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Covid 19-Pandemie: Wird die Menschheit die Botschaft verstehen?

Viren (Singular: das Virus, außerhalb der Fachsprache auch der Virus, von lateinisch virus‚ natürliche zähe Feuchtigkeit, Schleim, Saft, Gift‘) sind infektiöse organische Strukturen, die sich als Virionen außerhalb von Zellen (extrazellulär) durch Übertragung verbreiten, aber als Viren nur innerhalb einer geeigneten Wirtszelle (intrazellulär) vermehren können. Sie selbst bestehen nicht aus einer oder mehreren Zellen. Alle Viren enthalten das Programm zu ihrer Vermehrung und Ausbreitung (einige Viren auch weitere Hilfskomponenten), besitzen aber weder eine eigenständige Replikation, noch einen eigenen Stoffwechsel und sind deshalb auf den Stoffwechsel einer Wirtszelle angewiesen. Daher sind sich Virologen weitgehend darüber einig, Viren nicht zu den Lebewesen zu rechnen – sagt Wikipedia.

Ein Virus ist also ein Etwas – eine Struktur – die etwas Lebendes benötigt, um sich zu vermehren. Ein Etwas, das so archaisch ist, wie der Staub, aus dem die Menschen entstanden. Wenn das archaische Etwas sich vermehrt, tut es das auf Kosten anderer, komplexerer Strukturen, zum Beispiel der Lungen von Menschen. Damit kann so ein Virus Tausende, vielleicht sogar Millionen von Menschen töten.

Unglaublich, oder?

Was will uns Mutter Erde wohl sagen, indem es uns so ein archaisches Etwas schickt, das uns in aller Deutlichkeit klar macht, wie verletzlich, wie leicht auszurotten wir sind?

Diese Frage treibt mich nun seit einigen Wochen um – seit das neue Coronavirus Covid 19 unser aller Leben, das wir bisher als so selbstverständlich betrachtet haben, völlig auf den Kopf gestellt hat.

Menschenrechte werden außer Kraft gesetzt, indem Ausgangssperren verhängt, Gruppen von mehr als zwei Personen verboten, Reisen auch nur in Nachbarländer unmöglich geworden sind. Offline einzukaufen ist auf den täglichen Bedarf an Nahrungsmitteln und Kosmetika begrenzt, die Weltwirtschaft bricht von oben nach unten in Windeseile ein. Erstes Warnzeichen war die Panik der Märkte – inzwischen bangen Einzelhändler, kleine Selbstständige und Arbeitnehmer mit unzureichendem Kurzarbeitergeld um ihre Existenz.

Und die Menschen sterben wie die Fliegen. Vor allem dort, wo nicht schnell genug Kontaktverbote eingehalten wurden und das Gesundheitssystem nicht im Top-Zustand ist. Covid 19 verbreitet sich über Tröpfchen. Und über Oberflächen. Vielleicht auch über die Luft. So genau hat man das alles noch nicht herausgefunden. Es wird drei Viertel der Menschheit befallen, mindestens. Wie schnell das geschieht, ist inzwischen zur Überlebensfrage geworden. Denn das Virus, dieses archaische Etwas, wandert in die Lunge, wo in der Folge eine Fibrose entsteht, an der überdurchschnittlich viele Menschen sterben werden – vor allem dann, wenn sie nicht rechtzeitig an ein Beatmungsgerät kommen. Genügend Beatmungsgeräte für die zu erwartende Vielzahl von Kranken gibt es nicht – und so sehen wir gerade eine Vielzahl von Toten. Zunächst in China, jetzt in Italien und Spanien, als nächstes vermutlich in den USA – und auch bei uns? Man wird sehen.

Eine kurze Chronik der bisherigen Ereignisse: Ende Dezember gab es die ersten Erkrankten in Wuhan/China. Man vermutet den Ursprung des Virus auf einem Tiermarkt, möglicherweise in Fledermäusen, vielleicht auch im seltenen Gürteltier Pangolin, beides Spezialitäten im Land der Mitte. Man vermutet es – aber man weiß es nicht.

Neun Tage vor der WHO warnte am 31. Dezember 2019 der Algorithmus des kanadischen Seuchenspezialisten Bluedot vor einem massiven Virus-Ausbruch in Wuhan. Im Verlauf der Januars stieg die Zahl der Erkrankten dort bedrohlich. Ein junger chinesischer Arzt, der den neuen Virus öffentlich machte, wurde verhaftet. Wenige Wochen später starb er daran – nun ist er plötzlich ein chinesischer Volksheld. Ein paar Tage später das Gleiche in Kurdistan: Ein Mann, der aus dem Iran zurück kam, berichtete von dem Virus. Man zwang ihn, seine Aussage öffentlich zurück zu nehmen und sperrte ihn ein. Inzwischen hat Iran öffentlich die Weltgemeinschaft um Hilfe im Kampf gegen Covid 19 gebeten.

In kürzester Zeit lernte die Welt, was eine exponentielle Kurve ist: Schon Mitte Februar zählte China über 70 000 Infektionen und 1900 Tote. Massive Auswirkungen auf die Wirtschaft zeichneten sich ab: Der chinesische Einkaufsmanager-Index des verarbeitenden Gewerbes für den Monat Februar 2020 sank um 14,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat. Wuhan baute im Eiltempo Not-Krankenhäuser. Da war der Virus schon unterwegs um die Erde.

Im TV sieht man die ersten Fotos von leeren Supermarkt-Regalen. Trotzdem heißt es in einem Marktkommentar zum Februar noch: „Das Corona-Virus sehen wir als Auslöser einer Marktkorrektur, aber nicht mehr. Die Konjunktur läuft weiter rund und wir setzen auf eine Mischung aus Wachstums- und Value-Werten.“

Die nachfolgenden Meldungen haben teilweise nur noch eine Halbwertszeit von Tagen, ja Stunden.

Das Großmanöver „Defender Europe 20“ endet vorzeitig. Nach bisherigen Planungen sollten insgesamt 20.000 Soldaten über den Atlantik geschickt werden. Insgesamt waren 37.000 Teilnehmer vorgesehen, bis zu 5500 amerikanische Soldaten sind über Deutschland eingereist. Dann werden die Schiffe auf dem Weg nach Deutschland umgelenkt. Auch von deutscher Seite sind „alle aktiven Übungsanteile“ abgesagt. Abgesagt werden jetzt auch reihenweise Großveranstaltungen. Die Leipziger Buchmesse, der Autosalon in der Schweiz sollen nur Beispiele sein.

Am 26. Februar heißt es aus dem Corona-Krisenstab im Weißen Haus: „Let’s pray against the #coronavirus„. Da hat die WHO einen Test zur Erkennung bereit, den die USA aber nicht nutzen wollen. Dort soll ein eigener Test entwickelt werden. Fatalerweise schleicht sich ein Fehler ein, den zu korrigieren Wochen dauert. So beginnt die größte Volkswirtschaft der Welt um Wochen zu spät damit, ihre Einwohner zu testen. Viel beten hilft viel, denkt der Präsident – und ruft den 15. März zum nationalen Gebetstag aus. Das ist der Tag, an dem der französische Präsident Macron eine dramatische Rede an die Nation hält: „Wir sind im Krieg. Im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, der sich unter uns verbreitet.“

Am 16. März gibt es in Deutschland 4838 morgens bestätigte Corona-Fälle, abends sind es 6000. Bayern ruft den Notstand aus. In ganz Deutschland werden die Schulen für zwei Wochen bis zum Beginn der Osterferien geschlossen. Die Bevölkerung wird aufgerufen, zuhause zu bleiben. „Flatten the curve – die Kurve abflachen“ wird zum Schlachtruf. Spanien schottet das Land ab. Der Fußball muss einigen Geisterspielen, ganz pausieren. Die EM wird wenig später abgesagt, die olympischen Spiele, die im Sommer in Japan stattfinden sollen, geraten in Gefahr. Die Bundesregierung rät von Auslandsreisen ab, empfiehlt, Geschäfte, die nicht für den täglichen Bedarf benötigt werden, zu schließen und sagt der Wirtschaft unbegrenzte Hilfe zu. Das Epizentrum des Covid 19-Befalls etabliert sich in Europa. Die Pandemie ist da.

Und die Weltwirtschaft begibt sich in den Sturzflug. Nach Opel schließen BMW und Mercedes ihre Werke in Europa. Weil die Lieferketten nicht mehr funktionieren, weil der Absatz stagniert, weil die Zahl der Neuinfektionen gesenkt werden muss. Die Airlines sagen massenweise Flüge ab, Deutschland holt über 100 000 Reisende aus aller Herren Länder zurück. Im Tourismus regiert die schiere Panik, die Kreuzfahrtindustrie ist tot, Hotellerie und Gastronomie haben keine Gäste mehr. Schlecht besonders für die Mitarbeiter. Wer das Glück hat, statt gefeuert zu werden, Kurzarbeitergeld zu bekommen, bekommt zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Trinkgelder beispielsweise werden ja nicht in den Lohn eingerechnet, der in der Branche traditionell extrem niedrig ist.

Die Welt denkt an die letzte Pandemie: Die spanische Grippe vor rund 100 Jahren, die als schreckliches Ereignis in Erinnerung geblieben ist, konnte sich nur deshalb so stark verbreiten, weil nicht rechtzeitig Kontakte unterbunden wurden. Daraus will man jetzt lernen – wenn es noch nicht zu spät ist. Zwischenmenschliche Kontakte einschränken, um Leben zu retten: Flatten the curve…

Bloomberg titelt: „Wall Street gets blindsided by the coronavirus meltdown: “Most people were like me. They were like, ‘Yeah, whatever, it’s not that big a deal.’”… FED und EZB versuchen zu retten, was zu retten ist. Sie versprechen unbegrenzte Anleihekäufe und fluten die Märkte mit Milliarden. Und dann, mitten im Corona-Chaos, entspinnt sich ein Krieg zwischen der OPEC und Russland um die Öl-Fördermengen. Die OPEC will sie begrenzen, um die Preise hoch zu halten, Russland, das nur 29 Dollar/Barrel zur Rentabilität braucht (Saudi-Arabien: 80 $/B), will amerikanisches Fracking-Öl vom Markt drängen und flutet die Märkte mit Öl. Notgedrungen zieht Saudi-Arabien nach. Der Ölpreis sinkt dramatisch auf teilweise unter 30 $/B – der Diesel-Preis in Europa pendelt sich bei knapp über 1 €/Liter ein. Ein kleiner Lichtblick für die Verbraucher, der aber kaum bemerkt wird: Alle hamstern, was das Zeug hält. In Deutschland Klopapier und Nudeln, in Frankreich Rotwein und Kondome, in den USA Waffen – und mit Verzögerung ebenfalls Klopapier. Psychologen sagen: „Wer für Sauberkeit sorgen kann, hat das Gefühl, die Kontrolle zu behalten“.

Ich brauche auch Klopapier und erstehe mit viel Mühe eine der letzten Packungen. Küchenrolle ist schon mehr als eine Woche aus. Das ist doof, ich habe nur noch eine. Ich kaufe statt dessen billige Servietten – was für ein Luxus-Problem. Nudeln, Mehl, überhaupt Grundnahrungsmittel, habe ich immer gut bevorratet. Hamstern überflüssig. Gott sei Dank. Hoffentlich fällt der Strom nicht aus. Dann würden alle Vorräte in der Truhe vergammeln. Ich informiere mich über Stromerzeuger. Die benötigte Größe würde ca. 1800 € kosten. Zu teuer. Das Risiko muss ich eingehen. Aber ich habe ja auch eine Menge Konserven – es lebe die Eichhörnchen-Mentalität, die ich seit meiner Hungerzeit in der Ausbildung über 45 Jahre lang bewahrt habe. Desinfektionsmittel für Wasser muss ich noch besorgen – falls die Wasserversorgung ausfällt, reicht das Trinkwasser höchstens für zehn Tage. Im nahen Flüsschen ist genug Wasser. Ich bin milchallergisch – Milchprodukte werden mir nicht fehlen. Frisches Obst dafür sehr. Also noch schnell eine Ladung Obstkonserven heim holen – die teuren, weil die billigen ausverkauft sind. Möglichkeiten zum Kochen und Heizen sind mehrfach vorhanden – der Krieg kann kommen…

Das medizinische Material wird weltweit knapp. Die deutsche Regierung, die normalerweise mit sowas nichts zu tun hat, bestellt unter anderem 10 000 Beatmungsgeräte. Es gibt zu wenig Atemmasken. Die zahlreichen Gruppen von Hobbynäherinnen in Facebook haben nur ein Thema: Atemmasken nähen. Es gibt wilde Debatten darüber, was wie viel schützt. Ein leitender Oberarzt eines Görlitzer Klinikums stellt eine Anleitung ins Netz, wie man sich aus Laminierfolie mit Hilfe einer Schere, eines Tackers, etwas Gummi und Isolierschaum ein Klarsicht-Schutzschild bauen kann. „In den 80er Jahren hatten wir Baumwoll-Masken“ sagt mir ein Anästhesist, „die wurden dann immer ausgekocht.“ Und: „Wenig hilft mehr als gar nichts.“ Ich studiere Schnittmuster und beschließe, ebenfalls Masken zu nähen. Solche, die man auskochen kann und mit denen man noch atmen kann – ich kann auch ohne Corona nie gut atmen…

Die dritte Märzwoche wird sonnig und frühlingshaft warm. Europas Menschen – allen voran die Jugend – zieht es ins Freie. Menschenmassen picknicken in Parks, besonders in den Großstädten, und missachten den Aufruf, genügend Abstand voneinander zu halten. Schreckliche Meldungen aus Nord-Italien berichten von Militär-Transportkolonnen, die Särge in weiter entfernte Krematorien bringen und von Ärzten, die entscheiden müssen, wer eine lebensrettende Beatmung bekommt und wer nicht. 600 Tote an einem Tag. Ähnlich sieht es in Madrid aus. Einigen Regierungen wird es zu bunt. Am Ende der Woche sprechen Bayern und das Saarland eine Ausgangssperre aus. Am Wochenende telefonieren sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten zusammen. Jetzt gilt: Rausgehen darf nur noch, wer arbeiten will oder einkaufen muss. Spazieren gehen und Sport im Freien sind erlaubt, aber maximal in Zweiergruppen. Überall sonst ist ein Abstand von 1,5 Metern zwischen Menschen einzuhalten.

In den Supermärkten sind jetzt Plexiglasscheiben vor den Kassen und Abstandshalter für die Kunden. Das macht die Schlangen sehr lang. Jetzt endlich müssen auch Friseure, Tattoo- und Nagel-Studios schließen, ebenso Restaurants und Straßencafés – mit Ausnahme von Lieferservice. Nur in den verbleibenden Inlandsflügen sitzen noch zwei Menschen auf weniger als zwei Metern Breite und drängen sich in Zubringerbussen. Das öffentliche Bewusstsein für Abstand wächst: „Social distancing“ ist das neue Schlagwort. Immer diese Anglizismen.

Die Zahl der Kritiker wächst. Manche finden, die Regierung kann gar nichts – andere regen sich über die extreme Beeinträchtigung der Menschenrechte auf. Merkel hat sich gegen Pneumokokken impfen lassen und dann erfahren, dass der Arzt positiv auf Covid 19 getestet wurde. Jetzt regiert sie von zuhause aus. Im Radio kommen Vorschläge, wie man im Home-Office mit gehorteten Klopapierrollen Sport machen kann. Ich bin gefrustet: Kein Eiscafé, keine Sauna. Tanzen fällt aus, Wassergymnastik auch. Die schönen Mittelalterfeste, auf die ich gehen wollte, sind abgesagt. Jammern auf hohem Niveau: Ich kann jederzeit in meinen großen Garten gehen. Und eigentlich war ich auch vorher meistens zuhause. Aber wenn die Möglichkeiten von oben weggenommen werden, sorgt das für Frust. Am schlimmsten ist, keine Reise planen zu können. Ich habe solche Sehnsucht nach dem Meer.

29 000 Infizierte am Abend des 23. März in Deutschland. Die Zahl der Neuinfektionen scheint leicht zu sinken. Von den bestätigten Fällen sind mindestens 2809 genesen“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. Aber noch keine Entwarnung. In den USA steigen die Zahlen massiv an. Allein in New York sind es jetzt fast 10 000. Auch in Südamerika gibt es jetzt Ausgangssperren. In Spanien steigt bei rund 33 000 Infizierten die Zahl der Toten auf knapp 2200. Im Osten Frankreichs brauchen so viele Kranke Beatmung, dass sie in den Süden ausgeflogen werden. Und in die benachbarten deutschen Bundesländer. Noch haben unsere Krankenhäuser Kapazitäten. Die sind im Alarmzustand. Sie sollen die Hälfte ihrer Intensiv-Kapazitäten räumen für die zu erwartenden Patienten und schulen in Rekordzeit Mitarbeiter in der Bedienung der intensiv-medizinischen Geräte. Der Bund will ihnen für entgangene Einnahmen Tagespauschalen zahlen.

Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts könnte die Corona-Krise mehr als eine halbe Billion Euro und mehr als eine Million Jobs kosten. Die Bundesregierung hat schon wieder ein „beispielloses Hilfspaket“ geschnürt, diesmal auch für die ganz Kleinen und die Familien. Der Nachtragshaushalt umfasst stattliche 156 Milliarden Euro. Die Helden der Nation sind die Mitarbeiter der Supermärkte. Sie verdienen sehr wenig, arbeiten im Akkord, schlagen sich mit meckernden Hamsterkäufern herum und bleiben überwiegend sehr freundlich. Supermärkte dürfen jetzt sonntags öffnen. Die meisten tun es nicht, um den Mitarbeitern Zeit zum Atmen zu geben. Hut ab. Sonntags einkaufen muss eigentlich auch kein Mensch.

China behauptet, seit einer Woche keine Neuinfektionen mehr zu verzeichnen und inszeniert sich zusammen mit Russland als rettender Helfer mit Ärzten und medizinischem Material für das arme Europa. Donald Trump, der sich seit Ausbruch der Krise als verwirrendster Präsident weltweit präsentiert, hat einen neuen tollen Plan: Nach einem Shutdown von zwei Wochen will er zu Ostern die US-Wirtschaft wieder hoch fahren. Und das, wo in den USA die Infektionszahlen steil in die Höhe schnellen und die Beschäftigten im Gesundheitswesen in voller Panik wegen fehlender Ausrüstung sind. Die gesamte Nachschubkette sei zusammengebrochen, heißt es. In zehn Tagen sei die Grundversorgung am Ende.

Der Dax hat erneut deutlich nachgegeben. Mit einem Verlust von 2,10 Prozent auf 8741,15 Punkte geht er am 23. März ins Ziel. Ebenso bergab geht es in den USA. Ein umfangreiches Notpaket der US-Notenbank Fed ist an den US-Börsen verpufft. Der Dow Jones Industrial verlor im frühen Handel 2,39 Prozent auf 18.715,03 Punkte. Er weitete die Verluste der schwachen Vorwoche aus und fiel auf den tiefsten Stand seit November 2016. Forscher arbeiten weltweit fieberhaft an einem Impfstoff. Die Hoffnung auf einen schnellen Erfolg ist nur bedingt realistisch: Es gibt Viren, die sich seit Jahrzehnten verbreiten, für die immer noch nichts gefunden wurde. Sie sind keine Lebenwesen, leben aber ausgesprochen hartnäckig weiter.

Es gibt Unmengen von Gerüchten: Biowaffe Covid 19, die Todeszahlen in Italien seien so hoch, weil vorher massenweise gegen Meningokokken geimpft worden sei, die Regierungen nutzen die Ausnahmelage, um die Kontrolle über die Menschen dauerhaft zu etablieren, und so fort. Es gibt auch Unmengen kleiner Initiativen der Menschlichkeit, die ungemein rühren: Die Tafeln in Deutschland, die bisher weitestgehend von älteren Ehrenamtlichen betreut wurden, sind geschlossen, weil diese Älteren Hochrisikogruppe sind. Zunehmend übernehmen junge Menschen ehrenamtlich diese Arbeit, damit die Ärmsten weiterhin Nahrungsmittel über die Tafel beziehen können. Es gibt zahlreiche Initiativen für Nachbarschaftshilfe beim Einkaufen. Musiker, die nicht mehr konzertieren können, streamen ihre Darbietungen online, und so fort. Spanier klatschen jeden Abend für ihre Gesundheitsdienste, Italiener singen gemeinsam auf ihren Balkonen. Es gibt Frauen, die im Abendkleid den Müll raustragen – in Quarantäne zu sein, ist nicht automatisch gleichsetzbar mit Jogginganzug und strähnigen Haaren. In den sozialen Netzwerken gibt es Verabredungen zu Massen-Meditationen, Schamanen stimmen sich weltweit ab, um zu bestimmten Uhrzeiten gemeinsam zu trommeln. Die Tagesschau gibt einen Termin heraus, an dem alle Deutschen gemeinsam die Ode an die Freude singen sollen.

In Deutschland ärgern sich viele, die sich gern testen lassen würden und nicht dürfen. Meine Schwester ist schon seit drei Wochen schwer erkältet und krank geschrieben. Einen Covid-Test lehnte der Hausarzt ab. Inzwischen wurde eine Covid 19-Hotline eingerichtet (08009900400), weil die Notrufnummer 112 wegen der vielen Anrufe ständig zusammenbricht. Wer sich in einem der „Abstrichzentren“ in Deutschland testen lassen will, muss zwingend vorher diese Nummer angerufen haben, um sich das ok dafür zu holen. Mit zwei weiteren Nummern kann man einen Arzt für einen Hausbesuch anfordern (116 und 117). Derweil zeigt Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin, der Welt im Video, wie man sich richtig die Hände wäscht.

Einen Tag später erneut schockierende Nachrichten. In Madrid hilft jetzt das Militär dem Gesundheitsdienst. Die Soldaten finden ältere Menschen verlassen in ihren Wohnungen, teilweise schon tot. Im Pentagon ist die Zahl der erkrankten Mitarbeiter seit gestern um 41 auf 174 gestiegen. New York City hat heute morgen schon 23 300 Erkrankte, der Gouverneur des Staates New York, Andrew Cuomo berichtet, dass sich die Zahl alle drei Tage verdoppelt. Im Staat New York zählt man insgesamt mehr als 25 000 Infektionen. Präsident Trump, der im Herbst wiedergewählt werden will, platzt dennoch der Geduldsfaden: „Unsere Menschen wollen wieder arbeiten gehen. Sie werden social distancing und alles andere praktizieren, die Älteren werden sorgfältig und liebevoll überwacht. Es kann nicht sein, dass eine Behandlung schlimmere Auswirkungen hat, als die Krankheit! Der Kongress muss handeln“, twittert er. Unglaublich, wie dieser Mann denkt und handelt.

Der indische Präsident Narendra Modi schlägt vor, die Wirtschaft des Landes für drei Wochen herunter zu fahren, um das Virus unter Kontrolle zu bekommen. Die olympischen Spiele in Japan werden endgültig abgesagt, die Bundesliga soll jetzt mindestens bis zum 30. April ruhen. Die Wall Street erholt sich angesichts der extremen Stabilisierungsbemühungen etwas und stürzt dann wieder ab. Erneut muss der Handel zeitweise ausgesetzt werden. Am Abend ist sie um 11,37 Prozent gestiegen. Die amerikanische Regierung hat ein massives Hilfspaket beschlossen. Ist das die Wende? Was für eine Zerreißprobe für die Trader. In Ischgl/Tirol, von wo aus sich ein Corona-Hotspot über Wochen ungehindert in alle Welt verteilen konnte, weil niemand einschritt, ermittelt jetzt der Staatsanwalt.

Die amerikanische John-Hopkins-Universität sammelt seit Januar in Echtzeit weltweit Zahlen und Daten zu Infektionen und Toten. Hier ist die Karte vom Abend des 24.3.2020:

25. März: Als ich den Baumarkt betrete, räumt gerade eine Mitarbeiterin die wenigen verbleibenden Pakete Klopapier irgendwohin, wo niemand mehr dran kommt. Sie tut, als sieht sie mich nicht. Befremdlich. So wie vieles in diesen Tagen. Dafür sehe ich plötzlich ein Päckchen mit zwei Atemschutzmasken incl. richtigem Luftfilter. Offenbar für Maler. Ich kaufe es: Es kostet stattliche 6,99: mein lieber Herr Gesangverein… Auf der Weiterfahrt Überraschung im Supermarkt: Heute ist eine Lieferung eingetroffen. Es gibt um 18 Uhr noch etwas Klopapier, Papiertaschentücher und sogar Küchenrollen. Der Einkauf ist auf zwei Pakete pro Person begrenzt. Mehr Küchenrolle brauche ich in den nächsten Monaten gewiss nicht – zumal sich bei mir inzwischen eine ganz neue Spar-Mentalität bei Papier breit gemacht hat.

Merkwürdig zu sehen, wie schon seit über einer Woche der riesige Parkplatz vor dem Gebäude fast leer ist. Ganz zu schweigen von diesen leeren, leblosen Innenstädten. Täglich hört man von Kleinunternehmen, die vor dem Ruin stehen. Schlimm. So gut es für die Umwelt ist, dass der Verkehr auf der Straße, den Meeren und der Luft teilweise richtig zum Erliegen gekommen ist: Für die Wirtschaft ist es eine Katastrophe. Ganz direkt betroffen ist der Tourismus.

Deutsche Mediziner sind schockiert von einem Besuch in Straßburg zurückgekehrt. Dort sind derart viele Schwerstkranke, dass entschieden wurde, über 80jährige nicht mehr zu beatmen, sondern ihnen „schnelle Sterbehilfe“ mit Opiaten und Schlafmitteln zu verschaffen. Deutschland müsse vorbereitet sein, wenn es bei uns so weit komme, sagen die Ärzte, und beschließen, ein möglichst gerechtes Konzept zu entwickeln, was zu tun ist, wenn die Beatmungsgeräte nicht ausreichen sollten. In den Medien werden die Fragen lauter, wann denn alles wieder hochgefahren werden kann. Bevor überhaupt irgendwas klar ist, gibt es schon Gemecker über mögliche Ungleichbehandlung. Ich staune: Erst so ein Riesen-Theater, dann, nach gerade mal einer Woche und keinerlei Besserung, wird das Hochfahren diskutiert? Ich habe heute erst von meinem derzeitigen Auftraggeber ein Papier erhalten, das mich legitimiert, in seiner Stadt umher zu fahren. Immer wieder macht sich dieses Gefühl breit, im falschen Film zu sein. Sicher wachen wir bald auf, und alles ist wieder wie vorher…

Schnappatmung bei den Spargelbauern. Das Innenministerium hat die Einreise aller osteuropäischen Erntehelfer verboten. Die schöne, ehrgeizige Julia Glöckner, ihres Zeichens Landwirtschaftsministerin, verweist auf ein neues Job-Portal. Die gerade arbeitslosen Mitarbeiter aus Hotellerie und Gastronomie, wie auch alle anderen, die Arbeit suchen, können sich dort als Erntehelfer verdingen. Sie findet, das sei auch eine gute Idee für die vielen Migranten. Die Landwirte schütteln verzweifelt den Kopf. Was für Träumer sitzen da in der Regierung… Tschechien und Polen schließen ihre Grenzen für deutsche Pendler. Man spricht von tiefer menschlicher Enttäuschung. Jetzt geht in Deutschland die bange Frage um, wer die vielen Pflegebedürftigen versorgen soll, wenn nicht die polnischen Kräfte. Vor lauter Beschäftigung mit uns selbst treten die in den Hintergrund, bei denen das Virus zur Hölle werden kann: Die schutzlosen Menschen in den vielen Flüchtlings- und Migrationslagern.

26.3. Den ganzen Tag über versuchen die G20-Staaten in einer Schalte, einen Kompromiss auszuhandeln, der solidarisch alle EU-Ländern finanziell unterstützen soll. Sehr tief sitzt bereits die Enttäuschung bei vielen Mitgliedsstaaten darüber, dass in den letzten Wochen jedes Land sich selbst der nächste war. Am Abend steht es beinahe fest: Vorsorgliche Kreditlinien des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM sollen ausgehandelt werden. Die stünden Staaten zur Verfügung, die wegen der enormen Unterstützungspakete für die heimische Wirtschaft in Bedrängnis geraten könnten. Der ESM hat rund 410 Milliarden Euro für Darlehen frei. Dann stellen sich Italien und acht weitere Staaten quer: Sie wollen nicht die vielen Reglementierungen des Rettungsschirms, sondern Coronabonds. Europa steht da wie immer: Ein vielsprachiges Durcheinander vieler verschiedener Interessen. In Deutschland stürmt der Mittelstand die KFW, um die versprochenen Kredite in Anspruch zu nehmen. Die Zeit drängt, der nächste erste steht bevor. Aber ganz so einfach geht der Geldhahn nicht auf: Die Unternehmen müssen nachweisen, dass sie vor der Krise stabil waren – und die Hausbanken wollen das Rest-Haftungsrisiko nicht so einfach übernehmen. Das Geschrei ist groß.

Die Zahl der bestätigten Infektionen in den USA übersteigt jetzt die von China. Die Wall Street verzeichnet die drei besten Tage seit 1933 – dank massivem Hilfspaket der Regierung – und trotz massiv steigender Infektionen. Allein in New York City sind es jetzt 21 873 bestätigte Fälle, in den Vereinigten Staaten insgesamt 82.404. America first…

Weltweit wird inzwischen die Überwachung von Risikogruppen mittels Handytracking diskutiert. Die SPD erklärt sich ausdrücklich dafür. Gesundheitsminister Spahn ebenfalls. Schon jetzt stellen die Mobilfunkanbieter anonymisierte Daten von Handynutzern zur Verfügung, was nun auf die ganze EU ausgeweitet werden soll. Zu verlockend scheinen die Überwachungsmöglichkeiten, die China und Südkorea ermöglicht haben, sehr schnell sehr viele Cluster zu identifizieren. Aber ist das wirklich eine Frage von Gesundheit oder Freiheit? Nein, ist es nicht. Es ist ein Versuch, mehr Überwachung einzuführen, ohne von den verängstigten Bundesbürgern Widerstand fürchten zu müssen. Das werden wir nie wieder los – und lernen daher je schneller, desto besser, das Handy zuhause zu lassen.

Die Angst in Deutschland nimmt zu. Ich war heute bei einem vor Monaten vereinbarten Vorsorgecheck beim Hautarzt und weiß seitdem, wie sich Aussätzige fühlen. In der Praxis regierte die nackte Paranoia. An der Anmeldung wurden mir von der Arzthelferin zwangsweise die Hände desinfiziert. Ihr Blick sagte: „Du bist schmutzig, halte dich fern“… Im Wartezimmer Patienten mit Gummihandschuhen und Masken, so weit wie möglich auseinander sitzend, die jeden Neuankömmling musterten, als sei er die personifizierte Lebensgefahr. Als ich mich bei der Untersuchung umdrehe, streift mein Ellenbogen versehentlich die Hand des Arztes. Sofort rennt der zum Desinfektionsmittel, um seinen gesamten Unterarm abzureiben. Ich will eine Warze entfernen lassen und bekomme zur Antwort: „Kommen Sie wieder, wenn die Krise vorbei ist. Ich setze mich doch jetzt nicht einer solchen Gefahr aus“….

Weltweit gibt es jetzt über eine halbe Million bestätigter Infizierter. Die Dunkelziffer ist nach wie vor hoch. Bei uns sind es laut Johns Hopkins Universität um 23 Uhr 43.646  Infizierte. Deutschland nimmt 47 Patienten aus Italien auf. Dort scheint die Kurve im Norden etwas langsamer anzusteigen, dafür steigt sie jetzt im Süden schnell. Insgesamt sind in Italien jetzt 80.589 Menschen infiziert. Die dort anwesenden chinesischen Ärzte benennen als Hauptproblem, dass nicht genug getestet und infizierte Personen nicht genügend kontrolliert werden. In Spanien sind es zur selben Zeit 56.347 bestätigte Infektionen. Die höchste Sterblichkeitsrate verzeichnet Italien mit über zehn Prozent. In Deutschland sind es bisher 262 Verstorbene, bzw. 0,6 Prozent. Unsere Sterblichkeitsrate liegt so vergleichsweise niedrig, weil wir sehr viel mehr testen als andere Länder und daher wahrscheinlich eine kleinere Dunkelziffer haben, erklären diverse Wissenschaftler.

27.3. Widersprüchliche Nachrichten zum Thema Masken und Schutzausrüstung. In den Nachrichten werden gleich mehrfach leitende deutsche Mediziner gezeigt, die über eklatanten Mangel an Schutzkleidung und Masken klagen. Nachschub sei kaum noch aufzutreiben, der von der Regierung angekündigte Nachschub komme auch nicht herbei (kein Wunder: Eine Riesenlieferung ist bei der Zwischenlandung in Kenia auf dem Flughafen verloren gegangen). In den Facebook-Nähgruppen herrscht fast sowas wie Maskenhysterie. Alle nähen, was das Zeug hält – die meisten quietschbunt und aus Stoffen, die kaum bei 30 Grad waschbar sind. Es kommen immer mehr Bitten um Masken von Familien und Menschen, die im Kontakt mit vielen anderen arbeiten müssen. Die eifrigen Näherinnen bringen ihre Ergebnisse zu Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegeeinrichtungen, obwohl die meisten Masken nicht gekocht und damit keimfrei gemacht werden können. Eine hat sogar 23 Stück an’s Robert-Koch-Institut nach Leipzig Geschickt… 😀 Ein Rechtsanwalt warnt vor den Folgen des Vertriebs von Mundschutz durch handwerklich Begabte. Ich stelle den Beitrag in die Gruppe „Mundschutz“. Er wird erst umgehend als Hassrede gelöscht, dann doch wieder freigegeben.

Nach langem Suchen habe ich selbst endlich kochfesten weißen Vlies gefunden, der mir zusagt – im Agrarhandel. Aus den vielen Schnittmusterangeboten habe ich eins ausgesucht und nähe jetzt aus weißer, kochfester Baumwolle Masken für Menschen, die mir nahe stehen, wahlweise mit Baumwollbändchen oder kochfestem Gummi. Ich selbst werde sie wohl nur tragen, wenn es gar nicht anders geht. Puh.

In Italien sind in den letzten 24 Stunden fast 1000 Menschen gestorben. Der Regierungschef ist stocksauer auf das hässliche Europa, das dem Land keine unbegrenzte Verschuldung erlauben will und Deutschland, das sich gegen die Vergemeinschaftung der europäischen Schulden sperrt. Der britische Thronfolger, Prinz Charles, und Regierungschef Boris Johnson sind infiziert. In Spanien werden deutlich weniger Menschen getestet als andernorts. Jetzt musste die Regierung auch noch zehntausende fehlerhafte Tests an einen chinesischem Hersteller zurückschicken. Man weiß also nicht wirklich, wie schlimm die Lage ist. In den USA sind jetzt über 100 000 Menschen krank. Trump beschließt, ein Gesetz aus dem Korea-Krieg anzuwenden (Defense Protection Act) General Motors zu zwingen, jetzt Beatmungsgeräte herzustellen. Deutschland hat noch freie Intensivbetten und will 127 schwer Kranke aus Italien und Frankreich aufnehmen.

Die Statusmeldung der Johns-Hopkins-Universität für Deutschland heute: 49 344 Infizierte und 304 Tote. Die Zahlen sind relativ: Der Tagesspiegel hat selbst gezählt und kam auf 52 806 Infizierte. Das Robert-Koch-Institut (RKI) vermeldet 42 288. Die Arbeit des Instituts wird zunehmend zum Ärgernis. Die Ergebnisse sind zeitverzögert, die Pressekonferenzen werden immer weiter reduziert, es gibt keine Antworten auf drängende Fragen. Die kommen vor allem aus den Bereichen der Wirtschaft, denen durch den Lockdown von einem Tag auf den anderen jedes Einkommen entzogen wurde. Man will wissen, wann die strengen Regelungen gelockert werden können. Aber es gibt schlicht noch keine Erkenntnisse dazu. Kanzleramtschef Helge Braun sagt, bis 20. April dürfe man keine Lockerung der Maßnahmen erwarten. Wenn man vergleicht, in welcher Geschwindigeit die Infektionszahlen steigen, ist weltweit keine Entspannung in Sicht:

Das bedingungslose Grundeinkommen wird wieder neu diskutiert. Inzwischen gibt es Missbrauch des neuen Hilfspaketes der Bundesregierung. Im Gesetz steht unter anderem, dass niemand, der wegen Corona keine Miete mehr zahlen kann, seine Wohnung verlieren darf. „Vorbeugend“ zahlt deshalb unter anderem der Adidas-Konzern für keine seiner Filialen mehr Miete. Wirklich in Not ist die Reisebranche. Die Kunden wollen das Geld für stornierten Urlaub zurück. Das bringt auch große Unternehmen in Insolvenz-Nähe.

In meinem Landkreis sind 77 Menschen infiziert, in meinem Städtchen keine. Es ist ein wahres Glück, auf dem Land zu leben. Mein Alltag ist im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit bis auf die geschlossenen Geschäfte praktisch unverändert. Ich verfüge nicht nur über einen großen Garten, sondern bin auch mit wenigen Schritten im Wald. Aber auch in meinem Landkreis ist der Mangel an medizinischen Hilfskräften offenbar. Hier wie in ganz Deutschland werden Menschen mit medizinischer Erfahrung gesucht, die sich einbringen wollen. Auch die Bundeswehr, die 15 000 Soldaten zur Unterstützung in der Krise mobilisiert, sucht unter ihren Reservisten nach solchen Fachkräften. Der Höhepunkt der Welle ist ja noch nicht da. Das gilt für ganz Europa und die meisten Länder der Welt. So spendet heute der Papst, mitten in der Fastenzeit, auf einem Podest vor einem menschenleeren Platz den Segen Urbi et Orbi. Das tut er sonst nur zu Weihnachten und Ostern.

29.3. Nach einer Woche mit mehrheitlich geschlossenen Geschäften wird die Frage immer lauter, wann man mit einer Rückkehr zur Normalität rechnen kann. Die Regierung legt sich fest: nicht vor dem 20. April. Genauer gesagt: Die Verdoppelungsrate der Infizierten muss auf über zehn Tage steigen. Das wird noch dauern. CNN sagt: „Amerika muss der unbequemen Wahrheit ins Auge sehen: Die USA sind auf dem Weg zur schlimmsten Corona-Epidemie unter den wohlhabenden Staaten – vor allem wegen der Ineffizienz ihrer Regierung“. Wenigstens ist der Präsident inzwischen von einer Rückkehr zur Normalität bis Ostern abgekommen; er verlängert die Schutzmaßnahmen bis zum 30. April. Am Abend sind es in den USA über 137 000 registrierte Erkrankungen. Italien verzeichnet jetzt knapp 98 000, Spanien 80 000, Deutschland 62 000 Infektionen. Es gibt auch Länder, die in der Statistik der Johns Hopkins-Universtität ganz unten auftauchen; etwa Madagaskar. Dort lebt ein ehemaliger Kollege, der hahnebüchenes zu berichten weiß: 43 Infizierte mit dem heutigen Tag (Johns Hopkins zählt 39). Als im Lande lebender Ausländer tue man gut daran, sich täglich in der Öffentlichkeit zu zeigen, damit jeder sehe, dass man bei guter Gesundheit sei, schreibt er. Anderenfalls riskiere man sein Leben: Ein infizierter Ausländer werde unter Umständen als Träger des Bösen von der Bevölkerung gelyncht.

In Deutschland werden jetzt insgesamt 525 Verstorbene gezählt, das ist weniger, als Spanien und Italien innerhalb der letzten 24 Stunden registrierten. Besonders Italien macht Deutschland bitterste Vorwürfe, weder mit Ausrüstung, noch mit Geld zu helfen. Das wird noch lange nachwirken und letztlich das ganze Gebilde Europa in Frage stellen. Es gibt kein Land mehr, das jetzt noch genügend Masken und Schutzanzüge zur Verfügung hat. „Was nützen uns Beatmungsgeräte, wenn es keinen Schutz für das medizinische Personal gibt“, sagt die Epidemiebeauftragte der Ärzteschaft im TV. Überall springen einheimische Unternehmen ein: Destillerien stellen medizinischen Alhohol für Desinfektionsmittel her, andere Unternehmen schneidern Masken. Deren Preise sind inzwischen ins Astronomische gestiegen: Gute Verkaufschancen für all die Hobbynäherinnen der quietschbunten Teile. Mangels erprobter Medikamente wird wild experimentiert: Malariamittel, Mittel gegen Ebola, gegen Aids – was hilft, hat Recht.

Die „Helden des Alltags“ in Krankenhäusern, Pflege und Supermärkten verdienen zu wenig. Dieses Bewusstsein beginnt, sich überall durchzusetzen. Die Regierung verspricht, dass Sonderzahlungen der Firmen an ihre Mitarbeiter bis zur Höhe von 1500 € steuerfrei bleiben. Auch die Soforthilfen für kleine Firmen, Solo-Selbständige und Freiberufler sollen jetzt umgehend anlaufen. Es wird auch Zeit, nur noch drei Tage bis zum Monatswechsel. Das Wildfreigehege Wildenburg, wo das Wolfsrudel beheimatet ist, das ich regelmäßig besuche, bittet dringend um Spenden. Ich bin traurig, nicht reich zu sein, um mehr zu geben, als ich nun überwiesen habe. Bayern führt die kommunalen Stichwahlen diesmal ausschließlich als Briefwahl durch.

In Moskau gilt ab Montag eine Ausgangssperre. Schweden zählt 3 700 Infizierte. Aber hier geht das Leben entspannt weiter. Ähnlich ist es in Brasilien: Dort fordert die Regierung die Menschen auf, arbeiten zu gehen. Präsident Bolsonaro sagt, er sei ein ehemaliger Athlet. Also könne das Virus ihm nichts anhaben. Auch in Paris, nicht nur im Osten Frankreichs, haben die Kapazitäten der Intensivstationen jetzt ihre Grenzen erreicht. In Indien hat der Lockdown zu einer Katastrophe geführt: Tausende von Wanderarbeitern können jetzt nicht mehr überleben und machen sich auf den Weg in ihre Heimatorte. Die Menschen fürchten den Hunger viel mehr als das Virus. Die Leiterin der Notaufnahme im Zentralkrankenhaus von Wuhan ist verschwunden. Vor zwei Wochen war sie an die Öffentlichkeit gegangen, um mitzuteilen, dass die Regierung verboten habe, weiterhin vor dem Virus zu warnen. Auch ein ZDF-Kameramann in China ist nicht mehr aufzufinden.

30.3. Unglaublich, was so ein paar Tage Lockdown ausmachen. Nicht nur kamen innerhalb einer Woche die Delphine zurück in Venedigs Kanäle, nein: In Indien wurde mitten in besiedeltem Gebiet eine seltene Malabar-Zibetkatze gesehen. Die Tiere galten schon fast als ausgestorben. Wie nah doch das Hässliche und das Schöne beieinander liegen können…. Im Garten blühen trotz immer noch eisiger Nächte die Tulpen, die Pflaumen, ja sogar der Weinbergspfirsich – und die Hunsrück-Fotografen in Facebook behaupten steif und fest, der Himmel unter der strahlenden Sonne habe durch weniger Flüge jetzt ein tieferes Blau. Deshalb heute die Corona-Zahlen nur als Bild:

Als neue Deadline für Entscheidungen über das Lockern der derzeitigen Beschränkungen kristallisiert sich weltweit der 19./20. April heraus. Die Tracking App zur Überprüfung von Risikogruppen wird weiter diskutiert. Im Schatten der Krise stimmt die Regierungsmehrheit im ungarischen Parlament dessen Entmachtung zu: Der rechte Regierungschef Victor Orban kann jetzt auf unbestimmte Zeit allein mit Hilfe von Erlassen regieren. Erste Zahlen über die Rezession, die uns je nach Länge des Shutdowns erwartet, kursieren. Die Aktienmärkte haben sich heute etwas erholt. Larry Fink, Chef des weltgrößten Investors Blackrock, ist zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft stetig erholen wird. Die Sorgenfalten in den Gesichtern derer, die jetzt kein Einkommen haben, werden tiefer: Noch 24 Stunden bis zum nächsten 1. Alle, die jetzt zur Ruhe mahnen, verfügen selbst über ein sicheres Einkommen.

Der Gesichtsmaskenstreit verschärft sich. Zwar hat die Bundesregierung 20 Millionen davon beschafft, der Bedarf ist aber viel höher. Die freiwilligen Näherinnen sind erbost darüber, dass ihre Werke nicht nur in vielen Krankenhäusern, sondern auch in großen Kaufhäusern abgelehnt werden. Die Mitarbeiterinnen meiner Bäckerei tragen aber welche, in schwarz, passend zur gelb-schwarzen Berufskleidung. Meine eigene Produktion stockte wegen Schwierigkeiten beim Nachkauf von Schrägband. Morgen geht es weiter. Die Stoffverkäufer arbeiten auf Hochtouren: Kochfeste Baumwolle, kochfester Gummi und Schrägbänder sind kaum noch zu finden. Jena führt als erste deutsche Stadt die Maskenpflicht ein. Die Einwohner sollen ihre Masken selbst nähen.

31. 3. Wissenschaftler stehen in der Regel selten im Fokus der Öffentlichkeit. Aber jetzt gibt es neue Medienstars, zum Beispiel Christian Drosten, den Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin. Kennzeichen: Verwuschelte Haare und sehr erschöpfter Gesichtsausdruck, aber auch große Sachlichkeit und gut verständliche Erklärungen. Nachdem er mehrere Wochen lang ständig in den Medien präsent war, lernt er die unangenehme Kehrseite der Medien kennen und ist sauer. Ein neuer Fachmann taucht auf: Virologe Prof. Hendrik Streeck lehrt an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn, leitet das Institut für Virologie und hat das für HIV-Forschung gegründet, beide ebenfalls in Bonn. Auch er ist ein ruhiger, sehr klar denkender Mann. Er leitet die beispielhafte Forschung im Kreis Heinsberg, dem ersten Corona-Cluster der Republik, der jetzt seit fünf Wochen im Ausnahmezustand ist und kritisiert immer wieder das Robert-Koch-Institut scharf. In der Tat wirkt die Behörde im Vergleich zu den beiden Virologen wenig engagiert.

In meinem Landkreis gibt es jetzt 108 Infizierte. Sieben davon sind im Krankenhaus, keiner wird beatmet. Und: Heute wurde der erste Erkrankte in meinem Städtchen registriert. Das fast 100 Jahre alte Caféhaus, in dem es einzigartig gute Torten und selbstgemachte Trüffel gibt, hat heute bekanntgegeben, nach der Krise nicht mehr zu öffnen. Es gibt noch zwei andere Cafés, mit 0/8/15-Kuchen, die viel besser besucht sind, weil die Gebäude große Glasfassaden haben und man das Leben auf der Straße beobachten kann. Ich bin traurig und hoffe, dass es wenigstens unser preisgekröntes Eiscafé schafft, die Notzeit zu überstehen. Ausgerechnet jetzt, wo es Frühling wird…. Eine schöne Nachricht kommt aus Indien: Da die Strände gesperrt sind, können Tausende Meeresschildkröten ungestört ihre Nester bauen.

Weltweit wurden zur Mittagszeit 855 0077 infizierte Menschen gezählt, davon 186 265 in den USA, 105 792 in Italien, 95 923 in Spanien, 74 690 in Deutschland, 52 827 in Frankreich, 44 605 im Iran. Schweden ist das einzige Land in Europa, das nur leichte Beschränkungen im Alltag verzeichnet: Ältere und Risikogruppen sollen zuhause bleiben, die Menschen sollen Abstand halten – das war’s. „Wir hatten so eine Situation bisher nicht. Wir wissen also nicht, welcher Weg letztlich der Richtige ist,“ sagt Professor Streeck dazu. Das wird die von der Insolvenz bedrohten Menschen im Land aber beruhigen….

„Wir brauchen endlich saubere Corona-Zahlen“ sagt Open Petition und sammelt Unterschriften für eine Baseline-Studie. In der Tat verleitet es zu irrtümlichen Schlussfolgerungen, wenn alle Verstorbenen, die auch Corona hatten, als Corona-Tote gezählt werden, ohne dass klar ist, woran sie nun wirklich verstorben sind. Bei einer Baseline-Studie wird eine demografisch repräsentative Gruppe wiederholt getestet, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit und die Aggressivität des Virus sicher feststellen zu können. Die linke Wochenzeitung „Der Freitag“ führt aus, „Corona hat dieselbe strukturelle Ursache wie die ökologische und soziale Krise, zu der der Klimawandel, die Naturzerstörung wie die maroden Gesundheitssysteme gehören. Sie ist in der kapitalistischen Produktion und Ausbeutung der Natur zu suchen, in der imperialen Lebensweise der reichen Länder des Nordens, in der neoliberalen Ideologie.“ Dazu zeigt man nebeneinander eine Ultradünnschicht von Corona-Viren (rot) im Inneren einer Wirtszelle und ein Luftbild gerodeter Amazonas-Flächen. Das Thema Mundschutz beschäftigt inzwischen die ganze Republik: Mehrere Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichen Nähanleitungen. Dazu gehört auch eine super-einfach-Maske aus einem Stück Küchenrolle, einem Papiertaschentuch, zwei Klebestreifen, und etwas Gummi. Die Bildzeitung meint, man könne die Masken doch einfach bei 80 Grad im Backofen desinfizieren und dann wiederverwenden. Die vielen Hobbynäherinnen in Facebook werden von Hilfeanfragen überschwemmt.

Meine Freundin berichtet von Videokonferenzen ihres Gurus mit seinen Followern. Es sei ein Kampf des Lichtes gegen das Dunkel, sage der Guru. Man dürfe sich nicht emotional hineinziehen lassen, müsse sich statt dessen konsequent für das Licht entscheiden. 5G ist ebenfalls immer wieder Thema bei den Spirituellen. Manche vermuten direkte Einflussnahme auf die Gehirne, bzw. Körper der Menschen. Einige behaupten, es gebe zwei Arten von 5G: Die auf der Erde mit jeweils geringer Reichweite, eine weitere, die aus dem All gesendet werde, mit Hilfe derer die ganze Menschheit kontrollierbar sei. Ich denke, dass die Bestrahlung jedenfalls das Immunsystem schwächen dürfte.

Ich lese, dass mein Lieblingshotel auf Yucatan mit dem Korallenriff und den Meeresschildkröten am Strand jetzt auch geschlossen wurde. Auch dort haben jetzt die Schildkröten den ganzen Strand für sich. Ich bin traurig. Ich möchte an ein warmes Meer fahren, am liebsten auf eine Insel. Ich möchte schorcheln und mit den Fischen spielen. Ich möchte Wärme und Nähe spüren, Zusammengehörigkeit wahrnehmen.

1.4. Schreckliche Bilder kursieren in den Medien. Es sind Ausschnitte aus einem Video der New York Post, das zeigt, wie Leichen per Gabelstapler in Kühllaster befördert werden. US-Präsident Trump benachteiligt offenbar seine politischen Gegner bei der Zuteilung von Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten. Der Staat New York gehört dazu. Inzwischen hat der Populist erneut seine Haltung geändert und spricht nun von bis zu 240 000 zu erwartenden Toten in den USA. Man hört, dass er sich hinter den Kulissen darüber lustig macht, wie leicht er in seiner neuen Rolle das Gehör der Medien finde. Die Debatte um die unsicheren Corona-Zahlen nimmt Fahrt auf. Statistiker vermuten, dass es in Deutschland in Wahrheit 222 000 Infizierte gibt. Die selbstgenähten Masken haben es inzwischen auch in die Talkshows geschafft; ihr Für und Wider wird heftig debattiert. Die Näherinnen ärgern sich derweil über Abmahn-Anwälte, die ihnen das Leben zur Hölle machen. In ganz Deutschland sind Schrägbänder und Einziehgummis ausverkauft.

In einer Studie haben Forscher 100 000 Menschen in 15 Ländern dazu befragt, wie zufrieden sie mit den Maßnahmen ihrer Regierungen und dem Verhalten der eigenen Bevölkerung in der Krise sind. Die meisten ärgern sich mehr über uneinsichtige Mitbürger als über ihre Regierung. Nicht so in der Türkei, den USA, Russland, Weißrussland und Großbritannien: Hier ärgern sich die Menschen besonders massiv über ihre Regierung. Adidas hat sich nach einem Shitstorm und Boykottaufrufen in den sozialen Medien entschuldigt und zahlt jetzt doch Miete für seine Filialen. Galeria Kaufhof/Karstadt, schon vor der Krise stark angeschlagen, setzen alle Mietzahlungen aus und beantragen ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren, um sich zu sanieren. Die Märkte rauschen nach einigen besseren Tagen wieder nach unten. In Deutschland gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Im Kreis Heinsberg, dem ersten festgestellten Cluster, ist die Verdoppelungsrate jetzt bei 16 Tagen. Die Infektionswelle war nach einer Karnevalssitzung losgegangen. Man bekommt langsam eine Idee davon, wie lange das alles noch dauern wird. Kanzlerin und Länderchefs haben sich darüber abgestimmt, dass alle Beschränkungen mindestens bis nach Ostern weiter gehen.

2.4. Man höre und staune: Das Robert-Koch-Institut ändert seine Meinung zu Schutzmasken. Nachdem 57 Prozent der Deutschen eine Maskenpflicht befürworten, sagt es nun, das vorsorgliche Tragen könne das Risiko, andere anzustecken, mindern, auch wenn sie dem Träger selbst keinen Schutz bieten. Siemens Healthineers, eine Tochter des Siemens-Konzerns, hat einen Schnelltest entwickelt, der innerhalb von drei Stunden Ergebnisse bringen soll. Es wurde eine sogenannte Notfall-Zulassung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie bei der US-Gesundheitsbehörde FDA für den klinischen Einsatz beantragt, damit der Test schnell zur Verfügung stehen kann. Schon jetzt wurde er zu Forschungszwecken ausgeliefert. Auch sonst profitiert das Unternehmen von der Krise: Seine medizintechnischen Produkte sind stark gefragt.

Das Bundesinnenministerium hat ein Einsehen: Asylsuchende können die Spargelernte nicht retten. Jetzt dürfen doch südosteuropäische Erntehelfer einreisen: Je 40 000 im April und im Mai. Den Bauern dürften Wagenladungen von Steinen vom Herzen fallen. Nicht so den vielen Reisenden, die wegen Corona nicht in Urlaub können: Sie sollen nun statt ihres Geldes Gutscheine zurück bekommen, deren Verwendung auch noch zeitlich befristet werden soll. Eine Unverschämtheit. Nach der Thomas Cook-Pleite und dem jetzigen Corona-Desaster sollte der Reisebranche dringend auf die Finger geschaut werden: Das Geld der Touristen muss besser abgesichert werden. Die EU wird das hoffentlich verhindern.

Es gibt neue Vorwürfe gegen die USA, sich ohne Rücksicht auf Andere Vorteile zu verschaffen. Diesmal sagen die Franzosen, dass von ihnen bestellte Schutzmasken nicht ankommen, weil auf dem Rollfeld Amerikaner auftauchen und die Bestellung für die dreifache Kaufsumme in ihr Land umleiten. Donald Trump hat letzte Woche mit großem Tamtam und der Hilfe eines Kriegsgesetzes angekündigt, dass er General Motors zwingen werde, Beatmungsgeräte zu bauen. Bis jetzt ist dort aber kein offizieller Auftrag eingegangen. Die Erstanträge auf Arbeitslosengeld in den USA erreichten mit 6,65 Millionen in der zurückliegenden Woche ein nie dagewesenes Niveau und schockieren das Land. Sie sind vielleicht jedoch erst der Beginn einer großen Rezession. Inzwischen sind im Land 242 000 Menschen infiziert; mehr als doppelt so viele wie in Italien und Spanien. Allein im Staat New York sind es 92 506. Trump ist stolz auf 100 000 Tests am Tag. Bei knapp 330 Millionen Einwohnern ist die Zahl jedoch viel zu niedrig. Sogar ein russisches Flugzeug mit Schutzausrüstung ist in den USA geliefert. Die überprüfen jetzt, ob die Ware ihren Standards entspricht 🙂 – kläglicher Versuch, das Gesicht zu retten. Deutschland zählt 84 788 Erkrankte.

Eine Aufsehen erregende Studie macht deutlich, wie unsicher all die Angaben über Sterbefälle infolge von Covid 19 sind. Besonders in Italien sind viele Menschen zuhause oder in Heimen gestorben, ohne getestet worden zu sein. Deshalb wurde die durchschnittliche Sterberate verschiedener Corona-Zentren mit der diesjährigen verglichen. Die Ergebnisse sind erschreckend: Die jetzige Sterberate ist teilweise doppelt so hoch wie der Durchschnitt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass weitaus mehr Menschen infiziert sein müssen/mussten, als die Zahlen widerspiegelten. Am Beispiel von  Nembro, wo vermutlich alle 11.500 Bewohner den Virus in sich tragen, konnte aber auch etwas „positives“ festgestellt werden: Offenbar tötet das Virus maximal ein Prozent der Bevölkerung. Bisher wurden weltweit 52 863 Tote gezählt – wobei nicht klar ist, ob diese am Virus oder evtl. durch eine vorhandene Vorerkrankung gestorben sind (siehe weiter oben). 210 186 Menschen haben sich weltweit von der Infektion inzwischen erholt. Ein Prozent von 80 Millionen Menschen in Deutschland sind… ?

3.4. Der IWF hat einen interaktiven Tracker erstellt, mit dessen Hilfe man blitzschnell nachschauen kann, welche Maßnahmen gegen die Krise insgesamt 193 Staaten in Gang gesetzt haben.

Deutschland hatte bei einer US-Firma, die in China produziert, Atemschutzmasken der Schutzklassen FFP2 und FFP3 bestellt (links im Bild). Die USA haben die Lieferung abgefangen und in ihr Land umgeleitet.  Was sich hier abspielt, erinnert an Krieg. Der deutsche Automarkt bricht ein: Wie der Verband der Automobilindustrie mitteilte, sanken die Neuzulassungen im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 38 Prozent auf 215.100 Pkw. Im ersten Quartal wurden 701.300 Pkw neu zugelassen, das war ein Minus von 20 Prozent. Die Pkw-Produktion sackte ebenfalls deutlich ab, im März brach sie um 37 Prozent auf 287.900 Pkw ein. Im ersten Quartal wurden von den deutschen Autobauern 1,0 Millionen Einheiten hergestellt und damit 20 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Exportiert wurden im März 234.000 Autos, das war ein Rückgang um knapp ein Drittel.

Die Kanzlerin ist nach der Quarantäne zurück im Amtssitz. Sie wirkt erholt, bedankt sich beim Volk für die Disziplin und bittet um Verständnis dafür, dass die Ausgangsbeschränkungen über Ostern andauern werden. Die vielen Beschränkungen, die jetzt seit fast zwei Wochen gelten, zeigen Wirkung. Die Verdoppelung der Infektionszahlen ist schon bei nur noch zehn Tagen. Die Politik will jetzt aber mehr als 14 Tage erreichen, bevor die Maßnahmen gelockert werden können. Eine sympathische Infektiologie-Professorin erklärt im TV, dass ohnehin rund 10 Prozent der vermeintlichen Erkältungen einem der vielen Corona-Viren geschuldet sei, und dass mit der Zeit quasi über bewusst in Kauf genommene Infektion automatisch eine gewisse Immunisierung in der Bevölkerung eintreten werde. Spannend, wie wir nach und nach die deutschen Wissenschaftler kennen lernen.

Leise Warnsignale aus China: Mitten in den Feiern zum Sieg über das Virus werden in Wuhan wieder Absperrungen errichtet; es wurden Neuinfektionen festgestellt. Die Angst vor einer zweiten Infektionswelle wird klein gehalten, soweit es geht. Viele deutsche Mittelständler verzweifeln an ihren Hausbanken. Diese müssen bei der Weiterleitung von Kreditanfragen auf dem Förderpaket an die KWF zehn Prozent des Risikos übernehmen, lehnen daher viele Anträge ab mit dem Argument, man wisse ja nicht, ob das Unternehmen nach der Krise wieder auf die Füße komme. Wirtschaftsminister bekommt einen öffentlichen Wutanfall: Genau deshalb gebe es ja das Paket, damit die Unternehmen eben nicht untergehen. Die EU diskutiert, das letzte Restrisiko auch noch zu übernehmen. Ist auch schon egal bei all den Milliarden. Wer zum Schluss wohl die Rechnung bezahlt?

Die Brauerei „Corona“ in Mexico stellt vorübergehend ihre Produktion ein, hofft aber, sie wieder aufnehmen zu können. Furchtbar, war so ein Name anrichten kann. Während die Zustimmungsraten anderer Staatenlenker in der Krise steigen, fällt die von Donald Trump. Inzwischen sind 52 Prozent der US-Bevölkerung der Meinung, dass der Präsident die Krise nicht im Griff hat. Auch das Firmenimperium der Präsidenten leidet. Wie die Unternehmen anderer Politiker können auch die von Trump nicht vom staatlichen Unterstützungspaket profitieren. Jetzt hat die Deutsche Bank ein Problem. Das Geldhaus, das Trump zeitweilig bis zu zwei Milliarden Dollar geliehen hatte, sieht sich jetzt mit Fragen seines Konzerns konfrontiert, ob Mietzahlungen und Kreditraten ausgesetzt werden können. Egal was die Bankt nun unternimmt: Es wird ihr schaden. Einerseits kann sie dem Präsidenten keine Sonderkonditionen gewähren, andererseits ist der Mann bekannt dafür, dass er sich an Unternehmen rächt, die nicht tun, was er wünscht.

Nach TUI bekommt nun auch der Reisekonzern FTI, der schon vorher schwach auf der Brust war, staatliche Kreditbürgschaften aus dem Förderpaket. Riesige Probleme haben Deutschlands Verlage: Zwar verzeichnen sie ein Leserinteresse, das so stark ist, wie seit langem nicht mehr. Aber die Werbeeinnahmen brechen weg. Große Sparpakete sind in Arbeit, Kurzarbeit ist angemeldet. Axel Springer zieht sich am 6. April von der Börse zurück. Die quietschbunten Masken-Näherinnen erleben eine hässliche Kehrseite ihres Einsatzes: Es gibt Kritik an ihrer bunten Stoffauswahl, es gibt Sonderwünsche, wie etwa Masken in den Farben des Fußballvereins, und immer wieder wollen Privatleute, denen Masken gespendet werden, das Porto für den Versand nicht überweisen. Stoffe und Gummi müssen aber bezahlt werden, Porto ebenfalls. Viele Näherinnen haben selbst wenig Geld und verarbeiten deshalb einfach ihre Reste. Die engagierten Frauen vermissen Anerkennung für ihre Leistung. Ich habe endlich wieder dezent farbiges Schrägband und nähe weiter meine kochfesten weißen Masken mit Filter.

5.4. Was für ein schönes Wetter! Endlich warm genug, sich draußen länger aufzuhalten, auch wenn der Wind noch keine leichte Kleidung zulässt. Deutschland zieht es ins Freie, Menschenmassen sind unterwegs. Aber diszipliniert: in kleinen Gruppen und mit Abstand. Die meisten jedenfalls. Die Polizei ist zufrieden. Zwei Wochen Shutdown sind heute zuende. Die Bevölkerung erwartet Antworten. Nicht auf die Frage, wann der Shutdown endet – es herrscht allgemeines Einsehen, dass das schwer vorhersehbar ist. Aber die Regierung vermeidet auch quer durch alle Parteien eine Diskussion zur Frage, WIE denn die Beschränkungen gelockert werden sollen, wenn es soweit ist. Das ist nicht gut. Im ZDF heute erstmals ein kritisches Extra, Tenor: Wenn die Regierung nicht sagt, wo es lang geht, werden andere die Deutungshoheit übernehmen. Man verzeichne zum Beispiel erhebliche Versuche der Einflussnahme über die russischen und chinesischen Staatsmedien mit Hilfe von Fakes News, die Angst und Unsicherheit schüren sollen. Gar nicht beruhigend wirkt da ein geleaktes Papier aus dem Innenministerium vom Anfang der Krise. Darin heißt es, man müsse die Bevölkerung mit Hilfe eines maximalen Angstszenarios zu Ruhe und Disziplin zwingen. Dies sei ein Geheimpapier, das man nicht kommentiere, heißt es dazu von der Regierung.

Nicht gut. Gar nicht gut… Dazu diese Diskussionen mit der Kontrolle der Menschen über Handy-App. Das hier ist ein riesiger Reality-Test zur Frage, wie lange und mit welchen Mitteln sich die Bevölkerung am besten kontrollieren lässt.

Die EU-Kommisson twittert: „We called on the industry to ramp up production of protective equipment. They answered: Textile companies – masks & gloves cosmetics, sanitizers engineering – ventilators These will soon reach hospitals across Europe. This is #EUsolidarity #StrongerTogether#coronavirus„. Na, das sind wir mal gespannt, wann der Notstand bei der Schutzausrüstung endet. „Wir brauchen einen Marshall-Plan für Europa“ sagt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der Welt.  „Europe has to establish a wartime economy and put in place measures for the defense, the reconstruction and the economic recovery of Europe,“ sagt der spanische Premier Pedro Sánchez. Immer diese Kriegsrhetorik!

Deutschland hat jetzt fast 200 000 Urlauber heim geflogen. Einige Tausend sitzen aber noch fest, vorwiegend in Peru, Neuseeland und Südafrika. „Es ruckelt“ bei der Rückführung, sagt der Außenminister. Es ruckelt noch viel mehr in den total überfüllten Migrantenlagern auf den östlichen Ägäisinseln. Die Stadt Berlin will jetzt in Eigenregie 1 500 aus dem Camp Moria auf Lesbos nach Deutschland holen, eine Unterbringung in Hotels wird diskutiert. Es gibt kuriose Sehnsuchtsgeschichten, wie die von dem Ehepaar, das im Anschluss an seine Hochzeitsreise jetzt in einem Luxus-Ressort auf den Malediven fest steckt. Die beiden sind die einzigen verbleibenden Gäste – zusammen mit dem gesamten Personal. Im Bild sieht man eine schöne Frau, gebräunt, mit langen schwarzen Haaren, die einem kristallklaren Meer entsteigt…

Zum erst fünften Mal in ihrer 68jährigen Regierungszeit richtet sich die Queen aus der Quarantäne an ihr Volk. Die Botschaft: „Das ist nicht die erste Krise in unserer Geschichte. Wir werden auch diese überstehen: Mit Disziplin und dem selben Kampfgeist wie im Zweiten Weltkrieg.“ Premier Boris Johnson, seit zehn Tagen infiziert und mit hartnäckigem Fieber zuhause, wird ins Krankenhaus gebracht. Die USA sehen sich rasant steigenden Infektionszahlen gegenüber. Nach New York, wo die Zahl der Verstorbenen mit 594 gestern zum ersten Mal ein wenig gesunken ist, entwickelt sich Lousiana zum nächsten Hotspot. Sogar „Flotus“ Melania Trump twittert jetzt Apelle zu social distancing. Der Kapitän eines Kriegsschiffes vor Guan, Brett Crozier wurde gefeuert, weil er öffentlich um Hilfe für seine 5000 Beatzungsmitglieder gebeten hat. Nun ist der Kommandeur, der beim Abschied von seinen Männern als Held gefeiert wurde, selbst infiziert, 155 seiner Crewmitglieder sind es ebenfalls. Börsenguru Mr. Dax warnt angesichts einer hochgradig bewaffneten Bevölkerung vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen in den USA, wenn ein Shutdown zu lange dauert.

Der deutsche Klopapier-Kuchen findet reißenden Absatz und Eingang in ein Video der Nachrichtenagentur Reuters. Der Ölkrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien verschärft sich weiter. In den Altenheimen rund um die Erde hat das Besuchsverbot für Angehörige schlimme Folgen. In Texas kam man auf die Idee, dass Senioren sich ja per Bild mitteilen könnten (siehe unten). Netter Versuch, gegen die große Traurigkeit anzukämpfen.

Die Diskussion um die Art der Ermittlung von Infizierten und Corona-Toten nimmt an Intensität zu: Nicht nur wird in jedem Land unterschiedlich viel getestet – unter anderem mangels genügender Mengen an Test-Kits – vor allem wird falsch getestet. Wir haben doch gelernt, dass für repräsentative Zahlen auch eine repräsentative Menge scheinbar gesunder Einwohner getestet werden muss, um einen Überblick über den Grad der Durchseuchung, sowie bereits vorhandener Immunität zu bekommen. Mit Hilfe von Antikörpern bereits Gesundeter verspricht man sich gute Behandlungsmöglichkeiten für Erkrankte: Zumindest könne der Verlauf der Infektion stark abgemildert werden, habe man in China gesehen. Ich bemerke bei mir selbst aufkeimende Aggression, wenn ich Nachrichtensprecher mit dramatischen Gesichtern über hohe Infektionszahlen reden sehe. Es wurde so unglaublich viel im Vorfeld versäumt, und jetzt wird so unglaublich viel falsch gemacht… Wieso zum Beispiel wurde nicht genügend Vorrat an Schutzkleidung für ein Katastrophenszenario angelegt, obwohl es detaillierte Pandemiepläne gab, die jetzt 1:1 wahr werden? Was für ein Durcheinander veranstaltet das zuvor hoch renommierte Robert-Koch-Institut mit seinen wechselnden Einschätzungen? Jetzt hat es mitten in der Krise die Zahl seiner Pressekonferenzen von einer täglich auf zwei wöchentlich reduziert. Warum wird die Corona-Sterberate nicht mit dem Durchschnitt an Sterblichkeit der Vorjahre in Vergleich gesetzt? In Schweden darf die Bevölkerung weiterhin in Biergärten sitzen und den Frühling genießen. Ich ärgere mich.

Eurobonds und damit die Vergemeinschaftung der Schulden aller EU-Mitgliedsländer – das ist seit Jahren das Schreckgespenst der Netto-Einzahler. Jetzt wird der Ruf danach immer lauter: Nicht nur Italien und Spanien; insgesamt neun EU-Länder fordern diese Anleiheform als solidarische Maßnahme aller Staaten. Deutschland ist strikt dagegen, man habe schließlich den ESM. Aber wird es sich auf Dauer entziehen können? Nach dem Corona-Desaster steht das ganze Konstrukt Europa nicht nur in Italien auf der Kippe. Strenge ESM-Auflagen sind bei den hoch verschuldeten Ländern nach dem Beispiel Griechenland gefürchtet.

„Kauft Blumen, nicht Toilettenpapier“ ruft eine verzweifelte Blumenindustrie in den Niederlanden und in Afrika. Die Tulpen sind jetzt schnittreif und können nicht abgesetzt werden. Mit Schaufelbaggern werden die Pflanzen in den Schredder befördert. Aber in Deutschland sind alle Blumenläden geschlossen. Es gibt nur wenige Pflanzen in Super- und Baumärkten. Vor diesem Hintergrund nervt das Geschrei der Berufsfußballer nur noch. Mich ärgert schon lange, dass es in diesem Sport nur um Geld und nochmal Geld geht.

In Afrika könne es durch das Virus zu einer Katastrophe kommen, dann zur Bürgerkriegen, dann zu riesigen Flüchtlingskolonnen via Europa, warnt Entwicklungsminister Müller. Eine Studie der afrikanischen Union warnt vor dem Verlust von 20 Millionen Jobs. Wie wäre es dann, wenn man mal etwas tut, damit dort genügend Menschen getestet werden können? Wir brauchen einen Plan, wie wir medizinisches Gerät und Schutzkleidung dorthin bringen, wenn die Infektionswelle kommt, denn sie wird kommen. Der Minister will die Region durch internationale Hilfe stabilisieren. Mit Geld – wie immer? Das dann in irgendwelchen dunklen Kanälen versinkt? Afrika hat jedenfalls mal Einreisesperren für den Westen verfügt. Zu Recht.

6.4. Zwischen Kreuzlingen und Konstanz an der deutsch-schweizerischen Grenze gibt es einen Zaun. Dort können sich durch Corona voneinander getrennte Familien oder Paare treffen. Seit einigen Tagen können sie sich dort nicht einmal mehr berühren: Die Schweiz stellte einen zweiten Zaun auf, der zwei Meter Abstand garantiert. Es spielen sich herzzerreißende Szenen ab. Paare berichten von Hochzeiten, die abgesagt wurden, zum Geburtstag kann nicht mehr angestoßen werden. Sowas von surreal…

356.942 Infizierte in den USA heute. 135.032 in Spanien, 132.547 in Italien, 101.806 in Deutschland, 98.957  in Frankreich, 52.274 in Großbritannien, 60.500 im Iran, 30.217 in der Türkei. Der britische Premier Boris Johnson, der seit gestern wegen Covid 19 im Krankenhaus ist, wurde auf die Intensivstation verlegt. Donald Trump sagt, ganz Amerika bete für ihn. Irans Führung fordert globale Solidarität und denkt dabei an Europa. Japan ( 3654 Infizierte) will den nationalen Notstand ausrufen. In den USA werden allein 130.689  Infizierte im Staat New York registriert. Die US-Botschaft in Deutschland attackiert die Bundesregierung: Niemand habe eine Maskenlieferung umgeleitet. Aber heute kommen die Vorwürfe aus Kanada (16 500 Infizierte): Die USA haben verhindert, dass knapp drei Millionen Masken nach Kanada exportiert werden. Die Alliierten Amerikas beklagen Wildwest-Methoden. China twittert: „Wir sind bei euch, bleib stark Kandada…“ China hat auch 2000 Beatmungsgeräte, 170 000 Mundschutz-Masken, je 1.3 Millionen KN95 und OP-Masken in die USA geschickt. Der US-Regierung scheint das Wasser bis zum Hals zu stehen. Die französische Regierung beschlagnahmt in Basel zwei Millionen Masken, die für die Region Bourgogne-Franche-Comté bestimmt waren, um sie „gerechter“ zu verteilen. Auch bei uns besteht der Notstand an Schutzausrüstung weiter. Weil es zu wenig davon gibt, so erfährt man in den Nachrichten, könne keine Maskenpflicht beim Einkauf vorgeschrieben werden. Weil es nicht genug Masken gibt, spielt sich in Altenheimen und Hospizeinrichtungen ein stilles Drama ab: Angehörige und ehrenamtliche Hospitzmitarbeiter dürfen nicht hinein, viele alte Menschen müssen ganz alleine sterben.

Die Bundesregierung reagiert auf die scharfe Kritik von gestern: Natürlich denke man über eine Strategie zum Hochfahren der Wirtschaft hoch. Zu gegebener Zeit werde man über die Schritte informieren. „Selbstverständlich kehren wir wieder zu den gewohnten Freiheiten zurück“, beruhigt die Bundeskanzlerin. Finanzminister Scholz erklärt erneut, dass Deutschland keine Notwendigkeit für Eurobonds sehe. In den ESM seien inzwischen 80 Milliarden Euro eingezahlt, damit können 400 Milliarden ausgeliehen werden, sagt er in den Nachrichten. Außerdem habe die EZB für 12 Milliarden italienische Staatsanleihen aufgekauft, um dem Land liquide Mittel zu verschaffen. Auch der ESM befreit Deutschland nicht wirklich vor einer riesigen Haftung. Aber man kann die Länder, die unter den Schirm kommen, zu strengen Auflagen verpflichten. Beim Beispiel Griechenland hat Deutschland satt davon profitiert. Von den gewährten Hilfen konnte der Staat seine Kreditzinsen an Deutschland weiter bedienen. Der Verkauf des staatlichen „Tafelsilbers“ sorgte zum Beispiel dafür, dass der Hafen Thessalonikis nun einem deutschen Konsortium gehört. ESM oder Corona-Bonds? wird auch morgen bei der Videokonferenz der europäischen Finanzminister Thema sein. Bei diesem Streit geht es letztlich um die Frage, ob die EU in Zukunft weiter so bestehen kann wie bisher – und damit auch um das Überleben des Euro. Zwischenzeitlich hat sich der DAX etwas beruhigt und ist wieder über 10 000 Punkte gestiegen. Die Bundesregierung will bei den KfW-Krediten für den leidenden Mittelstand jetzt die komplette Resthaftung übernehmen, damit die Hausbanken schnell handeln. Es gibt eine Lücke bei den Finanzhilfen: Unternehmen mit zwischen 10 und 50 Mitarbeitern können bisher nicht darauf zugreifen, sagt die KFW zum wiederholten Mal.

Ich habe heute keine Masken genäht, sondern mich als private Friseurin betätigt. Bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Ich wollte schon als Kind Friseurin werden ;). Draußen wird es immer wärmer, man kann endlich wieder in der Sonne sitzen. Nachbarn grillen. Ich träume von einer einsamen Inseln in einem warmen Meer, freue mich an den blühenden Obstbäumen und versuche, meine elende Pollenallergie einfach zu ignorieren. Ich bin so dankbar, auf dem Land wohnen zu dürfen. Hier gibt es keine Enge. In den Städten steigt die Zahl häuslicher Gewalt deutlich an. Die WHO hat heute mitgeteilt, dass sich in manchen Ländern die Zahl Schutz suchender Frauen verdoppelt habe.

Immer mehr Normalbürger stellen sich inzwischen die besorgte Frage: Was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn diese Pandemie überstanden ist? Wird sie wieder so werden wie sie war? Wäre das überhaupt gut?

Wie wird der Umgang mit den Grund- und Menschenrechten sein, wenn keine Notmaßnahmen mehr erforderlich sind? Wie wird es sein, wenn man wieder reisen kann? Wird diese Krise unseren künftigen Umgang mit der Natur, mit Tieren, mit dem Klima zum Positiven verändern? Wie werden die Menschen miteinander umgehen? Werden wir es wagen, uns wieder unbefangen zu umarmen? Werden wir vielleicht sogar etwas achtsamer als bisher miteinander umgehen? Immerhin zwingt uns die körperliche Distanz jetzt dazu, mehr auf Zwischentöne, auf Mimik und Gestik zu achten.

Wird uns der schmerzhaften Kopfstoß von Mutter Erde endlich zur Besinnung bringen? So, dass wir wirklich etwas verändern? Die Natur kommt so viel besser zurecht, wenn wir sie nicht ständig missbrauchen. Ich schätze, sie wäre glücklich vom „Virus Mensch“ befreit zu werden …

To be continued….

Goldnachfrage 2019: Heftige Bewegung im Markt

Um ein Prozent auf 4 355,7 Tonnen sank die weltweite Goldnachfrage im Jahr 2019. Laut Report des World Gold Council (WGC) lag das unter anderem daran, dass sich ein enormer Investmentstrom in ETF und ähnliche Produkte verlagerte und außerdem die private Konsumentennachfrage aufgrund der gestiegenen Preise sank. Das ist aber nicht das einzige bemerkenswerte am jährlichen Goldreport:

Die Nachfrage der Zentralbanken nach Gold ist konstant weiter gestiegen. In der letzten Dekade legten sich diese insgesamt 5019 Tonnen des Edelmetalls zu, zwischen 2000 und 2009 waren es 4 426 gewesen. Die offiziellen internationalen Goldreserven liegen damit jetzt um 5000 Tonnen höher als 2009 und nur noch zehn Prozent unter dem Allzeithoch von 1966. Da waren es 38 491 Tonnen gewesen. Hier die Tabelle der aktuellen nationalen Goldreserven.

2019 erwies sich als zweigeteilt, so der Report. Belastbares Wachstum in der ersten Jahreshälfte stand zunehmenden Rückgängen und Einbrüchen in der zweiten Jahreshälfte gegenüber. Letzteres wirkte sich vor allem im Bereich Schmuck, Barren und Münzen aus. Auch die Gesamtnachfrage der Zentralbanken verlangsamte sich in der zweiten Jahreshälfte, was der WGC aber als Folge der großen Zukäufe in den vorangegangenen Quartalen wertet. Insgesamt erreichten die Käufe der Zentralbanken 2019 bemerkenswerte 650,3 Tonnen, es sind damit die zweithöchsten in den letzten 50 Jahren. ETF Investment Inflows widersetzten sich dem Trend und erreichten im dritten Quartal mit 256,3 Tonnen ihren Höhepunkt. Im letzten Quartal blieben sie mit 26,8 Tonnen allerdings weit zurück. Neu auf den Mark kamen 2019 4766 Tonnen Gold (plus 2 Prozent). Die Steigerung kam aus dem Handel und aus Recycling, denn die Minenproduktion sank im Jahr 2019 um 1 Prozent auf 3437 Tonnen.

15 Zentralbanken steigerten letztes Jahr ihre Goldreserven um mindestens eine Tonne: Die Türkei, die 2017 begann, massiv Gold zu kaufen, lag 2019 an der Spitze aller Zentralbanken. Sie steigerte ihre Goldreserven um 159 Tonnen auf jetzt 413. Das entspricht 20 Prozent ihrer gesamten Reserven. Polen hatte 2018 25,7 Tonnen Gold gekauft und legte 2019 noch einmal deutlich zu: In einem einzigen Ankauf im Juni erwarb die Zentralbank 94,9 Tonnen, insgesamt waren es 2019 100. Polens Goldreserven stiegen damit auf 228,6 Tonnen.

Die russischen Goldreserven stiegen um 158,1 Tonnen. Das war weniger als im Vorjahr, unter anderem auch, weil die russische Zentralbank ab Mai einen besonders günstigen Einkaufspreis anbot, um heimische Produzenten zu ermutigen, mehr Gold zu exportieren. Die chinesischen Goldreserven stiegen bis September um 95,8 auf insgesamt 1 948 Tonnen (drei Prozent der Gesamtreserven). Im letzten Quartal wurden keine Einkäufe mehr gemeldet. Weitere Einkäufer von mehr als zehn Tonnen waren Kasachstan (35), Indien (32,7), die Vereinigten Emirate (13,5), Katar (11), Ecuador (10,6) und Serbien (10 Tonnen).

Der starke Preisanstieg im zweiten Halbjahr sorgte für eine stark sinkende private Nachfrage im Schmuckbereich. Weltweit fiel sie um 6 Prozent auf 2 107 Tonnen. Der Wert dieses Goldes spricht jedoch eine andere Sprache: Gerechnet in US-Dollar stiegt die Schmucknachfrage um 3 Prozent auf ein Fünfjahreshoch von 94,3 Milliarden $. Der höchste Anstieg wurde im vierten Quartal verzeichnet: Mit 27,8 Milliarden $ erreichte er ein Siebenjahreshoch.

In Indien schlugen die gestiegenen Einkaufspreise zusammen mit einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage besonders zu Buche: Nicht einmal der vermehrte Schmuckeinkauf zu Diwali, dem Lichterfest im Oktober verbesserte die Bilanz. Die im November beginnende Hochzeitssaison brachte ebenfalls nur eine leichte Verbesserung. Ähnlich war die Situation in China, wo die Schmucknachfrage um 7 Prozent auf 637 Tonnen sank. Während der Einkauf zum Frühjahrsfest noch wie erwartet stark war, belasteten später zusätzlich zum verlangsamten Wirtschaftswachstum die steigenden Preise für Schweinefleisch den privaten Konsum.  Auch, so der Report der WGC, sei die junge Generation des Landes nicht mehr so überzeugt von Goldschmuck als Anlageform.

Im Iran sorgten die Unruhen um die steigenden Ölpreise für einen deutlichen Einschnitt in der Nachfrage. Im Gegensatz zum restlichen nahen und mittleren Osten stieg in Ägypten bei einer stabilen Währung im vierten Quartal die Nachfrage um deutliche 7 Prozent auf 26,4 Tonnen. In den USA sorgte die robuste wirtschaftliche Lage für eine Steigerung der Nachfrage um 2 Prozent auf ein Zehnjahreshoch mit insgesamt 131,1 Tonnen. In Europa ging unter dem Eindruck des Brexit die Nachfrage um 2 Prozent auf 72,1 Tonnen zurück. In ganz Asien ging die Nachfrage aufgrund des gestiegenen Goldpreises zurück. Nur in Japan stieg sie im vierten Quartal um 3 Prozent auf ein Hoch von 17 Tonnen an – in der gleichen Zeit wuchs die Wirtschaft um 3 Prozent.

Im Investmentbereich gab es einen radikalen Umschwung. Der Umsatz bei Barren und Münzen sank um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 870,6 Tonnen. Am stärksten war der Rückgang mit 31 Prozent in Festland-China. Der Handel mit goldgedeckten ETF stieg dagegen im Vergleich zu 2018 um 426 Prozent auf 401,1 Tonnen. Niedrige Zinsen sorgten dafür, dass die ingesamt gehaltenen ETF auf einen Rekord von 2 905,9 Tonnen anstiegen. In Nordamerika gab es den höchsten Anstieg um 206 Tonnen, gefolgt von Europa um 188.

China baut den ETF-Markt weiter aus. Indien setzt seine Anstrengungen, den Goldmarkt zu regulieren, fort. Dazu gehört auch, die eigenen Goldproduzenten auf einen internationalen Standard festzulegen.

Die Produktion der Minen sank weltweit um 1 Prozent auf 4 776,1 Tonnen. In Russland stieg sie jedoch um 8 Prozent, in Australien um 3. Auch in der Türkei und in den Staaten West-Afrikas wurde ein deutlicher Anstieg verzeichnet. Noch verzeichnet Indonesien mit Grasberg den höchsten Anstieg. In Grasberg sind die qualitativ hochwertigen Ausbeutemöglichkeiten jedoch zunehmend erschöpft. In Süd- und Ostasien, sowie im Nahen Osten wurde eine deutliche Steigerung bei Recycling-Gold festgestellt.

Gold-Nachfrage der Zentralbanken 2018 ist die „höchste seit Bretton Woods“

651,5 Tonnen Gold haben die Zentralbanken 2018 zu ihren Beständen zugefügt. Das ist die höchste Nachfrage seit 1971, berichtet der World Gold Council (WGC) in seinem Rückblick auf das abgelaufene Kalenderjahr. Die gesamte Nachfrage stieg 2018 um vier Prozent auf 4.345,1 Tonnen. Indien blieb dabei mit minus 4 bei 598 Tonnen nahezu konstant.

Die Gold-Schmuck-Nachfrage blieb dagegen bei einer Tonne Unterschied nahezu unverändert bei 2.200 Tonnen. Die Nachfrage bei Goldmünzen stieg 2018 um 4 Prozent auf 236,4 Tonnen, das bedeutet ein Fünf-Jahres-Hoch. Bereits im fünften Jahr etwa gleichbleibend blieb mit 781,6 Tonnen die Nachfrage nach Goldbarren.

Die Zuflüsse in goldgedeckte ETFs nahmen 2018 ab auf nur noch 68,9 Tonnen. Das stellt einen Rückgang von 67 Prozent dar. Einzig in Europa habe es einen Nettozuwachs gegeben, heißt es im Bericht. Die Minen-Produktion stieg 2018 mit 3347 Tonnen auf ein Rekordniveau. Beim Technologie-Gold blieb die Nachfrage bei 334,6 Tonnen etwa gleich. Ganz allgemein war festzustellen, dass sich im vierten Quartal die Markt-Aktivitäten eintrübten.

Die Konsumenten in Indien seien aufgrund des volatilen Goldpreises vorsichtiger geworden, präzisiert der Bericht des World Gold Coucil. Auch habe es 2018 weniger besonders geeignete Hochzeitstermine gegeben, und man habe verstärkten Tausch Gold gegen Gold festgestellt. So sank die Nachfrage auf 180,1 Tonnen. Für das Jahr 2019 sei der Ausblick wieder positiver. Die Nachfrage in China wurde zuletzt durch die Streitereien mit den USA eingetrübt. Hier versucht sich der Handel in neuen Angeboten, wie etwa dem „Spiegelgold“: Ein 999s Produkt mit einer weichen, spiegelähnlichen Oberfläche zielt besonders auf die jüngere Generation. Dennoch sank die Nachfrage um drei auf 174,8 Tonnen. Im Mittleren Osten blieb die Nachfrage schwach, während sie in den USA im zweiten Jahr in Folge stieg. Einen scharfen Einbruch um 21 Prozent auf nur noch 9,1 Tonnen gab es bei der türkischen Nachfrage. Auch im Iran sank die Nachfrage um 29 Prozent auf noch 29,5 Tonnen.

Die 651 Tonnen Neukäufe der Zentralbänke seien die Höchsten seit dem Wegfall von Bretton Woods, heißt es im WGC-Bericht. Russland, die Türkei und Kasachstan seien hier Schlüssel-Einkäufer, bei weitem aber nicht allein. Verstärkte wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten bewegten die Zentralbanken, ihre Sicherheiten zu diversifizieren und mehr in sichere, sowie liquide Anlagen zu investieren. 76 Prozent der Zentralbanken, zu eine Umfrage des World Gold Councils, sehen Gold als sicheren Hafen in schwierigen Zeiten, während 59 Prozent das Edelmetall als wichtigen Bestandteil diversifizierter Portfolios sehen. Jede fünfte Zentralbank habe angekündigt, ihre Goldreserven auch im laufenden Jahr weiter aufzustocken.

Russland, das seine Reserven gezielt „entdollarisiert“, hat 2018 allein 274,3 Tonnen Gold gekauft und damit seine Reserven auf 2113 Tonnen zum Jahresende aufgestockt. Die Türkei kaufte mit 51,5 Tonnen zwar 40 Prozent weniger als im Vorjahr, steigerte ihre Reserven aber doch seit Mai 2017 um 137,4 Tonnen. 2017 war das Land nach 25jähriger Enthaltsamkeit wieder in den Goldhandel eingestiegen. China äußerte sich erstmals seit 2016 wieder und gab an, seine Reserve um gerade einmal 10 auf 1852,2 Tonnen gesteigert zu haben. Auch europäische Zentralbanken kauften kräftig ein, hier besonders Polen und Ungarn. Deutschland liegt mit 3369,7 Tonnen inzwischen nach den USA auf Platz zwei der weltweit höchsten Goldreserven.

Im Technologiesektor gab es eine Nachfrage von 334,6 Tonnen. Hier sank der Verbrauch von Zahngold, während der Bedarf im Elektronikbereich stieg. Auch hier gab es allerdings im vierten Quartal mit der Gewinnwarnung von Apple einen Einbruch. Ähnlich verhielt es sich im LED- und Speicherbereich.

Die Minen-Produktion stieg 2018 mit 3347 Tonnen auf ein Rekordniveau. Die Menge recycelten Goldes belief sich auf 1173 Tonnen. In China sorgten verschärfte Umweltauflagen für eine um 9 Prozent geringere Goldproduktion. Einige Produktionsstätten wurden ganz geschlossen. In Indonesien sank die Produktion um 24 Prozent, was zu einem großen Teil auf den Wegfall ertragreicherer Felder zurückgeführt wird. In Süfafrika fiel die Produktion um 18 Prozent aufgrund eines 45tägigen Streiks im vierten Quartal. Auch in Peru sank die Produktion um 9 Prozent. Um vier Prozent gestiegen ist dagegen der Output in Australien, um zehn Prozent in Russland. Im Papua Neu Guinea stieg die Goldproduktion sogar um 23 Prozent, auch Burkina Faso und Ghana meldeten gestiegene Mengen.

Die Türkei und der Iran bleiben die Nationen, die das meiste recycelte Gold auf den Markt bringen. In Q4 sorgte die Türkei damit dafür, dass sich der Goldpreis wieder etwas mäßigte. Der Goldpreis unterlag im Verlauf des Jahres heftigen Schwankungen und geht tendenziell weiter nach oben. Nachdem sowohl die FED, als auch die europäische Zentralbank signalisiert haben, dass die Zinsen in absehbarer Zeit wieder steigen, wird dies voraussichtlich auch so bleiben. Im Januar 2019 überstieg der Preis kurzfristig die Markt von 1300 $ pro Feinunze.

Siehe auch: Gold-Förderländer und noch nicht abgebaute Reserven

Update: Maduro Sold 40% of Venezuela’s Gold Last Year

Update: 2019 gute Chancen für Gold und Silber

Update: US-Streitkräfte transportieren 50 Tonnen Gold aus Syrien ab

Update: Russland setzt Diversifikations-Strategie fort

Update: Exclusive: Gold worth billions smuggled out of Africa

Goldnachfrage 2015: China und Indien kaufen und kaufen, der Preis steigt

„Die jährliche Nachfrage nach Gold blieb 2015 mit einem Rückgang von nur 14 Tonnen im Vergleich zu 2014 nahezu unverändert. Die erste Jahreshälfte entwickelte sich aufgrund der vergleichsweise schwachen Nachfrage nur zögerlich, das gestiegene Vertrauen in der zweiten Hälfte des Jahres sorgte jedoch für einen Anstieg der Nachfrage um 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“ Das teilte jetzt der World Gold Council (WGC) mit.

Mit 1118 Tonnen stieg die Gesamtnachfrage im vierten Quartal 2015 um 47 Tonnen oder 4 Prozent. Die Nachfrage nach Schmuck, Goldbarren und -münzen blieb trotz zahlreicher Herausforderungen stabil. Die Minenproduktion sank im letzten Quartal um zwei Prozent. Die Zentralbanken kauften mit 33 Tonnen Gold erheblich zu, offenbar um ihre Reserven zu diversifizieren, heißt es weiter im Bericht. Die Nachfrage indischer Verbraucher stieg trotz Überschwemmungen und geringerer Einkünfte auf dem Land um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ins letzte Quartal 2015 fiel das Diwali-Fest. Allein 27 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Schmuck, Münzen und Barren entfiel im letzten Quartal auf China.

Die Website des WGC bietet große Mengen von Informationen rund um das gelbe Metall, zum Beispiel auch eine interaktive Karte, auf der man die weltweite Minen-Produktion nachschlagen kann. Ebenso stellt die Organisation eine ständig aktualisierte Tabelle der offiziellen Goldreserven der in dieser Hinsicht wichtigsten Nationen bereit:

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Hier die Top 10 der mit physischem Gold gedeckten ETF:

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Der Goldpreis sank im Verlauf des Jahres um mehr als 200 Dollar/Feinunze. Unten die Tabelle der Durchschnittspreise pro Quartal in verschiedenen Währungen. Die sich fortsetzende Krise an dem weltweiten Börsen sorgt jedoch zurzeit dafür, dass sich Investoren an den „sicheren Hafen“ Gold erinnern. In der ersten Februarhälfte übersprang der Preis für die Feinunze wieder 1200 Dollar. Mehr dazu in der NZZ.

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Die Goldnachfrage war mit 4220 Tonnen 2015 im Vergleich zum Vorjahr nahezu stabil. Hier eine Tabelle, die aufzeigt, aus welchen Bereichen die Nachfrage kam:

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Sonderfall Indien: Laut WGC hat das Land in den letzten zehn Jahren jährlich 900 bis 1000 Tonnen Gold importiert, das in keiner Weise monetarisiert oder getradet wurde. Es ist in Privatbesitz, was auch damit zu tun hat, dass Hochzeiten in Indien über Gold finanziert werden. Versuche der Regierung, mit einer zehnprozentigen Einfuhrsteuer und einer 20prozentigen Verpflichtung zum Re-Export liefen weitgehend ins Leere.  Jetzt soll eine indische Investitionsmünze, vergleichbar mit dem Krügerrand oder dem Maple Leaf auf den Markt gebracht werden. Mehr Informationen über das gesamte Maßnahmenpaket hier.

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Thema China und seine undurchsichtige Goldpolitik: Zwar gibt die Regierung mittlerweile Zahlen über ihre Goldreserven bekannt, steht jedoch im Verdacht, diese erheblich zu niedrig darzustellen, was relativ leicht möglich ist, da China laut WGC der größte Goldförderer weltweit ist. 54 Jahre lang, bis zum Jahr 2004, durften Privatpersonen kein Gold besitzen. Mit wachsendem Wohlstand deckt sich nun das personenstärkste Land der Erde umfangreich mit dem Edelmetall ein – ein Trend, der sich in den kommenden Jahren voraussichtlich noch deutlich steigern wird. Dazu kommen Umtriebe Chinas, Russlands und des Irans, eine eigene goldgedeckte Währung einzuführen.

Noch ein Wort zu Europa: Während die Bevölkerung mit der Flüchtlingskrise beschäftigt ist, bauen sich, noch verdeckt von Turbulenzen an der Börse, massive Bankenkrisen auf. Es gibt bereits einen Satz notleidender Bankenkredite in Europa, der noch deutlich stärker werden kann. Vor dem Hintergrund zunehmender Negativzinsen auf Erspartes hat sich  die Diskussion um die Abschaffung des Bargeldes auch in Deutschland massiv verschärft; soll diese Maßnahme doch unter anderem das Abwandern der Vermögen aus den Geldhäuser bremsen.  Diese Situation diskutiert der jüngste Degussa Markreport ausführlich.

Update: India to auction at least thre gold mines this year

Update: Is now the right time to invest in gold?

Update: Erstes Gold-Fixing in Shanghai: China positioniert den Yuan gegen den Dollar

Update: China’s gold miners come of age to scour globe for acquisitions  

Update: China, the new gold hub?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

isiert oder getradet wurde – aller Bemühungen der Regierung zum Trotz, die eine 10prozentige Einfuhrsteuer und eine 20prozentige Re-Exportpflicht eingeführt hat. Jetzt ist unter anderem geplant, eine standardisierte Investitionsmünze herauszugeben, vergleichbar mit dem Krügerrand oder dem Laple Leaf. Das meiste Gold im Land ist jedoch nach wie vor im Privatbesitz, was auch damit zusammenhängt, dass Eheschließungen in Gold finanziert werden. Mehr Informationen hier.

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China hat nach wie vor einen relativ undurchsichtigen Goldmarkt und wird verdächtigt, seine Reserven in der Weltöffentlichkeit gezielt herunterzuspielen. Der Privatkonsum lässt sich leichter nachvollziehen und steigt mit dem Wohlstand der Bevölkerung, der es bis 2004 verboten war, privates Gold zu besitzen stetig an. Hier gesammelte Informationen von Bloomberg zum chinesischen Markt. Auch für den Januar 2016 gab China bekannt, seine Goldreserven massiv aufgestockt zu haben.

Noch ein Wort zum europäischen Markt: Während die Bevölkerung mit der Flüchtlingskrise beschäftigt ist, baut sich im Hintergrund eine massive Bankenkrise auf. Bei den europäischen Banken lagern viele notleidende Kredite, Negativzinsen werden zunehmend Realität, in Deutschland wird immer offensiver die Abschaffung des Bargelds diskutiert. Auch dies wird absehbar zum Anstieg des Goldpreises führen. Ausführlich diskutiert wird das Thema im jüngsten Degussa Marktreport. 

 

 

 

Der lange Schatten der Plutoniumbombe „Fat Man“ in Nagasaki, Japan

Bombenalarm gab es eigentlich jeden Tag: Das japanische Inselreich wurde buchstäblich platt gemacht in den letzten Wochen des Jahres 1945. Dennoch traf Fat Man Nagasaki völlig unvorbereitet: Die meisten Menschen waren um 11.02 Uhr nicht in Schutzräumen, sondern auf der Straße, als der grellweiße glühende Blitz über sie kam. Von vielen blieben nur noch Schatten auf der Straße, auf Treppen, auf Wänden. Andere verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Tausende überlebten mit schwersten Verbrennungen. Die Strahlenopfer leiden bis heute an den Folgen der Veränderungen im Genom.

Die zweite amerikanische Atombombe, die am 9. August 1945 abgeworfen worden war, habe schließlich die Kapitulation des Landes herbeigeführt und damit Millionen weiterer Tote verhindert. Das ist die Geschichte, die sich um Fat Man rankt. Ganz so einfach war es aber nicht. Das erläutert eine ARD-Dokumentation (Video unten). DIe Kurzfassung (oberes Video) fasst die Geschichte zusammen.

Eigentlich sollte der Bomber „The Great Artiste“ den Einsatz fliegen. Weil dieses Flugzeug aber noch mit Messgeräten aus dem vorherigen Einsatz über Hiroshima ausgestattet war und ein komplizierter Umbau vermieden werden sollte, wurde einfach die Mannschaft mit der des Bombers „Bock’s Car“ getauscht. Die Maschine mit der Seriennummer 44-27297 war im Werk der Glenn L. Martin Company auf Offutt Field bei Bellevue (Nebraska) gebaut und dort mit einer speziellen Aufhängung für das vergleichsweise hohe Gewicht (rund 4,5 t) der Atombombe ausgerüstet worden.

Anders als ihr Name vermuten lässt, war „Fat Man“ kaum größer als die Bombe, die auf Hiroshima fiel. Ihre Wucht war jedoch  etwa um die Hälfte stärker. Im Gegensatz zur Bombe von Hiroshima (Uran) verwendeten die Wissenschaftler beim Bau der Nuklearwaffe von Nagasaki Plutonium, ein giftiges und radioaktives Schwermetall, das in in der Natur kaum vorkommt und erst in Kernreaktoren hergestellt werden muss. Um Nagasaki fast vollständig zu zerstören, benötigten die Forscher sechs  Kilogramm davon. Nagasaki wurde eher zufällig zum Ziel: Eigentlich sollte die Stadt Kokura bombardiert werden, aber das Wetter und die Sicht waren zu schlecht. Auch Nagasaki lag unter Wolken, dem Dunst eines konventionellen Bombenangriffes und Flakfeuer; so verfehlte man das eigentliche Ziel dort, traf aber die Mitsubishi-Waffenfabrik, schreibt Wikipedia.

Die Fat-Man-Bombe explodierte um 11:02 Uhr Ortszeit in etwa 503 m Höhe. Die Ausbreitung der Schockwelle wurde durch Hügel in der Nähe des Abwurfpunktes gebremst, so dass die Auswirkungen der Explosion gedämpft wurden. Dennoch starben mindestens 70.000 Menschen durch den Einsatz. Jüngere Analysen legen eine Sprengkraft von 21 kt nahe, gegenüber den 16 kt von Little Boy über Hiroshima. Von der freigesetzten Energie wurden etwa 60 % in der Schockwelle, 35 % als Wärmestrahlung und 5 % als ionisierende Strahlung abgegeben.

US-Präsident Harry Truman erfuhr vom erfolgreichen Abwurf auf See. Er war auf dem Rückweg von der Potsdamer Konferenz und soll vor Freude auf und ab gehüpft und in die Luft gesprungen sein.

Japan wollte die Supermacht Asiens werden

Nachdem Mitte 1945 Deutschland, der Aggressor der westlichen Hemisphäre, kapituliert hatte und Hitler tot war, war der aggressivste verbleibende Feind der Alliierten Japan.

Das Land hatte 1942 die größte Ausdehnung in der Geschichte des Kaiserreichs erkämpft. Dazu gehörten nicht nur große Teile von China: Die Eroberungen Malayas und von Niederländisch-Indien waren besonders wichtig für Japan, weil es dort reiche Erzvorkommen, eine umfangreiche Gummiproduktion und große Erdölfelder gab. 80.000 Briten, Australier und Inder mussten am 15. Februar 1942 in Singapur, dem „Gibraltar des Ostens“ und Großbritanniens größter Militärbasis in Südostasien, kapitulieren. Die Schlacht um Singapur gilt als Sinnbild des japanischen Blitzkrieges. Die Invasion Burmas begann am 15. Februar 1942. Niederländisch-Indien wurde Mitte März 1942 erobert. Auf den Philippinen musste General Douglas MacArthur bald Manila räumen und sich auf die Insel Corregidor zurückziehen, wo die letzten US-Truppen am 5. Mai 1942 kapitulierten. Nichts schien die Japaner aufhalten zu können.

Nach der Eroberung von Rabaul an der Nordostspitze auf New Britain im Januar 1942 hatten die Japaner eine hervorragende Ausgangsbasis für ein weiteres Vordringen in Richtung Ostpazifik und Südsee gewonnen. Dem Vormachtstreben Japans wollten die USA nicht tatenlos zusehen.

Die härtesten Kämpfe tobten von Ende 1942 bis Mitte 1944 auf Neuguinea, auf den Salomonen, den Gilbertinseln, den Marshallinseln und den Marianen. Ein erfolgreiches taktisches Mittel der Amerikaner war dabei das „Island Hopping“, bei dem sie die starken japanischen Stützpunkte, zum Beispiel das wichtige Rabaul mit seinem Hafen und den Flugfeldern, umgingen und sich Insel für Insel näher an die japanische Hauptinsel Honshū herankämpften.

Zu Beginn des Jahres 1943 gelang es den Amerikanern, japanische Funkcodes zu entschlüsseln. Damit wurden auch die Erfolge der US-amerikanischen U-Boote gesteigert, deren stetig steigende Versenkungsraten einen wesentlichen Anteil am Sieg über Japan hatten, denn sie torpedierten etwa ein Drittel von 686 japanischen Kriegsschiffen. Im April 1943 gelang es den Amerikanern, von Guadalcanal aus fünf Begleitmaschinen von Admiral Yamamotos Flugzeug, der sich auf einem Inspektionsflug befand, abzuschießen. Der Oberbefehlshaber der japanischen Marine kam beim Absturz seiner Maschine in den Dschungel ums Leben. Der Verlust dieser Führungs- und Identifikationsfigur war für die japanische Öffentlichkeit ein schwerer Schlag.

Im November 1943, kurz vor dem Treffen mit Stalin in Teheran, vereinbarten Roosevelt und Churchill mit Chiang Kai-shek in Kairo, dass der Krieg gegen Japan ebenso wie der gegen Deutschland mit der bedingungslosen Kapitulation enden sollte. 

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In der ab Mitte Juni 1944 begonnenen Schlacht um Saipan, verbunden mit der Schlacht in der Philippinensee, verloren die Japaner fast alle eingesetzten Flugzeuge mitsamt Besatzungen, sowie durch U-Boote drei Flugzeugträger. Der Verlust von Saipan löste in Japan ein politisches Erdbeben aus: Die Regierung von General Tojo musste zurücktreten und wurde abgelöst durch ein Kabinett unter General Koiso Kuniaki, der sogleich das Wehrpflichtalter auf 17 Jahre senkte. Ende Oktober bis Anfang November 1944 kam es während der Landungen auf Leyte (Philippinen) zur See- und Luftschlacht im Golf von Leyte. Japan setzte den größten Teil seiner Flotte ein und machte damit aus den Kämpfen um Leyte die größte Seeschlacht des Zweiten Weltkrieges. Die Japaner verloren mit vier Flugzeugträgern, drei Schlachtschiffen, zehn Kreuzern und neun Zerstörern fast ihre komplette verbliebene Seestreitmacht.

Erst nach der US-Eroberung der Marianen-Inseln im Sommer 1944 lag Japan innerhalb des Aktionsradius der neuen Boeing B-29 der USAAF. Die US-Luftwaffe ging zu nächtlichen Flächenbombardements aus relativ geringer Höhe auf die überwiegend aus Holz gebauten japanischen Städte über, bei denen hunderttausende Menschen ums Leben kamen. Beim größten Angriff dieser Art starben in Tokio in der Nacht zum 9. März 1945 etwa 85.000 Menschen, mehr als bei jedem anderen Luftangriff im Zweiten Weltkrieg und fast so viele wie durch den Atombombenangriff auf Hiroshima. Derartige Aktionen zerstörten bis Kriegsende zahlreiche japanische Großstädte.

Die Rückeroberung der Philippinen erwies sich als langer und verlustreicher, sechs Monate dauernder Feldzug (Oktober 1944 – März 1945). Den amerikanischen Verlusten, 8.000 Mann, standen disproportional höhere japanische Verluste wie meist im Pazifikkrieg gegenüber: Allein auf der Insel Luzon fielen 190.000 Japaner.

Bei den Kämpfen auf den japanischen Inseln Iwojima und Okinawa wurden US-Schiffe von einer großen Zahl Kamikaze-Fliegern angegriffen. Die US-Streitkräfte verloren fast 7.300 Marines und etwa 5.000 Seeleute und Piloten. 36 Schiffe der US Navy sanken, und fast 400 Flugzeuge wurden zerstört. Die Japaner verloren 113.000 Soldaten und mit den Kamikazemaschinen rund 7.800 Flugzeuge.

Nach den Kämpfen auf Iwojima und Okinawa warfen die Amerikaner mit einem B-29-Bomber, der von Tinian aus gestartet war, am 6. August 1945 die erste Atombombe auf Hiroshima. Kurz darauf, am 9. August wurde die zweite über Nagasaki gezündet. Quelle: Wikipedia

Amerika wollte seine Bomben realitätsnah testen

In den USA hatte es in den letzten Jahren heftige Diskussionen um den möglichen Bau einer Wunderwaffe im Hitler-Reich gegeben. Man trieb deshalb die Entwicklung der Atombome massiv voran und testete im Juli 1945 die erste Plutonium-Bombe im eigenen Land. Nun verfügte man über zwei verschiedenartige Atombomben, die man erklärtermaßen in einem Kriegsgebiet testen wollte, um herauszufinden, welches der Modelle in Serie gehen sollte. Auch Deutschland hatte man dabei als Ziel im Visier. Der Physiker Julius Robert Oppenheimer, Nachfahre eines deutsch-jüdischen Textilimporteurs aus Hanau, der 1888 in die USA emigriert war, galt als Vater der Atombombe.

Japan war eigentlich bereits geschlagen, hatte auch um Friedensverhandlungen gebeten, weigerte sich aber, bedingungslos zu kapitulieren, ohne das Kaiserhaus zu sichern. Eine entsprechende Zusage wurde konsequent verweigert. Die meisten Großstädte des Inselreiches waren zerstört, es gab Millionen Tote und Verletzte. In dieser Situation warfen die USA „Little Boy“, das Uran-Modell der Bombe über Hiroshima ab. Der Frage, warum auch noch die zweite Bombe folgte, widmet sich zum 70. Jahrestag die ARD in einer ausführlichen Dokumentation (Video unten). Das folgende Video zeigt eine Kurzfassung davon.

Zahlreiche Dokumente, gesichert von den US-Streitkräften über die Wirkung von Fat Man wurden erst Jahrzente später bekannt. So verpufften beispielsweise im Zentrum der Explosion Menschen vollständig. Ihre Existenz war nur noch an den Schatten erkennbar, die entstanden, als ihre Körper für Bruchteile von Sekunden der Hitze Widerstand geleistet hatten. In etwas weiterer Entfernung verbrannten die Körper, waren in ihren Umrissen erkennbar, zerfielen aber bei Berührung zu Staub.

Die Spätfolgen der atomaren Strahlung waren auch den Amerikanern bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt gewesen. Als klar wurde, welches Ausmaß die Strahlenkrankheit hatte, gründeten sie geheime Untersuchungskommissionen, die die vorwiegend jugendlichen Betroffenen unter demütigenden Bedingungen untersuchte, ihre Leichen sogar in die USA transportierte, um weiter daran zu forschen. Auch daraus resultiert das bis heute in Japan bestehende Gefühl, als Versuchskaninchen für die bis dato tödlichste Waffe der Welt gedient zu haben.

Dennoch ist den Überlebenden von damals klar, dass sie nicht nur Opfer der Amerikaner, sondern auch der verheerenden Kriegspolitik ihres eigenen Landes geworden waren, dessen Führung sich um das Leid der Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt geschert hatte.

Grausame Kriegsverbrechen der Japaner

Japan war insbesondere gegen Chinesen mit großer Brutalität vorgegangen. Dabei kam es zu Kriegsverbrechen japanischer Soldaten in China (Massaker von Nanking sowie grausame medizinische Experimente an Gefangenen). Nach chinesischen Angaben sollen zwischen fünf und zehn Millionen chinesische Zivilisten getötet worden sein. Die Bombardierung Shanghais 1937 war der Auftakt des japanischen Eroberungsfeldzuges durch Südostasien gewesen. Der Feldzug kostete bis 1945 insgesamt etwa 20 Millionen Menschen das Leben.

Die Einheit 731 hatte in Lagern grausame Experimente an Gefangenen durchgeführt; es sind japanische Menschenversuche mit biologischen Krankheitserregern an Chinesen bekannt geworden. Von 1932 bis 1945 kam es zu Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen durch japanische Soldaten in besetzten Gebieten.  Nur in wenigen Fällen, wie die Massenvergewaltigungen während des Massakers von Nanking, liegen genauere Untersuchungen vor. Die vergewaltigten Frauen und Mädchen wurden nach der Vergewaltigung häufig getötet. Eine Strafverfolgung durch die japanische Militärjustiz erfolgte nicht.

Die japanische Armee verschleppte zwischen 1932 und 1945 nach Schätzungen 100.000 bis 300.000 Mädchen und Frauen, meist im Alter zwischen 14 und 25 Jahren, als „Trostfrauen” (ian-fu) in Militärbordelle. Etwa 100.000 davon stammten aus der japanischen Kolonie Korea. Dazu kamen Mädchen und Frauen aus fast allen besetzten Gebieten in Südostasien, insbesondere aus Indonesien, Malaysia, Philippinen und Teilen Chinas. Einige der Frauen stammten auch aus Japan und Australien, ferner waren Niederländerinnen aus Niederländisch-Indien (heute Indonesien) darunter. Die Frauen und Mädchen mussten Tag für Tag etwa 30 bis 40 Soldaten zu Diensten sein. Bis zum Kriegsende starben etwa 70 Prozent von ihnen an Krankheiten, Folter oder Hunger. Noch in den letzten Kriegswochen wurden Tausende der „Trostfrauen” ermordet. Die Gesamtzahl der Zivilisten, die von Japanern im Zusammenhang mit ihrer kriegerischen Lebensraum-Politik getötet wurden, wird auf knapp sechs Millionen geschätzt. berichtet Wikipedia.

Gleichwohl bleibt offen, ob es ethisch und moralisch gerechtfertigt war, Atombomben mit extrem zerstörerischer Kraft gleich in zwei Städten des Landes über unschuldiger Zivilbevölkerung abzuwerfen, zumal die Motivation der Amerikaner nicht etwa Gerechtigkeit für japanische Kriegsverbechen war. Es ging allein um den Anspruch, einzige und größte Supermacht der Welt zu sein.

Fat Man wurde Vorbild für die russischen Atombomben; man war durch Spionage an die Baupläne gelangt. Bis in die 60er Jahre hinein folgte ein massives Wettrüsten, in dem allein die USA 118 verschiedene Bombenmodelle testeten und dabei unter anderem das Bikini-Atoll massiv verstrahlten.  Das Ergebnis waren Monster-Waffen, die noch immer bereit zum Einsatz sind – unter anderem in Bunkern in Büchel, Rheinland-Pfalz.

Siehe auch: Um 8.15 Uhr kam „Little Boy“ und brachte Japan den atomaren Tod

Update: Japan hätte auch ohne die Bombe kapituliert

Update: Wie die USA eine Atomwaffe verbummelten

Update: Nach der Fukushima-Katastrophe: Japan kehrt zur Atomkraft zurück

Update: Abe bezeichnet Japans Entschuldigung für den Krieg als unerschütterlich

Update: China is trying to use WWII history to shame Japan and weaken its alliances

Update: Japan WWII „comfort women“ apology criticised in china

Wetter global: Es ist eben nicht egal, wo Schadstoffe freigesetzt werden…

Wenn in China der berühmte Sack Reis umfällt, mag das den Rest der Welt wenig stören. Dass dennoch alles mit allem auf diesem Globus verbunden ist, beweist diese NASA-Animation eindrucksvoll: Wenn in Inonesien Urwälder brandgerodet werden, wenn chinesische Unternehmen ungefiltert tonnenweise Schadstoffe in die Luft blasen, wenn ganze Kontinente mit Holz und Kohle heizen, bzw. Energie erzeugen, hat das für alle anderen Erdbewohner unter Umständen massive Folgen. Das betrifft vor allem, aber keineswegs ausschließlich, die derzeit bevölkerungsstärkste Nation der Welt China, sowie ihren kommenden Nachfolger, Indien.

Damit Wasser Wolken bilden kann, so erläutert uns eine kalifornische Studie, braucht es Feststoffe in der Atmosphäre, an denen es kondensieren kann. Je nachdem, um welche Partikel es sich handelt und in welcher Höhe die Wolken gebildet werden, entstehen hauchfeine Nebel, unterschiedlich starker Regen oder riesige Hagelkörner. Während der Kondensation von Wasser wird Energie in Form von Hitze freigesetzt. Diese Hitze beschleunigt die Auf- und Abwärtsbewegung des Wassers in der Atmosphäre und lässt die Wolken dichter und dicker werden. Das wiederum verstärkt Kraft und Anzahl der tropischen Zyklone.

Die Winde, die um den Globus zirkulieren, bringen Luftverschmützung ebenso wie etwa Sandstürme um die ganze Erde. Die Wissenschaftler vermuten unter anderem, dass die zunehmenden harten Winterstürme im Norden der USA eine Folge der tropischen Zyklone und damit der zunehmenden Luftverschmutzung in Asien sind, die durch den polaren Jetstream zirkuliert.  Im Verlauf der letzten 30 Jahre sind die Stürme über dem Pazifik zehn Prozent stärker geworden.

„Früher dachten wir, es sei vor allem der Kontrast zwischen der nördlichen Hemisphäre, die über mehr Land, und der südlichen, die über mehr Wasser verfügt,“ formuliert es ein Forscher. Aber der Ost-West-Unterschied sei ebenso intensiv für Klimaveränderungen verantwortlich.

Das Video wurde mit Daten der Jahre 2006 und 2007 erstellt und im Januar 2015 hochgeladen. Warum es in Youtube nicht gelistet und daher schwer zu finden ist, wissen nur die Verantwortlichen…

Internationaler Goldmarkt im ersten Quartal 2015: Berichte von WGC und GFMS

Im traditionell ruhigen ersten Quartal des Jahres 2015 sank die globale Nachfrage nach Gold um 1 Prozent auf 1 079 Tonnen. Das berichtet der World Gold Council (WGC) hervor. Auch ein wachsender Markt in Indien und den USA konnte den Rückgang in der Schmuckindustrie nicht ganz auffangen. Zum ersten Mal seit 2012 verzeichneten dagegen die ETF einen leichten Anstieg.

Die Weltwirtschaftslage mit ihren geringeren Wachstumsraten, höheren Preisen und der Rallye auf dem Aktienmarkt schlug stark auf den Goldmarkt durch. Im Vergleich zu Q1 2014 sank die Nachfrage laut WGC zwar insgesamt nur um 11 Tonnen. Dennoch wurden in den einzelnen Marktsegmenten starke Veränderungen verzeichnet.

Die Minen-Produltion stieg zwar um zwei Prozent auf 729,2 Tonnen, erwartet wird jedoch ein Rückgang in der zweiten Jahreshälfte. Der dreiprozentige Rückgang im Recycling-Bereich wird auf das kontinuierliche Schrumpfen der westlichen Märkte zurückgeführt.

Die ETF (+25,7 Tonnen) profitierten von verändertem Verhalten westlicher Investoren: Q1 2015 war das erste Quartal seit Q4 2012 mit einer Netto-Positiv-Bilanz. Die Nachfrage nach Barren und Münzen sank zwar um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, bleibt laut WGC jedoch weiter im Vergleich zum historischen Verlauf auf hohem Niveau.

Gold-Nachfrage weltweit in Tonnen

Hier ist die aktuelle Statistik der Nationen mit den offiziell höchsten Goldreserven. Mit Vorsicht zu betrachten sind allerdings die Zahlen aus China, denn dort werden keine offiziellen Berichte herausgegeben.

Top 40 der Gold-haltenden Staaten

Die Nachfrage ausgewählter Länder in Barren und Münzen:

Gold-Nachfrage ausgewählter Länder in Tonnen

consumer demand

Besonders interessant ist der Blick ins Detail: Oben die private Nachfrage, unten die Nachfrage der Schmuckindustrie – bei der es letztlich ja auch um private Nachfrage geht.

Trotz aller Versuche der Regierung, den Goldkonsum zu dämpfen, steigt er in Indien stetig weiter an – in Q1 2015 um 15 Prozent, während er in China um 8 Prozent sank. Dennoch bleibt das Reich der Mitte mit 290,4 Tonnen unangefochten an der Spitze der Nachfrage. Auch in Europa ist die Nachfrage an Anlagegold um insgesamt 12 Prozent auf 73,5 Tonnen gestiegen. Spitzenreiter ist dabei Frankreich (29%), gefolgt von Deutschland (18%) und der Schweiz (11%). Das spricht für die Besorgnis in Sachen Euro: Wer kann, sichert sein Portefolio mit einer Goldreserve.

Etwas anders präsentiert sich in Teilen das Bild bei der Nachfrage der Schmuckindustrie: In Indien stieg sie um 22 Prozent auf 150,8, in China sank sie um 11 Prozent auf allerdings immer noch 228,6 Tonnen. In Europa sank die Nachfrage der Schmuckindustrie um insgesamt 2 Prozent auf 12,5 Tonnen.

Völlig eingebrochen sind der japanische, russische und türkische Markt.

jewellery demand

Die Goldexperten von Thomson Reuters GFMS kommen im Vergleich zum World Gold Council zu etwas anderen Ergebnissen: Sie berichten, dass die Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 in Relation zum Vorjahr weltweit von 1090 auf 990 Tonnen (9,2 %) gesunken sei. Die Nachfrage nach Barren und Münzen fiel innerhalb eines Jahres von 285 auf 236 Tonnen (17,1 %). In Deutschland zog die Goldnachfrage dagegen von 22 auf 23 Tonnen an (4,5 %). Die Zentralbanken reduzierten ihre Goldnachfrage von 124 auf 90 Tonnen (27,4 Prozent).

Gemäß einer Marktumfrage eines GFMS-Experten liegt die Prognose für den Goldpreis in 2015 im Durchschnitt bei 1.170 USD/oz (April: 1.206 USD/oz). Für 2016 liegt der Wert bei 1.250 USD/oz.

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Und noch eine interessante Tabelle gibt es bei Reuters: Sie betrachtet für das Jahr 2014 den Goldkonsum unter Ausschluss der Banken-Aktivitäten; einmal pro Land, einmal pro Kopf und Land. Führend sind die Arabischen Emirate mit einem pro Kopf-Konsum von 8,54 – gleich gefolgt von Kuweit mit 8,09 Gramm. Deutschland belegt mit 1,6 Gramm pro Kopf Rang 9, die USA liegen mit 0,76 Gramm pro Kopf auf Platz 18.

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Hier noch zur weiteren Information einige Gewicht-Umrechnungen:

  • Oz = 1 troy ounce
  • Grammes = 0.032151 troy ounces
  • Kg = 32.150747 troy ounces
  • Tonnes = 32,150,7466 troy ounces
  • Tael = 1.203370 troy ounces
  • Tola = 0.374878 troy ounces

Update: Mit 30 000 Tonnen Gold könnte China den Dollar stürzen

Update: Will China go for a gold standard?