Make America great again; mit Donald Trump ein Lügner und Betrüger im Amt Antwort

„Die Akte Trump“ listet chronologisch die Karriere eines Mannes auf, der sich mit Lügen, Betrug und weitreichenden Beziehungen zur Mafia und zu verurteilten Verbrechern immer wieder geschäftliche Vorteile verschafft hat. Mehr…

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Leben als Soziopath: „Das Schlimmste war: Ich konnte absolut nichts fühlen“ Antwort

Dieser zweite Teil meiner kleinen Reihe über Männer, die eine Spur gebrochener Herzen hinter sich herziehen,  beschäftigt sich mit dem Leben eines Soziopathen (auch Psychopath genannt). So unglaublich sie klingen mag, ist sie doch sogar weit ausführlicher belegbar, als hier ausgeführt wird. Im Unterschied zu einem Narzissten, wie er in Teil eins dargestellt wird, hat ein Soziopath beim Thema Mitgefühl ein besonders hohes Defizit. Auch leidet er meist wenig oder gar nicht unter Gewissensbissen. Er ist sein eigener Maßstab für alles, was er tut – das gilt auch für allgemeine gesellschaftliche Regeln, im Extremfall für Gesetze aller Art. Je nachdem wie klug so eine Person ist, kann sie erheblichen menschlichen und auch wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Wer in sein Visier gerät, sollte am besten laufen, so schnell er kann – denn retten kann man einen Soziopathen nicht. Im günstigsten Fall kann man sich mit ihm arrangieren – zu seinen Bedingungen.

Leiden wird der/die Partner/in aber immer.  

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An manche Jahre seiner Kindheit kann er sich nicht mehr erinnern. Was er noch weiß ist, dass alle drei Brüder im frühen Kindesalter an Lymphdrüsentuberkulose erkrankten und mit Röntgenstrahlen behandelt wurden. Danach war die Erkrankung dann weg.

Was er auch noch weiß ist, wie sehr die Ehe seiner Eltern im Gegensatz zu der wundervollen Umgebung stand, in der sie alle lebten: Der Vater, schmächtig, freundlich und ein großer Idealist, war Dorfpfarrer. Seine kleine, fast tausendjährige Kirche stand auf einem Hügel hoch  über dem Tal, und die Familie lebte im zugehörigen Pfarrhaus. Die Mutter,  groß für eine Frau, war drall, später stark übergewichtig und hatte stechende blaue Augen. Er selbst wurde als mittlerer von drei Brüdern geboren. Die beiden anderen waren schlank, mit dunklen Haaren und sanften braunen Augen; er selbst war untersetzt und kam mehr nach der Mutter. In seinen Augen lag allerdings nicht deren  hilflose Aggression, sondern eine stahlblaue innere Distanz und manchmal ein provozierendes, ungeheuer polarisierendes hellblaues Strahlen: Man mochte ihn, oder man lehnte ihn vollständig ab.

Die Mutter, zuständig für die drei Jungs, den Haushalt und die Ehrenämter, die Pfarrersfrauen so haben, war unzufrieden und nicht selten überfordert. Die engagierte Jugendarbeit, die ihr Mann mit dem örtlichen Abgeordneten betrieb, und die immer wieder jede Menge junger Menschen in ihr Haus schwemmte, war ihr ein ständiger Dorn im Auge. Alle Versuche, ihren Mann unter Druck zu setzen, diese Aktivitäten zu reduzieren, schlugen fehl. Je mehr Druck sie machte, desto weniger erreichte sie ihn. Als er sich schließlich scheiden lassen wollte, erpresste sie ihn mit der Drohung, sich wegen ehelicher Untreue bei der obersten Kirchenleitung zu beschweren. Der Vater blieb also – bis zum Erreichen des Ruhestandes. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was er auch noch weiß ist, dass er eine Weile im Kinderheim zubrachte – aber er erinnert sich nicht, warum. Warum er ins Internat „abgeschoben“ wurde, weiß er dagegen noch genau: Die aggressive Mutter war schuld. Er war ein Einserschüler, aber beliebt war er nicht. Das lag daran, dass er immer wieder auf höchst subtile Weise seine Mitschüler gegeneinander ausspielte. Freundschaft war ihm aber auch nicht wichtig: Er war leidenschaftlicher Sportler mit großen Erfolgen im Hürdenlauf.

Schon als kleiner Junge hat er einen großen Wunsch: Fliegen. Am liebsten mit potenten Militärmaschinen. Deshalb bittet er nach dem Abitur  seinen Vater um Hilfe. Der schaltet den Abgeordneten ein, und tatsächlich: Er darf auf eine Ausbildung als Pilot hoffen, sofern er sich langfristig bei der Bundeswehr verpflichtet. Begeistert unterschreibt er und geht in das Vorpüfungsverfahren. Er lernt mit Leichtigkeit, er weiß sich in den psychologischen Tests perfekt zu behaupten, und auch die erste medizinische Untersuchung verläuft einwandfrei. Aber als es richtig losgehen soll, wird zu hoher Bludruck diagnostiziert. Der sinkt zwar zwischendurch auch wieder, bleibt allerdings nie auf niedrigem Niveau stabil. Das ist das Ende. Man lehnt ihn ab.

Seine Wut ist grenzenlos.

Soll er nun etwa mindestens 16 Jahre im Stubenmief der Uniformträger ersticken? Oh nein.

Er wendet alle Mittel an, die ihm zur Kenntnis kommen,  unlautere sind auch dabei. Dann ist er aus der Bundeswehr raus, der Abgeordnete ist diskreditiert und sein Vater will nichts mehr mit ihm zu tun haben – seine Brüder auch nicht.

Ok, dann eben nicht.

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Er geht ins Ruhrgebiet, um Medizin zu studieren. Finanzielle Unterstützung hat er keine, aber er kommt auch so durch: Er fährt Taxi – besonders an den Wochenenden und Feiertagen, wenn andere frei haben wollen. Er studiert in Rekordzeit und nimmt an einem Klinikum die Arbeit auf. Er spezialisiert sich, wird Herz- und Gefäßchirurg.

Das ist die Zeit, als er entdeckt, welche Wirkung er auf Frauen haben kann, wenn er will. Es dauert nicht lange, und er lebt im Haus einer Bochumer Ärztin und deren Kind aus geschiedener Ehe. Sie arbeiten in der selben Klinik, haben viele gemeinsame Interessen, und eine Zeitlang scheint sein Leben stabil.

Aber die Gleichmäßigkeit in den Lebensumständen macht ihn schnell nervös. Er fühlt sich eingesperrt in einem unwirklichen Stillstand – dazu kommt, dass der Chefarzt ihn auf dem Kicker hat. Abhilfe lässt sich nur teilweise schaffen: Krankenschwestern für die Abwwechslung im Bett – auch hie und da einmal genesene Patientinnen – finden sich leicht und lassen sich ebenso leicht auswechseln. Der Chefarzt aber nicht. Und der bekommt gesträubte Nackenhaare, sobald er den stahlblauen Weit-Entfernt-Blick in den Augen seines Chirurgen sieht.

Im Krankenhaus passieren seltsame Unregelmäßigkeiten. Krankenakten verschwinden oder sind nachträglich geändert – die Medikamente und die Lieferlisten stimmen nicht überein, in der Ärzteschaft entsteht Unruhe. Als ein erheblicher finanzieller Posten unter ungeklärten Umständen umgeleitet wird, gerät er unter Verdacht. Er verlässt die Klinik und die zu eng gewordene Lebensgemeinschaft. Mit einer anderen Frau unternimmt er eine lange Reise durchdie Alpenländer, Italien und Südfrankreich. Inzwischen hat er privat den Pilotenschein gemacht und darf eine mehrsitzige Cessna fliegen. Das tut er mit Begeisterung.

Sich in eigener Praxis niederzulassen, kommt für ihn nicht infrage: Es stellt seinen Albtraum der Gefangenschaft an einem einzigen Ort dar. Also versucht er es anders: Er wird Arzt im Dienst eines österreichischen Unternehmens, das in Afrika Öl bohrt. Zu besten finanziellen Bedingungen zieht er ins „Weißencamp“, leitet eine Krankenstation mit mehreren Schwestern und behandelt die Privatpatienten auf eigene Rechnung. Und was das Schönste ist: Zwischen Lagos/Nigeria und Paris/Charles-de-Gaulle gibt es „Linienflüge“ mit der Concorde. Wundervoll. Er braucht zwar Anschlussflüge, aber er nimmt das Überschallflugzeug, wann immer es geht. Als „african resident“ ist das nichtmal wirklich teuer.

Eine der Krankenschwestern ist eine Französin: 40, gut situiert, verheiratet und rettungslos in ihn verliebt. Sie lässt ssich scheiden, verzichtet auf einen finanziellen Ausgleich von ihrem Ex-Mann, nimmt nur 40 Goldstücke mit. Er ist sehr geschmeichelt: So ein wildes und schönes Weib will ihn haben, obwohl er nun Mitte 40 ist – klasse. Sie kaufen ein Haus bei Innsbruck – in einem kleinen Dorf, ganz am Rand, für die Zeit nach Afrika. Sie haben einen kleinen schwarzen Jungen bei sich aufgenommen, der von seiner Mutter ausgesetzt worden war und wollen nach Ende ihres Vertrages in Österreich leben.

Mythos des Vaters benutzt

Aber vorher will er noch ein Entwicklungshilfeprojekt in Gang setzen.  Noch einmal fährt er zurück in den Ort, wo er geboren wurde. Der Mythos seines inzwischen verstorbenen Vaters lebt: Die Generation, der damaligen Jugendarbeit sitzt nun auf Entscheiderposten in den Verwaltungen. Auch die Brüder heißen ihn willkommen – skeptisch zwar, aber Blut ist dicker als Wasser. Dafür schläft er auch mal in der von der ungeliebten Schwägerin für ihn ausgeräumten Besenkammer. Was zu diesem Zeitpunkt niemand außer ihm selbst weiß: Er kann nicht ins Camp zurück. Dort ist die Patientenkartei zusammen mit einer knapp sechstelligen Summe Bargeld verschwunden.

Sie gründen einen Verein zwecks Spendensammlung für den Bau eines Krankenhauses in Afrika: Alle wesentlichen Multiplikatoren und sein jüngster Bruder sind Mitglieder.  Der Verein startet eine Spendenkampagne in den lokalen Medien. Das Geld fließt, aber ihm geht alles viel zu langsam. Er schafft es, einen Termin beim Chefredakteur einer der Tageszeitungen zu bekommen und geht mit allem ihm zur Verfügung stehenden Charme zu Werke. Er plaudert über klassische Musik, internationale Küche und die Leser-Blatt-Bindung von Lokalausgaben. Der Chefredakteur ist tief beeindruckt von diesem Mann von Welt. Die Zeitung veranstaltet ein Gala-Konzert und spendet eine fünfstellige Summe.

Auch eine Freundin vor Ort ist schnell gefunden. Er bewirft sie wochenlang mit langstieligen roten Rosen: Jeden Tag liefert das Blumenhaus einen neuen Straß, mal in die Wohnung, mal ins Büro. Dann zieht er von der Besenkammer in ihr Haus. Sie ist 30 und er kann ihr viel beibringen. „Willst du führen oder willst du geführt werden?“ ist seine Standardfrage, wenn sie beginnt, über Teamarbeit und Gleichberechtigung zu sprechen. „Eine andere Wahl hast du nicht. Es gilt IMMER das Recht des Stärkeren. Also entscheide dich.“

Sie sprechen über Afrika, die Notwendigkeit von Entwicklungshilfe, sein Leben. Und sie fahren weg, wann immer es geht. Er hat jeden Monat einen anderen Leihwagen: Immer im Wechsel Mercedes oder BMW. Er liebt es, wenn sie fährt. Und er liebt es, sie zu formen. Sie hat zum Beispiel die falsche Garderobe: Er bringt sie deshalb in die große Stadt, läuft mit ihr durch mehrere Boutiquenen, trinkt Champagner und sieht zu, wie die Verkäuferinnen sie einkleiden. Die Sachen, die ihm an ihr gefallen, kauft er. Sie fahren in kleine Hotels in die Vogesen, und sie sind oft in der Schweiz: Am liebsten in Lugano. Er liebt die Anonymität großer, teurer Hotels. Dort parkt er die Freundin gern bis zur Abreisestunde, um mit einem kleinen schwarzen Köfferchen in die Stadt zu fahren, wo er „Geschäfte“ erledigen muss. Viel später wird sie erfahren, dass er versucht hat, von ehemaligen Patienten Geld einzutreiben.

Einmal schaut sie neugierig in seinen blauen Koffer, den er immer wieder irgendwo auf wundersame Weise mit frisch gebügelten weißen oder blauen Hemden bestückt: Außer diesen und einigen Accessoires findet sie zerknitterte Kontoauszüge. Die Summe nimmt rapide ab. Geldquellen kann sie keine ausmachen.

Er reagiert kalt und konsequent, wenn sie nicht funktioniert: Hotels zahlt er nur, wenn er sie auch ausgesucht hat. Es kostet beinahe ihr ganzes Monatseinkommen, als sie einmal ein „falsches Hotel“ anfährt: Er lässt sie bei der Abreise gnadenlos allein an der Rezeption stehen und die gesamte Rechnng bezahlen. Ähnlich geht es beim Einkleiden zu: Als sie einmal selbst ein Kleid aussucht, sagt er mit charmantem Lächeln und grell-provokantem Blick erst an der Kasse: „Dieses Kleid zahlt die Dame selbst.“

Immer wenn sie Fahrten unternehmen, ist er ein anderer Mensch. „Es gibt nichts schöneres, als unterwegs zu sein,“ erklärt er ihr. „Wann und wo man ankommt, ist völlig egal.“ So fahren sie mal hierhin, mal dahin. Zum Beispiel mal eben nach Paris. Um mit den Hintergrundgeräuschen von Charles-de-Gaulle bei geöffneter Tür der Telefonzelle in Afrika anzurufen und der Französin zu erklären, dass die Concorde gut gelandet sei.

Eines Abends, als er sie im Büro abholt, gibt es einen Eklat: Die Tür öffnet sich und „seine“ Französin ist da. Sie legt eine lautstarke, wenig schmeichelhafte Szene hin – die neue Freundin schweigt hilflos, er selbst bekommt einen peinlich roten Kopf, führt das zeternde Weib zur Tür, befördert es zu seinem Fluchtpunkt: Das Hotel am Flughafen. Das ist zwei Tage bevor er mit der Freundin für eine Woche nach Miami fliegen will. Die Tickets liegen bei ihr zuhause, die Koffer sind gepackt. Am Tag des Abflugs, als er sich immer noch nicht gemeldet hat, ruft sie im Flughafenhotel an. Er ist da, sie hört das eine Frauenstimme im Hintergrund. Dann sagt er: „Wir fliegen nicht“ und legt auf.

Lügner, Betrüger und Hochstapler

Sie bekommt einen Aruf seines jüngsten Bruders mit der Bitte um ein Treffen. Als sie sich sehen, redet er Klartext: „Mein Bruder ist ein Lügner, Betrüger und Hochstapler. Das war er schon als Kind. Glaube ihm nichts und verlasse dich niemals auf ihn.“

In der Zwischenzeit war der Verein rege aktiv.  Medikamente wurden von Firmen und Großhändlern gesammelt, medizinisches Gerät und ausgediente Krankenbetten bei Kliniken aus der ganzen Republik. Sie lagern in der Verwaltung, sollen aber da weg, weil sie zuviel Platz brauchen. Entwicklungshilfeorganisationen sind eingebunden, um Ärzte und medizinisches Personal für das neue Krankenhaus zu finden, das derweil im Bau ist. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist groß. Das Haus der Freundin ist – ganz ohne ihr Einverständnis – Telefonzentrale: Hier melden sich alle, die den mal wieder verschollenen Doktor sprechen wollen oder sonstige Fragen haben. Wie zum Beispiel die Autovermietung: Die will wissen, wer nun den Totalschaden an einem Mercedes zahle, den er nach dem Unfall kommentarlos auf dem Hof abgestellt hat. Glücklicherweise sei ja weder ihm, noch der Beifahrerin etwas passiert… Wenig später meldet sich die Krankenkasse: Wie das nun mit den Beitragsrückständen aussehe…

Nach mehrwöchiger Abwesenheit ohne sich zu melden taucht er abends wieder bei ihr auf, in der Hand ein Baquette, Räucherlachs und eine Flasche Champagner: „Sie ist zurück in Afrika,“ sagt er fröhlich und strahlt die Freundin an. Die Augen unter den buschigen Brauen leuchten hellblau und charmanter denn je. Sie zeigt auf seinen gepackten blauen Koffer, der im Flur wartet: „Raus.“

Er geht nicht. Statt dessen deckt er den Tisch, setzt sich und berichtet, wie schwierig es sei, sich von der Französin zu trennen. Nun sei aber alles auf bestem Weg, und er gedenke, sich dauerhaft am Ort niederzulassen. Er hat Vertretungen in lokalen Arztpraxen organisiert, eine auch schon angetreten, im übrigen beschlossen, sich endlich selbst einen Wagen zu kaufen. Auch ein Vereinsbüro will er mieten und dort die ganzen gesammelten Spenden unterbringen.

Sie sagt: „Weißt du eigentlich wie es mir ging, als du einfach verschwunden bist?“ Mit rotem Kopf bricht er in Tränen aus. Als sie um den Tisch herumgehen will, um ihn zu umarmen, sagt er: „Lass das! Du weißt ja nicht, warum ich weine.“ Er berichtet von seinen Taxifahrten an Wochenenden, zu Ostern oder Weihnachten während des Studiums. „Ich war ganz allein. Ohne Freunde, ohne Familie. Aber was das schlimmste war: Ich konnte nichts, absolut gar nichts fühlen. Nichtmal Trauer.“

Sie quartiert ihm im Gästezimmer ein und fragt sich zum hundertsten Mal, warum sie diesen Menschen nicht zum Teufel schickt.

MARS GLOBAL SURVEYOR VIEW OF HAPPY FACE CRATER

In der Folgezeit scheint er sich zu sammeln. Er mietet ein Haus in einem versteckten Winkel eines Nachbarortes. Die Miete lässt er von der Kirchengemeinde zahlen: Die darf im Obergeschoss eine Asylantenfamilie einquartieren. An der Haustür steht der Name des Vereins. Er verfügt jetzt über Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Büro, Küche und Bad. Die Rolladen sind immer unten. Die Freundin bekommt einen Schlüssel.

Er verschwindet für immer längere Zeiträume, ohne sich zwischendurch zu melden. Sie hört, dass er zeitweise bei der Leiterin des Arbeitsamtes lebt. Eine Bekannte, die für eine Airline arbeitet, erzählt ihr am Telefon, dass er versucht habe, sich bei ihr einzuquartieren. Mittlerweile hat sie auch erfahren, dass die Beifahrerin bei seinem Unfall im Mietwagen die Frau eines anderen Arztes war, mit der er offenbar ein Wochenende verbracht hatte. Auf gerader Strecke war der Wagen ausgiebig an den Leitplanken entlang gescheuert.

Die „guten Gene“ weitergeben

Wenn er selbst auftaucht, konfrontiert er sie mit abstrusen Ideen: „Ich möchte, dass wir ein Kind zeugen. Ich habe gute Gene, die weitergegeben werden sollten – und ich denke, deine sind auch soweit ok. Wenn das Kind dann da ist, machen wir einen Vaterschaftstest und stellen fest, ob es wirklich von mir ist. Dann finanziere ich es bis zum abgeschlossenen Studium.“ Ihr fällt die Kinnlade herunter. „Sag mal, spinnst du?“ „Nein, keineswegs.“ Seine Augen sind klar und kühl. „Ich muss schließlich wissen, dass es wirklich meine Gene sind.“ Sie lehnt empört ab: „Ich will, dass du künftig in deiner eigenen Wohnung schläfst.“ Das tut er. Die Spenden sind jetzt auch dort. In der Garage steht jetzt ein Kleinbus, gestiftet von einem örtlichen Arzt.

Eigentlich will sie ihn zur Rede stellen wegen der zahllosen Forderungen, die immer bei ihr landen. Wieder einmal hat er einen hochroten Kopf, jetzt auch die Augen eines gehetzten Tieres. Sein Hals ist irgendwie dicker. Sie muss mehrfach nachfragen, was los ist, bis er tonlos sagt: „Heiße Strumas in der Schilddrüse. Ich habe Krebs. Eine Folge der Röntgenbehandlung in meiner Kindheit.“

In Deutschland kann er sich nicht operieren lassen, keine Krankenkasse mehr.  Er beschließt, nach Chicago zu fliegen und sich dem Sohn seines Doktorvaters anzuvertrauen. Sie fragt nicht, woher er das Geld nehmen will. Es wäre zwecklos. Er ist jetzt erkennbar gefährlich – wie ein waidwundes Tier. Also fragt sie nach den Überlebenschancen. „Ganz gut, wenn noch keine Methastasen da sind,“ antwortet er. Für einen kurzen Moment kann sie seine Angst erkennen, bevor der Weit-Entfernt-Blick alles überdeckt.

Er verschwindet. Als er vier Wochen später wieder auftaucht, ist er ein anderer Mensch. Hektisch, hochrot, jähzornig, gehetzt. Die Medikamente seien schuld, sagt er. Es sei so schwierig, die nun fehlenden körpereigenen Hormone richtig einzustellen. Später wird klar: Weder seine Brüder, noch seine Mutter haben ihm Geld geliehen. Er hat die OP-Rechnung mit einer ungedeckten Kreditkarte gezahlt, ebenso die des Hotels, wo er während der Nachbehandlung wohnte.

Alarmstufe rot – bitteres Ende

Sie fährt zu seiner Wohnung, um nachzusehen, ob die Spenden noch da sind. Sie findet zum Trocknen aufgehängte Kleidung eines Mannes, einer Frau und eines Kindes. Weit können sie nicht sein, die Kleidung ist noch feucht. Im Büro liegen drei Kreditkarten samt zugehörigen Forderungen der Banken im fünfstelligen Bereich. Im Regal findet sie Bücher aus ihrem Haus, die sie bereits vergeblich gesucht hatte. Und eine Handtasche aus Schlangenleder, die er ihr vor Monaten geschenkt und die sie bisher in ihrem eigenen Schrank gewähnt hatte. Der Kleinbus in der Garage ist voll gepackt mit Medikamenten. In der Schreibtisch-Schublade liegt ein „letzter Wille“: Zynisch hat er formuliert, dass die Frau, die ihn bis zum Ende pflege, seinen Nachlass ihr Eigen nennen dürfe.

Alarmstufe rot.

Sie informiert die Vereinsmitglieder und den Vertreter der Zeitung. In Windeseile stellen sie die Spenden sicher. Später werden sie vor Ort feststellen, dass auch alles wohlbehalten im afrikanischen Krankenhaus angekommen ist.

Diesmal taucht er nicht wieder auf. Das letzte, was sie erreicht, ist ein Anruf von irgendwo: „Ich habe Metastasen. Und alles, was man dir über mich erzählt hat, sind Lügen. Sie mochten mich nie wirklich.“ Dann reißt der Kontakt endgültig ab.

Bis die Anrufe abreißen, dauert es länger. Ein Makler sucht ihn – das Haus bei Innsbruck sei nun verkauft. Ein Arzneimittel-Großhändler sucht ihn: Er hat sich Medikamente für ein Dreifaches der vorhandenen Spendensumme liefern lassen und die Berichte der Tageszeitung als Referenz vorgelegt. Bezahlt hat er nicht.

Jahre später hört sie das Ende der Geschichte. Inzwischen sind die beiden anderen Brüder an Krebs gestorben. Eine der Nichten berichtet ihr, wie er seine letzte Zeit  verbrachte: Im Rollstuhl.

Eingesperrt und unbeweglich.

Die Frau, die ihn bis zu seinem Tode pflegte, hat er geheiratet.

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Die Psychopathie-Checkliste von Robert D. Hare unterscheidet laut Wikipedia zwei Dimensionen der Psychopathie mit folgenden Punkten:

Dimension 1: ausnützerisch

  • trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
  • erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
  • pathologisches Lügen (Pseudologie)
  • betrügerisch-manipulatives Verhalten
  • Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
  • oberflächliche Gefühle
  • Gefühlskälte, Mangel an Empathie
  • mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen

Dimension 2: impulsiv

  • Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger), ständiges Gefühl der Langeweile
  • unzureichende Verhaltenskontrolle
  • frühere Verhaltensauffälligkeiten
  • Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen
  • Impulsivität
  • Verantwortungslosigkeit
  • Abwertung anderer Menschen
  • Jugendkriminalität
  • Verstoß gegen Bewährungsauflagen bei bedingter Haftentlassung

Weitere Punkte:

  • Promiskuität
  • viele kurzzeitige eheähnliche Beziehungen
  • polytrope (vielgestaltige) Kriminalität

Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung (früher auch als Soziopathie, also – etwas frei übersetzt – als sozialer, gesellschaftlicher Störfaktor bezeichnet) lässt sich im allgemeinen am sichersten diagnostizieren. Das liegt nicht zuletzt an ihrem meist eindrucksvollen (negativ auffallenden) Beschwerdebild: verantwortungsloses und antisoziales (gegen jede gesellschaftliche Regeln verstoßendes) Verhalten, und zwar von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Vor allem scheinen antisoziale Persönlichkeiten wegen ihrer Impulsivität (also spontanen, hier besonders überschießenden, unkontrollierten Wesensart), ihrer Unzuverlässigkeit, Bindungsschwäche, Egozentrizität (krankhafter Ichbezogenheit) und wegen des Mangels an Schuldgefühlen therapeutisch kaum beeinflussbar zu sein.

Zusätzliche Probleme, seien sie gesundheitlicher, seien sie sozialer Art, entstehen oft durch den gleichzeitigen Missbrauch von Alkohol, Rauschdrogen, Tabak und Medikamenten. Die Heilungsaussichten sind deshalb in aller Regel ungünstig.

Behandlung: Nach dieser negativen Einführung nimmt der Satz nicht Wunder: Versuche mit (meist) gruppentherapeutischen Verfahren werden in der Regel im Rahmen von Besserungseinrichtungen, in Vollzugsanstalten oder in der forensischen Psychiatrie durchgeführt (rechtskräftig verurteilte psychisch Kranke in der Behandlung dafür spezialisierter Abteilungen der psychiatrischen Krankenhäuser).

Medikamentös gibt es für antisoziale Persönlichkeiten keine speziellen Therapievorschläge. Reizbarkeit und Aggressivität werden – soweit möglich – durch antipsychotische Neuroleptika und die Phasenprophylaktika Lithium und Carbamazepin (leicht) gebessert. Das eigentlich antiepileptisch zum Krampfschutz eingesetzte Carbamazepin wird vor allem dann empfohlen, wenn sich im Hirnstrombild (EEG) bei Patienten mit antisozialer Persönlichkeitsstörung eine so genannte Temporallappen-Schädigung feststellen lässt (Schädigungen im Temporal- oder Schläfenlappen des Gehirns sind für eine ganz besonders auffällige und für Laien ungewöhnliche Form der Epilepsie verantwortlich, was sich gerade durch solche Antiepileptika erfolgreich behandeln lässt).

Verhaltenstherapeutisch ist bei den antisozialen Persönlichkeitsstörungen eine Erkenntnis von nachteiliger Bedeutung, die sich auch nicht erfolgreich „wegtrainieren“ lässt, zumindest bei einer nicht geringen Zahl von Betroffenen: Diese „Soziopathen“ sind durch Strafreize weniger gut konditionierbar (prägbar) und lernen schlecht aus Erfahrungen, und seien sie noch so schmerzlich und damit für eine entsprechende Verhaltenskorrektur wegweisend. Dazu kommt das bereits erwähnte Risiko-Suchtverhalten, das weit über dem Durchschnitt liegen kann (was offenbar auch mit bestimmten Funktionsstörungen des Gehirns zu tun hat). So kommt man meist um einen Gesamt-Behandlungsplan nicht herum, der mit Psychotherapie, Konditionierungsverfahren, Belohnung und Beeinflussung durch Eltern und Beziehungspersonen sowie oft genug durch entsprechende Medikamente arbeitet – leider letztlich mit begrenztem Erfolg.   Quelle: Psychosoziale Gesundheit

HILFE: Bei www.narzismus.net gibt es diverse Foren und Partnerseiten, wo auch Probleme in der Partnerschaft mit Soziopathen besprochen werden.

Siehe auch:

Teil eins: Nie wieder verletzt werden: Ein Blick ins Herz eines Narzissten

 Teil drei: Ein gebrochenes Herz wird andere Herzen brechen – es kann nicht anders

und:

Wo andere ein Gewissen haben, ist da nichts

Wie man einen Soziopathen erkennt

Unterschiede zwischen Soziopath und Psychopath

Persönlichkeitsstörungen einteilen

Video mit ausfühlichen, klaren Definitionen und Verteidigungsstrategien

Update: Der wahre Wolf der Wall Street – auch nochmal hier

Update: 5 major signs your guy is an emotional psychopath

Update: Magdalena Kopp, die Gefährtin des „Schakals“

Manipulation: Einfach, wenn man weiß, wie’s geht – und sehr wirkungsvoll… Antwort

„Errege nicht das Misstrauen einer Frau – du wirst sie niemals mehr täuschen können.“

Ein kluger Mann hat das vor drei Generationen der CIA sogar schriftlich gegeben: Es war kein geringerer als der große Illusionist John Mulholland (1898 – 1970). Der musste es wissen – Er war verheiratet und unterhielt über Jahrzehnte ein Verhältnis zu seiner Sekretärin.  Der Sohn eines Anlagebetrügers im großen Stil war ein begnadeter Illusionist und wurde bereits mit 16 Jahren in die amerikanische Brüderschaft der Magier aufgenommen, wo er beim großen Zauberer Robert Houdin in die Lehre ging. Später hat der Mann die CIA in allem beraten, was man so wissen muss, wenn man Feinde aus dem Weg räumen will: Wie transportiert man tödliche Nadeln in Münzen – wie schüttet man seinem Gegenüber Gift ins Getränk, ohne dass das Opfer es bemerkt – wie verdreht man die Sicht der Öffentlichkeit auf die Frage, wer von zwei Kriegsparteien die Wahrheit spricht und wer nicht….

Merkwürdige Aktualität erreicht das Thema gerade in der Ukraine-Krise. Deshalb soll es auch noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden: Auslöser ist eine Bildtafel im aktuellen Handbuch: „The Art of Deception„:

25-02-2014 21-29-13

„The Art of Deception“ – „Die Kunst des Betrugs“ heißt das Handbuch, das durch Edward Snowden in diesen Tagen in Form einer Power Point Präsentation bekannt wurde. Das ist kein neuer Titel, sondern ein sehr alter: Faktisch handelt es sich um die moderne Ausgabe eines Werkes von John Mulholland, das 1973 spurlos verschwand, 2003 wieder auftauchte und heute ganz normal für ein paar Euro bei Amazon erworben werden kann: „The offical C.I.A Manual of Trickery and Deception“  ist einer von mehreren Vorläufern des heutigen Handbuches und stammt aus der Zeit des kalten Krieges.

Marita Lorenz, Tochter des aus Bad Münster am Stein stammenden Kapitän Lorenz, hat in ihrem Buch „Lieber Fidel“ anschaulich beschrieben, wie es in den 60er Jahren beim US-Geheimdienst zuging: Die damals 19Jährige hatte 1959 eine Affaire mit dem kubanischen Revolutionär Fidel Castro, wurde ein knappes Jahr später zwecks einer Zwangsabtreibung verschleppt, später von der CIA rekrutiert und nach Kuba zurückgeschickt, um Castro zu ermorden. Die dazu nötigen Giftpillen versteckte sie in einem Creme-Tigelchen. Nachdem sie es nicht fertiggebracht hatte, den Mann ihres Herzens zu meucheln, wurde sie vom Geheimdienst in immer neue Aktionen gebunden, kannte unter anderem auch den Mörder Kennedies, Lee Harvey Oswald.

Mulholland hat in seinem Buch ein ganzes Kapitel den Besonderheiten bei Frauen, sprich: weiblichen Agenten gewidmet. Darin kommt auch das Thema Kosmetik ausführlich vor. John Mulholland hatte übrigens auch dezidierte Meinungen zu Themen wie Hypnose oder Hellsehen – letzteres mündete einige Jahrzehnte später in das CIA-Projekt Remote Viewing.

Sein großes Vorbild, Jean Robert Houdin, der „große Houdini“, hatte sich bereits im 19. Jahrhundert einen Namen beim französischen Geheimdienst gemacht, der sich mit Aufständen im kolonialisierten Algerien herumschlug. Houdin überzeugte die Algerier mit Hilfe von Zaubertricks erfolgreich von der französischen Übermacht.

Ganz in diesem Sinne agierte auch der britische Zauberer Jasper Maskelyne, dem der deutsche „Wüstenfuchs“, Generalfeldmarschall Rommel die entscheidende Niederlage bei El Alamein zu verdanken hat. Maskelyne, der einer britischen Illusionisten-Familie entstammt, täuschte die Deutschen immer wieder in großem Stil. So verhinderte er beispielsweise die Zerstörung einer großen Zahl alliierter Kriegsschiffe im Hafen von Alexandria, indem er eine täuschend ähnliche „Doublette“ des Hafens einige Kilometer weiter etablierte. Durch Licht-Spiegelungen tarnte er den Suez-Kanal erfolgreich vor den nächtlichen Angriffen auf dort verkehrende Versorgungsschiffe und hielt so die Nachschubwege für die Alliierten offen. Vor El Alamein vermittelte er den Deutschen, General Montgommery wolle aus Süden angreifen. Tatsächlich kamen dessen Truppen dann jedoch aus Norden und schlugen die Deutschen vernichtend. Um Panzer zu verstecken, „verpackte“ Maskelyne sie täuschend echt als harmlose Lkw. Er vergaß dabei nicht einmal, die Kettenspuren, die man vielleicht von oben im Sand hätte erkennen können, durch Reifenspuren zu ersetzen… In Youtube gibt es eine dreiteilige Video-Dokumentation über Maskelynes Aktivitäten. Hier Folge drei:

Nur wenige Medien haben sich die Mühe gemacht, ausführlich den Einsatz von Illusionisten für Geheimdienste zu dokumentieren. Eine Ausnahme ist hier Telepolis. Der Autor Markus Kompa hat sich gleich mehrfach damit auseinandergesetzt.

Noch ein paar Stichworte finden sich im aktuellen britisch-amerikanischen Täuschungs-Handbuch, deren Nachverfolgung sich lohnt: So fällt etwa der Name Cialdini. Dr. Robert Cialdini ist einer der ganz erfolgreichen Erforscher menschlicher Verhaltensweisen. Seine Ergebnisse vermarktet er weltweit in seinem Unternehmen Influence At Work. Dabei betont er immer wieder, dass Manipulationsmethoden nur „zum Guten“ verwendet werden sollten – eine Aussage, die bereits ohne weitere Kommentierung für sich selbst spricht. Cialdini ist ebenfalls vielfach mit kurzen und längeren Vorträgen in Youtube zu finden. Hier ein Beispiel, wie er über die wesentlichen menschlichen Verhaltensmuster referiert:

Die deutsche „Päpstin“ Vera F. Birkenbihl, deren Vorträge meist sehr lang, dafür aber derart voll geballter Information sind, dass sie Lehrbücher beinahe ersetzen, bezieht sich in ihrem hörenswerten Referat „Menschen beeinflussen“ immer wieder auf Robert Cialdinis Forschungsergebnisse.

Im Grundsatz geht es bei der mentalen Beeinflussung von Menschen immer nur um zwei Ziele: Entweder soll ein seelisches Problem therapiert werden – das ist der seltenere – oder der Einflussnehmende will einen persönlichen Vorteil erreichen. Dies kann ein durchaus legitimes Ziel sein, wenn man beispielsweise die Arbeit in einem Team positiv beeinflussen, oder eine Werbekampagne zu besserem Erfolg führen möchte. Es wird jedoch sehr schnell zu einer Gratwanderung. Die beginnt ganz subtil bei einer völlig normalen Unterhaltung – etwa zwischen Mann und Frau – zum Beispiel im Internet. Hier schließt sich ein Kreis: Wir sind wieder bei der modernen „Kunst der Täuschung“.

Wo finden wir nun die Hilfsmittel, um die Methoden des Geheimdienstes zu erkennen (anzuwenden…)?

Ganz einfach: im NLP, der neurolinguistischen Programmierung. Die Grundausbildung zum „Practinioner“ ist bereits nicht ganz billig. Um die Methoden kennenzulernen, genügt es jedoch, sich ein Buch anzuschaffen, zum Beispiel NLP – das WorkBook. Hier finden sich Übungsbeispiele zu hypnotischen Sprachmustern, wie sie etwa in der Milton-Methode angewendet werden. Milton H. Erickson (1901 – 1980) war einer der bedeutendsten Wegbereiter der heutigen Hypnosetherapie.

Mit Hilfe von NLP kann man Menschen auch in eine leichte Trance versetzen, die mit Tiefenhypnose wenig gemeinsam hat. In dieser Trance, deren sich der Betroffene möglicherweise nicht einmal bewusst ist, ist es aber möglich, jemanden zu bestimmten Lösungen zu führen, die er im Normalzustand nicht selbst entwickeln würde. Das oben zitierte NLP-Workbook zeigt verschiedene Modelle, Methoden und Strategien dazu auf.

Manipulation ist also durchaus kein Hexenwerk – zumal man sie im besten Sinn verwenden kann, um Menschen zu heilen, Arbeit und Beziehungen erfüllter zu gestalten. Dennoch kann die Kenntnis ihrer Methoden auf gleich zweifache Weise eine teuflische Wirkung entfalten: Erstens setzt sie beim Anwender große charakterliche Stabilität voraus, denn er wird der immerwährenden Versuchung ausgesetzt sein, seine Kenntnisse zum eigenen Vorteil UND zum Nachteil anderer einzusetzen. Die noch weitaus teuflischere Wirkung wird erst auf den zweiten Blick offenbar: Ein Mensch, der weiß, wie einfach Andere manipulierbar sind, kann in tiefem Misstrauen gegenüber allen anderen Menschen gefangen bleiben. Da die Methoden der Manipulation sehr subtil sein können, weiß er ja nie wirklich, ob sein Gegenüber nicht versucht, auch ihn zu beeinflussen….

Hier schließt sich ein weiterer, wenig erfreulicher Kreis:  John Mulholland, der davor gewarnt hatte, das Misstrauen einer Frau zu erregen, hat möglicherweise zu kurz gegriffen. Auch Männer, die „zu viel“ wissen, können unheilbar misstrauisch werden. So misstrauisch, dass sie echte Sympathien ihres Gegenübers von ihren eigenen Ängsten nicht mehr unterscheiden können.

Siehe auch:

Manipulation in Sprache und Inhalt: Wie informiere ich mich?

Wie manipuliert man Menschen?  

Nein, das ist kein Film: Wir werden wirklich überwacht!

Update: Putins Medien-Coup gegen den Westen in Sachen Krim

Update: Britischer Geheimdienst kann Meinung im Internet technisch manipulieren

 

Habemus Papam: Franziskus, der Kardinal der Armen, kommt aus Argentinien Antwort

Bereits mit dem Namen „Franziskus“, den er für sich wählte, setzte der neue Papst das erste Zeichen – er nennt sich nach dem Heiligen Franz von Assisi. Sein erstes Auftreten vor den jubelnden Gläubigen setzte ein weiteres: In schlichtem Weiß bat der neue Bischof von Rom erst einmal das Volk, für ihn zu beten, bevor er selbst den Segen erteilte. Es wurde mäuschenstill auf dem Petersplatz, während die Menschen seinen Wunsch erfüllten.

Bescheidenheit steht der katholischen Kirche gut an in diesen Zeiten – so konnte der neue „Petrus“ nicht besser aufzeigen, wo die Richtung hin gehen soll.

Jorge Mario Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Sein Vater war Bahnangestellter in der argentinischen Hauptstadt. Dort wurde der Sohn erst einmal Chemiker, bevor er mit 21 Jahren ins Priester-Seminar ging. Nach seiner Priesterweihe 1969 folgte ein Studium, dann die Berufung zum Provinzial des Jesuitenordens. 1998 übernahm Bergoglio die  Erzdiözese von Buenos Aires, 2001 wurde er zum Kardinal berufen. Der Kardinal ist der einige Jesuit im Konklave und war bereits bei der Wahl Benedikts XVI. ein starker Mitbewerber. Dennoch war die Überraschung gestern perfekt – er gehörte nicht zu den allgemein gehandelten Favoriten. Mit seinen 76 Jahren hielt man ihn offenbar für zu alt.

Kardinal Bergoglio hat neben Theologie auch Philosophie studiert, er lehrte Psychologie und Literatur. Sein Aufbaustudium hat er in Deutschland absolviert und mit der Promotion abgeschlossen. In Buenos Aires lebte er in einem kleinen Appartement und fuhr mit dem Bus zur Arbeit – auch in Rom soll er gern im dunklen Mantel und ohne Kardinalshut unterwegs gewesen sein. Großspurigkeit lehnt er ab, er setzt sich für sozial benachteiligte Menschen ein. Theologisch hat man ihn bisher dialogbereit wahrgenommen, obwohl er sich konservativ positioniert hat. So ist er zum Beispiel strikt gegen die Abtreibung – auch nach Vergewaltigungen.
Das folgende Video zeigt den Mitschnitt der ARD, in dem das Wahlergebnis des Konklave bekannt wird.

Franz von Assisi verstand sich selbst als Büßer, schreibt Wikipedia Als solcher ermahnte er seine Mitmenschen, Gott zu lieben und für ihre Sünden Buße zu tun. Durch diese Predigten und seine extreme Lebensweise stieß er bei vielen Menschen auf Spott und Ablehnung, doch etliche andere zog sein Beispiel an, so dass sich ihm im Laufe der Zeit viele Brüder anschlossen.  Beim Gebet in San Damiano, etwa im Jahr 1205, fühlte sich Franz von der dortigen Kreuzikone her persönlich angesprochen. Die Legende berichtet, Christi Stimme habe zu ihm gesprochen „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.

Dies und vieles mehr setzt Zeichen der Linie, die der neue Papst offenbar anstrebt. Sogar seine eigene, wohl nicht sehr stabile Gesundheit ist etwas, das ist mit Franz von Assisi verbindet. Und noch etwas stach bereits bei seinem ersten Worten heraus: Franziskus I. sieht die Rolle der Frau in der Kirche möglicherweise um einiges anders als seine Vorgänger.

Franz von Assisi hatte eine spirituelle Gefährtin: Klara von Assisi. in der Nacht zum Palmsonntag 1212 verließ diese ihr wohlhabendes, adliges Elternhaus und legte in der kleinen Kirche Portiunkula das Gelübde eines Lebens nach den Evangelischen Räten ab. Franziskus bekleidete sie „mit einem ärmlichen Gewand“ und schnitt ihr die Haare ab. Auch Klara widmete sich fortan der Nachfolge Christi in radikaler Armut.

Franziskus gründete für Klara, ihre Schwester und weitere Gefährtinnen den „Zweiten Orden der Armen Frauen“ als Zweig des ersten Ordens, seiner Bruderschaft. Die Benediktiner von S. Angelo überließen den Frauen das Kirchlein San Damiano vor den Toren Assisis, wo Klara als Äbtissin der sich rasch vermehrenden klösterlichen Gemeinschaft vorstand.

Klara war kein Anhängsel an Franziskus, sondern eigenständig und eigenwillig. Ganz deutlich wird dieser Zug bei ihrem „Armutsstreit“ mit der kirchlichen Autorität. Erst zwei Tage vor ihrem Tod konnte sie das päpstliche Dokument in Händen halten, das ihr bescheinigte, dass niemand sie oder die Schwestern ihrer Gemeinschaft jemals zwingen könne, von der von ihnen freiwillig gewählten Armut abzulassen. Als Klara 1253 starb, hatten sich ihr mehr als 150 Klöster angeschlossen.

Kein anderer Papst hat bisher den Namen Franziskus gewählt. Wenn er hält, was das Symbol verspricht – und wenn er kluge Ratgeber wählt, die ihm helfen, den römischen Intrigen-Kampf zu bestehen, dann könnte gelingen, worauf die katholische Welt mit ihren 1,2 Milliarden Gläubigen sehnsüchtig wartet: Es könnte eine neue Begeisterung entstehen für einen Glauben, der sich an den Menschen orientiert und an dem, was Jesus von Nazareth einst erreichen wollte.

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Die Bewerbungsrede des Papstes vor den Kardinälen des Konklave

Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, veröffentlichte in seiner Diözesanzeitschrift ‚Palabra Nueva’ mit der Genehmigung des Papstes die Ansprache, die dieser vor dem Konklave in der Generalkongregation gehalten hatte.

Viele Kardinäle hatten davon gesprochen, dass diese sie sehr beeindruckt habe, nun liegt der Text auch veröffentlicht vor. Die Worte des damaligen Kardinals Jorge Mario Bergoglio:

 Ich habe Bezug genommen auf die Evangelisierung. Sie ist der Daseinsgrund der Kirche. Es ist die „süße, tröstende Freude, das Evangelium zu verkünden“ (Paul VI.). Es ist Jesus Christus selbst, der uns von innen her dazu antreibt.

1. Evangelisierung setzt apostolischen Eifer voraus. Sie setzt in der Kirche kühne Redefreiheit voraus, damit sie aus sich selbst herausgeht. Sie ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends.

2. Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus.

In der Offenbarung sagt Jesus, dass er an der Tür steht und anklopft. In dem Bibeltext geht es offensichtlich darum, dass er von außen klopft, um hereinzukommen. Aber ich denke an die Male, wenn Jesus von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen. Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten.

3. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre – dass sie eigenes Licht hat. Sie hört auf, das „Geheimnis des Lichts“ zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der „geistlichen Mondänität“ Raum (nach Worten de Lubacs das schlimmste Übel, was der Kirche passieren kann). Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern.

Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das „Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet“; und die mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.

Dies muss ein Licht auf die möglichen Veränderungen und Reformen werfen, die  notwendig sind für die Rettung der Seelen.

Die Übersetzung stammt von der KNA. Das Original:

 

La dulce y confortadora alegría de evangelizar

Se hizo referencia a la evangelización. Es la razón de ser de la Iglesia. – “La dulce y confortadora alegría de evangelizar” (Pablo VI). – Es el mismo Jesucristo quien, desde dentro, nos impulsa.

1.- Evangelizar supone celo apostólico. Evangelizar supone en la Iglesia la parresía de salir de sí misma. La Iglesia está llamada a salir de sí misma e ir hacia las periferias, no solo las geográficas, sino también las periferias existenciales: las del misterio del pecado, las del dolor, las de la injusticia, las de la ignorancia y prescindencia religiosa, las del pensamiento, las de toda miseria.

2.- Cuando la Iglesia no sale de sí misma para evangelizar deviene autorreferencial y entonces se enferma (cfr. La mujer encorvada sobre sí misma del Evangelio). Los males que, a lo largo del tiempo, se dan en las instituciones eclesiales tienen raíz de autorreferencialidad, una suerte de narcisismo teológico. En el Apocalipsis Jesús dice que está a la puerta y llama. Evidentemente el texto se refiere a que golpea desde fuera la puerta para entrar… Pero pienso en las veces en que Jesús golpea desde dentro para que le dejemos salir. La Iglesia autorreferencial pretende a Jesucristo dentro de sí y no lo deja salir.

3.- La Iglesia, cuando es autorreferencial, sin darse cuenta, cree que tiene luz propia; deja de ser el mysterium lunae y da lugar a ese mal tan grave que es la mundanidad espiritual (Según De Lubac, el peor mal que puede sobrevenir a la Iglesia). Ese vivir para darse gloria los unos a otros. Simplificando; hay dos imágenes de Iglesia: la Iglesia evangelizadora que sale de sí; la Dei Verbum religiose audiens et fidenter proclamans, o la Iglesia mundana que vive en sí, de sí, para sí. Esto debe dar luz a los posibles cambios y reformas que haya que hacer para la salvación de las almas.

4.- Pensando en el próximo Papa: un hombre que, desde la contemplación de Jesucristo y desde la adoración a Jesucristo ayude a la Iglesia a salir de sí hacia las periferias existenciales, que la ayude a ser la madre fecunda que vive de “la dulce y confortadora alegría de la evangelizar”.

Quelle: blog.radiovatikan.de

Update: Der neue Papst lebt gefährlich

Update: 100 Tage Pontifex der Bescheidenheit

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Die Entwicklung des Internets innerhalb von zehn Jahren Antwort

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siehe dazu auch: Frauen übernehmen das soziale Internet – eine Analyse der Nutzer-Strukturen