Loszulassen macht frei – aber wie soll man das bloß hinbekommen? Antwort

Dieser Blog wurde übernommen aus dem Blog „Der Sinn des Lebens: sei glücklich“ und geschrieben von Claudia Klein. Er ist eine wunderbare Umsetzung des Buches „The Work“ von Byron Katie und ist eine große praktische Hilfe.

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Du suchst nach Möglichkeiten und Tipps zum Loslassen? Du weißt, dass es besser ist, wenn du loslässt, aber irgendwie fehlen dir noch ein paar Ideen, wie du das am besten machen kannst? Dann lies jetzt weiter und suche dir die besten Tipps zum Loslassen aus.

Lasse dich ein wenig inspirieren und probiere die einzelnen Tipps aus. Du wirst eine sofortige Erleichterung in dir spüren. Loslassen ist auch nur eine Entscheidung, die du treffen musst und die kein anderer für dich treffen kann.

1.Tipp:  Werde dir bewusst, was dich festhält

  • Partner
  • Eltern
  • Großeltern
  • Geschwister
  • Kinder
  • bestimmte Situation
  • Perfektionismus
  • die Kontrolle über dein Leben oder anderer
  • ein Konflikt (meist mit sich selbst)
  • Verletzungen
  • Kränkungen
  • Ungerechtigkeiten
  • Unzufriedenheit
  • Unsicherheit
  • Leid und Schmerz
  • Schuldgefühle
  • Wut
  • Abhängigkeit
  • Sehnsucht
  • Gedankenmuster
  • Verhaltensmuster
  • Ansehen
  • Krankheit
  • Eigentum (Haus, Boot, Auto…)
  • Geld
  • Job
  • Vorstellungen wie etwas zu sein hat

2.Tipp:  Schreibe dir jetzt alle Dinge auf, die du nicht loslassen kannst

Schau genau hin und achte auch auf die Dinge, die dir jetzt noch fehlen. Oft ärgern wir uns über Situationen, die noch nicht eingetreten sind und bemerken aber gar nicht, dass wir in genau diesem Punkt eisern an der Sicherheit festhalten und einfach nicht loslassen können.

3.Tipp:  Jetzt nimm dir jeden einzelnen Punkt vor und frage dich warum du diesen nicht loslassen kannst

Beginne mit dem Punkt, der dich ständig begleitet und der am größten ist, der dich stört und der bereits dein Leben beherrscht. Meistens verbirgt sich die Angst dahinter, die dich lähmt und dich am loslassen hindert. Beispiele für Ängste sind:

  • Angst vor dem Alleinsein
  • Angst es nicht zu schaffen
  • Angst die Erfüllung der anderen nicht gerecht zu werden
  • Angst vor Enttäuschung
  • Angst vor der Antwort
  • Angst vor Ablehnung
  • Angst nicht verstanden zu werden
  • Angst nicht zu genügen
  • Angst vor der Absage
  • Angst sein Ansehen zu verlieren
  • Angst vor Armut
  • Angst vor dem Tod
  • Angst kein Job mehr zu bekommen
  • ….

4.Tipp:  Hinterfrage, warum du nicht loslassen kannst und was dir Angst macht. Was befürchtest du,  was eintreten könnte, wenn du diesen Punkt loslässt?

Oft sehen wir die Dinge übertrieben schlimm an und befürchten den absoluten Zusammenbruch. Wir wissen, wie es anderen in unserer Situation ergangen ist oder wir werden an unsere eigenen Pleiten und Pannen erinnert.

Hinterfrage genau und schaue woher diese Angst kommt, meistens haben wir sie nur übernommen und dann leben wir nach diesen Vorgaben. Tiefe Glaubenssätze bestimmen unser Leben und hindern uns am Erfolg? Beim Hinterfragen ist The Work von Byron Katie eine echte Hilfe. Probiere es einfach mal aus.

5.Tipp:  Nun sieh dir die andere Seite davon an und schreibe auf, was du gewinnen kannst, wenn du die Dinge loslassen kannst

Werde dir bewusst, was dich alles erwartet, wenn du die Situation, den Gedanken, den Partner, das Haus, den Job, die Krankheit….loslassen kannst. Welche Gefühle kommen in dir auf und wo siehst du dich, wenn das alles dir nicht mehr im Wege steht. Schreibe deine Geschichte neu und schreibe sie so, wie sie dir gefällt.

6.Tipp:  Jetzt fühle hinein und schau dir das Leben an, das du in ein paar Jahren leben wirst, wenn du weiter an den Dingen festhältst.

Nimm dir genügend Zeit dafür, auch wenn es unangenehm wird. Mache dir sichtbar, was du damit herbeirufst und fühle den Kloß im Hals, die Enge in der Brust, das Stechen im Herz, das unangenehme Gefühl im Bauch, den Schmerz im Kopf…

Dadurch machst du dir bewusst, was ist und was immer sein wird, wenn du weiter darin badest und nicht loslassen kannst. Das erleichtert wiederum, endlich los zulassen.

7.Tipp:  Jetzt fühle hinein und sieh dir das Leben dir an, das du in ein paar Jahren haben wirst, wenn du die Dinge loslässt…

Nimm dir auch hierfür wieder genügend Zeit. Spüre hinein in dein neues Leben: Welche Gefühle kommen in dir auf? Was kannst du alles erreichen und was liegt dir zu Füßen? Welche große Freude verspürst du in dir? Welches Glück wartet auf dich?

Das zeigt dir, wie dein Leben aussehen kann und wo du in ein paar Jahren stehen wirst, wenn du die Dinge loslassen kannst. Das motiviert dich und du kommst in eine  gute Stimmung, die dich zum Handeln auffordert.

8.Tipp:  Jetzt werde dir klar darüber, dass Loslassen die bessere Variante ist.

Wenn du dir die Dinge näher vor Augen führst und sie hinterfragst, erkennst du leichter, was du dir selbst antust und dann kannst du es kaum erwarten, endlich los zulassen. Loslassen findet in deinen Gedanken statt. Entschließt du dich los zulassen, wirst du dich frei und glücklich fühlen.

9.Tipp:  Loslassen und glücklich sein und dich auf das freuen, was alles kommen wird.

Du allein musst die Bereitschaft dazu haben und dich entschließen die Aufgaben durchzuführen, dann kannst du auch loslassen. Loslassen kannst du lernen, wie alle anderen Dinge im Leben, wenn du dich dazu entschließt.

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Falls du jetzt noch wissen willst, wie du das am besten machst mit dem Loslassen, dass es auch wirklich funktioniert dann probiere folgende Techniken aus:

  • 1.) Spreche zu dir durch dein Spiegelbild

Du schaust dir tief in die Augen und sagst dir:

  • Ich lasse alle Widerstände und Gedanken los, die mich noch daran hindern und zweifeln lassen, dass es etwas wird mit dem Haus, dem Garten, der Liebe, dem Geschäft, der Versöhnung, dem Reichtum….

Du setzt das ein, was dir gerade im Wege steht und was du nicht loslassen kannst.

Das Ganze wiederholst du mehrmals, und die ganze Zeit schaust du dir dabei tief in die Augen. Du wirst eine direkte Veränderung bemerken und es spüren und in deinen Augen sehen, wie dich ein Gefühl von Freude und Gelassenheit umgibt und einhüllt. Du wirst einen Seufzer machen und dich gleich viel besser fühlen.

Nun sprich wieder zu dir und schau dir weiterhin tief in die Augen und sage dir, was du jetzt in deinem Leben vorfinden möchtest. Also zum Beispiel:

  • Mein Geschäft läuft jetzt Tag täglich immer besser und ich weiß, dass ich reichlich belohnt werde für meine Arbeit.
  • Ich danke dem Leben, dass ich in den nächsten Tagen auf den Partner treffen werde, der zu mir passt.
  • Ich danke für die Liebe meines Lebens, die mir in den nächsten Tagen über den Weg läuft.
  • Ich danke und freue mich über das tolle Angebot in den nächsten Tagen ( Job, Haus…).
  • Ich weiß und danke dafür, dass ich mein Haus noch in diesem Jahr finden werde.
  • Ich freue mich über die Hinweise, die mir helfen das zu tun, was mich weiterbringt.

Du nimmst sozusagen Kontakt mit dir selbst auf und schaffst es so die Dinge schneller los zulassen.

  • 2) Lasse deine Gedanken durch einen Baum los

Lege deine Handflächen an dem Stamm des Baumes, sieh dabei nach oben und sage:

  • Ich lasse alle Widerstände und Gedanken los, die mich noch daran hindern und zweifeln lassen, meinen Traum zu leben.

Vertraue darauf und spüre durch deine Hände die Energie des Baumes, die Macht des  Universum und das Erreichen deines Zieles.

Sprich diesen Satz wieder mehrmals und achte darauf, dass du dich frei fühlst und nicht beobachtet. Dann teile dem Baum mit, was du in den nächsten Tagen in deinem Leben vorfinden möchtest.

  • Ich danke dir für die Erfüllung meines Traumes, dass ich der Liebe meines Lebens in den nächsten Tagen begegnen werde.
  • Ich danke für all das Glück, was mir in den nächsten Tagen zu Gute kommt.
  • Ich danke dir und bitte dich um weitere Hinweise, wie ich meinen Verkauf noch steigern kann.
  • Ich danke dir und bitte dich noch heute um einen Hinweis, der mir zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
  • Ich bin bereit jetzt mein Leben zu genießen.

Du gehst dann erleichtert nach Hause und freust dich, dass du die Dinge jetzt so leicht loslassen konntest.

  • 3.) Übergebe dem Wind die Gedanken und Widerstände

Eine angenehme und sehr inspirierende Art ist es dem Wind das zu übergeben, was du nicht lösen kannst. Also gib alle Widerstände und Gedanken dem Wind mit, die du loslassen möchtest. Du fühlst dich schnell sehr befreit und erleichtert.

  • 4.) Flaschenpost

Schreib alles auf, was du loslassen möchtest, übrgib es dem Wasser und glaube fest daran, dass es sich erfüllt.

  • 5.) Lagerfeuer

Du schreibst wieder alles auf und verbrennst das, was du loslassen möchtest. Denke daran, dass dein Wunsch in Erfüllung geht, so wie du ihn loslässt.

  • 6.)   Rausatmen

Werde dir bewusst, was du loslassen möchtest, lass das Alte entweichen, indem du kräftig ausatmest und eine Schwimmbewegung nach hinten machst. Hole das Neue herrein, indem du tief einatmest und deine Hände vor deinen Bauch zusammenlegst, als würdest du schwimmen wollen.

Und noch einmal von vorn, beim einatmen führst du deine Hände wieder vor deinem Bauch zusammen.

Du schiebst und atmest sozusagen das Alte von dir und lässt es los. Ich finde, das ist eine ganz einfache und schnelle befreiende Lösung etwas loszuwerden.

  • 7.)   Schrei der Befreiung

Geh in den Wald und schreie raus, was du loslassen möchtest, wovon du dich befreien möchtest. Manchen Menschen tut das mal ganz gut, gerade denen, die sonst sehr ruhig und zurückhaltend sind und sich nicht trauen das zu sagen, was sie wirklich wollen.

  • 8.)   EFT

EFT ist eine hervorragende Technik von der du dich super schnell von etwas lösen kannst und die dir sofortige Entspannung liefert.

  • 9.)   The Work

Die 4 einfachen Fragen von Byron Katie ist eine sehr gute Technik dein eigenes Denken zu hinterfragen.

  1. Ist das wahr?
  2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
  3. Wie reagierst du (was passiert in dir), wenn du diesen Gedanken glaubst?
  4. Wer wärst du ohne den Gedanken?

Schaue dir einfach mal paar Videos auf Youtube an und entscheide ob diese Technik dich weiterbringt.

  • 10.) Meditation

Meditation ist eine Art sehr gut wieder zu sich selbst zu finden. Es muss nicht immer eine geführte Meditation sein, höre auch mal hier rein: Positive Energy Boost.

Das Angebot ist riesig und nicht jede Meditation ist für jeden ansprechend und eine Meditation zu finden, wo du dich von der Stimme und dem Klang angezogen fühlst ist nicht einfach. Nimm dir ein wenig Zeit, um das Beste für dich zu finden.

  • 11.) Beten

Beten geht immer und das hat nichts mit Kirche zu tun. Du musst keinen Gott anbeten, an den du nicht glaubst. Bete zu dem, wozu du dich hingezogen fühlst, sei es das Universum, die innere Macht, das Unsichtbare, der Stern, die Sonne, der Mond, deinem Gott, deine Schöpferkraft… bete zu dir selbst.

Frage deine innere Stimme und bitte sie um Hilfe. Du wirst Antworten erhalten in Form von Impulsen und Hinweisen. Warte nicht darauf, dass eine Stimme dir etwas sagt. Wenn du dich eine Weile damit auseinandersetzt, wirst du einen Weg finden, der dich befreit und der dir hilft beim loslassen.

Weitere Unterstützung zum Loslassen liefern dir die beiden folgenden Techniken:

  • 12.) Hypnose
  • 13.) Aufmerksamkeitstraining

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Das sind nur einige Möglichkeiten, die du zur Unterstützung anwenden kannst, um noch besser los zulassen. Das einzig wichtige daran ist, dass du etwas wählst, was dich anspricht und wobei du dich wohlfühlst.

Am Anfang wird es vielleicht nicht gleich so klappen, wie du es dir erhoffst. Doch alles was noch nicht so klappt, dass kannst du ausbauen und nach weiteren Möglichkeiten suchen und das solange bis es für dich zufriedenstellend ist. Bleibst du dran, wirst du von Mal zu Mal immer besser loslassen können.

Das schöne im Leben kann nur kommen, wenn du bereit bist, es auch zu empfangen. Also lasse das Alte los, dass das Neue kommen kann.

Lerne zu vergeben, vor allem dir selbst. Es bringt dich nicht weiter, wenn du nicht vergeben kannst. Im Gegenteil: Du spürst  die Kränkung immer wieder auf’s Neue. Lerne loszulassen und werde glücklicher denn je.

Je tiefer du dich bereits in den Strudel negativer Gedanken hineingesteigert hast, desto mehr Zeit und Anstrengungen musst du aufbringen, um wieder an die Oberfläche zu kommen. Doch auch das schaffst du. Du musst nur bereit dazu sein.

Eine Nacht im Maya-Temazcal: Im Schutz des Jaguars loslassen, was krank macht Antwort

Der Traum:

Sie hat die Baumzone schon wieder erreicht und durchquert einen Fichtenwald. Als sie eine steil abfallende mit Gras bewachsene Lichtung quert, spürt sie die Gefahr und dreht sich um: Ein ganzes Rudel Jaguare ist ihr auf den Fersen.

Seltsam: Jaguare sind doch Einzelgänger, schießt ihr durch den Kopf, als sie zu laufen beginnt und im selben Moment erkennt: Sie hat keine Chance. Ihr Herz rast,  jeder Atemzug bereitet stechende Schmerzen. Sie rutscht, und während sie fällt, wird ihr klar: Jetzt ist es aus. Sie rollt sich zusammen, erwartet den tödlichen Biss im Genick und hofft, dass es schnell gehen wird.

Während die übrigen Katzen sie überholen, ohne überhaupt Notiz von ihr zu nehmen, löst sich ein großer Kater aus der Gruppe und nähert sich ihr. Doch statt sie anzugreifen streckt er sich neben ihr aus, und sie bemerkt erstaunt, dass er die gleiche Körperlänge hat wie sie selbst. Fast zärtlich neigt das muskulöse Tier sein Kinn zu ihrem Kopf. Sie spürt weiches Fell und Schnauzhaare. Eine Welle der Liebe durchströmt sie – und sie erwacht.

Vier Monate später im Südosten der Halbinsel Yucatan:

Es hat den ganzen Tag wie aus Kübeln geregnet, der sandig-sumpfige Boden konnte das viele Wasser gar nicht mehr aufnehmen. Das Meer unter den schwarzen Wolken ist warm wie immer, aber dunkelgrau; die Brandung an der Riffkante ist höher als sonst, und dahinter tragen alle Wellen kleine Schaumkronen, während die Sonne hinter den sich im Wind biegenden Palmen blässlich verschwindet.

Ganz unspektakulär biegt ein sandiger Pfad von der vierspurigen Schnellstraße nach Süden ab. Langsam arbeitet sich der Yeep durch tiefe, voll Wasser stehende Schlaglöcher immer weiter in den Wald hinein. Sumpfige Mangrovenwildnis wechselt sich ab mit nur um Zentimeter höher liegenden Plateaus, auf denen niedrige Laubbäume. Büsche und Fächerpalmen wachsen. Nach wenigen Kilometern trifft die kleine Gruppe auf die ersten flachen Häuser. Noch eine Weile später steht die Handvoll Suchender im Zentrum des Dorfes. Geschützt vor dem bunten Treiben der touristisch ausgebauten Küste und nahe der alten Ruinenstadt Tulum wohnt hier eine Maya-Gemeinschaft.

Norma heißt die freundliche Frau mittleren Alters, die der Gemeinde vorsteht. Sie und eine weitere Frau begrüßen alle mit einem Glas gekühlten süßen Hibiskus-Tees. Schwere,  feuchte Luft steht über dem Gelände, das fast in völliger Dunkelheit liegt. Nur einige Fackeln weisen den Weg. Die Besucher lernen die Grundnahrungsmittel der Maya kennen: Das wichtigste, wie überhaupt in ganz Mexiko, ist nach wie vor der Mais. Später wird es Hühnchen, Bohnenbrei, Chili-Soße und Mais-Tortillas zu essen geben. Undnatürlich Hibiskus-Tee.

Auch der Ritualplatz ist nur von Fackeln beleuchtet. Fotografieren während der Zeremonie ist verboten – Ablenkung nicht erwünscht.  Um ein Heilungsritual im Temazcal, der traditionellen Schwitzhütte durchzuführen, hat sich die Gruppe zusammengefunden. Alle wollen negative Energien loslassen, Seelen und Körper ins Gleichgewicht bringen. Fred, der Maya-Schamane, will dabei helfen.

Obwohl nur wenige Meter von den Hütten entfernt, umfangen sie vielfältige Stimmen des Urwalds:  Fast brüllend das Surren der Insekten, leise klappernd die Palmwedel, raschelnde Büsche. Dazwischen piepende, kreischende, pfeifende Tierstimmen, manche für Europäer nicht zuzuordnen. Auf einer niedrigen Mauer liegt eine Sammlung riesiger weißer Häuser der großen Fechterschnecke, einer in der ganzen Karibik heimischen Meeresschnecke. Sie sind mit einem Loch präpariert, damit man mit ihnen Töne erzeugen kann. Etwas Üben ist angesagt, die Musik wird im Verlauf des Abends gebraucht.

Handy, Fotoapparat, Rucksack & Co bleiben zurück, während sich acht Klarheit suchende Menschen vor  dem Altar sammeln. Gebaut aus Kalkstein, der auch den Untergrund  Yukatans bildet, ist der Altar geschmückt mit weiteren Conca-Häusern. Rasseln, ein Büschel Blattwerk, eine große Räucherschale und allerlei weitere Utensilien liegen bereit. Im Rücken knistert das  Feuer, in dem seit Stunden Steine zum Glühen gebracht werden. Fred, der in Weiß gekleidete Schamane, bedeutet seinem Assistenten, Jedem eine halbe Kokosschale Balché zu reichen. Das heilige Getränk der Maya wird aus der Rinde des gleichnamigen Baumes gewonnen und mit Honig gesüßt

Fast nackt stehen sie nun in der vielstimmigen Nacht, lauschen dem Tönen des Schamanen auf dem Muschel-Instrument und lassen sich hineinführen in eine Reise des Loslassens und nach vorn Blickens.

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„Alles ist mit allem verbunden,“ sagt Fred, „deshalb hat jedes Handeln überall eine Wirkung – auch wenn man sie nicht gleich bemerkt.“ Dass die Menschen Gäste sind auf Mutter Erde, erinnert er. Wenn sie sie pfleglich behandeln, pflegen sie sich damit selbst. Der reinigende Rauch von Copal dringt in die Nasen, verteilt durch Fred mit einem Blätterbündel des heiligen Baumes. Langsamen Schrittes geht es zu einem weiten Kreis mit vier Öffnungen zu den vier Himmelsrichtungen.

Nur die Glut des Feuers erhellt die Szenerie: Alle gemeinsam tönen auf den Schneckenhäusern, umrunden den Platz, rufen die Götter der vier Himmelsrichtungen an, ihnen wohl gesonnen zu sein. Erst dann dürfen sie das Innere des Kreises betreten:

Einzeln – die Frauen zuerst – stehen sie vor dem hageren Medizinmann, der jeden Einzelnen ruhig betrachtet,  dann mit seinem Blätterbündel negative Energien aus dem Körper streicht und klopft. Sanfte Klopfer auf Kopf und Herz, Ausstreichen der Belastungen über die Extremitäten. Das Herz der Träumerin scheint besonders belastet. Es wird wiederholt beklopft, das Bündel danach ausgeschlagen. Sie selbst fühlt sich danach tief berührt und erleichtert. Die Blätter werden im Feuer verbrannt.

Sehr still, jetzt auch ohne Schuhe, nehmen alle schließlich  im Innern des Kreises am Feuer Platz. „Frieden wird möglich, wenn wir keine Energie mehr auf das verwenden, das uns krank macht,“ sagt Fred. „Was geschehen ist, ist geschehen. Wir müssen es nicht vergessen. Aber wir können es ziehen lassen. Denkt an euer Leben, an das eurer Familie, eures Freundeskreises, eures Landes, der ganzen Erde: Lasst los, was schädlich ist, dankt für das Gute, das euch widerfahren ist und sendet gute Wünsche für die Zukunft in den Raum.“

Alle bekommen ein Stück Copal, das Harz Mittel- und Südamerikas, mit dem negative Energien in Rauch aufgelöst werden. Sie sollen es besprechen mit dem, was sie  loslassen wollen und dann verbrennen.

In ihrem Herzen beginnt ein Reißen, das sich in den ganzen Körper fortsetzt – so schneidend schmerzhaft, dass ihr aus dem Nichts die Tränen kommen. Sie denkt an Einsätze ihres Lebens, die die Welt für sie waren, an das herrliche Gefühl, kraftvoll und unverletzlich gewesen zu sein; an Menschen, die ihr Leben waren, die sie nie mehr sehen wird.  So gern sie loslassen will, so wenig gelingt es. In der Welle der Trauer möchte sie  schier sterben: Sie kann nicht leben, was sie liebt.

Schon lange haben die Anderen ihr Stück Harz ins Feuer geworfen, als sie immer noch davor steht. Bis der dunkle Schatten des Jaguars unter den Bäumen hervor und neben sie tritt. Im Fokus seines scharfen Blickes erkennt sie: Loszulassen bedeutet nicht, die Liebe aufzugeben. Etwas ziehen zu lassen, lässt frei, was nicht bleiben will  und gibt der Liebe so einen neuen Raum, sich zu erfüllen.

Loszulassen bedeutet, darauf zu vertrauen, dass Herzenssachen sich erfüllen – und ihnen die Freiheit zu lassen, den passenden Weg selbst zu wählen.

Jetzt endlich geht es: Sie lässt die Dinge frei und behält freudig das Feuer der Liebe im Herzen. Erleichtert wirft sie das Stück Copal ins Feuer, verlässt den Kreis durch den Westausgang, um die Schwitzhütte von Osten her zu betreten. Nach ursprünglich indianischen Maßstäben handelt es sich um ein Edelmodell: Normalerweise wird der Bauch der Mutter Erde dargestellt durch ein niedriges Gerüst aus biegsamen Zweigen, abgedeckt mit Tüchern oder Lehm. Diese Schwitzhütte ist aus Kalkstein gemauert, hat die traditionelle runde Form und innen den Komfort einer niedrigen Sitzbank aus Stein.

Eine Kerze brennt, bis alle ihren Platz gefunden haben. Hier, im dunklen, runden Inneren sind sie Gleiche unter Gleichen. Neben Fred, der am Eingang sitzt, stehen ein Eimer Wasser, ein neues Blätterbündel und allerlei Instrumente. Sein Assistent schiebt mit einer großen Schaufel nach und nach die glühenden Steine in die Mitte der Hütte. Die Mulde, in der sie Platz finden, stellt den Bauchnabel von Mutter Erde dar. Die Tür wird mit einer Matte verschlossen.

Sehr schnell wird es brütend heiß. Immer mehr Wasser, Balché und Kräuter landen auf den heißen Steinen. „Jetzt, wo wir den Flammen übergeben haben, was uns schädigt, wollen wir uns tief im Wasserdampf reinigen und mit Dankbarkeit aufladen,“ beginnt der Schamane mit der ersten Runde. Wir rufen unsere Ahnen an und auch die Götter, um ihnen Dank auszusprechen, wir wünschen  uns selbst Gutes , ebenso  unseren Familien und denen, die wir lieben – auch  unseren Freunden, unserem Land,  allen Völkern der Erde und Mutter Erde selbst.“

Heiß und heißer wird es in der Hütte. Stockdunkel ist es, und glühender Dampf erfüllt den Raum. Bei jedem Loslassen rasselt der Regenstab des Schamanen, nach jeder Dankesformel erfüllen laute Rufe an die Ahnen und die Götter den Raum. Rasseln und Klappern nehmen zu, Schweiß und Wasser rinnen vom Körper, Dampf dringt durch alle Poren und in die Lunge, der sanfte Duft des heiligen Trankes, der beißende des Copals – ganz langsam verlieren die Kinder der Mutter Erde ihre Körper, stehen neben ihnen, über ihnen, erkennen tiefe Zusammenhänge.

Erschöpft von der Erkenntnis am Feuer folgt sie dem Ritual, gleitet in eine sanfte Trance, fühlt, wie die zusammengerollte Katze in ihr gähnt und sich streckt, wobei ihre scharfen Krallen aus dem Pfoten treten, sich langsam erhebt…

Glühend und unerwartet trifft sie im Dunkel ein Schwall heißen Wassers.  Merkwürdig, wieder in den Körper einzutreten, als der Schamane die Zeremonie beendet. Blind vom Dampf kriechen alle ins Freie, kommen, noch etwas benommen,  wieder vor dem Altar zusammen.

Symbolisch gestorben und wiedergeboren sind sie jetzt. Deshalb werden sie auch symbolisch „getauft“ mit warmem Wasser, von der Hand des Schamanen auf den Kopf gegeben.

Das Wasser fließt ihre Stirn hinab durch’s Gesicht – und für einen Moment bleibt die Zeit stehen. Aus dem Schatten des Temazcal und dem surrenden Wald taucht erneut der Jaguar auf. Sie fühlt seinen Rücken unter ihrer Handfläche. Nur schemenhaft sind die typischen dunklen Flecken unter dem schwarzen, seidigen Fell zu erkennen. Während der muskulöse Körper langsam in ihren einzieht ist ihr, als könne sie durch seine Augen sehen, fühlt sich konzentriert und voller Kraft.

In der Gelassenheit des machtvollen Herren der Wildnis präzisiert ihr Geist: Loslassen bedeutet nicht, etwas zu verlassen. Sichtweise und Verhalten sind es, die losgelassen werden wollen: Man kann das Glück nicht jagen – man sollte ihm entgegengehen.

Was zusammengehört, wird zusammenkommen. Was geht, hat seinen Auftrag erfüllt und macht Neuem Platz. Fähigkeiten sind dazu da, eingesetzt zu werden. Wie genau das geschieht, lässt sich allerdings mitunter in kein Drehbuch fassen.

Mit den Augen der großen Katze schaut sie um sich und sieht nach oben: Wie durch ein Wunder ist der Himmel wolkenfrei. Ein strahlender Vollmond liegt zwischen Milliarden von Sternen am Himmel. Ruhe und Sicherheit steigen in ihr auf.  Sie wird die Stille suchen, um ihre Kraft wieder zu fühlen.

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Eine Holztreppe führt hinab in kristallklares, leuchtendes Süßwasser des Xenotes, das die erhitzten Körper der Wiedergeborenen seidensanft liebevoll umfängt, bis sie wieder im Gleichgewicht sind. Bis auf den Grund kann man sehen. Im Wasser setzen sich die Wurzeln der Bäume fort, die ihre Kronen gen Himmel richten. Dazwischen bewegen sich Fische, sieht man, wie sich Abzweige des Wasserloches hinter Tropfsteinen im Erdinnern verlieren.

Gibt es einen besseren Platz für Menschen als die Erde? Nein, da ist sie ganz sicher. Mutter Erde und alles, was auf ihr wohnt, zu lieben, zu ehren und zu schützen ist sichtbarer Ausdruck der Verbundenheit allen Lebens im großen Geist.

Die Lebenszeit in einem Körper ist dazu da, körperliche Erfahrungen zu machen. Nur so erleben Seelen Wachstum, Liebe, Leidenschaft, Verschmelzung ebenso wie leidvolle Getrenntheit und schmerzhaftes Vergehen – sind mal Sieger, mal Opfer, erfahren das Damoklesschwert der Zeit. Wenn die Körper vergangen sind und die Seelen heim gehen, endet die Dualität zwischen den Polen.  Milliarden Lebens-Erfahrungen all seiner Körper sind es, die die Weisheit des großen Ganzen in der Schöpfung begründen.

Audio-Beitrag: Pan-Theismus – Der große Geist wohnt überall