Schlagwort: Gedicht

Einsamkeit

Die Sonne scheint

  • sie wärmt mich nicht

*

Das Meer rauscht vor mir

  • bin an’s Land gefesselt

*

Man spricht zu mir

  • höre mich antworten

*

Prächtige Blumen im Feld

  • werden doch alle verblühen

*

Liebe zwischen Menschen

  • nicht für mich, nicht für mich

*

Weite Zukunft überall

  • nur für die Anderen

*

So viel Wissen gesammelt

  • umsonst, umsonst

*

Seen aus Tränen

  • vertrocknet im Sand

*

Jahrzehnte vor mir

  • graue Nebelwand

-n-

Unter Glas seh‘ ich die Ander’n durch ihr buntes Leben wandern…

 

nicht mehr jung, eher schon alt

nicht mehr warm – nein, bald schon kalt

nicht gehasst, auch nicht geliebt

nichts mehr da, was mich einst trieb

*

nur das herz, es brennt noch immer

ohne hoffnung – nein, noch schlimmer

voller sehnsucht, voller trauer

nichts im leben war von dauer

*

unter glas seh‘ ich die ander’n

durch ihr buntes leben wandern

nur der schmerz, der niemals ging

zeigt mir heute, dass ich bin

*

so erschöpft von all dem warten

auf den einlass in den garten

*

werde, herz, doch endlich leis‘

ich will heim zum großen geist

Bilanz eines Frauen-Lebens

als ich 6 war, wollte ich später heiraten

in weiß, mit einem langen schleier

und vielen dunkelroten rosen

die liebe meines lebens

*

als ich  12 war, wollte ich

auf keinen fall kinder bekommen

damit sie nicht unter mir leiden

so wie ich unter meiner familie

*

als ich 20 war, ernährte ich

einen mann, der fand,

das recht auf essen und ein dach

über dem kopf müsse kostenlos sein

*

als ich 27 war, fand ich

einen mann, den ich von

ganzem herzen liebte

er war verheiratet

*

als ich 34 war, fand mich ein mann

der sagte, ich sei feige

auch wenn er jung sei, könne er

das leben mit mir meistern

*

als ich 39 war, wollte ich

heiraten – einen mann,

der vorgab, mich zu lieben

und mir das Genick brach

*

als ich 49 war, verschenkte ich

meine freiheit für eine illusion

 die illusion, dass freunde

ungestraft heiraten können

*

als ich 52 war, fand ich

die liebe meines lebens

aber sehen durfte ich sie nicht

berühren schon gar nicht

*

Als ich 60 war, sah ich

dass ich im leben alles falsch gemacht hatte.

doch da

war es zu spät

 

-n-

halb zu leben bin ich nicht gemacht

.

wie leicht wäre leben

in unschuld allein

gäb‘ s kein alter ego

kongenial im sein

.

zur selben zeit

auf dem selben planeten

magnetisch verbunden

und doch ent-zweit

.

feuer und wasser

sind quellen des lebens

sie brauchen einander

flucht ist vergebens

.

wieso meint das kalte

die wärme sei schwach

mut und leidenschaft sind doch

gleich stark gemacht

.

feuer kann fließen

und wasser verbrennt

zusammen sind sie

ein neues element

.

wozu scheint die sonne

warum rauscht das meer

wenn schmerz alles tötet

das lebenswert wär‘?

.

ohne weiß kein schwarz

ohne tag keine nacht

nur halb  zu leben

bin ich nicht gemacht

gla 2014

Ein Haiku auf die bittersüße Schönheit der Pflaumenblüte …

Haiku ist eine sehr alte japanische Form des Gedichts. Bei einem Dreizeiler enthält Zeile eins 5, Zeile zwei 7 und Zeile drei wieder 5 Silben. Da die japanische Sprache sich jedoch sehr von unserer unterscheidet, ist diese Regel nicht unbedingt bindend.

Haiku