Schlagwort: Krankheit

Von allem getrennt, sogar von sich selbst – Depression ist ein Albtraum, der nie endet

Selbstmorde von prominenten Schauspielern und Sportlern haben das Thema in den letzten Jahren mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt: Eine Depression ist eine ernst zu nehmende Krankheit. Sie hat nichts mit einem Burnout zu tun – auch wenn sie oft gemeinsam mit einem solchen auftritt. Es gibt verschiedene Formen der Depression – allen gemeinsam ist jedoch, dass sie ab einem bestimmten Stadium die Betroffenen in akute Suizidgefahr bringen. 

Im Gegensatz zur Meinung mancher Angehöriger geht es einem Menschen, der sich in einer solchen Lage selbst auslöscht, nicht um Rache, auch nicht um Schuldzuweisungen. Er ist einfach nur nach einem langen, einsamen und, wie ihm scheint, völlig aussichtslosen Kampf müde – so qualvoll erschöpft, dass ihm der Tod wie ein tröstlicher, letzter Ausweg erscheint.

Auch in meinem Umfeld gab es im Laufe der Jahre drei Selbstmorde nach vielen Jahren Depression. Bezeichnenderweise waren es auch hier Männer, die letztlich den Mut hatten, Hand an sich anzulegen. Statistisch gesehen leiden aber mehr Frauen als Männer unter schweren Depressionen. Ich will deshalb hier die Lebensgeschichte einer Frau erzählen – sie ist bestmöglich anonymisiert.

Sie kann sich genau an das Lebensgefühl erinnern, das sie hatte, als sie noch „rund“ war. Als sie die totale Lebenskraft in sich fühlte, gern und viel lachte, voller Tatendrang war und damit ihren Eltern gehörig auf die Nerven ging. Wie alt genau sie war, als das aufhörte, weiß sie nicht mehr. Aber es war lange vor der Einschulung.

Im Kindergarten blieb sie nicht lange. Der Vater fand, die Erziehung dort sei zu primitiv. Sie erinnert sich, dass sie an heißen Sommertagen allein durchs Dorf strich, auf der Suche nach Spielgefährten. Sie weiß noch, wie leer und bleischwer sie sich dabei fühlte und wie sie manchmal bei den Kühen im Stall Zuflucht suchte. Die waren so warm und weich.

Sie weiß auch noch, wie sehr sie das Dorf liebte. Das Dorf, seinen Geruch, und wenn sich beim Heimkommen die Abendsonne in den Fenstern ihres Hauses rot spiegelte. Dann war ihr Herz ganz heiß, und Tränen der Liebe stiegen ihr in die Augen. So ist das überhaupt mit ihren Gefühlen. Entweder sind sie völlig weg – oder so überwältigend, dass sie ihrer kaum Herr wird. Besonders das Mitgefühl machte ihr schon früh zu schaffen: Als das Schwein vor der Tötung mit dem Bolzenschussgerät über den Hof ausbüchste und herzzerreißend schrie, bettelte sie den Bauern an, das Tier nicht zu töten. Als es schließlich erwischt wurde und kurze Zeit später im heißen Siedebad lag, wo ihm die Haare abgeschabt wurden, fühlte sie rasenden Schmerz im eigenen Fleisch. Das war kurz bevor sie endlich auch eine Schultüte bekam und mit den anderen in die Klasse durfte.

Es folgten ein paar schöne Jahre, in denen sie nicht so allein war. Sie liebte den Unterricht, fand absolut alles interessant. Sie war gern in der Gruppe, spielte mit den anderen Völkerball, versuchte sich im Fußball, fuhr mit den Kindern des Dorfes Schlitten. Beinahe wäre sie gewesen wie sie.

Als sie neun ist, muss sie zum Gymnasium in die Kreisstadt. Der einzige Junge aus dem Dorf, der auch dorthin geht, ist sitzen geblieben und deshalb in ihrer Klasse. Er bespuckt sie den ganzen langen Weg vom Bahnhof zur Schule und zurück. Jeden Tag. Er ist groß und dick. Sein Vater auch. Deshalb kann ihr Vater nichts unternehmen. Gott sei Dank bleibt der Junge nochmal sitzen und verlässt am Jahresende die Schule.

Abgesehen davon hat sie von den ersten Jahren nur noch fragmentale Erinnerungen: Dass ihr die Hand fast abfriert im Winter, wenn sie bei eisigem Frost die schwere Schultasche durch die ganze Stadt schleppt.  Dass sie ihren im Durchschnitt gut zwei Jahre älteren Klassenkameradinnen auf die Nerven geht, weil sie noch so kindlich ist. Das ewige Warten auf den Bus. Und an das ständige Alleinsein – daran erinnert sie sich auch. „Das Kind ist still geworden“, pflegt ihre Mutter zu sagen, wenn man sie fragt, warum ihre Tochter nicht mehr lacht.

Als sie elf ist, zieht die Familie ins eigene Haus in einem anderen Dorf. Auch hier ist sie die Einzige, die zum Gymnasium geht. Das verbleibende Jahr Konfirmandenunterricht reicht nicht, um mit den gerade mal sechs Gleichaltrigen im Ort mehr als oberflächliche Kontakte zu knüpfen. Die Einsamkeit wird ihr ständiger Begleiter. An einen heißen Sommertag erinnert sie sich noch gut: Sie zieht allein mit dem Hund durch die Wälder der Umgebung. Bei einer Rast bewundert  sie die Schönheit der Natur um sie herum, wünscht sich nichts sehnlicher, als mit ihr zu verschmelzen und ist doch schmerzhaft unerreichbar von ihr getrennt.

Mit 12 freundet sie sich mit dem Sohn des Pfarrers an. Der ist 15, geht in die selbe Schule wie sie und ist genauso allein wie sie. Er rasiert sich schon. Bis heute kann sie den Duft des fürchterlichen Aftershaves nicht riechen, ohne dass sich ihr der Magen umdreht. Aber sie haben eine gute Zeit miteinander: Sie können sich gut unterhalten und sind eine Weile beide nicht allein.

Die Familie genießt es in diesen Jahren sonntags sehr lange zu frühstücken und viel zu erzählen. Dabei erfährt sie, dass ihr Großvater, den sie nur durch ein altes Bild im Flur kennt, sich erhängt hat. „Er konnte nicht mehr schlucken,“ sagt ungewohnt wortkarg der Vater – „da kam er in eine Klinik. Als Erntezeit war, holte Mutter ihn nach Hause. Als wir abends vom Acker kamen, hing er in der Scheune.“

„Er hatte Depressionen“, sagt die Mutter. „Dann wechseln sie das Thema.

Abgeschnitten vom fröhlich Lebenden

Einsamkeit, ein schreckliches Getrennsein von allem fröhlich Lebenden, wird zu ihrem ständigen Lebensgefühl. Verzweifelt wünscht sie sich eine Zwillingsschwester. Vergeblich bittet sie die Eltern, sie ins Internat zu schicken, damit sie Gleichgesinnte finden kann. In ihrem Dorf ist sie abgeschnitten von den Klassenkameraden. Im Sportverein kann sie nicht mehr mithalten, als ihre Tischtennismannschaft das Training auf 20 Uhr verlegt. Sie muss früh ins Bett, um 5.45 Uhr klingelt der Wecker.

In dieser Zeit hat sie die ersten Magengeschwüre. Sie ist dankbar, etwas zu haben, das behandelt werden kann.

In ihrer Klasse kommt sie menschlich besten klar, wo sie finanziell nicht mithalten kann: Mit den beiden Kindern des Möbelfabrikanten, der ältesten Tochter des Fahrschullehrers und der Tochter des Baustoffhändlers. Sie sind nett zu ihr und laden sie ab und zu über Nacht zu sich ein. Sie schämt sich oft wegen ihrer Unzulänglichkeiten, versucht, sich zu revanchieren, indem sie für die Freundinnen die Hausaufgaben macht. Mit Nachhilfeunterricht für jüngere Schüler und Rasenmähen verdient sie etwas Geld – es reicht nie. Besonders die Tochter des Fahrlehrers  ist ihre Traumvorstellung einer Frau: Die drei Jahre Ältere hat lange blonde Haare, ist ein Männerschwarm und tanzt einfach göttlich.

Mit 15 lernt sie das schwarze Loch zum ersten Mal richtig kennen. Nach wochenlangen Weinkrämpfen und drastischem Leistungsabfall in der Schule bricht sie ganz in sich zusammen, wird apathisch, denkt darüber nach, wie sie ihrem Leben ein Ende setzen könnte.

„Das Kind hat Depressionen“, konstatiert der Hausarzt, zu dem der Vater sie bringt; „Librium hilft“. Und in der Tat: Das Medikament, das sie fortan einnimmt, hält sie in einer gleichmäßigen Gleichgültigkeit bei freundlicher Grundstimmung. Bis sie sich beim Schüleraustausch in England wiederfindet und nicht genug davon dabei hat. Die massiven Entzugserscheinungen wirken wie ein Weckruf auf sie. Sie setzt das Librium ab, entschlossen, jetzt endlich zu leben. Sie sieht in den Spiegel, staunt, dass aus dem hässlichen Entlein ihrer Kindheit ein recht hübsches junges Mädchen geworden ist. Und: Sie stellt fest, wie gut sie tanzen kann.

Zwei Jahre später kommt der nächste tiefe Fall. Ihre erste große Liebe hat Schluss gemacht. Sie fühlt sich hässlicher und unzulänglicher als jemals vorher, fällt zurück zurück in tiefe Einsamkeit und ist untröstlich. Zerrissen von Schmerz und Grübeleien stolpert sie durch die Abiturprüfungen. Was sie mit ihrem Leben anfangen soll, weiß sie nicht. Wenn es doch nur endlich vorbei wäre…

Ein brüchiger Weg

Sie ist 18, als ihre Ausbildung beginnt. Es fühlt sich an wie damals der Start auf dem Gymnasium. Leere, nichts als Leere. Der Chef, ein Alkoholiker, ist ihr widerwärtig. Die Sekretärin, die sie Brötchen holen schickt, macht sie hilflos wütend. Und der Kollege, der sie anbaggert statt ihr zu zeigen, was Sache ist, bringt ihr einen Krieg ein. Der einzige Gleichaltrige in ihrem Bekanntenkreis ist ihr neuer Freund. Er ist arbeitslos, wenig motiviert, an sich zu arbeiten, und sie muss ihn ernähren, aber sie hält an ihm fest. Nur nicht in diesem schwarzen Loch versinken.

Es endet als Katastrophe: Zehn Jahre lang hat sie ihn durchgezogen, ist hoch verschuldet, als sie sich endlich trennt. Sie war am Ende gewesen, hatte geweint und gearbeitet, gearbeitet und geweint. Wegen ihrer ständigen Kopfschmerzen musste sie regelmäßig vom Hausarzt gequaddelt werden – massive Beschwerden im Oberbauch waren fast unerträglich.  Beides bessert sich schlagartig, als der Freund endgültig gegangen ist. Noch Jahre später findet sie hinter Bilderrahmen, in Schränken, an den unmöglichsten Stellen Zettel, die er hinterlassen hat: „Du bist schuld. Du hast mein Leben zerstört.“

Beruflich kommt sie voran. Nun hat sie auch mehr Geld. Sie kann reisen, sich etwas leisten. Sie gewöhnt sich daran, allein unterwegs zu sein. Mal trifft sie interessante Menschen, mal nicht – nicht so wichtig. Sie genießt den Duft fremder Länder, das Rauschen des Meeres, den Klang fremder Sprachen. Ganz langsam kann sie wieder etwas fühlen. Und verliebt sich in einen deutlich älteren Mann. Er schafft es, ihr wildes Wesen zu „kultivieren“, ohne es einzuengen. Mit ihm erlebt sie das Gefühl, vor Glück sterben zu wollen, die (fast) völlige Verschmelzung. Sie blüht auf, fühlt sich freudig lebendig, arbeitet mit Lust und Liebe.

Trotzdem kauft sie in den USA das Buch „The Final Exit“. In Deutschland ist es verboten. Es beschreibt detailliert, mit welchen Methoden dem Leben ein Ende gesetzt werden kann. Sie fühlt sich gerüstet für den Fall, dass sie wieder im Loch versinkt.

Fünf Jahre später die Trennung. Diesmal wird es lebensgefährlich. Sie sitzt in dem Reihenhaus, das sie allein bewohnt, Tag um Tag in dröhnender Stille schweigend im Sessel und starrt  den Boden an. Sie isst nicht, trinkt nicht und schafft es nicht, zu telefonieren, tagelang nichtmal, vom Sessel ins Bett zu gehen. Niemand vermisst sie – sie ist im Freizeitausgleich für hunderte von Überstunden. Die Einzige, die wahrnimmt, wie es ihr geht, ist die Putzfrau. Die macht sich Sorgen, kontaktiert ihre Sekretärin, die wiederum einen Therapeuten findet. Sie bekommt ein Antidepressivum und ein Mittel gegen die ständige Schlaflosigkeit. Sie beginnt eine Therapie.

Mit den Jahren wird der Arzt zur wichtigsten Konstante ihres Lebens. Sie hat ihm versprochen, sich dem Leben zu stellen, er hat ihr versprochen, sie nicht im Stich zu lassen. Beide halten sich an ihr Wort. Ganz, ganz langsam lernt sie, sich selbst zu betrachten und anzunehmen. Sie lernt, sich zu beobachten und die Anzeichen der schwarzen Löcher schneller zu erkennen. Manchmal kann sie sich nun fühlen. Aber einen Sinn in ihrem Leben erkennt sie nur, wenn sie sich im Dienst der Firma für Menschen engagiert.

Sobald das jeweilige Projekt endet, endet ihr Lebenssinn. Also arbeitet sie viel, auch in ihrer Freizeit. Sie verdient auch viel. Und sie kauft viel ein. Massenweise Schmuck und  teure Kleider. Sie stellt die Tüten in eines der leerstehenden Zimmer. Manche landen später noch mit Preisschild im Altkleidercontainer.

Dann die Wende: Sie lernt ihren späteren Mann kennen. Quasi vor der Haustür – ein Wunder.

Er ist gleichaltrig, ruhig, freundlich. Sie erlebt ihn als mutigen Menschen, der sich seinen Ängsten stellt, und ist beeindruckt. Schon nach wenigen Wochen wohnt er überwiegend bei ihr. Das geht ihr zu schnell, aber sie freut sich auch: Sie ist nicht mehr allein. Es gibt eine Struktur in ihrem Leben, einen Grund, abends nach Hause zu gehen.

Ein gutes Jahr später kaufen sie ein Haus und renovieren es gemeinsam. Es wird die ausgeglichenste Zeit in ihrem Leben. Endlich ist sie wie alle Anderen Teil der Gemeinschaft: Sie lebt mit einem Menschen zusammen, dem sie von Herzen zugetan ist, der sich um sie kümmert so wie sie sich um ihn, mit dem sie sich die Aufgaben des Alltags gerecht teilt. Das Elend scheint überwunden.

Sie arbeiten viel, verdienen gut, machen schöne Urlaubsreisen, sprechen miteinander, wenn auch zunehmend nur noch über die Arbeit. So merken sie zu spät, was sich in ihr Leben schleicht: Immer weniger gemeinsame Abende oder Wochenenden, immer weniger gemeinsame Interessen, gemeinsame Unternehmungen. Während sie selbst immer schlechter schläft und zunehmend unter Atemproblemen leidet, wird ihr Mann immer müder. Kaum haben sie das gemeinsame Abendessen eingenommen, schläft er auf dem Sofa ein. Sie sieht ihm beim Schnarchen zu und spürt bleierne Verzweiflung in sich aufsteigen. Nun ist sie einsam, obwohl sie zu zweit ist. Wofür arbeitet sie eigentlich so viel? Soll ihr Leben nun immer so weiter gehen? Wo ist der Sinn? Wann hat dieses Elend endlich ein Ende…

Ausbruchsversuch führt zum „Todestag“

Es ist im siebten Jahr ihrer Beziehung, als in der Mittagspause eines Meetings der Kollege auf sie zukommt: „Essen wir in der Kantine oder machen wir einen Spaziergang am Fluss?“  Sie gehen zum Fluss, wo er ihr berichtet, dass er nach tätlichen Angriffen seiner Frau die Familie verlassen und eine eigene Wohung bezogen hat. Er will ein neues Leben beginnen.

Sie kennen sich seit vielen Jahren und wissen sich beruflich zu schätzen. Er pflegt sein Image als kühler Stratege, sie ihres als emotional Kreative. Von nun an sprechen sie oft miteinander, tauschen sich aus, auch über die Einsamkeit.  Sie erkennt in ihm Anteile des früheren, deutlich  älteren Geliebten, findet in der körperlichen Nähe ein ähnliches Glück. Einmal sagt er: „Hey, willst du Kinder von mir?“

Ja, sie will. Später wird sie dankbar sein, die Frage nicht laut beantwortet zu haben.

Ihre Arbeitsplätze liegen weit auseinander, sie sehen sich nicht oft. In den Zwischenzeiten bringt sie seine Kühle oft zum Weinen – warum, versteht sie nicht. In der Firma findet währenddessen eine Neuordnung der Führungsebene statt. Sie fühlen sich beide berufen, mitzumischen.

Nach einem Jahr beichtet sie die Affaire, teilt ihrem Mann mit, dass sie sich trennen will. Nach einigen Wochen mit langen Gesprächen und vielen Tränen beschließt ihr Mann, auszuziehen.

Es kommt der Tag, den sie fortan „meinen Todestag“ nennen wird.

Am Vorabend zu ihrem 40. Geburtstag, einem Samstag, lädt ihr Mann sie zum Abschiedsessen ein. Er schenkt ihr 40 Rosen und ihre Freiheit, führt sie an den Ort, wo sie sich kennengelernt haben und fährt danach in seine neue Wohnung. Ihr Geburtstag bricht an. Sie geht durch das Haus, betrachtet die leeren Stellen, die er hinterlassen hat, fühlt sich hohl und grau, will den Geliebten sprechen. Nach mehrstündigen Versuchen erreicht sie ihn. Er ist kurz angebunden,  sagt, er werde zurückrufen.

Es dauert sieben Stunden, bis er sich meldet. Da kann sie ihren Körper kaum noch bewegen, das Sprechen fällt ihr unendlich schwer. Er hatte einen angenehmen Tag, berichtet wortreich davon und meint, nun müsse er eilig nach Hause. Ihren Geburtstag hat er vergessen. Sie schafft es nicht, ihm zu berichten, wie ihr Wochenende verlaufen ist, möchte um Hilfe rufen, bringt kein Wort heraus.  Bleierne Schwärze senkt sich in ihr Herz, umhüllt sie vollständig.

Als er sich an ihren Geburtstag erinnert, sind sechs Wochen vergangen. Sie hat ihn nach einem Meeting mit sarkastischem Unterton zum Edel-Essen eingeladen. Da ist es schon zu spät. Sie hat begonnen, seinen Worten zu misstrauen.

In den folgenden Monaten folgt Unheil auf Unheil. Sie gerät mit dem Geliebten in eine Konkurrenzsituation, erfährt von der Geschäftsführung, dass er den angestrebten Posten erhalten wird. Er selbst wird es ihr erst Wochen später sagen. Da ist sie von seinem fehlenden Vertrauen bereits so verletzt, dass sie ätzend reagiert, statt sich mit ihm zu freuen. Wenig später ruft er sie morgens um 7 Uhr an, um ihr zu sagen: „Ich habe mich verliebt. Sie ist nur eine kleine Halbtagssekretärin, aber sie ist mir jetzt schon um so viel näher als du.“

Es trifft sie unerwartet, und es fühlt sich an wie ein Fallbeil. Sie kann nur noch schweigen. Jedes Gefühl ist erloschen.

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Mechanisch arbeitet sie weiter. Mechanisch erwartet sie nun auch ihr berufliches Ende, ist der Geliebte doch zum Vorgesetzten geworden.

Seine neue Position vereinbart sich nicht mit ihrem Wissen um sein Innenleben. Deshalb soll sie verschwinden. Es ist ihr sofort klar. Und dennoch kann sie sich nicht vorstellen, das Unternehmen zu verlassen. Es ist doch ihre ganze Familie…

Zu ihrem Asthma gesellen sich nun zunehmend Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Sie nimmt ab und wieder zu – zehn Kilo innerhalb weniger Wochen geht es mit Leichtigkeit rauf und runter. Sie beginnt wieder zu reisen, fliegt nach Mexiko, nach China, in die Türkeit, nach Spanien – egal wohin, Hauptsache anders. Sie arbeitet wie eine Besessene, bringt sich aus den USA Ma Huang mit, um durchzuhalten, nimmt Schlafmittel, um wenigstens zwei oder drei Stunden pro Nacht zu schlafen. Der Arzt erreicht sie nicht mehr. Sie weiß nur: Wenn sie aufhört, stirbt sie. Die Zukunft ist schwarz wie die Nacht.

Ein subtiles Mobbing hat begonnen. Ihre Projekte sind überdurchschnittlich erfolgreich und daher nicht angreifbar. Deshalb greift man ihr Wesen an. Hysterisch sei sie, chronisch negativ und psychisch instabil. Von einem Tag auf den anderen soll sie nachweisen, dass ihre sieben Mitarbeiter sich nicht woanders  beworben haben – und zwar durch deren Unterschrift. Im Urlaub erwartet man von ihr eine Ausarbeitung über die Gesamt-Zukunft des Unternehmens. Diese wirft man dem Vorgesetzten im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung an den Kopf und löst damit kalte Wut aus. Es folgen sinnlose Anordnungen, die in ihren direkten Zuständigkeitsbereich eingreifen, der Abzug der guten Mitarbeiter, man schickt ihr einen hoffnungslosen Alkoholiker. Immer mehr Situationen mit einem unlösbar großen Arbeitspensum entstehen.

Sie hält dagegen, wehrt sich mit Händen und Füßen.

Die Schlaflosigkeit fordert ihren Tribut. Immer öfter schließt sie stundenlang die Tür, sagt der Sekretärin, dass sie nicht gestört werden will und weint sich die Augen aus dem Kopf. Der Arzt will sie ins Krankenhaus einweisen. Sie lehnt ab.

Es ist ein Kampf, den sie nicht gewinnen kann. „Sie gehen aufs falsche Klo und pinkeln in die falsche Richtung“, teilt ihr nach zwei Jahren Mobbing unverblümt ein Geschäftsführer mit. „Die werden Sie niemals reinlassen, und ich kann Sie nicht schützen.“

Wenig später fordert der Ex-Geliebte sie auf, ihren Vertrag zurück zu geben und freiwillig eine deutlich niedrigere Position zu übernehmen. Sie lehnt ab.

Zwei Wochen danach gibt sie auf. Sie meldet sich krank und weiß, dass sie nicht mehr zurück kehren kann.

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Jetzt kann sie nachts ohne Versagensangst wach sein, tagsüber ein paar Stunden schlafen. Sie lernt den Duft ihres Gartens bei Sonnenaufgang kennen. Sie kann den Gesang der Vögel wieder hören und findet sie unsagbar schön, die Natur – von der sie selbst durch eine unüberwindbare Glaswand getrennt ist. Ihr Körper wiegt Tonnen. Sie kann die Arme kaum heben – nichtmal, um sich selbst auszulöschen. Ihre Zukunft ist schwarz.

Sie hat ständig Blutungen, lässt sich schließlich die Gebärmutter entfernen – registriert mit tiefer Befriedigung: Jetzt kann sie kein Mann mehr mit dem Versprechen gemeinsamer Kinder locken.

Sie entwickelt detaillierte Pläne, sich das Leben zu nehmen. Die tragen ihren Ängsten Rechnng: Sie kann nicht von einer hohen Brücke springen oder sich vor einen Zug werfen – zu feige. Aber sie kann auf einen entlegenen Turm steigen, eine Flasche Champagner trinken, einen Satz Schlaftabletten nehmen und sich vor dem Einschlafen die Pulsadern aufschneiden. Oder, falls es draußen zu kalt ist, statt des Turms die Badewanne wählen. Sich nur auf Chemikalien zu verlassen, erscheint ihr zu gewagt: Was, wenn sie als Pflegefall wieder wach wird? Sich Luft in die Adern zu spritzen, traut sie sich nicht, mit dem Auto gegen eine Wand zu fahren, auch nicht. Zu groß ist die Gefahr des Überlebens.

Jeden Tag gibt sie sich noch einen Tag lang eine Chance. Noch immer weigert sie sich, in eine Klinik zu gehen. Aber immerhin nimmt sie die nun starken Serotoninwiederaufnahmehemmer und hält die Termine beim Arzt ein.

Ein gutes halbes Jahr später findet der Gütlichkeitstermin vor Gericht statt. Der Vertreter der Firma – mit dem zusammen sie einst die Ausbildung gemacht hat – sagt: „Für diese Frau haben wir keine Verwendung mehr.“ Sie lehnt eine gütliche Einigung ab.

Nun fällt ihr der eigene Anwalt in den Rücken: Die Versicherung zahle zu wenig für ihre Verteidigung. Er erwarte eine Bar-Prämie von ihr. Vom Vertreter der Firma, den er übrigens vom Tennisplatz kennt, verlangt er in den Verhandlungen geldwerte Vorteile. Dass seine Mandantin das hört, stört ihn nicht.

Sie wundert sich über nichts mehr, sagt die Prämie zu, handelt mechanisch, schreibt sich vorher jeden Zug auf. Den Höllentrip, bis ihre Abfindung ausgehandelt ist, erlebt sie wie einen Horrorfilm auf einem weit entfernten Bildschirm. Erst als sie unterschreibt, beginnt sie zu weinen – bodenlos, rabenschwarz, nicht enden wollend. Sie hat ihre Heimat endgültig verloren.

Sie ist gut in ihrem Beruf, versucht also, schnell wieder Arbeit zu finden. Aber sie bekommt keinen Boden mehr unter die Füße. Ein ihr wohl gesonnener Personaler ruft sie eines Tages an: „Wissen Sie eigentlich, dass ihr ehemaliger Vorgesetzter überall durchblicken lässt, Sie seien psychisch instabil?“

Sie versteht.

Wie viele Male kann ein Mensch eigentlich sterben?

Sie weiß es nicht.

Chronische Schmerzen haben ihren ganzen Körper erfasst. Sie kann nur noch mit Hilfe starker Schmerzmittel den Tag überstehen. Weichteilrheuma, diagnostiziert der Arzt. Und ihre Nebennieren arbeiten nicht mehr – eine Folge des langjährigen Stresses. Sie weiß: Rheuma ist eine Autoimmunerkrankung. Ihr Körper hat den Auftrag ihrer Seele angenommen und will sich selbst erledigen.

Diesmal geht sie in die Klinik. Zweimal hintereinander in kurzen Abständen für jeweils acht Wochen. Sie lernt den Umgang mit den Schmerzen, lernt zu malen, wenn sie keine Worte mehr hat. Sie lernt, sich selbst wieder im Spiegel anzusehen und vom Urteil anderer abzugrenzen. Sie erkennt ihre Traumata, lernt, was  ein Flashback ist und welche Schlüssel-Situationen sie hineinfallen lassen. Sie weint Badewannen voll Tränen, schreibt bittere Texte in ein Tagebuch und fragt sich, was nun aus ihrem Leben werden soll. Wo sie wohl einen Sinn finden kann. Ob es echte Liebe zwischen Menschen überhaupt gibt. Ob es ihr jemals gelingen kann, sich selbst anzuschauen und selbst zu lieben.

Ob sie jemals wieder etwas fühlen wird außer Schmerzen?

Sie weiß es bis heute nicht.

Find my love… 

16-10-2012 17-18-03

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Definition einer Depression durch die WHO 
„Eine Depression ist eine weit verbreitete psychische Störung, die durch Traurigkeit, Interesselosigkeit und Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühle und geringes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen gekennzeichnet sein kann.

Sie kann über längere Zeit oder wiederkehrend auftreten und die Fähigkeit einer Person zu arbeiten, zu lernen oder einfach zu leben beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall kann eine Depression zum Suizid führen. Milde Formen können ohne Medikamente behandelt werden, mittlere bis schwere Fälle müssen jedoch medikamentös bzw. durch professionelle Gesprächstherapie behandelt werden.

Für eine verlässliche Diagnose und Therapie im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung sind keine Spezialisten erforderlich. Die spezialisierte Versorgung ist allerdings für eine kleine Gruppe der Menschen mit komplizierten Depressionen oder für diejenigen erforderlich, die nicht auf die Behandlungen der primären Gesundheitsversorgung ansprechen.

Depressionen setzen oft in einem jungen Alter ein. Sie betreffen häufiger Frauen als Männer,  und Arbeitslose sind ebenfalls stärker gefährdet.“

Klassifikation nach ICD-10

F32.0 Leichte depressive Episode (Der Patient fühlt sich krank und sucht ärztliche Hilfe, kann aber trotz Leistungseinbußen seinen beruflichen und privaten Pflichten noch gerecht werden, sofern es sich um Routine handelt.)
F32.1 Mittelgradige depressive Episode (Berufliche oder häusliche Anforderungen können nicht mehr oder – bei Tagesschwankungen – nur noch zeitweilig bewältigt werden).
F32.2 Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (Der Patient bedarf ständiger Betreuung. Eine Klinik-Behandlung wird notwendig, wenn das nicht gewährleistet ist).
F32.3 Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (Wie F.32.2, verbunden mit Wahngedanken, z. B. absurden Schuldgefühlen, Krankheitsbefürchtungen, Verarmungswahn u. a.).
F32.8 Sonstige depressive Episoden
F32.9 Depressive Episode, nicht näher bezeichnet

ICD-10 in der WHO-Version von 2013 online

Sehr ausführlich befasst sich Wikipedia mit den verschiedenen Ursachen und Symptomen der Depression.

Die Stiftung deutsche Depressionshilfe bietet viel Information, ein Forum und Telefonnummern zur Ersten Hilfe in der Krise

Gutes Forum mit vielen Hilfestellungen: http://www.depressionen-depression.net/

Ein Mensch mit Depressionen kann ohne Hilfe nicht gesunden. Aufgrund der Knappheit fachkundiger Ärzte gibt es jedoch sehr lange Wartelisten. Hier versucht das Deutsche Bündnis gegen Depression e.V. gegenzusteuern und Hilfe anzubieten.

Viel Information, Beratung bei der Suche nach der richtigen Klinik und auch persönliche Beratung zur Selbsthilfe gibt es bei der Deutschen DepressionsLiga e.V., die sich an der Mail- und Telefon-Selbsthilfeberatung des Bundesarbeitskreises der Angehörigen psychisch Kranker beteiligt.

Mail: seelefon@psychiatrie.de

Fon: 0180 5950951

Der Bundesarbeitskreis hat eine Liste wichtiger Anlaufstellen veröffentlicht, wo Betroffene und/oder Angehörige Hilfe finden können.

Siehe auch: 

Allein in der Hölle der Leere – vom Ringen um den Weg aus dem schwarzen Loch

Dualseele: Die große Hoffnung, nach Hause zu kommen

Halb zu leben bin ich nicht gemacht

Ein gebrochenes Herz wird andere Herzen brechen – es kann nicht anders

Schäm dich nicht und hol dir Hilfe

Wie sich Depressionen anfühlen – Fotos

Zehn Fakten über Depression

Einsamkeit

Update: Es geht nicht nur um dich

Update: Niemand überlebt die Liebe unbeschadet

Update: The age of lonelyness is killing us

Update: Wir sind keine faulen Schweine

Update: Etwas sanfter im Urteil sein

Update: „Sie verstehen dich einfach nicht“

Update: Depression kostet oft den Job

Update: Wenn Männer depressiv werden

Update: „Ich wünschte, alle Menschen wüssten dies über Depression“

Update: Niemand hat Mitleid mit einem Gehirn

Update: Wenn der Schmerz nicht mehr aufhört

Healing Codes: Eine positive Situation schaffen – Code von Alex Loyd

Ziel der Healing Codes ist es, krank machende Erinnerungen positiv zu überschreiben.

Das geschieht auf zwei Wegen: Durch unsere gebündelten Fingerspitzen leiten wir Energie in Heilungszentren, die sich am Kopf befinden: Auf der Brücke zwischen beiden Augen, an beiden Schläfen, an beiden Kiefergelenken und im Bereich des Kehlkopfes. Dazu lassen wir uns innerlich auf die heilende Kraft der universellen Liebe ein.

Dieser Meditation liegt ein Ton mit der Heilungsfrequenz von 528 Hertz zugrunde. Der gesprochene Code wurde eine.  Gruppe von rund 350 Menschen im Mai 2014 in Frankfurt von Alex Loyd gegeben. Die beiden unten stehenden Videos zeigen die selbe Meditation: oben mit gesprochenem Textm unten mit Texttafeln.

Siehe dazu auch den Blog über die Healing Codes

und geführte Meditation: Deprogrammieren negativer Erinnerungen

Deprogrammieren negativer Erinnerung – Healing Code von Alex Loyd

Ziel der Healing Codes ist es, krank machende Erinnerungen positiv zu überschreiben.

Das geschieht auf zwei Wegen: Durch unsere gebündelten Fingerspitzen leiten wir Energie in Heilungszentren, die sich am Kopf befinden – auf der Brücke zwischen beiden Augen, an beiden Schläfen, an beiden Kiefergelenken und im Bereich des Kehlkopfes. Dazu lassen wir uns innerlich auf die heilende Kraft der universellen Liebe ein.

Dieser Meditation liegt ein Ton mit der Heilungsfrequenz von 528 Hertz zugrunde. Der Code wurde eine Gruppe von rund 350 Menschen im Mai 2014 in Frankfurt von Dr. Alex Loyd gegeben.

Die Videos unten zeigen zweimal die gleiche Meditation: Oben mit gesprochenem Text, unten mit Texttafeln.

Siehe auch: Gesund werden durch Heilen der Erinnerung

und Meditation: Schaffen eines positiven inneren Zustands

 

„Healing Codes“ von Alex Loyd: Gesund werden durch Heilen der Erinnerung

„Ich will nicht Ihre Gefühle, ich will das Bild, das sie ausgelöst hat!“  Rund 350 Menschen hängen im Saalbau Titus in Frankfurt/Main an den Lippen von Dr. Alex Loyd.  Wir gehen in uns, jeder für sich. Stille im Saal. „Jetzt erlauben Sie dem Code ganz bewusst, zu wirken. Wandeln Sie das negative Bild liebevoll in ein positives um – aber Achtung: nicht in eins, an das Sie nicht glauben können. Sobald das Bild friedlich wird, legen Sie es auf dem Tisch ab und schauen Sie von Zeit zu Zeit nach, ob es immer noch ruhig und friedlich dort liegt.

OK?

Dann beginnen wir jetzt.“

Schlank ist er, erstaunlich klein, sehr beweglich. Schmal sind seine Hände, erstaunlich ausgeprägt der Daumenballen und sein Gegenüber am Außenrand, sehr lang der Daumen. Er ist ein professioneller Redner, weiß, wie man Außenwirkung erzielt und Zuhörer mitreißt.

Mitreißend ist sein Thema auch ganz von allein: Dr. Alex Loyd hat die Healing Codes erfunden; genauer: Sie wurden ihm, wie er sagt, im Jahr 2001 in großer Not von Gott selbst eingegeben. Er erkannte darin die Blaupause einer Heilmethode, die die Folgen falsch interpretierter Seelenbilder auf Körper und Seele korrigieren kann. Basierend auf der Erkenntnis Einsteins: „Alles ist Energie“ und der Bibel: „Alles kommt vom Herzen“ bezeichnet Alex Loyd seine Healing Codes heute als „Energiemedizin für’s Herz“. Sie verzeichnen Aufsehen erregende Erfolge: Es sind Heilungen von eigentlich unheilbaren Krankheiten dokumentiert.

Über Lautsprecher wird die Solfeggio-Note MI mit der Frequenz von 528 Hertz (Liebesfrequenz) eingespielt, die nach neueren Forschungen die Heilung der DNA begünstigen soll;  dazu hören wir plätscherndes Wasser. Mit sanfter Stimme gibt Alex Loyd nun Anweisungen, auf welche der sechs heilenden Punkte in Kopf-Nähe die gebündelten Finger der rechten, bzw. linken Hand zeigen sollen (siehe Titelbild). Eingeflochten sind nach jeder Anweisung die Worte GOTT – LICHT – LIEBE – WAHRHEIT – VERGEBUNG – FRIEDEN – HEILUNG.

„Vergebung bedeutet, sich bewusst aus Verurteilungen zu verabschieden“, sagt Loyd. „Wenn ein Mensch etwa einmal gelogen hat, ist er deshalb nicht sein Leben lang ein Lügner.“ Ein Punktekonto der Untaten anderer Menschen anzulegen, so lernen wir, ist eine angstbasierte Haltung, die uns selbst so sehr unter Stress setzen kann, bis sie uns tötet. „Der Mensch ist nicht einfach nur sein Verhalten. Wenn wir es schaffen, einen Menschen zu 100 Prozent bedingungslos als Mensch zu akzeptieren – dann ist Vergebung geschehen.“

Auch er selbst habe mit dem Gott der Bibel so seine Probleme, sagt Alex Loyd – besonders mit dem strafenden und rächenden Gott. Heute sehe er Gott als eine universelle, steuernde Macht, bestehend aus Licht und Liebe. „Wenn man das Licht einschaltet: Wohin verschwindet dann das Dunkel? Ganz einfach: Es wird transformiert. Es wird zu Licht.“

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Genau wie Dr. Ulrich Warnke gehört der ursprünglich ordinierte Pfarrer mit Doktortiteln in naturheilkundlicher Medizin und Psychologie dem Kreis vernetzt denkender, auf spiritueller Grundlage handelnder Menschen an, die die Quantenphysik fest in ihre Arbeit einbeziehen. Was den unglaublichen Erfolg seines Basis-Buches „The Healing Code“  beflügelte, ist die bestechende Einfachheit, mit der sich jeder Mensch selbst nachhaltig behandeln und damit ohne fremde Hilfe  Erkenntnis auch in die Tat umsetzen kann.

„Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben“ heißt es im Buch Salomon (Sprüche 4,23). „Die Seele wohnt im Körper“, sagt Alex Loyd, ganz konkret im Herzen, wo sie unterbewusst  physische Prozesse steuert – und zwar auf der Basis von Seelenbildern. Diese Seelenbilder, so Loyd, entstehen auf zwei Wegen: Über die menschlichen Zellen werden bereits bei der Befruchtung ‚Erinnerungen‘ ganzer Generationen weitergegeben. Dazu kommt das tatsächliche Erleben des Menschen und dessen Interpretation durch den Verstand. Auf beiden Wegen kann man in Fehlinterpretationen stecken bleiben, die lebenslang das Denken, Handeln und schließlich auch das körperliche Befinden des Einzelnen steuern können.

E=mc2 – Energie (im Ruhezustand) ist Masse mal Lichtgeschwindigkeit im Quadrat. Diese Formel von Albert Einstein definiert, dass mit Hilfe von Geschwindigkeit aus Energie Masse – aber auch aus Masse Energie werden kann. „Jede Änderung der inneren Energie zieht auch eine Änderung der Masse nach sich“, formulierte Einstein im Jahr 1905.

In seinem Buch „Intelligente Zellen“ (englischer Titel: „Die Biologie des Glaubens“) beschreibt der Zellbiologe Bruce Lipton, wie er herausfand, dass jede einzelne Zelle ein Gedächtnis besitzt, das in der Membran angesiedelt ist und von „etwas Größerem“ gesteuert zu werden scheint. „Zellen speichern alles, auch negative Erfahrungen“.

In seinem Buch „Die Neurobiologie mentaler Erkrankungen“  (nur in englisch erhältlich) geht Dr. Eric Nestler   dieser Frage zahlreichen Zusammenhängen fundiert nach.

Alex Loyd hat aus diesen und zahlreichen ähnlichen Forschungsergebnissen eine einfache, logische These zusammengestellt: Wer keinen seelischen Stress auf Basis von Angst oder Bedrohung hat, wird auch nicht krank. Die Lösung – besonders im Hinblick auf chronische Erkrankungen, die weltweit dramatische Zunahme von Krebs in allen Variationen, aber auch aller anderen körperlichen und seelischen Probleme, so folgert er, kann also nicht rein medizinischer, sondern muss vielmehr spiritueller Art sein: „Wir sehen die Dinge nicht wie SIE sind, sondern wie WIR sind.“

Besonders hartnäckig sind Bilder, die Kinder im Alter bis zu sechs Jahren geprägt haben, deren Gehirn Eindrücke noch ungefiltert als Fakten abspeichert. Das Kind, das ein Geschehen nicht einordnen kann, behält das Drumherum nur fragmental, die Angst machende, demütigende oder schmerzhafte Situation jedoch in Form eines Bildes als lebenslangen Eindruck, im Extremfall als Trauma. Das dadurch entstandene Bild beeinflusst das Verhalten des Erwachsenen unter Umständen lebenslang.

Um aus dieser Falle herauszukommen, muss der erwachsene Mensch seine inneren Bilder auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen und nötigenfalls positiv „überschreiben“. Echte und dauerhafte Heilung ist laut Alex Loyd nur durch Heilung der Erinnerung möglich.

Wie macht man das nun in der Praxis?

„Die Anfangsfrage muss immer sein: Gibt es zu meinem aktuellen Problem eine angst-basierte Erinnerung? Wandeln Sie das negative Bild liebevoll in ein positives um.“

Wie komme ich überhaupt in Kontakt mit mir selbst?

„Stellen Sie sich vor, der Geist aus Aladins Wunderlampe schenke Ihnen einen einzigen freien Wunsch. Sie haben zehn Sekunden Zeit, den Wunsch zu formulieren.

Was würde sich in Ihrem Leben ändern?

Wie würden Sie sich mit dieser Veränderung fühlen?

Wer jetzt einen materiellen Wunsch, etwa den nach Reichtum, formuliert hat, wird schnell erkennen: Das äußere verändert niemals das Innere. Er setzt uns vielmehr in den Stress einer Erwartungshaltung. Die wiederum führt uns in ein Hamsterrad des Erfolgszwangs und wirkt im Ergebnis krank machend.

Was Sie brauchen ist ein klares, inneres Ziel, das Sie in Liebe und Achtsamkeit verfolgen – und zwar unabhängig von seiner konkreten Manifestierung im Materiellen. Das funktioniert nicht mit Willenskraft. Der einzige Weg, das Ziel zu erreichen, ist eine Umprogrammierung der persönlichen Bewertungen.

Natürlich ist es in Ordnung, für das Erreichen des Ziels zu beten oder einfach darauf zu hoffen. Der Unterschied zur Erwartungshaltung ist der fehlende Erfolgszwang. Damit entfällt der Stress, und das Immunsystem kann arbeiten. So wird die innere Kraftquelle aktiviert. Es ist das Unsichtbare, das das Sichbare gebiert.“

Und wenn ich es nicht schaffe, meine Erwartungshaltung abzulegen?

„Dann legen Sie das ganze Bild samt Ihrer Erwartungen auf den Tisch, lassen es dort liegen und konzentrieren sich einfach darauf, die nächsten 30 Minuten in einer positiven, liebevollen Grundhaltung zu bleiben. Wenn Ihnen das gelingt, hängen Sie gleich die nächsten 30 Minuten dran … Verstehen Sie: Sie müssen den Stecker in die Dose stecken, sonst bekommen Sie keinen Strom. Die Energie, die Sie nährt, ist die Liebe.“

Wie ändere ich den negativen inneren Grund-Zustand?

„Stellen Sie sich diese drei Fragen:

  • Was fürchte ich mehr als alles andere – jetzt in diesem Moment?
  • Was würde sich in meinem Leben verändern, wenn es einträte?
  • Wie würde ich mich dann fühlen?

Jetzt stellen Sie die Frage umgekehrt:

  • Was wünsche ich mir mehr als alles andere – jetzt in diesem Moment?
  • Was würde sich in meinem Leben verändern, wenn es einträte?
  • Wie würde ich mich fühlen?

Wenn Sie Frage drei beantworten können, bedeutet das, dass dieser Zustand bereits latent in Ihnen vorhanden ist.  Versetzen Sie sich also tief in das Bild hinein, in dem das eintritt, was Sie sich im Leben am meisten wünschen – und machen Sie dann den Healing Code.

Gehen Sie in diesem Sinn weiter durch alle Themen Ihres Lebens, bis Sie die drei Fragen ganz klar so beantworten können: Ich brauche nichts mehr, ich habe alles. Und bedenken Sie dabei das kluge Wort von Stephen Hawkins, der sagte: Es ist die letzte menschliche Freiheit, immer selbst über die Qualität meines inneren Zustands entscheiden zu können.“

07-05-2014 15-01-00

„Gott ist Liebe – Liebe ist übernatürlich“

„All you need is love… tata tatata…“ Der weltbekannte Beatles-Song empfängt uns nach einer langen Pause im Saal, und Alex Loyd überrascht uns mit einer Geschichte aus seinem Leben: „Es war eine stürmische, regnerische Nacht, als Tracey, meine Frau, mir sagte, ich solle das Haus verlassen. Sie könne nicht mehr mit mir leben.

Ich stieg ins Auto, fuhr zum Haus meiner Eltern und verbrachte die Nacht im Hof. Ich dachte, ich müsste sterben.

In den Monaten, die dann kamen, führte mich Gott in eine hohe Schule der Liebe. Ich lernte, dass Liebe mehr ist als ein gemeinsames Leben mit geteilten Verantwortlichkeiten. Es gilt nicht das Prinzip: ‚Ich gebe dir etwas, du gibst mir etwas zurück‘. Es gibt keinen Plan B, kein Netz, keinen doppelten Boden. Fast niemand kann es – aber genau das ist es, was bedingungslose Liebe ausmacht: Ich gebe mich hin – ich bringe mich vollkommen ein, egal, was das für mich bedeutet. Wenn der geliebte Mensch mich quälen will, kann er das tun. Wenn er mir einen Ring durch die Nase ziehen will, kann er das auch. Ich werde ihn lieben, egal, was er mit mir tut.“

Nach langem Werben nahm Ehefrau Tracey, die ihren Namen später in Hope änderte (im Sinne von: ‚Ich bin der Beweis, dass es immer Hoffnung gibt‘), ihren Ehemann zurück. Seit 1986 sind die beiden verheiratet, haben einen 21jährigen und einen 14jährigen Sohn.

„Liebe ist etwas übernatürliches. Wenn ich mich auf sie einlasse, betrete ich die Ebene des Übernatürlichen. Liebe funktioniert nicht nach den linearen Regeln von Ursache und Wirkung, folgt nicht den physischen Gesetzen. Ich nenne das Gott. Und ich gebe zu bedenken: Nur weil man etwas nicht sieht, heißt das nicht, dass es nicht da ist.

Docke an an das Übernatürliche. Was immer dabei herauskommt, ist in Ordnung. Wer die Liebe wählt, entscheidet sich indirekt auch immer für den Schmerz – eine lange Beziehung ohne Schmerzen gibt es nicht. Das widerspricht dem linearen Lebenserhaltungstrieb des Individuums. Deshalb ist es so schwer.“

So viele Fragen gibt es zum Ende eines langen Tages, dass sie gebündelt beantwortet werden müssen. Beispiele:

Wie kann ich eine schlechte Beziehung beenden?

„Frage dich: Was ist die beste, auf Liebe basierende Lösung, die ich umsetzen kann, um den Schmerz, unter dem beide leiden, zu beenden.“

Auch wenn ich mir selbst vergebe: Die Folgen meines Handelns für Andere kann ich nicht rückgängig machen…. ?

„Wenn ich mich selbst heile, hat das auch Auswirkungen auf meine Umgebung. Und: Focussieren Sie nicht immer gleich darauf, Andere zu heilen. Alle Heilung fängt in mir selbst an.“

Ich bin 78 Jahre alt und seit 30 Jahren unglücklich. Wie kann ich glücklich werden, bevor ich sterbe?

„Fang an zu arbeiten. Am besten heute. Beginne mit der Übung, 30 Minuten lang in positiver, Liebe-basierter Grundstimmung zu bleiben.“

Ich bin verheiratet und bisexuell. Wie kann ich meine Neigung leben, ohne meine Familie zu beschädigen?

„Es ist nicht deine Aufgabe, andere zu verändern. Arbeite an deiner eigenen Heilung. Gib dir die nächsten 30 Minuten, um in Liebe zu verweilen. Und dann tust du das Beste, was dir in Liebe möglich ist.“

Ich habe einen sterbenskranken Mann zuhause. Die Ärzte geben ihm noch sechs Monate… ?

„Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ein Beispiel: Eine Frau kam zu mir mit einem Mann, der nicht mehr lange zu leben hatte. Der Mann ignorierte seine Krankheit vollkommen. Niemand durfte das Thema ansprechen, Kinder und Enkel durften nicht Abschied nehmen. Nachdem sie mit den Healing Codes gearbeitet hatten, konnte der Mann sich mit seinem Schicksal versöhnen. Er lud seine Familie zu sich ein. Sie verbrachten viele Stunden zusammen, erinnerten sich an die schönen Jahre, die sie erlebt hatten und feierten gemeinsam seine letzte Zeit, bevor er friedlich von ihnen ging.“

Wie kann ich Vergebung aufrecht erhalten, wenn der Tsunami des Leids zurück kommt und mich überrollt?

„Verweile die nächsten 30 Minuten in einem liebevollen Grundzustand. Und dann die nächsten 30. Und die nächsten…“

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Weiterführende Links:

Buch: Der Healing Code

US-Homepage von Alex Loyd – im Store bestellbar ein detailliertes deutsches Arbeitshandbuch mit vielen Hilfestellungen zum Herunterladen

Video, in dem Alex Loyd seinen Masterkey erklärt (in englisch)

Video, in dem Ehefrau Hope (Tracey) über ihre Heilung von klinischen Depressionen berichtet (in englisch)

Musik-Video, in englischer Sprache, zum Üben: The Healing Code Masterkey Supplement, 528 Hz

Die unten stehenden Anleitungsvideos habe ich nach dem Besuch des Workshops erstellt.

Weitere geführte Codes in deutscher Sprache:

Deprogrammieren negativer Erinnerung und  

Eine positive Situation schaffen

Blog Unsterblich in (Gottes) Meer unbegrenzter Möglichkeiten

Artikel in SEIN: Schwingung und Schöpfung

Hirnforschung: Traumata sind vererbbar

Das zweite Video ist die gleiche Meditation, allerdings wird der Text gesprochen, so dass Sie die Augen schließen können.

Die dunkelsten Geheimnisse des kalten Krieges: Versuche an Menschen

Schreckliche Versuche an Menschen wurden nicht nur von den Nationalsozialisten gemacht. Es gab und es gibt sie in allen auch nur erdenklichen Varianten bis heute – zumeist im „Windschatten“ von Kriegen. Dieser ZDF-Film berichtet von Grausamkeiten, die so gräßlich sind, dass er nicht von jedem gesehen werden sollte. Immerhin, so das Schlusswort des Moderators, war es möglich, die Inhalte überhaupt öffentlich zu machen. Ein schwacher Trost: Dass Menschen derart grausam sein können, lässt nur einen logischen Schluss zu: Diese, unsere Tierart, darf nicht überleben wenn sie sich nicht endlich besinnt.

Ich habe den Film in diesem Blog hochgeladen, mich aber entschlossen, ihn nicht unkontrolliert zur Verfügung zu stellen. Ich gebe deshalb den Link nur frei, wenn Sie mir eine Mail an info@newswatch4u.com senden und darin bestätigen, dass Sie älter als 18 Jahre sind.

Update: Mind Control – Vortrag des Pschologen Heiner Gehring

Update: Frontale Lobotomie und der Neurologe Walter J. Freeman

Update: Wald des Schreckens in Polen im Jahr 2002

SIEHE AUCH: Perversion des Heilens – Menschenversuche in deutschen Konzentrationslagern

Update: Todesfolter im Namen Ihrer Majestät

Naga, Shesha, Kundalini: Die Schlange als machtvolles Symbol

Dieser Text wurde ursprünglich in Englisch von Yogi Ananda Saraswathi verfasst. Ich habe ihn übersetzt. Grundkenntnisse im Hinduismus sind wichtig, wenn man die zahlreichen mythologischen Bilder , wie etwa das vom Quirlen des Milchozeans verstehen will. Aber auch ohne diese Kenntnisse wird klar, welch fundamentale Bedeutung die Schlange als Symbol in dieser Religion hat.

In Esoterik-Kreisen ist die Erweckung der Kundalini immer wieder ein großes Thema. Leider sprechen gerade hier viele „Spirituelle“ über Dinge, die sie nur teilweise kennen und noch weniger verstehen.

Hier nun die Übersetzung:

„Haben Sie sich je gefragt, warum die medizinischen Berufe Schlangen in ihrem Logo haben? „Geh im Gleichschritt mit der Natur; ihr Geheimnis ist die Geduld“ sagte Ralph Waldo Emerson. „Nagayuna“ in der indischen Alchemie zielt auf ein harmonisches Miteinander des Physischen mit dem Ätherischen; in anderen Worten: Wir bemühen uns um Fortschritte, indem wir uns ruhig in Bereiche bewegen, in denen ein persönliches Gleichgewicht im Verhältnis zum kosmischen Gleichgewicht möglich ist.

Schlangen sind ein Symbol der Heilung und ursprünglicher Energie. In vielen Hindu-Gesellschaften werden Schlangen als Hüter des Hauses angebetet, und man sagt: Wenn eine Schlange in dein Leben tritt, beginnt eine Zeit der Kreativität und Weisheit. In Bengalen wird die Göttin Manasa, eine heilige Dakini, wegen ihrer Kraft, Krankheiten zu beseitigen angebetet. Ganz allgemein haben Schlangen ein sehr langes Leben und stehen deshalb für die Ewigkeit. Im Bhavihyapuran werden Schlangen wie Takshak, Vasuki, Shesha und Ananta erwähnt.

In der Rig Veda 1.32.3 wird die Tötung von Vitra beschrieben, der Erstgeborenen der Schlangen. In den Veden sind Schlangen gleichbedeutend mit Wolken. Indra wird als Mörder von Vitra beschrieben, die das Wasser in den Wolken und damit den nötigen Regen für das Land zurück hielt. Vitra hielt das Regentor geschlossen. Indra zwang sie, es zu öffnen und den Regen in die Freiheit zu entlassen.

Giftige Schlangen symbolisieren normalerweise den Tod. Nur für Shiva ist dieses Todessymbol ein Schmuck. In seiner Erscheinung als Mrtyunjaya hat er nämlich den Tod besiegt. Für die Suchenden ist der Charme Shivas wie der eines Schlangenbeschwörers. Das Konzept Brahmans, der großen Weltenseele, ist, dass alles Lebende und nicht Lebende hier war, hier ist und immer hier sein wird. Alles was geboren ist und noch geboren werden wird, ist ein Teil Brahmans. Jedes Ungleichgewicht in diesem kosmischen Konzept oder irgendeinem Teil davon wird alle anderen Teile des Ganzen beeinflussen. Ziel dieses Symbolismus ist es, das Universum durch ein natürliches Gleichgewicht zu schützen.

In der Matsya Purana erscheint Shiva mit Schlangen geschmückt. Die Lingapurana zeigt den Linga mit einer fünfköpfigen Schlangenhaube. Als Pasupathinath ist Shiva der Herr aller Geschöpfe. Man sieht die Schlange Vasuki dreimal um seinen Nacken gewickelt und nach vorn schauend. Seine rechte Seite zeigt die vollständige Kontrolle  über ihr Verhalten an, das Weisheit und Ewigkeit darstellt. Seine Wohnstatt sind die Berge, und er trägt nichts Wertvolles. Mit dem Fluss des Ganges, seiner Kleidung aus Tierhäuten und der Schlange Nasuki symbolisiert er das einfache Leben im Gleichklang mit der Natur.

In Kalilasa dienen Schlangen Shiva als Halskette, Armband und erscheinen sogar in seiner  Kleidung. Sie dienen auch als Sehne in seinem Bogen. Der Legende nach wurden die Schlangen, die auf Shivas Körper gefunden wurden, zu Ornamenten, als er Parvati heiratete.

Der Shivalinga trägt eine Haube aus einer fünfköpfigen Schlange. In den Puranas gibt es verschiedene Ansätze der Verbindung der Schlange zu dem Gott, alle sind voller Symbolik. Die Schlange steht für Jiva, bzw. die persönliche Seele, die über Shiva verharrt; den Paratman, bzw. die höhere Seele.  Die fünf Köpfe symbolisieren die fünf Sinne oder die fünf Tattvas: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Schlangen sind für ihr Zischen bekannt und stehen deshalb für die fünf Praanas. Der Gott selbst wird zu den fünf Tanmatras.

Tan bedeutet subtil, und matra bedeutet Element. Die Tanmatras sind also die fünf Elemente, die es den fünf Sinnen erlauben, zu funktionieren. Die Schlange um Shivas Hals repräsentiert Jiva, die individuelle Seele. Shiva ist der Paratman, die Weltenseele. Die fünf Köpfe sind die fünf Sinne der fünf Tattvas und stehen auch für die Atmung, die in den Körper zieht. Dieses Ein- und Ausatmen ist vergleichbar mit dem Zischen der Schlange. Der Gott selbst ist die Tanmatras, die fünf Jnanendriyas und die anderen fünf Kamendriyas.

Die Tanmatras, die fünf subtilen Elemente, die die fünf Sinne zum Arbeiten bringen sind Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch; die fünf Sinne sind das Hören, die berührende Wahrnehmung, das Sehen, der Geschmack und der Geruchssinn. Die fünf Sinne stehen in funktioneller Einheit mit den entsprechenden Sinnesorganen; deren Anwesenheit ist wiederum der Grund für die Existenz dieser Sinne. Die Tanmatras bilden die gemeinsame Basis des Ausdrucks der objektiven Welt. Darauf wiederum beruht die Welt an sich.

Eine andere Bedeutung von tan ist Mutter, eine zweite Bedeutung von Matra ist Materie. Die Tanmatras stehen also für die Mutter – für diese Welt. Diese wiederum ist eingebettet in den Schoß der kosmischen Mutter Pakruti. Durch Jnana gewinnen die Menschen die Kontrolle über ihre Sinne und ihren Geist und finden schließlich ewige Ruhe im Weltenherrn.

Der Gott Dhanwantri ist der Physiker unter den Göttern. Der Herr des Ayurveda studierte die pflanzlichen und tierischen Gifte und deren Anwendung. Die Quelle des Ayurveda ist das Atarveda; außerdem ist es mit Religion und Mythologie verknüpft. Dhanwantri bekam sein Wissen von Brahma, dem Herrn der Schöpfung. Brahma gab das Wissen an Prajapati, die es an die himmlischen Physiker-Zwillinge weiterreichte: an Ashwini Kumari und dann an Dhanwatari.

Ayurveda befasst sich mit allen Giften; auch mit dem der Schlangen. Es ist außerdem mit den Chemikalien der Pflanzen und Pilze verbunden,  in denen heilende oder bewusstseinserweiternde Kräfte enthalten sind. Schlangen haben ebenfalls Pflanzenkenntnisse und sind insofern mit der Natur und dem Göttlichen verbunden. Sie symbolisieren auch die Kraft des Yogi.

Dhanwantari erschien während des Samudra manthan, um Amrit zu bringen. Amrit ist das symbolische Quirlen des Milch-Ozeans und steht für das Bestreben des Einzelnen, sich selbst zu verwirklichen über die Konzentration der Sinne, die Kontrolle der Wünsche und Triebe. Beim Schlagen der Milch entstand zuerst ein tödliches Gift, das Halahala. Nur Shiva konnte es aufnehmen, da er gegen alles Gift immun ist. So ist Shiva auch der Herr aller Physiker dieser Welt. Daher kommen die Legenden von Kopf-Transplantationen wie bei Ganesha oder dem Gegengift für alle Gifte – Samudra manthan.

Dieser Symbolismus steht für den endlosen Kreislauf der Wiedergeburt. Die drei Windungen der Schlange stehen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Gewundene Schlangen können auch Zyklen im Makrokosmos oder der Basis-Energie darstellen. Shiva, der die gewundene Schlange um den Hals trägt wie ein Ornament, zeigt damit an, dass die Schöpfung sich in Zyklen weiter entwickelt und zeitabhängig ist, während der Gott selbst die Zeit transzendiert.

Die rechte Seite des Körpers zeigt die positive Seite und menschliche Aktivität basierend auf Wissen, Gründen und Logik. Die Schlange, die von der rechten Seite aus über seine Schulter schaut, zeigt das göttliche ewige Gesetz von Ursache und Gerechtigkeit an, das in der Natur und im Universum regiert. Shiva wird schließlich mit den Schlangen um seinen Hals als der Herr von Zeit und Energie dargestellt.

Schlangen lösen Furcht aus, symbolisieren auch teuflische und dämonische Eigenschaften. Die Girlanden um Shivas Hals zeigen, dass sogar Schlangen diesen Gott fürchten und vollständig unter seiner Kontrolle sind – totale saranagathi. Shiva gibt also die Sicherheit, dass nichts und niemand seinen Geschöpfen schaden kann, weil es Sarangathi gibt. Auch das Böse unterwirft sich ihm, sucht seinen Schutz und betet ihn in tiefer Ergebenheit an. So sind Schlangen für den Gott einfach Ornamente, die seine Furchtlosigkeit anzeigen; sein Abhyam. Schlangen haben ein sehr langes Leben – in diesem Sinne steht der Gott auch für Amirtham, bzw. Unsterblichkeit.

Die Königin der Schlangen heißt Manasha und wird als Ma Manasha angebetet. In verschiedenen Kulturen waren Schlangen Symbole für Stärke und Erneuerung. Hindu Tempel oder Steinhöhlen, die den Nagas geweiht sind, halten Blumen und Futter für sie bereit. Hindus, die hier beten, suchen Schutz gegen die Schlangen, die in der Unterwelt für Krankheit und Tod verantwortlich sind.

Nagas sind ein sehr starkes Symbol für Lebenskraft und Heilung. Sie stehen für Wiedergeburt, Tod oder Unsterblichkeit – je nach der Zeichnung ihrer Haut. Shesha, Vasuki, Anantha, Kaliya, Manasa, Padmanabha sind Namen von schützenden Schlangen in den südlichen Kulturen Indiens;  Astika, halb Brahmane und halb Schlange sowie Kulika sind Schlangengötter, die angebetet werden. Das Naga Panchami Fest wird am fünften Tag des Shravana gefeiert. Dann bietet man den Schlangen Milch, Eier und Räucherwerk an.

Sri Rahu und Ketu sind sowohl Schlangengötter, als auch Götter von Planeten. Ihre Planeten werden als boshaft beschrieben; je nach Stellung im Geburtshoroskop können sie auf Unheil hindeuten.

Kundalini, bzw. Kundalini und die Chakras, stehen für die heilige göttliche Lebenskraft. Im lateinischen bedeutet „serpens“ eine zusammengerollte Schlange. Im Yoga steht die Schlange auch für die Kraft von Kundalini, die als zusammengerollte Schlange beschrieben wird. Sie ruht im Muladhara Chakra aller Menschen und erhebt sich, wenn der Mensch eine spirituelle Entwicklung beginnt und sich dem Göttlichen zuwendet. Kundalini ist ein Sanskrit-Wort und bedeutet zusammengerollt, bzw. sich zusammenrollen wie eine Schlange. Es handelt sich um die ungefähre Übersetzung des Sanskrit-Wortes Chaitanya. Chaitanya, bzw. Schwingungen, sind die  gesamten Kräfte des physischen, mentalen, emotionalen und religiösen Selbst. In der westlichen Terminologie nennt man das „Schlangenkraft“.

Nach dem Yoga-Weg im Hinduismus liegt Kundalini zunächst inaktiv und zusammengerollt im Basis-Chakra,  etwa in der Mitte der Unterseite des Rumpfes.  Ihr Erwachen  wird begeleitet von somatischen, bio-energetischen Phänomenen.

Yoga Kundalini in den Upanishaden 1.82 stellt fest, dass die heilige Kraft der Kundalini wie der Atem eines jungen Lotus leuchtet; während sie um sich selbst zusammengerollt ist, hält sie ihren Schwanz in ihrem Mund und ruht im Halbschlaf. Dieses Kapitel der Upanishaden nennt Kundalini die schlafende weibliche Energie; gemeint ist das enorme Potential seelischer Energie, die in allen Menschen ruht. Die Yoga-Übungen zielen darauf ab, die Schlange – Shakti – zu wecken. Wenn sie bereit ist, sich aufzurichten, steigt sie über den Spinalkanal auf, um sich über dem Kronenchakra mit Shiva zu vereinigen, dem reinen Bewusstsein, das das ganze Universum durchdringt.“

Siehe auch: Kundalini ist frei von Ansprüchen des Ich

und: Ardhaneshwara: Das tantrische Prinzip von Shiva und Shakti