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Gold-Förderländer: Output und noch nicht abgebaute Reserven

Eine neue Statistik zur einheimischen und weltweiten Gold-Förderleistung hat der USGS   herausgegeben. Der United States Geological Survey  ist eine wissenschaftliche Behörde im Geschäftsbereich des Innenministeriums der Vereinigten Staaten und das wichtigste Institut der Vereinigten Staaten für die amtliche Kartografie. Er führt unter anderem Statistik über sämtliche vorkommenden Mineralien.

Auf der Basis von Industrie- und Regierungsangaben entstand folgende Übersicht der Goldförderländer und ihrer noch abbaubaren Gold-Reserven (in Tonnen):

 

2018-03-18_22-52-08

Die Goldproduktion in den USA  stieg 2017 um geschätzte 10 Prozent auf 245 Tonnen in einem Wert von rund 9,9 Milliarden Dollar. Geschürft wurde in über 40 Gruben, vor allem im Westen und in Alaska. Etwa sechs Prozent des Goldes waren Beiprodukt in anderen Metallen, vor allem in Kupfer.
Die Gold-Importe in den USA sanken auf 240 Tonnen (374), die Exporte stiegen von 394 Tonnen in 2016 auf 480 in 2017. Der einheimische Konsum blieb mit 170 (171) Tonnen praktisch gleich. Etwa 120 Tonnen Goldes wurden durch Recycling gewonnen, vorwiegend im industriellen Bereich.

Die Entwicklung des Goldpreises: Ein rasanter Politik- und Wirtschaftskrimi

Die Präsidentenwahl in der Ukraine, die Hoffnungen auf ein gütliches Ende der Spannungen mit Russland weckten und gute Konjunkturdaten aus den USA waren wohl mit auslösend dafür, dass gestern der Goldpreis auf ein Dreimonatstief fiel. Dazu kam sicherlich, dass letzte Woche erneut eine Bank wegen Manipulationen beim Goldpreis verurteilt wurde. Die britische Barclays Bank muss gut 32 Millionen Euro zahlen. Nach immer neuen Berichten und Vermutungen über Manipulationen von allen Seiten ist mittlerweile das Vertrauen in die Berechenbarkeit des Edelmetallpreises erheblich erschüttert. Zusätzlich brachen die Netto-Gold-Importe Chinas  im April auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten ein. Maßgeblichen Einfluss auf den plötzlichen starken Absturz, so sieht es das Portal „Der Aktionär, dürfte allerdings die Positionierung der Anleger an der Comex gehabt haben. Dort gingen einige Short-Wetten ein, und diese wurden zum Verfall mit hohen Gewinnen eingelöst.

Die Entwicklung des Goldpreises ist zu einem nach rationalen Gesichtspunkten kaum noch kalkulierbaren internationalen Politik- und Wirtschaftskrimi geworden, in dem sich erhebliche Kräfteveränderungen anzudeuten beginnen. Wer einsteigt, braucht einen langen Atem und sollte nur Kapital einsetzen, das auch mittelfristig nicht unbedingt benötigt wird. Angesichts der keineswegs gelösten weltweiten Finanzkrise ist das Edelmetall dennoch – möglicherweise gerade deshalb – weiterhin eine der Möglichkeiten, sich mittel- und langfristig gegen Verluste abzusichern.

28-05-2014 01-21-52

China, der größte Goldproduzent und einer der weltweit größten Importeure von Gold, will seinen Einfluss auf den weltweiten Goldmarkt ausdehnen und sucht Allianzen, die nicht nur politisch von den USA unabhängig sind. Ziel ist es, sowohl zum Londoner Goldfixing, als auch vom Dollar als Weltleitwährung Alternativen zu entwickeln. Letzte Woche genehmigte die chinesische Zentralbank der Shanghai Gold Exchange (SGE) die Gründung einer weltweiten Handelsplattform in der dortigen Freihandelszone. Gehandelt werden sollen physisches Gold, Silber und Platin, zahlbar in Yuan.

Laut Reuters hat die SGE bereits Banken wie die HSBC, die Australia and New Zealand Banking Group, die Standard Bank, die Standard Chartered und die Bank of Nova Scotia für eine Teilnahme an der globalen Handelsplattform angefragt. Im Focus stehen jedoch auch Goldproduzenten und andere „Unternehmen“. Im ersten Schritt sollen zunächst Kontrakte für die physische Lieferung von Gold und anderen Edelmetallen gehandelt werden. Später sollen auch Derivate hinzukommen. Als erster Lieferant für Goldbarren erhielt die australische Perth Mint vor zwei Wochen die Zulassung.

Die SGE gehört zu den zehn größten Goldbörsen der Welt. Hier werden neben Goldbarren vor allem Gold-Futures und -Optionen gehandelt. Bereits bisher hatten mehrere ausländische Kreditinstitute die Genehmigung, Mitglied der Shanghai Gold Exchange zu werden: Australia and New Zealand Banking Group, Bank of Nova Scotia-ScotiaMocatta, Barclays, Credit Suisse, HSBC, Standard Chartered Bank und United Overseas Bank. 2008 bekam die HSBC als erste ausländische Bank die Genehmigung, den Handel mit Gold-Futures aufzunehmen.

28-05-2014 01-19-54

In der Schweiz werden gut zwei Drittel des weltweit gehandelten physischen Goldes raffiniert. Seit Jahresbeginn gibt die schweizerische Zollverwaltung monatliche Statistiken heraus, die aufzeigen, wieviel Gold (und andere Edelmetalle) über das Drehkreuz gelaufen ist – vorwiegend in Ost-West-Richtung.

Die Zahlen im April zeigen deutliche Veränderungen zum März (in blau gekennzeichnet, ohne Münzen, Platin und Silber). Zusätzlich zur Tabelle ist zu vermerken, dass rund 300 Kilo Goldmünzen exportiert wurden. Untenstehende Tabelle zeigt alle Handelspartner der Schweiz in den letzten beiden Monaten an.

Gegenüber dem März sanken die Goldausfuhr  um 21,02, der Import um 40,23 Prozent. Größte Goldabnehmer bleiben Indien, Hongkong, China und Singapur. Die in der Menge stärksten Rückgänge gab es bei  den beiden großen Goldlieferanten Großbritannien (-39,65) und USA (-45,05 Prozent).

Im Bild ein Blick in den Edelmetallkontrollbereich der Zollverwaltung. 

Edelmetallprüfung schweizerische Zollverwaltung

Ein- und Ausfuhr von Gold Quelle: Schweizerische Zollverwaltung Gold, einschl. platiniertes Gold, in Rohform, zu anderen als zu monetären Zwecken (ausg. als Pulver)
  Export Import
    KG KG
Gesamthandel April 2014   110.921 121.966
Argentina . 10.315
Armenia 85 1
Australia 1.255 841
Austria 190 17
Azerbaijan . 173
Belgium 52 695
Benin . 217
Bolivia . .
Brazil . 2.646
Burkina Faso . 3.137
Canada 73 3.620
Chile . 11.263
China   12.048 22
Colombia . 1.129
Cook Islands . .
Croatia 11 .
Curaçao . 1.303
Czech Republic 147 44
Côte d’Ivoire . 785
Denmark . .
Dominican Rep. . 710
Ecuador . 164
Egypt 100 .
Emirates, Arab 3.952 7.686
Estonia 141 .
Fiji . .
Finland 33 591
France 672 204
Gabon . 68
Germany   6.263 5.187
Ghana . 4.133
Greece 14 .
Guiana, French . 36
Hong Kong   25.500 960
Hungary . 59
India 32.513 1
Israel . 13
Italy 2.126 5.110
Japan . .
Jordan 450 .
Kazakhstan . 64
Korea (South) 623 .
Kyrgyz, Rep. . 850
Lebanon 345 117
Lithuania . .
Luxembourg 1 1.021
Malawi . .
Malaysia   1.876 37
Mali . 735
Mauritania . 463
Mexico . 2.686
Morocco . 77
Mozambique . 35
Netherlands 0 .
New Zealand 5 .
Norway . 93
Oman 20 .
Panama . 210
Peru . 7.183
Philippines . 970
Poland . .
Portugal 13 .
Qatar . .
Romania 5 22
Russia   . 2.832
Saudi Arabia 5.360 .
Senegal . 635
Singapore 7.819 339
South Africa . 2.195
Spain 15 167
Suriname . 910
Sweden . 1.066
Tajikistan . .
Thailand 2.115 .
Togo . 613
Tunisia 26 .
Turkey   4.000 2.000
USA 193 11.166
Uganda . .
Ukraine 296 .
United Kingdom   2.506 24.056
Uruguay 50 270
Viet Nam 30 24
Gesamthandel März  2014   136.447 181.099
Argentina . 6.935
Armenia 125 .
Australia 367 754
Austria 434 24
Azerbaijan . 205
Belarus 118 .
Belgium 69 1.063
Benin . 164
Bolivia . 403
Brazil . 2.139
Bulgaria 7 .
Burkina Faso . 3.010
Canada 358 1.477
Chile . 12.319
China   26.000 .
Colombia . 1.262
Curaçao 5 951
Czech Republic 8 44
Côte d’Ivoire . 731
Denmark 0 .
Dominican Rep. . 900
Ecuador . 223
Emirates, Arab   4.219 10.507
Estonia 104 .
Ethiopia . 676
Fiji . .
Finland 40 552
France 560 89
Gabon . 127
Germany   13.718 5.287
Ghana . 3.588
Guiana, French . 20
Guinea . 222
Hong Kong 23.890 971
Hungary . 55
India   32.020 301
Israel 4 1
Italy 4.403 5.291
Japan 563 4
Jordan 250 .
Kazakhstan . 49
Korea (South) 590 29
Kyrgyz, Rep. . 589
Laos 30 .
Latvia . .
Lebanon 578 182
Lithuania . .
Luxembourg 19 .
Malaysia   1.365 66
Mali . 973
Mauritania . 1.181
Mexico . 1.319
Mongolia . 1.929
Morocco . 47
Mozambique . 29
Netherlands . .
Nigeria . 83
Norway . 124
Panama 0 244
Peru . 8.680
Philippines . 1.062
Poland 4 .
Portugal . .
Romania . 32
Russia   . 11.468
Saudi Arabia 4.990 .
Senegal . 524
Singapore   15.136 283
Slovakia . .
Slovenia 15 6
South Africa . 907
Spain 3 210
Sri Lanka . 738
Suriname . 1.084
Sweden 10 579
Taiwan 10 .
Tajikistan . .
Tanzania . 169
Thailand   5.620 2.481
Togo . 801
Tunisia 27 .
Turkey   . 26.883
USA   316 19.171
Ukraine 247 .
United Kingdom   227 38.528
Uruguay . 333
Viet Nam . 24
Gesamthandel Feb. 2014   212.306 246.808
Gesamthandel Jan. 2014   186.787 236.028

Siehe auch: Trends in der Goldnachfrage 1. Quartal 2014

Update: Gold auf Viermonatstief

Update: Die mächtigsten Strippenzieher der Finanzwelt

Update: Bretton Woods: Als Geld noch Gold wert war

 

Ein Tank voll Sprit ist billiger als ein Liter Wasser – das ganze Dilemma Venezuelas

H0ugo Rafael Chávez Frías‘ Körper darf nicht in der Erde ruhen. Er wird einbalsamiert und dauerhaft öffentlich ausgestellt.Das muss so sein, denn sein Volk braucht ihn  dringend. Weil er – allen persönlichen und menschlichen Schwächen zum Trotz die wohl wichtigste Integrationsfigur Lateinamerikas ist: Er hat den Nicht-Weißen Einwohnern seines Landes gezeigt, dass sie stolz sein können auf sich und ihre Hautfarbe. Und er hat einen Anspruch erhoben, der ihn zum Feind aller global agierenden Konzerne und Regierungen machte: „Unser Land und seine Schätze gehören zuerst einmal uns“. Damit wurde er zu einem leuchtenden Hoffnungsträger – und diese Hoffnung darf auf keinen Fall sterben.

1,36 Billionen Barrel förderwürdigen Öls sollen unter dem Staatsgebiet von Venezuela lagern, so Guy Caruso, vormaliger Chef für Erdöl-Geheimnachrichten für den CIA. Die OPEC sprach Ende 2010 von „nur“ 296,5 Milliarden – aber auch das macht Venezuela durch Erdöl-reichsten Nation der Erde. Täglich werden rund zwischen 2,3 und 2,8 Millionen Barrel gefördert, 100 000 davon gehen täglich ans Bruderland Kuba – das ohne diese Hilfe angesichts des Handelsembargos aufgeschmissen wäre.

Unnötig zu erwähnen, welche Begehrlichkeiten solch ein Rohstoffreichtum rund um den Globus weckt.

Venezuela hat rund 29 Millionen Einwohner. Davon sind 67 Prozent Mestizen. 21 Prozent der Venezolaner sind europäischer, 10 Prozent afrikanischer und 2 Prozent  indianischer Abstammung.  Ungefähr 85 Prozent der Bevölkerung lebt in den städtischen Gebieten im Norden des Landes. Im Gebiet südlich des Orinoco, das immerhin fast die Hälfte der Gesamtfläche einnimmt, leben nur 5 Prozent der Einwohner.  Die 2 Prozent Ureinwohner gehören etwa 24 unterschiedlichen indigenen Gruppen an.   Quelle: Wikipedia

09-03-2013 14-05-177

Diese Fakten sollten bewusst sein, wenn man hinterfragt, was Hugo Chavez so besonders macht und warum heute, dem Tag der offiziellen Trauerfeier, sein Volk weint. Geschätzte neun Millionen Menschen waren bei der Trauerfeier in Caracas auf den Beinen. Der Tagesspiegel hat in einem lesenswerten, einfühlsamen Nachruf versucht, die Widersprüche dieses Mannes zu erklären:

„Chávez goldene Regierungsjahre dauerten von 2004 bis 2008, als die Öleinnahmen sprudelten. Mit ihnen finanzierte er die „Misiones“: Nachbarschaftszentren, in denen Lesen und Schreiben gelehrt wird und die medizinische Versorgung kostenlos ist. Die Einschulung von Kindern fördert die Regierung mit gratis Mahlzeiten, außerdem öffnete sie Staatsläden mit billigen Grundnahrungsmitteln. Das positive Ergebnis: Zwischen 1998 und 2008 sank in Venezuela der Anteil der Armen von 60 auf 27 Prozent. Der Analphabetismus wurde beseitigt und Millionen von Menschen gingen erstmals zum Arzt. Das negative: Man gewöhnte sich an erdölfinanzierte Regierungsgeschenke; Bürokratie und Korruption infizierten die Programme.

Zudem versäumte es Chávez, neben dem Öl weitere Industrien aufzubauen. Weil alles mit Petrodollars importiert werden kann, wird in Venezuela nichts mehr produziert. Es ist zeitweise einfacher, in Caracas Whisky zu kaufen als Milch. Mal fehlt Reis, dann Mehl, dann Butter. Chavez` Rezept: Die Regierung lässt unter großem Tamtam die Lagerhäuser privater Unternehmen öffnen. Hinzu gesellt sich eine galoppierende Inflation. Doch weder mit ihr noch mit der extrem hohen Kriminalität oder der ausufernden Vetternwirtschaft bringen die Chavisten ihren Führer in Verbindung. Er steht über den Dingen, ähnlich wie sein Vorbild Fidel Castro in Kuba“.

„Chavez hat das Land ruiniert,“ schreibt dagegen die Zeit. „Um Chávez‘ Ausgaben im In- und Ausland zu finanzieren, druckte die Zentralbank Geld. Doch ohne das Erdöl wäre das sozialistische Experiment viel früher am Ende gewesen. Als Chávez 1999 die Regierung übernahm, kostete ein Fass Erdöl 20 Dollar. Um die Jahrtausendwende stieg er wegen des chinesischen Wirtschaftswunders auf mehr als 100 Dollar und ist seither stabil.

Es ist schon lange abzusehen, dass dieses Modell nicht mehr funktioniert. Weil zu wenig investiert wird und die Anlagen schlecht gewartet werden, sinkt die Ölproduktion. Die Opec schätzt sie auf 2,3 Millionen Fass pro Tag. Vor 14 Jahren waren es noch 2,8 Millionen gewesen. Und dem staatlichen Ölkonzern PDVSA fehlen Fachkräfte: Nachdem im Jahr 2002 die Ölarbeiter gegen Chávez gestreikt hatten, wurden Tausende Manager, Ingenieure und Facharbeiter aus politischen Gründen entlassen.“

Der amerikanische Journalist Gregory Allan Palast fasst zusammen, gegen welch mächtige Interessengruppen sich der bolivarische Führer mit seinem Handeln stellte. Diese und diverse andere stehen auch jetzt buchstäblich Gewehr bei Fuß: Zu lukrativ scheinen die möglichen Geschäfte in Venezuela, als dass man untätig bleiben kann.

In den amerikanischen Medien begann bereits Minuten nach der Todesnachricht die Debatte, ob und wie stark nun US-Unternehmen in Venezuela wieder Fuß fassen könnten. CNN begleitete die Trauerfeier live, diskutierte mit Korrespondenten: Die machten allerdings wenig Hoffnung auf Besserung der Beziehungen: Zu tief ist das Misstrauen in Venezuela – zu stark das Vermächtnis des Präsidenten, das Nicolas Maduro schnellstmöglich legitimiert fortsetzen will. Zur Trauerfeier entsandte Amerika zwei einfache Kongressabgeordnete – Reaktion auf Vorwürfe aus Venezuela, die USA hätten Chávez mit Krebs infiziert.

In der Neuen Züricher Zeitung ist zu lesen, dass China bereits 40 Milliarden vorab gezahlt hat, die in Öllieferungen abzugelten sind –  zum Großteil mit Lieferbindungen für chinesische Produkte oder Dienstleistungen. Im ganzen Land sind deswegen chinesische Konzerne meist mit importiertem Personal dabei, Infrastruktur- und Sozialwohnungsprojekte zu errichten.

Nach Angaben der Zentralbank habe Venezuela in den knapp 14 Jahren der Regierung des Präsidenten Hugo Chávez 800 Milliarden Dollar durch Ölverkäufe eingenommen. „Die Regierung hat davon nach eigenen Angaben rund 300 Milliarden in soziale Projekte gesteckt. Dadurch gelang es ihr, die Armutsrate Venezuelas von 49  (2002) auf heute 28 Prozent zu senken.  Verdoppelt haben sich aber die Bruttoschulden in vier Jahren auf 120 Milliarden Dollar. Trotz hohen Öleinnahmen steuere der Staatshaushalt auf ein Defizit in Relation zum Bruttoinlandprodukt von 20 Prozent zu, erwartet Daniel Volberg von Morgan Stanley. Die Deviseneinnahmen sind in vier Jahren von 43 auf 25 Milliarden Dollar geschrumpft. Auch soll die Regierung von den Anfang 2012 nach Venezuela transferierten Goldvorräten bereits 10 Tonnen verkauft haben, schätzt der Internationale Währungsfonds. Venezuela braucht deshalb in den nächsten Monaten dringend Kredite aus dem Ausland.“

„Der Außenhandel machte 2011 geschätzte 40 Prozent der Wirtschaftsleistung Venezuelas aus“, schreibt die Süddeutsche. „Der Ausfuhrüberschuss belief sich auf 42 Milliarden Euro. Die USA und China sind die wichtigsten Handelspartner. Erst dahinter folgen die Anrainer Brasilien und Kolumbien. Deutschlands Einfuhren aus Venezuela bestanden 2011 zu drei Vierteln aus Erdöl und rund 15 Prozent aus Eisen und Stahl. Aus Deutschland wurden vor allem Maschinen und chemische Erzeugnisse über den Atlantik geschippert.

Seit Mitte 2012 ist Venezuela Mitglied im südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur. Mit seinem Ölreichtum unterstützt das Land diverse karibische Staaten, darunter auch die Dominikanische Republik.  Der Konzern Petrocaribe erlaubt ihnen Käufe zum Marktpreis, aber nur 40 Prozent des Kaufpreises muss bei einem Ölpreis von über 100 Dollar innerhalb einer Frist von 90 Tagen gezahlt werden. Der Rest kann über 25 Jahre zum Zinssatz von 1 Prozent gezahlt werden. Bei einem Ölpreis unter 100 Dollar müssen 60 Prozent des Kaufpreises innerhalb von 90 Tagen gezahlt werden;  bei einem Preis über 200 Dollar nur 30 Prozent. Die Karibikstaaten können zu diesen Konditionen bis zu 185 000 Barrel am Tag erwerben. Auch Bezahlungen mit Waren oder Dienstleistungen (Tauschhandel) sind möglich, berichtet Latina Press.

Trotz der hohen Öl-Reserven muss Venezuela selbst jedoch Benzin importieren, da die Raffineriekapazitäten des Landes nicht ausreichen. Sprit wird seit Jahren mit Milliarden subventioniert, so dass er weltweit nirgends billiger ist als in Venezuela. 2012 kostete ein Liter Wasser genauso viel wie eine ganze Tankfüllung von über 80 Litern.“

Auch Russland ist stark mit bilateralen Verträgen in Venezuela engagiert, wie bei RIA zu erfahren ist: Russlands Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch sagte am Mittwoch vor der Presse in Den Haag: „Wir werden unseren Teil der Verpflichtungen erfüllen… und hoffen darauf, dass die Politik der Zusammenarbeit unverändert bleibt und das Geplante realisiert wird“. Russische Konzerne beteiligen sich an fünf Ölprojekten in Venezuela, darunter zur Erschließung des riesigen Feldes Junin-6 im Einzugsgebiet des Orinoco-Flusses. Dieses Projekt erfordert Investitionen von etwa 20 Milliarden US-Dollar. Zudem ist Venezuela einer der größten Käufer russischer Waffen und Kampftechnik.

„Eine Währungsabwertung sendete jüngst Schockwellen durch die Wirtschaft Venezuelas“, schreibt das Wall Street Journal. Dabei entkräftete die Regierung den Devisenkurs von 6,3 Bolivar je US-Dollar auf 4,3 Bolivar je Dollar, was die Dollar-Einnahmen aus den Ölverkäufen des Landes steigerte und der Regierung nominal mehr Geld in die Kassen spülte. Gleichzeitig aber erhöhte die Maßnahme den Druck auf die Preise im Land, dabei liegt die Teuerungsrate schon bei rund 20 Prozent.

Die Abwertung half auch wenig gegen die wachsende Knappheit an Grundnahrungsmitteln wie Mehl und Fleisch, die wegen des Mangels an Dollar-Devisen im Land rar geworden sind. Schlimmer noch: Nach dem Wechselkurs-Eingriff schwächte sich der Bolivar auf dem Schwarzmarkt weiter ab. Kostete ein US-Dollar im Oktober noch 10 Bolivar, sind es jetzt rund 25 Bolivar.

Bereits wegen der Abwertung der Landeswährung Bolívar gegenüber dem US-Dollar hat der belgische Kreditversicherer Delcredere das Geschäftsrisiko für Venezuela unlängst mit der höchsten Risikoklasse bewertet, wie Cash Online vermerkt. “Durch die hohe Abhängigkeit des Landes von Konsumgüterimporten wird die Abwertung aller Voraussicht nach dazu führen, dass die ohnehin schon hohe Inflationsrate weiter steigt. Zudem rechnen wir damit, dass sich die lebensnotwendigen Güter verknappen – auch wenn die Regierung bereits angekündigt hat, ähnlich wie nach der Abwertung im Januar 2010 gegenüber Preiserhöhungen vorgehen zu wollen“, so Christoph Witte, Deutschland-Direktor des Kreditversicherers.

Vor diesem Hintergrund brodelt es im Land. Neuwahlen zum Präsidenten müssen innerhalb von 30 Tagen durchgeführt werden. Die Oppositionsparteien haben sich bereits auf den Juristen Henrique Capriles als Kandidaten geeinigt,  der den Staatshaushalt konsolidieren und das Land wieder mehr für die Marktwirtschaft öffnen will.  Für die Chavisten tritt Chavez‘ Wunschkandidat und Stellvertreter Nicolas Maduro an.  Dass dieser nach der Trauerfeier  als Interimspräsident vereidigt wurde, obwohl er als Präsidentschaftskandidat eigentlich zugunsten von Parlamentspräsidenten Diosdado Cabello hätte zurücktreten müssen, hat ihm zusätzliche Feindschaften eingetragen. Sollte es hart auf hart kommen, könnte das Militär eine entscheidende Rolle spielen.

Wie auch immer die Wahlen ausgehen, steht eines jedoch fest: „Man kann die Sozialprogramme von Chavez nicht wegnehmen. Die politischen Kosten wären zu hoch“, sagt Juan Guerra, ein ehemaliger Zentralbankvertreter und Berater von Herausforderer Capriles. Die Bürger empfänden das als einen guten Weg, um am Ölreichtum des Landes teilzuhaben.

Das folgende Video hat The Guardian veröffentlicht.

Siehe auch:

Die Trauerfeier  und

„Vaya con dios, Hugo Chávez – mi amigo…“ 

Update: Ex-Berater: „Maduro wird ein schwacher Präsident“

Update: UN-Vollversammlung gedenkt Chavez‘

Update: Chavez  wird doch nicht einbalsamiert 

Update: Venezuela steht am Rande eines Bürgerkriegs

Update: Das dunkle Erbe des Hugo Chavez

Update: How Venezuela exploded

Update: Die gewagte Wette auf die Rettung Venezuelas