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Die Wahrheit ist: Das amerikanische Imperium ist dabei, unterzugehen

Romney als Kandidat der Reichen und Obama als Kandidat des Volks – die Deutschen neigen dazu, die US-Wahl als eine zwischen Gut und Böse zu sehen. Das ist ein Irrtum. Egal wer Präsident ist, in Amerika herrscht der totale Kapitalismus. Er hat die Macht, das Land zu zerstören.

Übernommen aus Spiegel Online  – Von Jakob Augstein

Die amerikanische Armee entwickelt eine Waffe, mit der innerhalb einer Stunde jeder Punkt der Welt erreicht – und zerstört – werden kann. Gleichzeitig hängen in Brooklyn, Queens und New Jersey die Stromkabel an Holzpfeilern über der Straße. Der Sturm hat sie fortgerissen, wie in vielen Orten an der Ostküste, und Millionen Menschen sind ohne Strom. Das ist Amerika: Hightech für die Eliten. Entwicklungsland für den Rest. Kein Land hat mehr Nobelpreisträger hervorgebracht als die USA. Aber in New York mussten Krankenhäuser evakuiert werden, weil die Notstromaggregate nicht ansprangen.

Wer das für einen Widerspruch hält, hat nicht begriffen, dass Amerika das Land des totalen Kapitalismus ist. Für dessen Funktionieren sind öffentliche Krankenhäuser nicht notwendig und die Energieversorgung privater Haushalte auch nicht. Die Eliten verfügen über ihre eigene Infrastruktur. Der totale Kapitalismus hat die amerikanische Gesellschaft zerfallen lassen und die Regierung gelähmt. Das Schicksal Amerikas ist kein Betriebsunfall des Systems. Es ist seine Konsequenz.

Obama konnte daran nichts ändern. Romney würde daran nichts ändern. Europa irrt, wenn es die Wahl zwischen den beiden als eine Wahl zwischen Gut und Böse betrachtet. Und eine „Richtungswahl“, wie in manchen Zeitungen zu lesen, ist dies gewiss nicht.

Der Präsident ist ohne Macht

Romney, der schwerreiche Investmentbanker, und Obama, der kultivierte Menschenrechtsanwalt, sind zwei Gesichter eines politischen Systems, das mit Demokratie, so wie wir sie verstehen, nicht mehr viel zu tun hat. Zur Demokratie gehört die Wahl. Aber eine Wahl haben die Amerikaner gar nicht. Obama lieferte den Beweis. Als er vor fast vier Jahren sein Amt antrat, schien das wie ein amerikanischer Neuanfang. Aber das war ein Missverständnis. Obama hat das Lager in Guantanamo nicht geschlossen, er hat die Immunität der mutmaßlichen Kriegsverbrecher aus der Bush-Administration nicht aufgehoben, er hat die Finanzmärkte nicht reguliert, und vom Klima war im Wahlkampf kaum mehr die Rede. Das Militär, der Apparat, die Banken, die Industrie – gegen ihre Macht ist alle Macht des Volkes nichts, und gegen sie ist auch der Präsident ohnmächtig.

Nicht einmal die berüchtigten Credit Default Swaps, die das Investmenthaus Lehman Brothers in den Abgrund gerissen und die westliche Wirtschaft an den Rand desselben geführt haben, nicht einmal die wurden verboten oder auch nur besser reguliert.

Vermutlich ist es so, dass Obama mehr wollte aber nicht mehr konnte. Doch welche Rolle spielt das?

Wir wollen glauben, dass Obama an den Rechten im eigenen Land gescheitert ist. Und tatsächlich: die Fanatiker, von denen Mitt Romney sich abhängig gemacht hat, haben alles über Bord geworfen, was den Westen ausgezeichnet hat: Wissenschaft und Logik, Vernunft und Mäßigung oder einfach Anstand. Sie hassen die Schwulen, die Schwachen und den Staat, sie unterdrücken die Frauen und verfolgen die Einwanderer, und ihr Abtreibungsmoralismus macht auch vor den Opfern von Vergewaltigung nicht halt. Sie sind die Taliban des Westens.

Für Europa ist es egal, wer die Wahl gewinnt

Aber sie sind das Symptom des amerikanischen Scheiterns. Nicht seine Ursache. In Wahrheit haben in den USA weder die Idealisten der Demokraten noch die nützlichen Idioten der Tea Party Macht über die Verhältnisse.

Aus europäischer Sicht ist es gleichgültig, wer diese Wahl gewinnt. Für uns zählt die amerikanische Außenpolitik. Und da ist Obama keine Taube und Romney kein Falke. Der amtierende Präsident führt seine Kriege zwar lieber mit Drohnen als mit Truppen. Aber den Opfern dürfte es egal sein, ob sie von Menschen oder Maschinen getötet werden. Der Herausforderer seinerseits wird trotz allen Geredes nicht an der Seite Israels in einen Krieg gegen Iran ziehen, den sich die USA nun wirklich nicht mehr leisten können.

Ohnehin ist es falsch, die Republikaner als Partei des Krieges zu bezeichnen und die Demokraten als Partei des Friedens – oder gar als linke Partei. Es waren die Demokraten Harry S. Truman, John F. Kennedy und Lyndon Johnson, die in Korea und Indochina Kriege begonnen haben. Und es waren die Republikaner Dwight D. Eisenhower und Richard Nixon, die diese Kriege beendeten. Und Ronald Reagan, der aus der Sicht europäischer Linker gleichzeitig für das Böse und das Lächerliche der amerikanischen Politik steht, war nach den Maßstäben, an die wir uns inzwischen gewöhnt haben, ein friedlicher Mann. Er hat nur Grenada erobert.

Die Wahrheit ist, dass wir Amerika nicht mehr verstehen. Wenn wir von Deutschland aus dorthin blicken, von Europa aus, sehen wir eine fremde Kultur. Das politische System ist in der Hand des Kapitals und seiner Lobbyisten. Die Checks and Balances haben versagt. Und eine perverse Mischung aus Verantwortungslosigkeit, Profitgier und religiösem Eiferertum beherrscht die öffentliche Meinung.

Der Untergang des amerikanischen Imperiums hat begonnen. Es kann sein, dass die Amerikaner trotz aller Mühe nicht aufhalten können. Aber sie versuchen es nicht einmal.

  • Gudrun Senger

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  • Jakob Augstein, Jahrgang 1967, ist seit 2008 Verleger der Wochenzeitung „Der Freitag“. Augstein hat vorher für die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Zeit“ gearbeitet. „Der Freitag“ steht für kritischen Journalismus aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Er experimentiert mit neuen Formen der Leserbeteiligung und der Verknüpfung von Netz und Print. Die Gestaltung des Layouts vom „Freitag“ wurde bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem durch den Art Directors Club, die Lead Awards, den European Newspaper Award und die Society for News Design.
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Update: Das interessanteste am Wähler sind seine persönlichen Daten… 

 

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Republikaner diskutieren Goldstandard

Wie ernst die konkrete Initiative gemeint ist, dar man durchaus offen lassen – Mitt Romney ist zurzeit jedes Mittel recht, um sich als Herausforderer gegen den USA-Präsidenten Obama zu profilieren. Dennoch ist die Meldung bemerkenswert: Beweist sie doch, das man sich auch in den USA sehr wohl darüber im Klaren ist, wie sinnvoll eine Rückkehr zum Goldstandard wäre.

Der folgende Artikel ist Goldreporter.de entnommen:

Gold deckt Papierwährung: Bis Anfang der 70er-Jahre war das Normalität!

Die Republikaner wollen im Wahlkampf erneut die mögliche Rückkehr zu einer Gold-Bindung des US-Dollars erörtern.

Im Rahmen des US-Wahlkampfs wollen sie eine Kommission einrichten, die die mögliche Rückkehr zum Goldstandard erörtern soll. Das berichtet das Wall Street Journal.

Die Republikaner erinnern sich dabei der einstigen Initiative von Ronald Reagan. Der ehemalige US-Präsident hatte während seiner Amtszeit ebenfalls ein Gremium einberufen, um die erneute Gold-Bindung des US-Dollar zu prüfen, die unter Präsident Ford Anfang der 70er-Jahre aufgegeben wurde. Reagans Experten kamen damals zu einem negativen Bescheid.

“Um die Machbarkeit einer Metallbasis für die US-Währung zu klären, soll eine ähnliche Kommission eingerichtet werden, die mögliche Wege untersucht, den Dollar an einen fixen Wert zu binden”, so ein Sprecher des Republican National Committee.

Selbst Präsidentschafts-Kandidat Mitt Romney steht dem Thema aufgeschlossen gegenüber: „Ich befürworte es, wenn wir eine ganze Reihe von Ideen untersuchen, die helfen unserer Währung und unserer Geldpolitik mehr Stabilität zu verleihen“, wird Romney zitiert.

Aber der Obama-Herausforderer schränkt die Sache ein: „Ich weiß, als wir in der Vergangenheit einen Goldstandard hatten, war es falsch, dem Kongress keinerlei Einflussmöglichkeiten zu lassen. Denn auch bei einem Goldstandard muss jemand entscheiden, wie das Umtauschverhältnis zwischen Gold und Dollar aussehen soll.“

Siehe dazu auch: Vervielfachung steht außer Frage  und Die Bundesbank hält den Prüfbericht über deutsche Goldreserven zurück

Update: The gold standard gets another look