, der Mensch aber auch in seinen Ängsten, in seinem Schutzbedürfnis, in seinem Wunsch, unverstellt als das angenommen, ja, geliebt zu werden, was den Kern seiner selbst ausmacht. Der Mensch aber auch, der von schmerzlichen Erfahrungen geprägt wurde, die er nicht wieder erleben möchte; kurz: Wir stecken in einem Spannungsfeld aus Anziehung und Abstoßung, aus dem Wunsch nach totaler Verschmelzung und der Angst vor dem Verlust der eigenen Identität. Das geht so weit, dass ein zu starker Wunsch nach Verschmelzung gesellschaftlich als krank angesehen wird; man findet ihn beispielsweise beim Borderliner, der ein schwaches, manchmal kaum vorhandenes „Ich“ durch eine Verschmelzung mit dem „Du“ kompensieren möchte und, da das so nicht möglich ist, an seiner Sehnsucht schier verzweifelt.

Dennoch braucht der Mensch ein „Du“, um sich vollständig zu fühlen. Auch die Sehnsucht nach Verschmelzung ist natürlich. Hier offenbart sich nun der gesamte Konflikt, der in Partnerschaften programmiert ist: Sobald die Sehnsucht nach Nähe gestillt wurde, muss unausweichlich eine zumindest teilweise Abstoßung erfolgen, damit die Partner sich ihrer Individualität wieder bewusst werden können.

Ok, das gilt für „normale Partnerschaften.“ Aber wenn man seine Dualseele findet, gilt das doch nicht. Oder?

Dualseele – was ist das genau?

Hier erst einmal die Mainstream-Definition von Seelenpartnern und Zwillingsseelen:

Als Gott beschloss, sich selbst zu erfahren, teilte er seine Weltenseele in viele kleine Seelen-Mosaiksteinchen. Jedes dieser Steinchen wiederum bestand aus einem männlichen und einem weiblichen Teil, die getrennt voneinander inkarnierten. Die Seelen inkarnierten nicht alle gleichzeitig, sondern in Gruppen nacheinander. Alle aus der jeweils gleichen Gruppe können sich theoretisch im Menschenleben wieder treffen: Das sind die Seelengefährten. Sie unterstützen sich gegenseitig, begegnen sich oft in verschiedenen Leben in jeweils unterschiedlichen Rollen immer wieder: Mal als Mutter und Tochter, mal als Bruder und Schwester, und so weiter.

Nur ein einziger Mensch jedoch kann die Zwillingsseele sein, der zweite Teil, der das einzelne Mosaiksteinchen vollkommen macht. Man trifft ihn während zahlreicher Inkarnationen überhaupt nicht, weil beide Teile unabhängig voneinander eine Entwicklung absolvieren müssen, bis sie bereit zum Wiederaufstieg sind. Erst in der letzten Inkarnation, so immer noch der Mainstream, finden beide Teile in Menschengestalt wieder zusamen – im idealen Fall als Mann und Frau. Dies, so kann man in unzähligen Foren lesen, ist zurzeit besonders häufig der Fall, da die Menschheit sich in großem Tempo auf einen Break Even zubewegt: Einen Zeitpunkt,  der sozusagen die Guten von den Bösen trennt. Die Guten steigen wieder auf zu Gott, die Bösen gehen unter, um auf der Erde einen neuen Zyklus von Inkarnationen möglich zu machen.

Die Menschen also, die vor dem Wiederaufstieg stehen, so die Theorie, haben in zahllosen Leben eine große innere Reife erlangt und stehen jetzt vor ihrer letzten Herausforderung: Der Aufgabe des eigenen Ich zugunsten der Verschmelzung – erst mit dem Du, dann, als wieder vollständige Identität, mit Gott, bzw. der Weltenseele selbst.

Treffen die Twin Flames, die Zwillingsflammen, aufeinander, durchleben sie in großer Geschwindigkeit und sehr heftig noch einmal alle Anziehungs- und Abstoßungskonflikte ihrer vergangenen Inkarnationen, dies jedoch auf Basis ihrer bis dahin erreichten seelischen Reife. Das bedeutet: Sie erkennen, wo und wie sie sich spiegeln, sie haben eine sehr starke innere Verbindung, die bis hin zu telepathischem Kontakt geht und sie erinnern sich teilweise an vergangene Leben. Haben sie noch nicht alle Aufgaben ihrer materiellen Existenz gelöst, verlieren sie sich so lange immer wieder, bis sie ihre letzte Inkarnation erreichen. Dann sind sie bereit, miteinander zu verschmelzen und gemeinsam im großen Geist aufzugehen.

Soweit der Mainstream.

Äthiopien

Hier fehlt allerdings ein entscheidender, leider nicht umsatzfördernder Aspekt: Wenn es richtig ist, dass alle Seelen, die zurzeit Gestalt angenommen haben, Teil einer einzigen, großen Seele sind, ist auch jeder von uns zu jeder Zeit ein Teil Gottes. Alle göttlichen Prinzipien sind in jedem Menschen vollständig angelegt: das passive wie das gestaltende, das männliche wie das weibliche, die Anziehung und die Abstoßung; ja, der gesamte Kosmos. Die Aufgabe ist nicht, eine Trennung zu überwinden, sondern zu erkennen, dass wir nie getrennt waren.

Erlösung finden kann folglich nur, wer zuerst einmal die eigene Existenz ohne wenn und aber akzeptiert. Das geht von der krummen Nase oder zuviel Hüftgold, der  angeborenen Rechenschwäche oder dem eigenen Wunsch, sich immer wieder wie ein Pfau vor anderen zu präsentieren, bis hin zum Annehmen der eigenen Angst vor Verschmelzung, die den Tod des Ichs bedeutet. Es ist ein langer, schmerzhafter Weg des Abschieds von einem perfekt schönen Ideal – zunächst in sich selbst, in der Folge in den Anderen. Es ist ein Loslassen, das jeden Tag neu beginnt, ein Abwerfen von Ballast, ein Aushalten der Widerstände gegen diesen Prozess, ein Suchen der Quelle.

Erst wenn dies geschafft ist, der Mensch in Ruhe bei sich selbst verweilen kann und zu erkennen vermag, dass alles, was er braucht, in ihm selbst in genügender Menge vorhanden ist – erst dann ist er fähig, in gleicher Weise auch seinen Partner anzusehen. Dann ist er bereit für das wahre Wunder der Liebe: Er lässt sich selbst los, ohne den Anderen statt dessen absorbieren zu wollen. Zwei Gleichstarke können sich verbinden, ihr Ich aufgeben, um gemeinsam eine neue Identität zu bilden. Der Lohn ist weit mehr als körperliche Lust – es ist eine spirituelle Ekstase, wie sie jedem Schöpfungsprozess innewohnt, ein Erfahren des Göttlichen am eigenen Leib, im eigenen Geist, in der eigenen Seele.

Es hilft also nichts: Weder fällt  uns die Zwillingsseele kampflos in den Schoß, noch können wir unsere Sehnssucht stillen, indem wir versuchen, das geliebte Gegenüber entsprechend zu erziehen. Nur die Arbeit am eigenen Ich bringt uns wirklich weiter.

Setzen wir uns also hin, bleiben wir bei uns, schauen wir nach innen, bevor wir das Außen gestalten und lassen wir die Bilder los, von denen wir glauben, dass die unsere Zwänge oder Ideale darstellen. Reinigen wir uns von Ballast, üben wir Toleranz und Geduld, erkennen wir, das wir bereits vollkommen sind – und geben wir unserem Dual die Chance, sich mit uns zu verbinden. Dann bleibt nichts, aber auch gar nichts unmöglich.

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Siehe auch:

Wolfsnatur und Pantherherz: Eine schamanische Reise zur Dualseele

Halb zu leben bin ich nicht gemacht

Tantra: Das Geheimnis der Vereinigung von Shiva und Shakti

Tantra ist mehr als guter Sex: Es stellt das universelle Prinzip der Schöpfung dar

Kundalini: Die universelle göttliche Kraft ist frei von allen Ich-Ansprüchen

Ardhanareshwara, das universelle Prinzip von Shiva und Shakti

Update: Ersatzreligion Liebe

Update: Niemand überlebt die Liebe unbeschadet