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Je suis Charlie: Für (Meinungs-)Freiheit und ein friedliches Miteinander!

Man mag die Satire schätzen oder nicht: Sie ist ein notwendiger Bestandteil der Gesellschaft, und das besonders stark im debattierfreudigen Frankreich. Sie überzeichnet, oft bitterböse, und macht damit auf Fehlentwicklungen aufmerksam. Und sie ist Bestandteil des Wichtigsten, was Menschen haben können: der Freiheit.

Der Charlie Hebdo ist ein Magazin, das Satire nicht einseitig verbreitet. Nicht nur der Islam – genauso das Christentum – die nationale und internationale Politik; alles nimmt er mit spitzer Feder auf’s Korn. Dies völlig werbefrei, denn Inserenten üben regelmäßig erheblichen Druck auf die Medien aus, damit ihre Botschaft im „richtigen“ Umfeld erscheint. Nicht käuflich zu sein bezahlen Medienschaffende weltweit sehr schnell mit persönlichen Konsequenzen: Sie sind ständig in Gefahr, ihre Arbeit zu verlieren und in vielen Ländern auch ihr Leben. In dem Teil der Welt, der sich „freier Westen“ nennt, ist letzteres eher selten der Fall. Das heißt aber nicht unbedingt, dass wir deshalb von Medien informiert werden, die von völliger Meinungsfreiheit profitieren:

Da ist die Angst der Herausgeber vor finanziellem Ruin durch Ausbleiben der Werbeeinnahmen. Da ist die Eitelkeit der Chefredakteure und Ressortchefs, die sich gern vorzüglicher Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern rühmen. Und da ist die Angst der einfachen Journalisten, Gehalt und Altersversorgung zu verlieren: Angesichts einer hohen Zahl bestens ausgebildeter Medienmacher und ständig abnehmender „sicherer“ Arbeitsplätze ist sich jeder Journalist darüber im Klaren, dass er nicht einmal mehr über den berühmten Kaninchenzüchterverein schreiben wird, wenn er nicht spurt – und zwar nicht nur im „eigenen“, sondern auch in allen anderen Medien.

So werden unsere „seriösen“ Medien instrumentalisiert – oft ganz subtil, wenn nötig aber auch knallhart. Wir können es zurzeit bestens am Ost-West-Medienkrieg beobachten. Wer genau hinschaut, sieht es aber auch bis hinunter zur Ortsebene: Bei missliebiger Berichterstattung lernt jeder Journalist Wirtschaft und Politik von ganz neuen Seiten kennen und kann in den seltensten Fällen auf Rückendeckung aus dem eigenen Hause hoffen. Vor diesem Hintergrund bekommt der Satz des  Charlie-Chefredakteurs und Zeichners Stéphane Charbonnier eine noch tiefere Bedeutung, als er ohnehin schon hat: „Ich sterbe lieber aufrecht, als auf Knien zu leben“.

Nur mit Idealismus und Konsequenz kann es ein solches Blatt schaffen, rein über den Verkauf auf dem Markt erfolgreich zu sein. Leser auf der ganzen Welt wissen Wahrheit zu schätzen. Satire ist eine Möglichkeit, diese mit einem gewissen Maß an Narrenfreiheit auch auszusprechen.

Wenn wir diesen Gedanken konsequent weiter verfolgen, liegt ein Verdacht sehr nahe: Die Menschen in Europa wollen mehrheitlich keinen Krieg. Sie wollen in Frieden leben, ihren Wohlstand sichern und sind bereit, Andersdenkende zu tolerieren. Die Mehrheit der politisch und religiös anders Denkenden sehen das genauso: Sie verbreiten ihre Meinung, aber sie tun es friedlich.  Das gilt auch für die Mehrheit der Muslime: Sie wissen, dass sie im Grundsatz den selben Gott haben, den auch die Christen anbeten – und dass auch der Koran verlangt, den Nächsten zu lieben.

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Religion ist eine der stärksten Kräfte, die Menschen steuern können. Was liegt also näher, als sie zu nutzen, wenn man Menschen in gewünschte Richtungen bewegen will? Wir kennen das nicht nur im Islam. Wir kennen es ebenso im Christentum. Wir sehen rund um den Globus, wie Menschen aus wirtschafts- oder einfach machtpolitischen Gründen manipuliert werden. Edward Snowdens Dokumente, deren Inhalt man getrost auch auf andere Nationen übertragen kann, haben das nicht erst zutage gefördert, sondern nur erstmals in diesem Ausmaß belegt wie sehr politisch Führende die Menschen überwachen und manipulieren.

Wenn man nun die Trägheit Europas in Bezug auf bewaffnete Konflikte, seine Zentriertheit auf die Sicherheit des Euro und den abnehmenden Wohlstand der Einzelnen betrachtet, dazu die eher gemäßigte Wortwahl der Medien und die zaudernden Regierenden, liegt es nahe zu vermuten, dass der Anschlag in Paris ein ganz konkretes Ziel hatte: Es sollen Fronten geschärft und Feindbilder intensiviert werden. Wie macht man das am besten? Man greift die Medien selbst an, denn dann werden alle ganz laut schreien. Genau so ist es am Tag des Attentats auch gekommen: Die Medien blasen zur Verteidigung der Meinungs- und Pressefreiheit, drehen den Spieß Richtung Politik: Alle sollen jetzt ihre Werte bekennen, von der Kanzlerin bis zur Putzfrau.

Der Anschlag in Paris war eine Splitterbombe, deren Wirkung auf das Miteinander verschiedener Kulturen in der Heimat von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sowie all seiner Verbündeten noch gar nicht absehbar ist.

Lassen wir uns nicht zersplittern – dann wären die Menschen in Paris umsonst gestorben.

Nie, niemals dürfen wir uns auf das Niveau von Extremisten herab ziehen lassen.

Update: Presseschau: „Ein Angriff auf die Freiheit überall“

Update: „Der Gegner ist der Terrosismus, nicht der Islam“

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Update: Der neue Weltkrieg greift nach der Freiheit in Europa

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Update: „Charlie Hebdo“-Chef Charbonnier: „Lieber stehend sterben, als kniend weiterleben“

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Update: Welche deutschen Sicherheitsgesetze sich ändern sollen

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Update: So gut verkauft sich Satire in Europa

Update: Blick in die neue Ausgabe des Charlie Hebdo

Update: These countries are for freedom of speech in France but not at home

Update: The N.S.A. claims it needs access to all our phone records. But is that the best way to catch a terrorist?

Update: Milliardäre machen Zeitung – die Magie der Macht

Update: Das Testament von Charb ist eine Abrechnung

Update: Luz est libre

Update: Luz will Mohammed nicht mehr zeichnen

Update: Je reste Charlie

Update: Zeichnerin Coco ein Jahr nach dem Attentat

Update: Zwei Jahre danach ist die Zeitschrift vom Geld „vergiftet“

Ein gebrochenes Herz wird weitere Herzen brechen – es kann nicht anders …

Teil drei meiner kleinen Reihe über Männer, in die frau sich besser nicht verliebt, ist eine Geschichte, die, wie ich glaube, jedem Mann und jeder Frau passieren kann. Nur sind ihre Folgen mörderisch: Wenn erstmal eine unüberwindbare Firewall um ein Herz liegt, riskiert der Mensch, der es trägt, an Einsamkeit zu sterben. Und das, obwohl er nie etwas anderes wollte, als zu lieben und geliebt zu werden.

Er hat die schönsten blauen Augen unter Gottes Sonne – oh ja, die hat er. Sehr groß sind sie, manchmal schimmern sie grünlich, manchmal wie das Meer im Sonnenlicht. Drumherum lange schwarze Wimpern und darüber sensible, schwarze Augenbrauen … Er weckt Zärtlichkeit bei Frauen, und das macht ihn ungelenk und ärgerlich. Er hat eine ganz klare Erklärung, warum alles so gekommen ist: Sein Körper ist schuld. Er ist ein großer Mann: 2,03 Meter. Und jetzt, mit 50, ist er auch ein schwerer Mann: Er wiegt 140 Kilo. Das ist so, weil er seinen Schmerz mit viel Wein betäubt und und mit viel gutem Essen erstickt hat.

Er kommt aus einer alten Steigerfamilie im Pott. Seine Geburt machte seine Eltern unglaublich glücklich; hatten sie doch nach drei Totgeburten fast den Mut verloren. So waren sie eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft. Als die Zeche schließen musste, schulte der Vater um und wurde Dreher in einer Fabrik. Diesen Beruf erlernt auch er – zunächst einmal, denn ein Mann muss etwas solides gelernt haben. Aber er erkennt früh, dass die Arbeit in der Fabrik zwar das tägliche Brot sichert, mehr allerdings nicht. Und er willl mehr: Er will raus aus NRW, raus aus dem Mief. Er will nach Süden, in die Berge – in die Schweiz. Deshalb bildet er sich weiter zum Betriebswirt und geht in den Vertrieb – im Maschinenbau. Fortan trägt er statt des Blaumanns Anzug.

Und noch etwas will er unbedingt: Er möchte Kinder haben. So viele wie möglich. Zusammen mit einer Frau, der er treu sein kann bis in den Tod. So wie es schon in der Bibel steht: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei…  Er glaubt an Gott, er betet regelmäßig und besucht zweimal wöchentlich den Gottesdienst.. Die Familie ist  Mitglied der Neuapostolischen Kirche. Der Tag, an dem sein Vater morgens tot im Bett lag, war furchtbar. Er machte die Mutter zu einer jungen Witwe und den Sohn zu ihrer ganzen Familie. Das will er ändern, unbedingt.

Er ist 30, als er sich mit Leib und Seele verliebt. Sie ist einige Jahre älter als er, entzückend zierlich, und sie hat aus erster Ehe zwei Kinder, die er auf Anhieb in sein Herz schließt. Mit großem Ernst und ganz weit geöffnetem Herzen bittet er um ihre Hand. Sie sagt ja – der Himmel leuchtet. Sie heiraten in seiner Kirche, und er verspricht, ihr treu zu sein, bis dass der Tod sie scheidet. Er tanzt mit ihr den Hochzeitswalzer, hält sie in seinen starken Armen und ist einfach nur glücklich.

Am Tag nach der offiziellen Hochzeitsfeier haben sie eine Nachfeier für die Helfer in ihrer neu eingerichteten, ehelichen Wohnung. Er ist unglaublich stolz, hilft bei der Bewirtung der Gäste und plaudert fröhlich. Als er die Küche betreten will, um Nachschub zu holen, hört er seine Ehefrau leise mit ihrer Freundin sprechen und bleibt außer Sichtweite stehen. „Ich will keine Kinder mehr,“ hört er sie sagen. „Er weiß es nicht, und er wird es auch nicht erfahren.“

Er fühlt eine eisige Klammer, die sich um sein Herz schließt. Sagt das die Frau, der er gestern das Ja-Wort gegeben hat?

Hoffen auf die Macht der Liebe

Er wird sie niemals auf diese Begebenheit ansprechen. Er wartet ab, hofft auf Gott und die Macht der Liebe.  Sie hat vor Gott geschworen, dass sie ihr Leben  mit ihm verbringen will. Sowas sagt man doch nicht einfach so.

Sie machen eine Hochzeitsreise auf eine kleine Nordsee-Insel. Es ist wie im Traum: Die Sonne strahlt, das Meer ist tiefblau, sie gehen Hand in Hand, während die Kinder um sie herum spielen, und er erzählt ihr von seinen Träumen. Sie lächelt ihn an und umarmt ihn – er ist bereit, zu glauben, dass diese Sache in der Küche nie stattgefunden hat.

Er arbeitet viel, er will voran kommen. Er will ihr doch ein Chalet bauen in der Schweiz. Sie soll Angestellte haben, damit sie die Kinder nicht als Last empfindet. Er steigt beruflich auf, wird Verkaufsleiter Westeuropa in seiner Firma. Zuhause läuft es so lala. Wenn er abends heimkommt, sind die Kinder meist schon im Bett. Seine kleine Frau wird zunehmend mürrischer. Immer öfter liegt er nachts neben ihr wach, sehnt sich nach ihrer Zärtlichkeit und erlebt sie als unerreichbar. Zwei Jahre nach der Hochzeit wird sie deutlich: „Lass mich in Frieden, du grober Klotz. Ich will keinen Sex mehr mit dir.“

Eisern hält er durch. Er hat Treue geschworen, und was man schwört, hält man auch. Außerdem liebt er sie – noch genauso wie am ersten Tag.

Aber es wird nicht mehr besser. Wenn er heimkommt und sie umarmen will, beschimpft sie ihn. Einmal ist sie so ordinär, dass er zuschlägt, spontan und ohne nachzudenken. Sie fällt zu Boden, steht wieder auf und sagt: „Jetzt hast du deinen wahren Charakter gezeigt. DU wirst mich nie mehr berühren.“ Er ist bleich vor Reue, flüchtet in die Kirche, betet, benimmt sich fortan vorbildlich. Aber die Frau neben ihm gibt sich nun keine Mühe mehr, ihre Verachtung zu verbergen.

Als er 35 ist, wird er geschieden. Er konnte es einfach nicht mehr ertragen.

Er mietet eine nette kleine Wohnung mit Arbeitszimmer und Terrasse am Waldrand und legt seine ganze Energie in die Karriere. Er verdient immer besser, sein Ehrgeiz ist groß. Er fährt nun einen großen BMW als Firmenwagen – ideal für seine langen Beine. Hinter seinem Schreibtisch im Büro hängt ein Chagall. Er versucht, nicht mehr an seine Frau zu denken, was nicht einfach ist, weil er sie immer mal wieder beim Einkaufen trifft. Er geht wieder in den Club zum Tanzen. Er tanzt gern und auch gut, und er ist ein stattlicher Mann, frau fühlt sich klein, schön und gut beschützt in seiner Nähe. An Tanzpartnerinnen fehlt es ihm nicht. Wenn er wollte, könnte er jedes Wochenende eine andere mit nach Hause nehmen. Er will aber nicht. Er will auch nicht sehen, was er in den Herzen einiger Verehrerinnen angerichtet hat.

Drei Jahre nach der Scheidung lernt er eine neue Frau kennen. Sie ist 1,79 Meter groß und eine Schönheit. Trotzdem wirkt sie schüchtern und schutzbedürftig. Sie freut sich über seine zurückhaltenden Freundlichkeiten, und bald werden die beiden ein Paar. Sie leben schon sechs Monate zusammen, als sie ihm ihre wahre Neigung gesteht: Sie ist extrem submissiv, braucht Demütigungen, um sich wirklich geliebt zu fühlen. Er, der doch eigentlich seine Frau lieben, beschützen und ehren will, ist schockiert, aber auch entschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Sie werden Mitglied in einem BDSM-Club, wo er sich sich qualifiziert zum DOM ausbilden lässt, denn er will ihr gerecht werden, ohne ihr zu schaden.

Er stellt fest, dass ihm die Rolle liegt; gibt sie ihm doch auch Sicherheit: Er ist ihr dominantes Gegenüber; sagt, wo es lang geht. Sie schließen einen 24/7-Vertrag, der regelt, wie sie miteinander umgehen. Beide halten sich genau daran. Das schönste auf der Welt für ihn ist, wenn die Bestrafungen und Demütigungen zuende sind, er sie retten und in den Arm nehmen darf.  Trotz ihres speziellen Sexlebens schotten sie sich nicht von „Normalos“ ab: Sie gehen weiter tanzen, pflegen einen kleinen Freundeskreis, und auch seine Mutter versteht sich mit seiner Freundin gut. Heiraten ist allerdings kein Thema für ihn: Er hat schon Treue geschworen, das kann er nicht ein zweites Mal tun. Kinder stehen auch nicht zur Debatte: Er weiß nicht, wie sich das mit ihrer BDSM-Beziehung vereinbaren soll.

Sieben Jahre sind sie zusammen, als seine Sklavin ihm den Schock seines Lebens verpasst: Sie hat im Club einen Polizisten gesehen und schreibt in ihrem Tagesbericht, dass sie gern einmal Sex mit ihm hätte. … Er stellt sie zur Rede, unterzieht sie einer strengen Bestrafung. Aber sie bleibt dabei: Sex sei doch nicht mit Liebe zu verwechseln. Er könne schließlich alles kontrollieren, auf Wunsch auch beobachten.

Nein, das erträgt er nicht.

Noch am selben Abend wirft er sie aus der Wohnung.  Sie wird nie wieder über die Schwelle treten.

In der Firma bietet man ihm eine große Herausforderung an: Er soll ein neues Geschäftsfeld planen und entwickeln, unter Berücksichtigung modernster  Managementkriterien. Er bekommt einen völlig neuen Vertrag, einen großen Mercedes und ein üppiges Gehalt. Der Vertrag ist zunächst auf ein Jahr datiert.

Er stürzt sich begeistert in die Arbeit, konzipiert den Vertrieb, schult Mitarbeiter, legt durchdachte Programme zur Gewinnoptimierung vor.

Aber als das Jahr zuende ist, erklärt man ihm, die Lage im Maschinenbau sei derzeit so unsicher, dass man das Projekt leider auf Eis legen müsse. Sein Vertrag könne deshalb  nicht verlängert werden. Da ist er 44 – und steht vor der Tür.

Kämpfen um den Lebenstraum

Er kämpft um seinen Lebenstraum: Er bewirbt sich in ganz Europa – sogar in Ostdeutschland, wo er eigentlich absolut nicht leben will. Er hat zahlreiche Vorstellungsgespräche – aber es gibt immer irgendein Problem, das eine Anstellung verhindert. Er fühlt sich entsetzlich allein, vermisst eine Frau, SEINE Frau an seiner Seite. Die hat inzwischen nicht nur wieder geheiratet, sondern auch noch zwei zusätzliche Kinder bekommen …

Er bleibt sehr diszipliniert. Auch ohne eine Anstellung zieht er jeden Morgen seinen Anzug an und arbeitet zu festen Zeiten in seinem Arbeitszimmer, wo er über eine perfekte technische Ausrüstung verfügt. Nach dem Abendessen trinkt er Wein und sucht im Internet nach Ansprechpartnerinnen. Im Frühjahr meldet sich in einer Kontaktbörse an – Nickname Natter. Nach langem Nachdenken beginnt er einen täglichen Chat mit „Lady.“

Der Chat entwickelt sich schnell zu einer Freundschaft. Lady ist selbstständig und arbeitet auch in einem Büro. Sie gewöhnen sich an, den ganzen Tag online zu sein, sich quasi gegenseitig den fehlenden Kollegen am Schreibtisch gegenüber zu ersetzen. Sie beraten sich gegenseitig in beruflichen Fragen – und irgendwann ist er bereit, auch mal kurz mit ihr zu skypen. Er sitzt im Anzug an seinem Schreibtisch, sie im Kleid an ihrem. Als sie zum ersten Mal in seine unglaublichen Augen sieht, ist sie sprachlos – was sonst selten vorkommt. Ihre braunen Augen versinken in diesem unglaublichen Blau – und sie will von diesem Tag an nur noch eines: Ihn persönlich kennen lernen. Er reagiert spöttisch und überlegen: Mit weiblichen Winzlingen (sie ist 1,66 Meter groß) gebe er sich nicht ab. Aber in seinem Herzen regt sich scheu eine kleine Hoffnung.

Sie unterhalten sich über seinen Glauben und über ihren – sie reden über Grenzwissenschaften und außersinnliche Wahrnehmungen. „Meine Oma hat in der Kirche immer eine Frau sitzen sehen, die schon seit Jahren tot war,“ erzählt er. „Sie brauchte die Hilfe eines Apostels, um davon befreit zu werden.“ „Kann ich mal mitgehen in deine Kirche?“ fragt sie und bekommt Sekunden später einen Link: „Da ist die Anschrift der NAG in deinem Ort. Geh erstmal da hin.“

Als es Herbst wird, hat er darüber nachgedacht. Er schreibt ihr eine ganz kurze Mail: „Ein Treffen ist möglich“, steht da.

Ihr Herz will jubeln, aber es wird bleischwer. Jetzt muss sie Farbe bekennen. Mittlerweile kennt sie seine Lebensgeschichte, weiß von seiner gescheiterten Ehe und der Sklavin. Aber sie selbst hat ihm nicht gesagt, dass sie verheiratet ist. Verheiratet und nicht geschieden. Er ist der wertvollste Mensch in ihrem Leben geworden, ihr Vertrauter, ihr Freund und der Mann, mit dem sie sich eine glückliche gemeinsame Zukunft vorstellen kann. Sie darf ihm nicht weh tun. Sie darf ihn nicht belügen – sie weiß, dass er das nicht ertragen würde. Aber sie hat entsetzliche Angst, ihn zu verlieren, wenn sie die Wahrheit sagt.

Am Vorabend des Treffens – sie wollen an einem neutralen Ort ein Eis essen gehen, weiß sie, dass sie nun handeln muss. Sie ruft ihn an und sagt ihm die Wahrheit. Er legt auf ohne ein weiteres Wort.

Sie fühlt sich, als müsse sie sterben. Stunden später ruft sie nochmal bei ihm an. Auch seine Stimme zeigt: Er ist am Boden. „Wir können Freunde sein,“ sagt er. „Aber sehen werden wir uns nie.“ Sie stimmt zu – sie hätte allem zugestimmt, wenn sie ihn nur nicht verliert.

Sie setzen ihre täglichen Gespräche fort und erwähnen das gescheiterte Treffen nicht mehr. Sein Leben entwickelt sich langsam zur Katastrophe. Nach einem Jahr ohne Job verliert er das Arbeitslosengeld. Er löst seine Wohnung auf, lagert die Möbel ein und zieht ins Gästezimmer zu seiner Mutter. Er bewirbt sich nun auf alles, was ihm vor die Augen kommt – auch als Dreher. Noch einmal keimt Hoffnung auf: Er findet eine Arbeit als normaler Mitarbeiter im Vertrieb: Wieder Maschinenbau. Und er muss 90 Kilometer von seiner Wohnung zur Arbeit fahren. Er nimmt es auf sich – er würde nie fortziehen ohne seine Mutter. Aber dann müsste er sicher sein, dass er die Arbeit auch behält.

Seine Intuition hat ihn nicht getäuscht: Elf Monate, nachdem er in der neuen Firma angefangen hat, wird er zusammen mit einem Schwung weiterer Mitarbeiter entlassen: Die Lage im Maschinenbau ist katastrophal, es gibt kaum noch Auftragseingänge, Aussicht auf Besserung besteht nicht.

ES

Sie versucht, ihm Mut zu machen, legt ihm auf seinen Wunsch hin sogar die Karten – aber es wird nicht mehr besser. Er versucht, möglichst nicht mit ihr zu skypen – es schneidet ihm ins Herz, wenn er bemerkt, wie glücklich es sie macht, in seine Augen zu sehen – und es macht ihn krank, dass sie immer wieder darum bittet, doch wenigstens einmal mit ihr Eis essen zu gehen. Er hat seinen Standpunkt klar gemacht – und basta.

Er macht sich selbstständig. Auf seiner Homepage bietet er sich als Interim-Manager an, vermittelt außerdem gebrauchte große Industriemaschinen und Kredite. Er wird Mitglied in den großen Online-Berufsnetzwerken. Hier läuft ihm auch – scheinbar – die Chance seines Lebens über den Weg: Eine britische Investorengruppe, die Unternehmen in Not gegen Provision über Kredite die Handlungsfähigkeit erhält, will sich auf das Festland ausdehnen. Man bietet ihm die Generalvertretung für die Schweiz an. Kann es sein, dass er doch noch eine Chance bekommt, seinen Traum zu leben? An seinen persönlichen Engagement soll es nicht scheitern. Nach einigen Wochen der Einarbeitung geht es los. Hier ist seine imposante Erscheinung ebenso wie sein direktes Auftreten durchaus ein Vorteil. Ein Festgehalt bekommt er nicht, aber es winken satte Provisionen.

Ihr schwant nichts gutes, als sie von der Übereinkunft hört. Aber sie sieht auch, dass er definitiv keine Wahl hat. Ein paarmal ist es schon gut gegangen, Kunden konnten sich über hohe Kreditsummen freuen, die ihnen keine Bnak mehr bereitgestellt hätte. Aber dann läuft alles auf einmal schief. Er trifft sich mit US-Investoren in einem Hotel und nimmt die vereinbarte fünfstellige Vorausleistung in Empfang. Nur: Die Amerikaner sehen die vereinbarte Kreditsumme nie – und die britische Investorenguppe mit dem klangvollen Namen verschwindet von der Bildfläche.  In der öffentlichen Meinung bleibt er übrig als betrügerischer Kreditvermittler. Das ist das Ende seiner weißen Weste.

Herz für immer versteinert

Er fühlt sich wie bei einer Drückjagd: Von der Hundemeute ins Dickicht gedrängt, das seinen letzten Schutz vor dem Blattschuss darstellt. Er schämt sich dermaßen, dass er sogar ihr, der besten Freundin, die Blamage nicht mitteilen will – sie liest per Zufall darüber im Netz. „Schau,“ sagt sie – „auch wenn man die ehrlichsten Absichten hat, können sich die Dinge ganz furchbar falsch entwickeln – so wie bei mir und der Tatsache, dass ich verheiratet bin.“ Und wieder bittet sie ihn aus tiefstem Herzen, ihr doch ein einziges Mal zu erlauben, mit ihm eine Tasse Kaffee oder Tee zu trinken. Er reagiert wütend, will das nicht schon wieder diskutieren. Da rastet sie aus: Sie erfindet freihändig eine Geschichte, was sie unternehmen werde, wenn sie die Sehnsucht nach ihm schlicht nicht mehr aushält – und schildert die Dinge ausführlich in buntesten Farben. So sehr redet sie sich in Rage, dass sie sein Schweigen gar nicht bemerkt. Bis es ihm reicht. Er legt auf.

Er hat nie wieder abgenommen. Es war sein letzter Versuch, noch rechtzeitig eine Frau zu finden, die er lieben, ehren und mit der er hätte Kinder zeugen können. Wenn er sich nach Sex sehnt, besucht er fortan einschlägige Foren im Netz und verschafft sich körperlich Entlastung. Eine Anstellung hat er nicht mehr gefunden. Aus den Berufsnetzwerken ist er ausgetreten, seine eigenen Sites hat er gelöscht. Seine Telefonnummer hat er mehrfach gewechselt.

Der Teil seines Herzens, der nicht zu Stein geworden ist, konzentriert sich auf die Mutter, die wie sein ganzes Leben über, voll und ganz hinter ihn stellt. Gemeinsam mit ihr zu kochen, macht ihm großen Spaß – und er liebt ihre wundervollen Sahnetorten. Die Schweiz meidet er nun wie die Nordsee mit der kleinen Insel. Eine Partnerin sucht er nicht mehr. Die Briefe der Chat-Freundin, die auch nach Jahren noch bei ihm eintreffen, wirft er ungelesen weg.

Nie, niemals wieder, wird er einer Frau sein Herz öffnen.

Siehe auch:

Leben als Soziopath: „Das schlimmste war: Ich konnte absolut nichts fühlen“

Nie wieder verletzt werden: Ein Blick ins Herz eines Narzissten

Der Mann meines Lebens ist ein Narzisst und die dortige Linkliste

Ich kann’s nicht etragen, nochmal zu versagen

Wenn ein Herz bricht

Kaltes Herz: Narzistisscher Missbrauch und wie man wieder auf die Beine kommt 

Von allem getrennt – sogar von sich selbst: Depression ist ein Albtraum, der nie endet

Update: Niemand überlebt die Liebe unbeschadet

Update: Loslassen macht frei – Tipps wie man das macht

Nachtrag: Aus einem Interview der Allgemeinen Zeitung Mainz mit dem Kardiologen Thomas Meinertz:

Kann man an einem gebrochenen Herzen sterben?

Meinertz: „Ja, bei einer Stress-Kardiomyopathie, dem Takotsubo-Syndrom. Gott sei Dank für diese akute Erkrankung des Herzens, die dem Herzinfarkt ähnlich ist, selten akut zum Tod. Die Stress-Kardiomyopathie besteht in einer Störung der Herzmuskelfunktion durch akute physische oder psychische Belastung. Der Stress schädigt dabei direkt die Herzmuskulatur, ohne dass die Herzkranzgefäße betroffen sind – im Gegensatz zum Herzinfarkt, bei dem die Herzkranzgefäße eingeengt oder verschlossen sind.

An gebrochenem Herzen kann man durch einen plötzlichen Herztod, also rasche Rhythmusstörungen, oder Kammerflimmern, aber auch durch eine Herzmuskelschwäche sterben.“

 

Nie wieder verletzt werden: Ein Blick ins Herz eines Narzissten

Dies ist der Beginn einer kleinen Reihe von Geschichten über Männer. Über Männer, die eines gemeinsam haben: Sie ziehen eine Spur gebrochener Frauenherzen hinter sich her – und sehen sich doch selbst als Opfer. Sie alle erlebten narzisstische Kränkungen, die sie so sehr verletzten, dass sie für den Rest ihres Lebens nicht mehr bereit sind, Nähe zuzulassen. Dieser erste, erschütternde Fall ist auch gleichzeitig der mit den stärksten persönlichen Dramen. Er könnte glatt für ein Drehbuch Pate stehen.

Es ist ein kalter, sonniger Dezembertag. Die Sonne glitzert auf dem Rauhreif an den Pflanzen. Er knöpft das Jacket seines Armani-Anzuges zu und erfreut sich am leisen Klappern seiner neuen, handgefertigten italienischen Schuhe, während er auf das Auto zugeht. Sein Geschäftspartner holt ihn persönlich ab, sie wollen den Deal von gestern nochmal unter vier Augen durchgehen. Kaum hörbar gleitet der teure Wagen die Auffahrt hinab, leise knirscht der helle Kies unter den breiten Reifen. Dann schließt sich das schmiedeeiserne Tor, sie biegen auf die mit alten Bäumen bestandene Landstraße ein. Nichts deutet darauf hin, dass dies der letzte Tag seines Lebens sein wird.

Am Vortag haben sie das Geschäft des Jahrhunderts gemacht: Modernste Sicherheitstechnik in satt siebenstelligem Wert hat einen Global Player überzeugt. Folgegeschäfte winken. Was für ein Coup! Seine dunklen Augen blitzen. Er ist stolz auf sich.

Das letzte, was er sieht, ist ein dunkler Mercedes, der mit hoher Geschwindigkeit den ihnen entgegenkommenden Kleinwagen überholt. Dann wird es dunkel.

Bizarr seine nächsten Wahrnehmungen: Ein Team von Notärzten und Schwestern, kümmert sich hektisch um einen reglosen Körper, den er als den Seinen identifiziert. Er springt herzu, redet auf die Ärzte ein – und staunt, als er feststellt, dass die ihn gar nicht bemerken. Er schaut sich den Körper an und ist entsetzt: Kein Knochen mehr heil, Blut überall, die Atmung setzt aus, das Herz steht still…

Klinisch tot – und sehr lebendig

Er findet sich am Eingang eines Tunnels wieder, will schon hineingehen, als ihn ein prächtig gekleideter Mann anspricht. „Du musst nicht gehen“, sagt der, und hebt an, wortreich einen Plan dazulegen. Dummerweise ist sein Pferdefuß gut zu erkennen – nö nö.

Der Tunnel endet in einer Drehtür. Dahinter wartet warmes, helles Licht und ein unglaubliches, nie gekanntes Gefühl,  geliebt und angenommen zu sein. So hat er sich immer das Glück vorgestellt… das gibt es also wirklich. Er entspannt sich, sein Herz wird weit. Ätherische Gestalten sind in dem Licht unterwegs – irgendwie androgyn und in Pastelltönen schimmernd. Er kann nonverbal mit ihnen kommunizieren, aber so weit ist er noch nicht: Er will erst diese wunderbare neue Welt in allen Farben in sich aufnehmen.

Was ist das? Eine der Gestalten kommt mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu. Er erkennt seinen verstorbenen Vater. Brüsk wendet er sich ab. Nein. Er wird diesem Mann niemals verzeihen.

Schnell will er weiter gehen in dieses Licht, die Schatten für immer hinter sich lassen,  blühen im Wissen, geliebt zu werden. Aber eine machtvolle Stimme bremst ihn aus: „Du kannst hier noch nicht bleiben, du hast noch eine Aufgabe. Geh zurück. Ich gebe dir genau 21 Jahre Zeit.“

Er erwacht in eisiger Panik. Er ist eingesperrt in seinem zerschmetterten Körper, unfähig, sich zu bewegen, unfähig, sich zu fühlen, unfähig, sich mitzuteilen, aber voll und ganz bei Bewusstsein. Ja mehr noch: Er hat im Vergleich zu vorher eine gesteigerte Wahrnehmung. Als der Arzt an sein Bett tritt, hört er ihn denken. „Wachkoma. Ob der wohl jemals wieder zu sich kommen wird?“

Einige wenige Male bekommt er in den kommenden Wochen Besuch. Seine Mutter sitzt an seinem Bett, mustert ihn von Kopf bis Fuß mit kalten Augen. Er hört sie darüber nachdenken, wie sie wohl Zugriff auf sein Vermögen nehmen kann.

Sie wird nicht wieder kommen. Seine Schwester lässt sich gar nicht erst blicken.

Auch seine Frau ist einige Male da. Seine Frau, mit der er nicht nur fast 20 Jahre seines Lebens geteilt hat, sondern auch die Firma und alles Geld. Die Frau, deren Loyalität er  nie infrage gestellt hat: Sie gehört zu ihm und hält ihm den Rücken frei, damit er den Luxus erwirtschaften kann, in dem sie lebt, das ist der Deal.  „Das hast du jetzt davon,“ hört er sie denken. „Immer warst du der Schönste, der Beste, der Erfolgreichste. Dein ganzes Leben war wie eine Windmühle: Immer hast du dich nur um dich selbst gedreht. Nichts, aber auch nichts hast du gemerkt. Nicht, wie ich geweint habe, weil wir keine Kinder bekamen, nicht, wie ich mich immer mehr von dir entfernt habe – und nicht, wie ich dir entglitten bin in die Arme eines Mannes, der mich wirklich sieht…“

In seinem toten Körper gefriert das Blut. Er denkt an ihre Hochzeit, hört Elvis singen. Seine Augen schauen scheinbar blicklos nach vorn, aber in ihm schreit es und weint. „Du hast es geschworen: In guten, wie in schlechten Tagen. Ich war dir treu – vor lauter Arbeit hatte ich gar keine Zeit für Affairen. Und du, was machst du? Du wirst mich hier  verrecken lassen!“

Sie berührt ihn nicht nicht, sieht ihn kaum an. Sie sitzt ruhig an seinem Bett und denkt an IHN, an den ANDEREN.

Bald hört sie auf, ihn zu besuchen.

Er ist allein.

Mutterseelenallein.

Von allen verraten.

30-08-2014 22-44-09

Seine Gedanken gehen zurück zu dem schmächtigen, leisen Jungen, der er einst war. Gehänselt und gequält von den Klassenkameraden, immer wieder verprügelt vom Vater. Er war hoch intelligent, stellte schon im Vorschulalter die „falschen“ Fragen, wollte nur gehorchen, wenn er die Gründe verstand. Früh entwickelte er einen Sinn für Geschäfte, handelte auf dem Schulhof mit allerlei Nützlichkeiten. Freunde hatte er nicht.

Zuhause war er ein Außenseiter. Wenn die jüngere Schwester wieder einmal auf den Knien des Vaters schaukelnd Geschenke erbettelte, bestrich er die Klinke ihres Zimmers von unten mit Farbe, legte tote Mäuse unter ihr Bett. Wenn die Schwester Besuch bekam, musste er deshalb immer aus dem Haus – man schob ihn ab zu den Großeltern. Begehrte er auf, schlug ihn der Vater zusammen: „Du Bastard! Woher hast du eigentlich diese schwarzen Augen? Du bist doch gar nicht mein Sohn!“ … Wie er ihn hasste, diesen schmerbäuchigen Mann mit dem schütteren Haar – und wie verraten er sich fühlte von der Mutter, die dem Geschehen mit kalten, grauen Augen beizuwohnen pflegte…

Wäre Oma nicht gewesen, hätte er diese Jahre nicht überlebt, da ist er sich sicher. Sie war ein uneheliches Kind gewesen, erst durch die Heirat mit dem Großvater „ehrbar“ geworden, und sie zahlte lebenslang teuer dafür: Ihr Mann behandelte sie wie eine Dienstbotin. Sie verstand das Außenseiter-Lebensgefühl ihres Enkels, fütterte ihn mit Liebe, Kuchen und klugen Gesprächen, wärmte sein kaltes Herz und hielt ihn manchmal in ihren Armen.

Als er in die Pubertät kam, verschlimmerte sich die Lage weiter. In der Schule unterfordert, begann er, den Unterricht zu stören. Nach Strafmaßnahmen einer Lehrerin sorgte er dafür, dass deren Auto nach wenigen Fahrtkilometern in Brand geriet. Die Prügeleien seines Vaters weckten Mordlust in ihm.

Das Plakat an der Bushaltestelle rettete ihn. Unter einem großen Foto stand: „Lerne Jeet Kune Do – den großen Weg der abfangenden Faust“.

Das Dojo wurde seine zweite Heimat. Er trainierte konsequent, mit großer Disziplin, nahm die Lehre in sich auf wie ein trockener Schwamm. Nun endlich fühlte er sich unter Gleichen, ohne sich gleich mit ihnen verbrüdern zu müssen. Sein nun hoch aufgeschossener, hagerer Körper streckte sich, er versuchte nicht mehr, den lodernden Blick seiner dunklen Augen zu verstecken.

Mit 16 auf eigenen Füßen

Er war 16, als er endlich seinem Vater die Stirn bot. Das Szenario war nichtmal spektakulär: „Wenn du noch einmal Hand an mich legst, töte ich dich,“ sagte er mit flacher Stimme und kaltem Blick. „Raus!“ Die Antwort des Vaters, dessen flackernder Blick und das leise Verschwinden der Mutter befriedigten ihn tief. Erhobenen Kopfes verließ er das Haus, um es nie wieder zu betreten.

Mit dem Zug kam er in Hamburg an – die Reeperbahn war sein Ziel. Sein billiges möbliertes Zimmer bewohnte er nicht lange: Er verstand es, sich bei den Huren nützlich zu machen, und die nahmen ihn in ihre Obhut. Sie besorgten ihm auch die Arbeit, die ihn endgültig frei machen sollte: In einer Gaststätte avancierte der kluge Junge, der genau wusste, wann er reden sollte oder zu schweigen hatte, schnell zur rechten Hand des Chefs. In dem Jahr Auszeit von der Schule schaffte er es, 100 000 Mark für sich selbst zu erwirtschaften – genug für den Schulabschluss und als Grundstock für seine neue Leidenschaft: Wetten auf dem Forex-Markt.

Seine Karriere war schnell und steil: Zum Informatik-Studium fuhr er im BMW vor. Die Trainée-Phase danach wusste er geschickt abzukürzen: Er bot an, sechs Monate gratis zu arbeiten – wenn man ihn anschließend zu seinem reellen Wert bezahlen würde. Er konnte es sich leisten – der gute Schnitt im Devisenhandel machte es möglich. Da kannte er seine spätere Frau schon, wusste, dass er sie und keine andere an seiner Seite haben wollte. Zur Hochzeit spielte Elvis – und er führte sie ins eigene große Haus. Es war klar, was ihre Rolle sein würde: Sie würde dieses Haus, die Angestellten, seine Garderobe, die geselligen Veranstaltungen managen, er würde das Geld herbei schaffen.

Sie leistete ihren Part zu seiner vollsten Zufriedenheit. Auch wenn er sich zum fünften Mal am Tag umkleidete, war die Reihe seiner Maßanzüge, Hemden und Krawatten perfekt geordnet, auch wenn er kurzfristig ein Abendessen für ein Dutzend Geschäftspartner im Wintergarten geben wollte, war eine perfekte Menüfolge mit passenden Weinen und Spirituosen bereit. Daneben spielte sie Tennis, nahm Reitunterricht, ging begeistert mit ihren Freundinnen shoppen und plapperte gern beim Frühstück davon, so dass er dazu überging, die Börsenzeitung im Büro zu studieren. Natürlich waren sie jedes Jahr zum Skifahren in St. Moritz. Im Sommer liebte er es, mit ihr und seiner schwarzen Wolfshündin am weiten Strand von Dänemark zu joggen.

Es war doch ein perfektes Leben gewesen. Was war eigentlich so schrecklich schief gelaufen?

Auf den Tag genau 13 Monate nach dem furchtbaren Unfall und wenige Tage vor seinem 42. Geburtstag passiert es. Das Taubheitsgefühl in seinem Körper weicht schlagartig. Der einsetzende Schmerz ist so grausam, dass er schreit. Die herbei eilende Schwester glaubt ihren Augen kaum: Er ist von einem Moment auf den anderen aus dem Koma zurück in der Wirklichkeit. Und die ist wahrhaft grausam. Er braucht Morphium, um die Schmerzen überhaupt auszuhalten. Er muss mehrfach nachoperiert werden. Es folgt eine unendlich langsame, mühsame Rehabilitation. Sein Gesicht ist kaum noch wiederzuerkennen: Große und kleinere Narben haben es völlig entstellt.

Wütend kämpft er sich zurück ins Leben. Und zieht Erkundigungen ein. Die Ergebnisse sind niederschnetternd. Seine Frau hat die Firma verkauft und lebt mit dem ANDEREN in der ehelichen Villa. Sein Freund, der am Steuer des Wagens gesessen hatte, ist bei dem Unfall gestorben, die Witwe an einen unbekannten Ort verzogen. Was Mutter und Schwester tun, interessiert ihn nicht. Er ist nicht nur allein, er hat auch alles verloren. Alles.

Sein erster Weg nach dem Verlassen der Klinik  führt ihn auf den Friedhof. Lange nimmt er Abschied von dem toten Freund.

Der zweite Weg führt ihn zum Anwalt. Er beantragt die Scheidung.

Der dritte Weg führt ihn zu seinem Bankschließfach. Gott sei Dank hat er niemals jemand von diesem Traum erzählt: Etwa ein Jahr vor dem Unfall hatte er geträumt, dass er unbedingt seinen Wagen – eine 360 PS-Sonderanfertigung – verkaufen müsse. Gewöhnt, auf Träume und Vorahnungen zu hören, hatte er das auch getan – und den Erlös in Form von Goldbarren in einem Schließfach gelagert. Diese Reserve ermöglicht ihm jetzt den Neustart.

Nein, er besucht seine Frau nicht. Wozu? Damit ihm der ANDERE die Tür öffnet? Seine Befriedigung wird eine andere sein: Wie Phoenix aus der Asche wird er gesunden und reicher werden als jemals vorher. Reich und absolut unverletzlich.

„Ich werde reich und unverletzlich sein“

Er geht nach China, in ein Shaolin-Kloster. Die Mönche entwöhnen ihn von den Schmerzmitteln. Es tut ihm gut, sich harter Disziplin zu unterwerfen. Begeistert nimmt er Stück für Stück am Training teil. Es macht ihn stark für den Kampf, der ihm bevorsteht.

Tokio ist sein nächstes Ziel. Er leiht sich Geld bei Wucherern, um sich an der Börse Handlungsspielraum zu verschaffen. Zweifel plagen ihn nicht.  Binnen kürzester Zeit hat er die Summe herausgespielt und hohe Gewinne verbucht. Seine geschäftliche Intuition ist noch ausgeprägter als früher. Mit schlafwandlerischer Sicherheit erkennt er die roten Linien. Dem Gold bleibt er treu.

Sein Misstrauen ist beinahe grenzenlos. Er lebt im Haus seines japanischen Tutors, der ihn in die Gesellschaft einführt. Aber er fühlt sich ständig bedroht. Also macht er eine Ausbildung als Scharfschütze und sorgt für die nötigen Waffen. Mit seinem Bodyguard übt er sich täglich in Kampfkunst und Messerwerfen. Im Gürtel trägt er zwei Wurfsterne. Niemals betritt er einen Aufzug. Muss er verreisen, wohnt er grundsätzlich im ersten Stock des Hotels, von wo er mit Hilfe des mitgeführten Seils im Notfall entkommen könnte.

Nach vier Jahren verbissenen Arbeitens fühlt er sich finanziell stabil. Er ist nun an den Börsen Tokio und New York aktiv, hat einen ermutigenden kleinen Berg von Gold gesammelt und strebt zu neuen Ufern. Tief dankbar verabschiedet er sich von seiner japanischen Familie und reist nach Mexiko. Am Strand von Yukatan übergibt er das letzte Stück seines alten Lebens dem Meer: Er zerreißt die Scheidungspapiere in tausend Schnipsel. Er investiert ein Vermögen in ein neues Gesicht und unterzieht sich unzähligen Operationen. Nichts, aber auch nichts von der Vergangenheit soll übrig bleiben.

Er kauft einen Katamaran und lässt ihn für seine beruflichen Zwecke umbauen. Währenddessen unternimmt er Ausflüge. Am Fuß der Pyramide, kurz vor Sonnenuntergang, hört er ein Wimmern und sucht nach dem Urheber. Er findet einen Wurf Welpen, in einem Sack unter einem Stein. Alle sind tot, bis auf einen kleinen Rüden. Er nimmt ihn mit und zieht ihn eigenhändig auf.

Der Rüde entwickelt sich zu einem stattlichen Kampfhund. Ebenso wie seine jetzt vier Bodyguards weicht ihm der Hund nicht von den Fersen. Nur er darf seine Schlaf- und Arbeitskajüten betreten. Nachts, wenn er schweißgebadet aus Albträumen aufschreckt, ist der warme Körper des Tiers direkt neben seinem Bett. Der Hund darf sogar sein Gesicht lecken. Seine unverbrüchliche Liebe rettet ihn. Sie rettet ihn vor dem völligen inneren Versteinern.

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Sein Leben stabilisiert sich. Er beschließt, in Belize heimisch zu werden und kauft ein Stück Land – auf einer schmalen Landzunge, von drei Seiten von Meer umgeben. Seit seinem Unfall ist er Vegetarier, der Hund ist es auch. Nun lässt er sein eigenes Gemüse anbauen, experimentiert mit Energieversorgung aus Sonne und Wasser, mit natürlichen Baustoffen. Zum Katamaran, der immer startbereit ist, gesellt sich ein Wasserflugzeug. Den Pilotenschein macht er mit links. Nun ist der Weg nach Cayman ein Kinderspiel. Sein Misstrauen jedoch bleibt omnipräsent. Boot und Flugzeug rüstet er mit potenten Waffen aus, er selbst trägt im Gürtel stets die Wurfsterne und zeigt sein neues Gesicht nur im Notfall. Er verschafft sich mehrere Identitäten und zugehörige „Geschichten“, die sich auch googeln lassen.

Aber er beginnt auch wieder Gefallen am Leben zu finden. Er wird Arbeitgeber für die umliegenden Bauern, testet neue Wege zu mehr sozialer Gerechtigkeit, ist begeistert von der traditionellen Bambus- und Lehmbauweise, lässt Backöfen bauen, in denen er sein geliebtes Sauerteigbrot herstellen lässt. Tagsüber sieht man ihn jetzt oft im Dorf. Immer trägt er Jeans, ein weißes T-Shirt und Badeschlappen. Er hat die Existenzangt des Einzelnen als eins der größten Übel der Welt erkannt. Also entwickelt er immer neue Modelle für eine gerechtere Verteilung des weltweiten Vermögens, gründet ein Kinderheim, fördert mittellose Studenten und Projekte zu Wasserversorgung in Wüsten.

Seine Nächte verbringt er in einem fensterlosen Büro vor einer Front von Bildschirmen und kämpft gegen die Zocker der Welt und ihre Maschinen. Hier, im Haifischbecken des „echten Lebens“ agiert er hart und unbamherzig. Unter’m Schnitt macht er fast bestürzend hohe Gewinne und sieht sich mit ernsthaften Problemen konfrontiert: Wohin mit dem ganzen physischen Gold, wenn es sicher vor den sich abzeichnenden politischen Krisen geschützt sein soll? Er braucht dieses Gold, denn es sichert ihm Macht.

Je mehr Gewinne er macht, desto mehr Geld investiert er in politische Arbeit, unterstützt mal Regierungen, mal die Opposition. Er erkennt ein weltumfassendes Spinnenetz von fast unbegrenzter Macht, das die Erde beherrscht, bestehend aus wenigen Dutzend Einzelner. Er erklärt alle zu seinen Feinden.

So aktiv und lebendig fühlt er sich wieder, dass er Heimweh bekommt. Heimweh nach seiner Muttersprache, Heimweh nach dem Austausch mit weiblichen Wesen. Also meldet er sich mit extra dafür konstruierten Identitäten in Singleforen, in Facebook, in google+ und diversen anderen Foren an. Er entwickelt ein magnetisch anziehendes Erscheinungsbild, ohne jemals sein Gesicht zu zeigen. Seine hoch manipulativen Postings handeln von der Sehnsucht nach dem Meer, von Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen. Manchmal postet er Elvis – besonders rund um seinen Hochzeitstag, wenn er die tiefe Trauer um das Ende seiner Ehe nicht mehr verdrängen kann.

Frauen nur auf großen Abstand

Binnen kurzer Zeit hat er eine ganze Fangemeinde von Frauen, die sofort mit ihm gehen würden, lüde er sie denn dazu ein. Aber davon ist er weit entfernt. Er will sich austauschen, ohne jedes Risiko persönlicher Nähe. Er löst das Problem denkbar einfach, indem er jeder seiner Gesprächsparterinnen eine Rolle zuweist. Mit der Einen träumt er Sexspiele, mit der anderen verbessert er die Welt, mit der Dritten spricht er von Zeit zu Zeit über seine Ängste vor dem Fegefeuer, seine Befürchtung, dass seine Sucht nach mehr Geld und Macht ihn zu weit von Gott entfernt. Besteht eine der Frauen darauf, ihn persönlich kennenzulernen, beendet er gnadenlos den Kontakt: Dem Risiko, noch einmal verlassen zu werden, wird er sich nie wieder aussetzen.

Sein politisches Engagement bleibt nicht ohne Folgen. In der Nacht vor seinem 50. Geburtstag schlafen alle. Nur der Hund bemerkt das Boot, das am Strand anlegt und zwei schwarz gekleidete Scharfschützen ausspuckt.  So rettet der Rüde seinen Menschen, der seinerseits die Angreifer mit den Wurfsternen schwer  verletzt. Sie können flüchten, werden aber wenig später aufgegriffen. Ungerührt sieht er zu, wie sie zu Tode gefoltert werden, um ihre Auftraggeber zu verraten – und wie die Körper den Haien zum Fraß vorgeworfen werden.

Wenige Wochen später kehrt er von einem Geschäftsessen zurück und findet den Hund vergiftet vor. Den Täter kann er nicht ermitteln.

Der Schmerz ist grenzenlos – der Hass auch. Seine neue Welt und sein neues Leben sind wieder zerbrochen.

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Bei Nacht und Nebel verlässt er Belize, lebt fortan auf dem Katamaran, der nun von einem zweiten begleitet wird. Mehrfach werden sie auf hoher See angegriffen. Er ist gerüstet. Mit Granaten zerschießt er das Radar der Schnellboote, einmal tötet er auch einen der Angreifer. Sein Frustpegel steigt derart, dass er daran denkt, zurück in die Schweiz zu gehen. Seinen Pass hat er sich in all den Jahren seiner Abwesenheit durch großzügiges Sponsoring der lokalen Behördern sichern können. Aber nun wartet ein neues Problem auf ihn: Die Mutter ist gestorben. Seine Schwester will das Erbe antreten, muss dazu  wissen, ob ihr Bruder noch lebt. Die Behörden beginnen, nach ihm zu suchen und tun das höchst effizient: Mit Steuerforderungen in Millionenhöhe.

Seine ausgeklügelten Sicherheitssysteme werden immer öfter gehackt – egal, wo auf der Welt er sich aufhält, wird er innerhalb von Tagen entdeckt. Er vermutet erst die Chinesen, dann die Amerikaner hinter den Angriffen, findet trotz aller Anstrengungen keinen effizienten Weg, sich zu schützen – außer dem, sich aus dem Internet weitestgehend zurückzuziehen. Das wiederum kostet ihn die verbleibenden Gespräche mit den Frauen. Nach und nach legt er sie alle ab, ist einfach nicht mehr erreichbar. Es schmerzt nicht wirklich: Frauen wollen ohnehin nur sein Geld – das braucht er nicht nochmal.

Er wird zum Gejagten zwischen den Kontinenten dieser Erde. Nur ein Ziel ist geblieben, als er endgültig unsichtbar wird: Das Gold. Jeden einzelnen Barren will er behalten, denn Gold ist die Grundlage für Macht nach dem weltweiten Währungscrash, den er erwartet. Dann wird er mitmischen und eine neue, eine gerechtere Welt bauen. Das, so ist er nun überzeugt, ist die Aufgabe, die er lösen muss, bevor er zum letzten Mal und für immer durch die Drehtür gehen darf. Dann wird er belohnt werden mit dem Glück der unendlichen Liebe.

Gott wird ihn nicht verraten, ihn nicht dem Höllenfeuer überlassen, das weiß er genau. Jenseits des Tunnels, im Licht wird er zuhause sein.

Und er wird sich der Liebe Gottes würdig erweisen.

Ehrensache.

*

Siehe auch: Der Mann meines Lebens ist Narzisst und die dortigen, weiterführenden Links

Partnerschaft mit einem Narzissten: WIe er und wie sie die Beziehung erleben

Video mit ausführlichen, klaren Definitionen und Verteidigungsstrategien

Von allem getrennt, sogar von sich selbst

Dualseele: Die große Sehnsucht, nach Hause zu kommen

Nur Anerkennung kann den Selbsthass dämpfen

Wenn ein Herz bricht

Buch: Kaltes Herz: Narzistisscher Missbrauch und wie man wieder auf die Beine kommt 

Priscilla Presley talks about her life with Elvis

Update: Niemand überlebt die Liebe unbeschadet

Update: Ich kann’s nicht ertragen, nochmal zu versagen

Update: Donald Trump: Wie er wurde, was er ist

Update: Frederic von Anwalt, der Hollywood-Prinz

Update: Loslassen macht frei – Tipps wie man das macht

Dualseele, Zwillingsflamme, Liebe: Die große Sehnsucht, nach Hause zu kommen

Seelengefährten, Duale, Zwillingsseelen, Twin Flames – die perfekte Liebesbeziehung, das Verschmelzen mit dem Anderen zu einem vollkommenen Ganzen –  es ist eine Sehnsucht, so alt wie die Menschheit selbst. Unzählige Foren, Channelings, wunderschöne Youtube-Videos, halten diese Sehnsucht – vor allem bei Frauen – lebendig und profitieren finanziell davon. Ein Mann, der eine Frau um den Finger wickeln möchte, hat es leicht, sobald es ihm gelingt, sie zu überzeugen, dass auch er auf der Suche nach seiner Zwillingsseele ist.

Was hat es auf sich mit diesem Zwillingsflammen-Konzept? Ist es eine reine Wunschvorstellung, oder vielleicht doch mehr?

Nein, ich will hier nicht eine weitere Abhandlung zur Frage formulieren, wie, bzw. wann und unter welchen Schwierigkeiten zwei Dualseelen sich in der heutigen Zeit des Aufstiegs finden können, bzw. werden.  Oder sagen wir: nicht nur… 😉

Schauen wir zunächst auf das Prinzip hinter dem Konzept der Zwillingsseele: Es geht um die Vereinigung der männlichen mit der weiblichen Kraft. Nur wenn beide Energien zusammen kommen, entsteht ein vollständiges Ganzes. Ein perfektes Ganzes. Etwas göttliches. Etwas Gott-Gleiches.

Damit sind wir beim übergeordneten Thema: Die Heimkehr zu Gott, die Verschmelzung mit dem reinen, perfekten, universellen Einen, aus dem wir gekommen sind – das ist die Grund-Sehnsucht jeder Religion, egal nun, ob monotheistisch, in der Verehrung eines tausendköpfigen Pantheons oder in Naturreligionen aller Art. Unvollständig fühlen wir uns – fehlbar, verletzlich, schutzbedürftig, klein, allein – und sterblich. Unter dem Schutz eines allmächtigen großen Geistes wären wir das nicht mehr; vielmehr wäre unsere Zukunft hell, voller Liebe und vor allem unendlich.

Für mich ergibt sich daraus umgehend die nächste Frage: Wenn Gott hell, voller Liebe, unendlich, unsterblich, allwissend und allmächtig ist: Warum hat er sich dann milliardenfach fehlbar und sterblich inkarniert?

War ihm langweilig? Ist er ein Narzisst? Sucht er ein DU?

Auch die Kirche weiß darauf nicht wirklich eine Antwort. Recht verschraubt formuliert das Neue Theologische Wörterbuch:  „Die Selbstmitteilung Gottes an den Menschen wäre eine mögliche freie und radikal höchste Antwort Gottes auf diese Frage. In diesem Zusammenhang besagt Inkarnation, dass Gott selber Frage und Fraglichkeit zu eigen angenommen hat und daß er darin sich selber zur Antwort gibt. Dabei wird, wie das Dogma von Chalkedon sagt, der Wesensunterschied von Göttlichem u. Menschlichem nicht vermischt. ”Dasjenige“ an Gott, was der Kreatur Mensch mitteilbar ist, wird als sein Wort in der Inkarnation und als sein Geist (Heiliger Geist ) dem Menschen bleibend zu eigen mitgeteilt, ohne sich in es zu verwandeln. Vom Menschsein her gesehen könnte die Übereignung des Menschen Jesus an Gott, die den Menschen mit Gott eint, ohne daß er in Gott verwandelt würde, als Selbsttranszendenz gesehen werden.

Gott hat einen Teil von sich geteilt

Zu deutsch: Gott wollte sich selbst erfahren (vielleicht sogar weiter entwickeln?) und hat deshalb einen Teil von sich in viele kleine Teile aufgespalten, die stärker materialisiert sind, aber auch nur über eine kurze materielle Lebenszeit verfügen. Diese vielen kleinen Teile – im weitesten Sinne also nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen, sondern auch der Planet Erde mit allen anderen Planeten im Universum, haben eines gemeinsam: Sie bilden zwar die ganze Größe und Vollkommenheit Gottes ab, ja, sind Gott selbst in einem einzigen großen, lebenden Organisamus, können diese Tatsache jedoch nicht erfassen; erklären wir es lapidar damit, dass der Einzelne zu klein dafür scheint. Jedoch ist zumindest den Menschen ihre eigene Unvollkommenheit ebenso bewusst wie die Tatsache, dass es eine größere, steuernde Intelligenz gibt.

Lässt man die jeweiligen glaubensspezifischen Details der Weltreligionen einmal weg, sind alle Suchenden auf einem vergleichbaren Weg. Es gibt einen „großen Geist“, der das Leben steuert, aus dem der Mensch gekommen ist und zu dem er wieder zurück kehren wird. In seiner derzeitigen materiellen Existenz kann er nur mit Mühe und großer Übung in Kontakt mit dem Über-Menschlichen treten; sei es etwa durch Yoga-Übungen und -Meditationen wie im Hinduismus, durch schamanische Reisen wie in den Naturreligionen, durch Whirling wie im Sufismus. Quer durch alle Religionen ziehen sich mystische Erfahrungen, die Lehren der Mystiker sind im Judentum, im Christentum und im Islam gleichermaßen ein fester Bestandteil. Auf dem gleichen Weg sind die heutigen Esoteriker. Auch hier glaubt man an die liebevoll steuernde, höhere Intelligenz, mit der sich Kontakt aufnehmen lässt, zum Beispiel durch Channeling. Das Vokabular ist anders, die Deutungen bunter, so manche der Mainstream-Praktiken oberflächlich, aber das Suchen ist das gleiche.

Insgesamt gesehen kommt zur offenen Frage, warum Gott sich solche Mühe macht zu inkarnieren, das Problem, dass alle Glaubens-Erlebnisse, Erleuchtungen und andere mystischen Erfahrungen geistig, nicht materiell sind. So gesellt sich zu unserer Sehnsucht, von Unvollkommenheit und Tod erlöst zu werden, eine ganz konkret materiell-lebendige: Jeder Mensch sucht einen Gegenpol – und zwar zum Anfassen. Damit entspricht er einem Naturgesetz: Alles Lebende sucht die Vereinigung zwischen männlichen und weiblichen Energien – zunächst einmal, um die Art zu sichern. Darüber hinaus ergänzen sich die beiden Prinzipien natürlich weit tiefer.

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Besonders gut lässt sich die Tiefe der Dimension am taoistischen Prinzip des Yin und Yang erkennen. In der Natur zeichnet sich das weibliche Yin zum Beispiel durch den Mond, Dunkelheit, Stille und Erde und das männliche Yang durch Sonne, Licht, Bewegung und Himmel aus. Beide Elemente formen in ihrer Gegensätzlichkeit eine Einheit. Wenn in der Natur Yin und Yang zusammenkommen, wird Leben kreiert. Trennen sie sich, wird Leben zerstört. Der Mensch erlangt und bewahrt Gesundheit durch ein Leben im Gleichgewicht. Im Westen vielfach vereinfacht als harmonischer Zusammenklang männlicher und weiblicher Energie verstanden, stellt das Yin Yang ein vollständiges kosmisches Gesetz dar: Es geht um den Menschen als „Partner“ des Himmels, das berühmte „wie oben, so unten“.  Sehr genau, allerdings im Original auch sehr wortarm ausgearbeitet, ist dies im I Ging, dem Buch der Wandlungen, das trotz zahlreicher westlicher Interpretationsversuche für die hiesige Denkweise weitgehend ein „Buch mit sieben Siegeln“ geblieben ist.

Vergleichbar vielschichtig ist das Bild von Ardhanareshwara im Hindusismus, zu dem ich einen separaten Blog veröffentlicht habe. Aber hier, wo man jahrundertelang sexuell nicht prüde war, findet sich der direkte Bezug zur heutigen Suche nach der Dualseele. In Ardhanareshwahra vereinigt sich Shiva, der gestaltende männliche Gott mit seiner Shakti, der erhaltenden, weiblichen Göttin. Sie tun dies in der Mythologie auf sehr menschliche Weise körperlich. Sie zeugen Kinder, werden damit dem Naturgesetz gerecht, sie genießen ihre Lust durch ihre Körper – und sie erleben die vollkommene Verschmelzung zu einer neuen, kosmischen Einheit, die nicht nur die höchste Stufe möglicher Entwicklung, sondern auch das größte, denkbare Glück darstellt.

Ist es „normalen“ Menschen möglich, diesen Grad der Verschmelzung zu erreichen – und wollen sie das überhaupt?

Plumps – willkommen zurück in den Niederungen des Alltags. 😦

Der Alltag mit all seinen Problemen und Widersprüchen… Im Alltag braucht jedes Individuum ein gesundes „Ich“, das vor jedem „Wir“ erst einmal das Überleben sichert. Das einfachste Beispiel dazu: Ein Säugling will vor allem anderen erst einmal Milch, Wärme und Schutz. Ob es seiner Mutter gut geht, interessiert ihn in diesem Stadium nicht. Soziale Kompetenz, Hinwendung zum Du, im Extremfall Altruismus, werden erlernt. Das Zusammenleben in einer immer bevölkerungsstärkeren Gesellschaft verlangt Regeln. Dazu gehören Teilen und Fürsorge, aber auch Ellenbogen und Intrigen: Das Berufsleben ist ein Haifischbecken, sogar Nachbarschaft und Familie können dazu mutieren.

Der persönliche Freiraum ist also eng, die meiste Gestaltungsfreiheit liegt, für die Öffentlichkeit kaum sichtbar, im Privatleben, in den Beziehungen. Hier kommt nun alles zusammen: Der Mensch, getrimmt auf Kampf, auf das Betonen seiner Individualität, der Mensch aber auch in seinen Ängsten, in seinem Schutzbedürfnis, in seinem Wunsch, unverstellt als das angenommen, ja, geliebt zu werden, was den Kern seiner selbst ausmacht. Der Mensch aber auch, der von schmerzlichen Erfahrungen geprägt wurde, die er nicht wieder erleben möchte; kurz: Wir stecken in einem Spannungsfeld aus Anziehung und Abstoßung, aus dem Wunsch nach totaler Verschmelzung und der Angst vor dem Verlust der eigenen Identität. Das geht so weit, dass ein zu starker Wunsch nach Verschmelzung gesellschaftlich als krank angesehen wird; man findet ihn beispielsweise beim Borderliner, der ein schwaches, manchmal kaum vorhandenes „Ich“ durch eine Verschmelzung mit dem „Du“ kompensieren möchte und, da das so nicht möglich ist, an seiner Sehnsucht schier verzweifelt.

Dennoch braucht der Mensch ein „Du“, um sich vollständig zu fühlen. Auch die Sehnsucht nach Verschmelzung ist natürlich. Hier offenbart sich nun der gesamte Konflikt, der in Partnerschaften programmiert ist: Sobald die Sehnsucht nach Nähe gestillt wurde, muss unausweichlich eine zumindest teilweise Abstoßung erfolgen, damit die Partner sich ihrer Individualität wieder bewusst werden können.

Ok, das gilt für „normale Partnerschaften.“ Aber wenn man seine Dualseele findet, gilt das doch nicht. Oder?

Dualseele – was ist das genau?

Hier erst einmal die Mainstream-Definition von Seelenpartnern und Zwillingsseelen:

Als Gott beschloss, sich selbst zu erfahren, teilte er seine Weltenseele in viele kleine Seelen-Mosaiksteinchen. Jedes dieser Steinchen wiederum bestand aus einem männlichen und einem weiblichen Teil, die getrennt voneinander inkarnierten. Die Seelen inkarnierten nicht alle gleichzeitig, sondern in Gruppen nacheinander. Alle aus der jeweils gleichen Gruppe können sich theoretisch im Menschenleben wieder treffen: Das sind die Seelengefährten. Sie unterstützen sich gegenseitig, begegnen sich oft in verschiedenen Leben in jeweils unterschiedlichen Rollen immer wieder: Mal als Mutter und Tochter, mal als Bruder und Schwester, und so weiter.

Nur ein einziger Mensch jedoch kann die Zwillingsseele sein, der zweite Teil, der das einzelne Mosaiksteinchen vollkommen macht. Man trifft ihn während zahlreicher Inkarnationen überhaupt nicht, weil beide Teile unabhängig voneinander eine Entwicklung absolvieren müssen, bis sie bereit zum Wiederaufstieg sind. Erst in der letzten Inkarnation, so immer noch der Mainstream, finden beide Teile in Menschengestalt wieder zusamen – im idealen Fall als Mann und Frau. Dies, so kann man in unzähligen Foren lesen, ist zurzeit besonders häufig der Fall, da die Menschheit sich in großem Tempo auf einen Break Even zubewegt: Einen Zeitpunkt,  der sozusagen die Guten von den Bösen trennt. Die Guten steigen wieder auf zu Gott, die Bösen gehen unter, um auf der Erde einen neuen Zyklus von Inkarnationen möglich zu machen.

Die Menschen also, die vor dem Wiederaufstieg stehen, so die Theorie, haben in zahllosen Leben eine große innere Reife erlangt und stehen jetzt vor ihrer letzten Herausforderung: Der Aufgabe des eigenen Ich zugunsten der Verschmelzung – erst mit dem Du, dann, als wieder vollständige Identität, mit Gott, bzw. der Weltenseele selbst.

Treffen die Twin Flames, die Zwillingsflammen, aufeinander, durchleben sie in großer Geschwindigkeit und sehr heftig noch einmal alle Anziehungs- und Abstoßungskonflikte ihrer vergangenen Inkarnationen, dies jedoch auf Basis ihrer bis dahin erreichten seelischen Reife. Das bedeutet: Sie erkennen, wo und wie sie sich spiegeln, sie haben eine sehr starke innere Verbindung, die bis hin zu telepathischem Kontakt geht und sie erinnern sich teilweise an vergangene Leben. Haben sie noch nicht alle Aufgaben ihrer materiellen Existenz gelöst, verlieren sie sich so lange immer wieder, bis sie ihre letzte Inkarnation erreichen. Dann sind sie bereit, miteinander zu verschmelzen und gemeinsam im großen Geist aufzugehen.

Soweit der Mainstream.

Äthiopien

Hier fehlt allerdings ein entscheidender, leider nicht umsatzfördernder Aspekt: Wenn es richtig ist, dass alle Seelen, die zurzeit Gestalt angenommen haben, Teil einer einzigen, großen Seele sind, ist auch jeder von uns zu jeder Zeit ein Teil Gottes. Alle göttlichen Prinzipien sind in jedem Menschen vollständig angelegt: das passive wie das gestaltende, das männliche wie das weibliche, die Anziehung und die Abstoßung; ja, der gesamte Kosmos. Die Aufgabe ist nicht, eine Trennung zu überwinden, sondern zu erkennen, dass wir nie getrennt waren.

Erlösung finden kann folglich nur, wer zuerst einmal die eigene Existenz ohne wenn und aber akzeptiert. Das geht von der krummen Nase oder zuviel Hüftgold, der  angeborenen Rechenschwäche oder dem eigenen Wunsch, sich immer wieder wie ein Pfau vor anderen zu präsentieren, bis hin zum Annehmen der eigenen Angst vor Verschmelzung, die den Tod des Ichs bedeutet. Es ist ein langer, schmerzhafter Weg des Abschieds von einem perfekt schönen Ideal – zunächst in sich selbst, in der Folge in den Anderen. Es ist ein Loslassen, das jeden Tag neu beginnt, ein Abwerfen von Ballast, ein Aushalten der Widerstände gegen diesen Prozess, ein Suchen der Quelle.

Erst wenn dies geschafft ist, der Mensch in Ruhe bei sich selbst verweilen kann und zu erkennen vermag, dass alles, was er braucht, in ihm selbst in genügender Menge vorhanden ist – erst dann ist er fähig, in gleicher Weise auch seinen Partner anzusehen. Dann ist er bereit für das wahre Wunder der Liebe: Er lässt sich selbst los, ohne den Anderen statt dessen absorbieren zu wollen. Zwei Gleichstarke können sich verbinden, ihr Ich aufgeben, um gemeinsam eine neue Identität zu bilden. Der Lohn ist weit mehr als körperliche Lust – es ist eine spirituelle Ekstase, wie sie jedem Schöpfungsprozess innewohnt, ein Erfahren des Göttlichen am eigenen Leib, im eigenen Geist, in der eigenen Seele.

Es hilft also nichts: Weder fällt  uns die Zwillingsseele kampflos in den Schoß, noch können wir unsere Sehnssucht stillen, indem wir versuchen, das geliebte Gegenüber entsprechend zu erziehen. Nur die Arbeit am eigenen Ich bringt uns wirklich weiter.

Setzen wir uns also hin, bleiben wir bei uns, schauen wir nach innen, bevor wir das Außen gestalten und lassen wir die Bilder los, von denen wir glauben, dass die unsere Zwänge oder Ideale darstellen. Reinigen wir uns von Ballast, üben wir Toleranz und Geduld, erkennen wir, das wir bereits vollkommen sind – und geben wir unserem Dual die Chance, sich mit uns zu verbinden. Dann bleibt nichts, aber auch gar nichts unmöglich.

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Siehe auch:

Wolfsnatur und Pantherherz: Eine schamanische Reise zur Dualseele

Halb zu leben bin ich nicht gemacht

Tantra: Das Geheimnis der Vereinigung von Shiva und Shakti

Tantra ist mehr als guter Sex: Es stellt das universelle Prinzip der Schöpfung dar

Kundalini: Die universelle göttliche Kraft ist frei von allen Ich-Ansprüchen

Ardhanareshwara, das universelle Prinzip von Shiva und Shakti

Update: Ersatzreligion Liebe

Update: Niemand überlebt die Liebe unbeschadet

„Healing Codes“ von Alex Loyd: Gesund werden durch Heilen der Erinnerung

„Ich will nicht Ihre Gefühle, ich will das Bild, das sie ausgelöst hat!“  Rund 350 Menschen hängen im Saalbau Titus in Frankfurt/Main an den Lippen von Dr. Alex Loyd.  Wir gehen in uns, jeder für sich. Stille im Saal. „Jetzt erlauben Sie dem Code ganz bewusst, zu wirken. Wandeln Sie das negative Bild liebevoll in ein positives um – aber Achtung: nicht in eins, an das Sie nicht glauben können. Sobald das Bild friedlich wird, legen Sie es auf dem Tisch ab und schauen Sie von Zeit zu Zeit nach, ob es immer noch ruhig und friedlich dort liegt.

OK?

Dann beginnen wir jetzt.“

Schlank ist er, erstaunlich klein, sehr beweglich. Schmal sind seine Hände, erstaunlich ausgeprägt der Daumenballen und sein Gegenüber am Außenrand, sehr lang der Daumen. Er ist ein professioneller Redner, weiß, wie man Außenwirkung erzielt und Zuhörer mitreißt.

Mitreißend ist sein Thema auch ganz von allein: Dr. Alex Loyd hat die Healing Codes erfunden; genauer: Sie wurden ihm, wie er sagt, im Jahr 2001 in großer Not von Gott selbst eingegeben. Er erkannte darin die Blaupause einer Heilmethode, die die Folgen falsch interpretierter Seelenbilder auf Körper und Seele korrigieren kann. Basierend auf der Erkenntnis Einsteins: „Alles ist Energie“ und der Bibel: „Alles kommt vom Herzen“ bezeichnet Alex Loyd seine Healing Codes heute als „Energiemedizin für’s Herz“. Sie verzeichnen Aufsehen erregende Erfolge: Es sind Heilungen von eigentlich unheilbaren Krankheiten dokumentiert.

Über Lautsprecher wird die Solfeggio-Note MI mit der Frequenz von 528 Hertz (Liebesfrequenz) eingespielt, die nach neueren Forschungen die Heilung der DNA begünstigen soll;  dazu hören wir plätscherndes Wasser. Mit sanfter Stimme gibt Alex Loyd nun Anweisungen, auf welche der sechs heilenden Punkte in Kopf-Nähe die gebündelten Finger der rechten, bzw. linken Hand zeigen sollen (siehe Titelbild). Eingeflochten sind nach jeder Anweisung die Worte GOTT – LICHT – LIEBE – WAHRHEIT – VERGEBUNG – FRIEDEN – HEILUNG.

„Vergebung bedeutet, sich bewusst aus Verurteilungen zu verabschieden“, sagt Loyd. „Wenn ein Mensch etwa einmal gelogen hat, ist er deshalb nicht sein Leben lang ein Lügner.“ Ein Punktekonto der Untaten anderer Menschen anzulegen, so lernen wir, ist eine angstbasierte Haltung, die uns selbst so sehr unter Stress setzen kann, bis sie uns tötet. „Der Mensch ist nicht einfach nur sein Verhalten. Wenn wir es schaffen, einen Menschen zu 100 Prozent bedingungslos als Mensch zu akzeptieren – dann ist Vergebung geschehen.“

Auch er selbst habe mit dem Gott der Bibel so seine Probleme, sagt Alex Loyd – besonders mit dem strafenden und rächenden Gott. Heute sehe er Gott als eine universelle, steuernde Macht, bestehend aus Licht und Liebe. „Wenn man das Licht einschaltet: Wohin verschwindet dann das Dunkel? Ganz einfach: Es wird transformiert. Es wird zu Licht.“

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Genau wie Dr. Ulrich Warnke gehört der ursprünglich ordinierte Pfarrer mit Doktortiteln in naturheilkundlicher Medizin und Psychologie dem Kreis vernetzt denkender, auf spiritueller Grundlage handelnder Menschen an, die die Quantenphysik fest in ihre Arbeit einbeziehen. Was den unglaublichen Erfolg seines Basis-Buches „The Healing Code“  beflügelte, ist die bestechende Einfachheit, mit der sich jeder Mensch selbst nachhaltig behandeln und damit ohne fremde Hilfe  Erkenntnis auch in die Tat umsetzen kann.

„Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben“ heißt es im Buch Salomon (Sprüche 4,23). „Die Seele wohnt im Körper“, sagt Alex Loyd, ganz konkret im Herzen, wo sie unterbewusst  physische Prozesse steuert – und zwar auf der Basis von Seelenbildern. Diese Seelenbilder, so Loyd, entstehen auf zwei Wegen: Über die menschlichen Zellen werden bereits bei der Befruchtung ‚Erinnerungen‘ ganzer Generationen weitergegeben. Dazu kommt das tatsächliche Erleben des Menschen und dessen Interpretation durch den Verstand. Auf beiden Wegen kann man in Fehlinterpretationen stecken bleiben, die lebenslang das Denken, Handeln und schließlich auch das körperliche Befinden des Einzelnen steuern können.

E=mc2 – Energie (im Ruhezustand) ist Masse mal Lichtgeschwindigkeit im Quadrat. Diese Formel von Albert Einstein definiert, dass mit Hilfe von Geschwindigkeit aus Energie Masse – aber auch aus Masse Energie werden kann. „Jede Änderung der inneren Energie zieht auch eine Änderung der Masse nach sich“, formulierte Einstein im Jahr 1905.

In seinem Buch „Intelligente Zellen“ (englischer Titel: „Die Biologie des Glaubens“) beschreibt der Zellbiologe Bruce Lipton, wie er herausfand, dass jede einzelne Zelle ein Gedächtnis besitzt, das in der Membran angesiedelt ist und von „etwas Größerem“ gesteuert zu werden scheint. „Zellen speichern alles, auch negative Erfahrungen“.

In seinem Buch „Die Neurobiologie mentaler Erkrankungen“  (nur in englisch erhältlich) geht Dr. Eric Nestler   dieser Frage zahlreichen Zusammenhängen fundiert nach.

Alex Loyd hat aus diesen und zahlreichen ähnlichen Forschungsergebnissen eine einfache, logische These zusammengestellt: Wer keinen seelischen Stress auf Basis von Angst oder Bedrohung hat, wird auch nicht krank. Die Lösung – besonders im Hinblick auf chronische Erkrankungen, die weltweit dramatische Zunahme von Krebs in allen Variationen, aber auch aller anderen körperlichen und seelischen Probleme, so folgert er, kann also nicht rein medizinischer, sondern muss vielmehr spiritueller Art sein: „Wir sehen die Dinge nicht wie SIE sind, sondern wie WIR sind.“

Besonders hartnäckig sind Bilder, die Kinder im Alter bis zu sechs Jahren geprägt haben, deren Gehirn Eindrücke noch ungefiltert als Fakten abspeichert. Das Kind, das ein Geschehen nicht einordnen kann, behält das Drumherum nur fragmental, die Angst machende, demütigende oder schmerzhafte Situation jedoch in Form eines Bildes als lebenslangen Eindruck, im Extremfall als Trauma. Das dadurch entstandene Bild beeinflusst das Verhalten des Erwachsenen unter Umständen lebenslang.

Um aus dieser Falle herauszukommen, muss der erwachsene Mensch seine inneren Bilder auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen und nötigenfalls positiv „überschreiben“. Echte und dauerhafte Heilung ist laut Alex Loyd nur durch Heilung der Erinnerung möglich.

Wie macht man das nun in der Praxis?

„Die Anfangsfrage muss immer sein: Gibt es zu meinem aktuellen Problem eine angst-basierte Erinnerung? Wandeln Sie das negative Bild liebevoll in ein positives um.“

Wie komme ich überhaupt in Kontakt mit mir selbst?

„Stellen Sie sich vor, der Geist aus Aladins Wunderlampe schenke Ihnen einen einzigen freien Wunsch. Sie haben zehn Sekunden Zeit, den Wunsch zu formulieren.

Was würde sich in Ihrem Leben ändern?

Wie würden Sie sich mit dieser Veränderung fühlen?

Wer jetzt einen materiellen Wunsch, etwa den nach Reichtum, formuliert hat, wird schnell erkennen: Das äußere verändert niemals das Innere. Er setzt uns vielmehr in den Stress einer Erwartungshaltung. Die wiederum führt uns in ein Hamsterrad des Erfolgszwangs und wirkt im Ergebnis krank machend.

Was Sie brauchen ist ein klares, inneres Ziel, das Sie in Liebe und Achtsamkeit verfolgen – und zwar unabhängig von seiner konkreten Manifestierung im Materiellen. Das funktioniert nicht mit Willenskraft. Der einzige Weg, das Ziel zu erreichen, ist eine Umprogrammierung der persönlichen Bewertungen.

Natürlich ist es in Ordnung, für das Erreichen des Ziels zu beten oder einfach darauf zu hoffen. Der Unterschied zur Erwartungshaltung ist der fehlende Erfolgszwang. Damit entfällt der Stress, und das Immunsystem kann arbeiten. So wird die innere Kraftquelle aktiviert. Es ist das Unsichtbare, das das Sichbare gebiert.“

Und wenn ich es nicht schaffe, meine Erwartungshaltung abzulegen?

„Dann legen Sie das ganze Bild samt Ihrer Erwartungen auf den Tisch, lassen es dort liegen und konzentrieren sich einfach darauf, die nächsten 30 Minuten in einer positiven, liebevollen Grundhaltung zu bleiben. Wenn Ihnen das gelingt, hängen Sie gleich die nächsten 30 Minuten dran … Verstehen Sie: Sie müssen den Stecker in die Dose stecken, sonst bekommen Sie keinen Strom. Die Energie, die Sie nährt, ist die Liebe.“

Wie ändere ich den negativen inneren Grund-Zustand?

„Stellen Sie sich diese drei Fragen:

  • Was fürchte ich mehr als alles andere – jetzt in diesem Moment?
  • Was würde sich in meinem Leben verändern, wenn es einträte?
  • Wie würde ich mich dann fühlen?

Jetzt stellen Sie die Frage umgekehrt:

  • Was wünsche ich mir mehr als alles andere – jetzt in diesem Moment?
  • Was würde sich in meinem Leben verändern, wenn es einträte?
  • Wie würde ich mich fühlen?

Wenn Sie Frage drei beantworten können, bedeutet das, dass dieser Zustand bereits latent in Ihnen vorhanden ist.  Versetzen Sie sich also tief in das Bild hinein, in dem das eintritt, was Sie sich im Leben am meisten wünschen – und machen Sie dann den Healing Code.

Gehen Sie in diesem Sinn weiter durch alle Themen Ihres Lebens, bis Sie die drei Fragen ganz klar so beantworten können: Ich brauche nichts mehr, ich habe alles. Und bedenken Sie dabei das kluge Wort von Stephen Hawkins, der sagte: Es ist die letzte menschliche Freiheit, immer selbst über die Qualität meines inneren Zustands entscheiden zu können.“

07-05-2014 15-01-00

„Gott ist Liebe – Liebe ist übernatürlich“

„All you need is love… tata tatata…“ Der weltbekannte Beatles-Song empfängt uns nach einer langen Pause im Saal, und Alex Loyd überrascht uns mit einer Geschichte aus seinem Leben: „Es war eine stürmische, regnerische Nacht, als Tracey, meine Frau, mir sagte, ich solle das Haus verlassen. Sie könne nicht mehr mit mir leben.

Ich stieg ins Auto, fuhr zum Haus meiner Eltern und verbrachte die Nacht im Hof. Ich dachte, ich müsste sterben.

In den Monaten, die dann kamen, führte mich Gott in eine hohe Schule der Liebe. Ich lernte, dass Liebe mehr ist als ein gemeinsames Leben mit geteilten Verantwortlichkeiten. Es gilt nicht das Prinzip: ‚Ich gebe dir etwas, du gibst mir etwas zurück‘. Es gibt keinen Plan B, kein Netz, keinen doppelten Boden. Fast niemand kann es – aber genau das ist es, was bedingungslose Liebe ausmacht: Ich gebe mich hin – ich bringe mich vollkommen ein, egal, was das für mich bedeutet. Wenn der geliebte Mensch mich quälen will, kann er das tun. Wenn er mir einen Ring durch die Nase ziehen will, kann er das auch. Ich werde ihn lieben, egal, was er mit mir tut.“

Nach langem Werben nahm Ehefrau Tracey, die ihren Namen später in Hope änderte (im Sinne von: ‚Ich bin der Beweis, dass es immer Hoffnung gibt‘), ihren Ehemann zurück. Seit 1986 sind die beiden verheiratet, haben einen 21jährigen und einen 14jährigen Sohn.

„Liebe ist etwas übernatürliches. Wenn ich mich auf sie einlasse, betrete ich die Ebene des Übernatürlichen. Liebe funktioniert nicht nach den linearen Regeln von Ursache und Wirkung, folgt nicht den physischen Gesetzen. Ich nenne das Gott. Und ich gebe zu bedenken: Nur weil man etwas nicht sieht, heißt das nicht, dass es nicht da ist.

Docke an an das Übernatürliche. Was immer dabei herauskommt, ist in Ordnung. Wer die Liebe wählt, entscheidet sich indirekt auch immer für den Schmerz – eine lange Beziehung ohne Schmerzen gibt es nicht. Das widerspricht dem linearen Lebenserhaltungstrieb des Individuums. Deshalb ist es so schwer.“

So viele Fragen gibt es zum Ende eines langen Tages, dass sie gebündelt beantwortet werden müssen. Beispiele:

Wie kann ich eine schlechte Beziehung beenden?

„Frage dich: Was ist die beste, auf Liebe basierende Lösung, die ich umsetzen kann, um den Schmerz, unter dem beide leiden, zu beenden.“

Auch wenn ich mir selbst vergebe: Die Folgen meines Handelns für Andere kann ich nicht rückgängig machen…. ?

„Wenn ich mich selbst heile, hat das auch Auswirkungen auf meine Umgebung. Und: Focussieren Sie nicht immer gleich darauf, Andere zu heilen. Alle Heilung fängt in mir selbst an.“

Ich bin 78 Jahre alt und seit 30 Jahren unglücklich. Wie kann ich glücklich werden, bevor ich sterbe?

„Fang an zu arbeiten. Am besten heute. Beginne mit der Übung, 30 Minuten lang in positiver, Liebe-basierter Grundstimmung zu bleiben.“

Ich bin verheiratet und bisexuell. Wie kann ich meine Neigung leben, ohne meine Familie zu beschädigen?

„Es ist nicht deine Aufgabe, andere zu verändern. Arbeite an deiner eigenen Heilung. Gib dir die nächsten 30 Minuten, um in Liebe zu verweilen. Und dann tust du das Beste, was dir in Liebe möglich ist.“

Ich habe einen sterbenskranken Mann zuhause. Die Ärzte geben ihm noch sechs Monate… ?

„Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ein Beispiel: Eine Frau kam zu mir mit einem Mann, der nicht mehr lange zu leben hatte. Der Mann ignorierte seine Krankheit vollkommen. Niemand durfte das Thema ansprechen, Kinder und Enkel durften nicht Abschied nehmen. Nachdem sie mit den Healing Codes gearbeitet hatten, konnte der Mann sich mit seinem Schicksal versöhnen. Er lud seine Familie zu sich ein. Sie verbrachten viele Stunden zusammen, erinnerten sich an die schönen Jahre, die sie erlebt hatten und feierten gemeinsam seine letzte Zeit, bevor er friedlich von ihnen ging.“

Wie kann ich Vergebung aufrecht erhalten, wenn der Tsunami des Leids zurück kommt und mich überrollt?

„Verweile die nächsten 30 Minuten in einem liebevollen Grundzustand. Und dann die nächsten 30. Und die nächsten…“

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Weiterführende Links:

Buch: Der Healing Code

US-Homepage von Alex Loyd – im Store bestellbar ein detailliertes deutsches Arbeitshandbuch mit vielen Hilfestellungen zum Herunterladen

Video, in dem Alex Loyd seinen Masterkey erklärt (in englisch)

Video, in dem Ehefrau Hope (Tracey) über ihre Heilung von klinischen Depressionen berichtet (in englisch)

Musik-Video, in englischer Sprache, zum Üben: The Healing Code Masterkey Supplement, 528 Hz

Die unten stehenden Anleitungsvideos habe ich nach dem Besuch des Workshops erstellt.

Weitere geführte Codes in deutscher Sprache:

Deprogrammieren negativer Erinnerung und  

Eine positive Situation schaffen

Blog Unsterblich in (Gottes) Meer unbegrenzter Möglichkeiten

Artikel in SEIN: Schwingung und Schöpfung

Hirnforschung: Traumata sind vererbbar

Das zweite Video ist die gleiche Meditation, allerdings wird der Text gesprochen, so dass Sie die Augen schließen können.

Sternenstaub sind wir – unsterblich in (Gottes) Meer unbegrenzter Möglichkeiten

Wir bestehen zu 99,9999 Prozent aus masseleerem Raum. Würde man uns auf unsere reine Masse reduzieren, wären wir noch etwa 20 Mikrometer groß – man müsste durch ein Mikroskop schauen, um uns zu sehen.

Der massefreie Raum unseres Körpers geht fließend über in den unserer Umgebung, der Atmosphäre – des Universums.

Wir sind Raum-Zeit-Komponenten. Wir schwimmen mit unserer Masse, die aus Sternenstaub besteht, in einem unendlichen, nur scheinbar leeren, in Wahrheit aber prall mit Energien gefüllten universellen Feld, einem Meer der Möglichkeiten…

Thesen von Dr. Ulrich Warnke. Der studierte Biologe und Physiker lehrte bis 2010 an der Universität Saarbrücken und gehört zum Kreis der von „seriösen“ Wissenschaftlern heftig angegriffenen Autoren, die Erkenntnisse der Quantenphysik mit solchen in Verbindung bringen, die der Esoterik zugeschrieben werden. Der charismatische Redner schlägt eine große Brücke etwa zwischen dem massefreien Raum, der sich zwischen Atomkern und Elektronen befindet und dem universellen Schöpfergeist – man kann ihn auch Gott nennen. Telepathie, Telekinese oder  die Kommunikation mit Verstorbenen ordnet er dabei mühelos ein. Auch zum Thema: „Was ist Zeit“ hat er eine ganz einfache Erklärung, basierend auf der Quantenmechanik:  Zeit kann es nur nur in Verbindung mit Masse geben. Erst wenn wir etwas sehen, seine Zustandsveränderungen beobachten und messen können, entsteht ein subjektives Gefühl von vergehender Zeit.

Der Geist steuert die Materie – in Form des Zitats „Der Körper folgt dem Geist“ ist diese Tatsache Vielen gut bekannt. Ulrich Warnke kann es belegen – mit einer Reihe von physikalischen Studien.  Heilung ist also immer dann möglich, wenn der Geist davon überzeugt ist, folgert er – manchmal allein dadurch, dass der betroffene Mensch sieht, wie etwa ein Organ, das gesund ist, funktioniert und die zugehörige Ur-Information mit seinem Geist abruft.  Wieso kann unser Geist das? Weil er, so Warnke, genau wie alles andere im massefreien Raum unsterblich ist. Unsterblich ist auch Masse – mit dem Unterschied, dass sie immer wieder neue Form annimmt. Spontan fällt mir Hermann Hesse und sein Schlussbild im Siddharta ein. Da steht das auch – nur ganz anders erklärt – als eher hilfloser Versuch, buddhistische Erkenntnis einzu“westlern“.

Ist Dr. Ulrich Warnke ein Scharlatan?

Oder liefert er uns „wissenschaftliche“ Beweise für einen großen, göttlichen Geist, der in uns wohnt und in dem gleichzeitig wir zuhause sind?

Urteilen Sie selbst:

In zwei Büchern, erschienen 2011 und 2013, stellt Ulrich Warnke die Quintessenz dieser Erkenntnisse dar:Quantenphysik und Spiritualität – der Schlüssel zu den Geheimnissen des menschlichen Seins“ war das erste. Es folgte in diesem Jahr das Werk  „Quantenphilosophie und Interwelt: Der Zugang zur verborgenen Essenz des menschlichen Wesens“.  Beide sind nur ein Teil seines umfangreichen Schaffens, das auch Erfindungen beinhaltet, die auf der Basis seiner Untersuchungen im Bereich technischer Biomedizin entstanden sind und sich etwa mit Licht- oder Magnetfeldtherapie beschäftigten.

Was die Thesen Warnkes so spannend macht ist, dass er uralte Erkenntnisse, etwa über das Geschehen während einer buddhistischen Meditation, aber auch relativ neue Methoden des „technischen Hellsehens“ wie etwa im Remote Viewing praktiziert, untermauert, indem er zeigt, was während des Ablaufs rein physikalisch im Körper geschieht und mit zahlreichen Studien jeweils auch belegt. So entlarvt er Schritt für Schritt menschliche Grundhaltungen wie etwa die, von Gott getrennt zu sein, als Illusion und belegt die Erfahrung der „Fernwahrnehmer“, dass es im massefreien Raum, von ihnen Matrix genannt, keine Zeit gibt, deren Definition bisherigen menschlichen Erfahrungen entspricht.

Für Ulrich Warnke ist diese Matrix ein unbegrenztes Meer von Möglichkeiten – ein riesiges Hintergrundrauschen von Optionen, die noch keine Gestalt angenommen haben. Haben sie das erst einmal, bleiben sie als konkreter Gedanke, konkretes Geschehen, konkreter Plan gespeichert und können mittels Resonanz jederzeit abgerufen werden. Die Quantenphysik erklärt, wie so etwas möglich ist.

Materie, so der Autor, existiert erst, wenn ein zielgerichteter Intellekt sie als solche definiert, indem er ihr Sinn und Bedeutung zuweist. Das auf sie gerichtete Bewusstsein lässt die natürliche Wellenfunktion des bis dato weder sicht- noch messbaren Teils im universellen Feld kollabieren – das Quant wird gezwungen, sich auf einen einzigen der vielen möglichen Zustände festzulegen. Es wird zur sichtbaren, messbaren Masse, von uns „Realität“ genannt. Die Beobachtung und das Messen der Zustandsveränderungen bewirken das von uns erlebte Gefühl der Zeit.

Wie weist ein zielgerichteter Geist einer Möglichkeit Sinn und Bedeutung zu? Zu 75 Prozent geschieht das unterbewusst über das Limbische System, die älteste Region im Gehirn, die für die Gefühle zuständig ist. Gefühle sind der nachgewiesenermaßen stärkste Wertmaßstab, den Menschen haben. Das  sogenannte Bewusstsein, das im Vergleich zum Unterbewusstsein nur einen winzigen Bruchteil der einströmenden Information verarbeiten kann, steuert seinen Teil der Beurteilung über den Neokortex bei.

Östliche Philosophien beziehen sich in der Meditation immer wieder auf die Zirbeldrüse als Zugang in eine sprituelle Welt. Ulrich Warnke erläutert, warum das so ist: Die Zirbeldrüse schüttet Dimethyltriptamin (DMT) aus, ein Hormon, das den Neokortex zurückdrängt und das Limbische System aktiviert, indem es die Serotoninproduktion anregt. Der Mensch wird feinfühliger, telepathischer, hat Visionen, Nahtod- und außerkörperliche Erfahrungen, erlebt Zeitlosigkeit. Nicht nur Menschen, auch Tiere und Pflanzen produzieren DMT. Seine Ausschüttung ist erlernbar – zum Beispiel durch bestimmte Meditationsmethoden.

Zirbeldrüse

Die Schöpfung, so folgert der Endsechziger aus der Summe seiner Erkenntnisse, besteht aus vier Komponenten: Über allem, in allem und um alles herum gibt es das universelle Feld (Meer) mit den sich überlagernden unbegrenzten Möglichkeiten. In ihm enthalten sind Materie, zusammengesetzt aus den Möglichkeiten des universellen Feldes, ein intelligentes, gemeinsames Informationsfeld, sowie ein individuelles Informationsfeld. Der Teil für uns sichtbarer Materie liegt schätzungsweise bei fünf Prozent und besteht laut Warnke aus Sternenstaub, der zuvor schon millionenfach in anderer Form materialisiert war: Sei es auf Sternen anderer Galaxien oder in Körpern früherer  Lebenwesen.

Bewusstsein ist der Modus eines Wesens, in dem Informationen gezielt den Verstand ansprechen, Unterbewusstsein der Modus, in dem Informationen gezielt dem Gefühl zugeführt werden. Getreu dem Spruch „Sein ist Wahrgenommen Sein“ zwingt die bloße Möglichkeit, als messbare Materie gesehen werden zu können, das Quant dazu, sich auf eine bestimmte Form festzulegen und damit sichtbar, sowie im Meer der Möglichkeiten unbegrenzt speicherbar zu sein. Umgekehrt kann das bloße Vorhandensein eines Zweifels den Vorgang umkehren.

Die massefreie Leere ist nicht leer, sondern randvoll mit unbegrenzten Möglichkeiten, die alle (noch) ungeboren sind. Das Bewusstsein des Betrachters erschafft durch persönliche Sinngebung die Materie, macht sie sicht- und messbar, bettet sie so ein in eine individuelle Zeit.

Nichts anderes drückt die in der buddhistischen Meditation viel zitierte Herz-Sutra aus, wo es unter anderem heißt: „Form ist nichts anderes als Leere, Leere nichts anderes als Form. Das Gleiche gilt für Empfindung,Wahrnehmung, Wollen und unterscheidendes Denken: Die Formen aller Dinge sind leer. Sie entstehen nicht und vergehen nicht, sie sind nicht rein und nicht unrein, nehmen  nicht zu und nicht ab…“

Logisch, dass Ulrich Warnke dem freien Willen des Menschen eine wichtige Rolle zuweist, wenn es um das Erschaffen seiner „Welt“ geht. Logisch aber auch, dass all diese Energie, die im Meer der unbegrenzten Möglichkeiten für uns bisher gar nicht wahrnehmbar ist, nach uns zurzeit nicht bekannten Naturgesetzen funktioniert, hinter denen ein steuernder Geist vermutet werden darf. Nehmen wir nun an, dieser ist „Gott“, so waren wir niemals von ihm getrennt und werden es auch niemals sein.

Kein leichtes Thema – auch trotz der einprägsamen klaren Sprache des Autors in seinen Vorträgen und Büchern.

Aber ein bemerkenswert spannender anderer Weg, der dennoch zu der gleichen universellen Erkenntnis führt, wie sie die meisten der alten Religionen und Philosophien herausarbeiten. Ein Weg, den auch einige andere westliche Wissenschaftler unter dem belustigten Lächeln ihrer „streng wissenschaftlich“ arbeitenden Kollegen beschreiten: An anderer Stelle in diesem Blog wird beispielsweise das Buch „Intelligente Zellen“ von Bruce Lipton, das auch als DVD erhältlich ist, beschrieben.  Wenn sich diese Art zu denken, in der Gesellschaft verankert, werden wir einen Quantensprung in der Entwicklung machen.

Ein Mensch, dem bewusst wird, dass jeder seiner Gedanken, ob nun positiv oder zerstörerisch, im universellen Feld gespeichert bleibt und ohne Zeitgrenzen immer und überall abgerufen werden kann, wird sich ein für allemal von der Idee verabschieden, dass die Gedanken „frei“ sind. Im Gegenteil: Die Gedanken fordern ein Höchstmaß an Verantwortung gegenüber allen anderen Wesen.

Ein Mensch, dem bewusst wird, dass jede seiner Zellen die Überzeugungen seines Geistes manifestiert, wird klar erkennen, in welchem Maß er selbst für seine körperliche und geistige Gesundheit verantwortlich ist. Eine Gesellschaft, die überzeugt davon ist, dass der Körper dem Geist folgt, wird eine völlig andere medizinische Versorgung etablieren.

Und Menschen, denen klar ist, dass sie nur mit eigener Information und einer eigenen Meinung verhindern können, körperlich, geistig und politisch zum Produkt der sie Regierenden zu mutieren, werden hoffentlich endlich eine bewusste Entscheidung treffen: Gegen ihre persönliche Freiheit – oder FÜR sie..

Siehe auch: Gesund werden durch Heilen der Erinnerung

Update: Heilen mit dem Geist

Siehe auch: Schwingung und Schöpfung

Update: Die Quelle des Sternenstaubs