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Amazon ist angetreten, die Handelswelt das Fürchten zu lehren

Wie eine Bombe ist in diesen Tagen die Nachricht der Umsatzzahlen von Amazon in Deutschland eingeschlagen. Erstmals gab das Unternehmen diese in seiner Jahresbilanz für die amerikanische Börsenaufsicht SEC bekannt, und dann auch gleich rückwärts für zwei weitere Jahre. Daraus ergab sich ein alarmierendes Bild: Der Amazon-Erlös machte im Jahr 2012 bereits ein Viertel des Umsatzes im gesamten deutschen E-Commerce aus – Tendenz stark steigend.

Weltweit macht Amazon mehr als 61 Milliarden Dollar Umsatz, davon 34,8 Milliarden in Nordamerika, den übrigen Teil im Rest der Welt. 8,732 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 6,8 Milliarden Euro) davon entfielen 2012 auf Deutschland, das damit an der Spitze dieses übrigen Teiles der Welt steht, gefolgt von Japan mit 7,8 Milliarden und Großbritannien mit 6,478 Milliarden Dollar.

In Deutschland lag der Umsatz 2011 noch bei 7,23 und 2010 bei 5,296 Milliarden Dollar – die Steigerungsrate ist also enorm. Noch deutlicher wird das, wenn man sich die Zahlen des Bundesverbandes des deutschen Versandhandels zu Gemüte führt: Der kalkulierte den Jahreserlös des gesamten e-commerce in Deutschland für 2012 mit 27,5 Milliarden Euro (plus 26,5 Prozent im Vergleich zu 2011). Der Umsatz mit gedruckten Büchern ist im e-commerce zwar rückläufig, während das eBook weiter wächst – aber dennoch – oder gerade daran – lässt sich an drei Fingern ausrechnen, was ein derartiger Versandriese für den traditionellen Buchhandel bedeutet.

Amazon-Umsatz u.a. Deutschland

Die Steigerung des Amazon-Absatzes ist weltweit der deutschen recht ähnlich. Zwar machte der Konzern 2012 unter dem Strich ein leichtes Minus – dies lässt sich aber auf großräumig starke  Ausweitung des Vertriebsnetzes zurückführen. Allein in Deutschland gibt es inzwischen acht Logistikzentren mit einer Gesamtfläche von gut 800 000 Quadratmetern und einer Lagerkapazität von mehr als drei Millionen Kubikmetern. Weitere sind offenbar geplant – wobei jedes Logistikzentrum rund 1000 Arbeitsplätze schafft (Quelle: Börsenblatt).

„Ziel von Amazon.com ist von jeher, das kundenzentrierteste Unternehmen der Welt zu sein, bei dem Kunden praktisch alles finden, was sie online kaufen wollen. Indem Amazon.com Kunden mehr von dem gibt, was sie wollen – attraktive Preise, eine große Auswahl und Kundenfreundlichkeit – wächst das Unternehmen immer weiter und entwickelt sich zu einer der führenden e-Commerce-Plattformen“, formuliert Amazon in seiner Eigendarstellung.

Man kann es auch anders ausdrücken: Amazon will die Welt das Fürchten lehren.

Der traditionelle Buchhandel hat dieses Fürchten schon gelernt: In den USA verschwanden bereits große Ketten vom Markt, weitere reduzierten ihr Filialnetz erheblich. Trotz Buchpreisbindung bahnt sich auch hierzulande eine ähnliche Entwicklung an: Augenfällig wird das bei Branchen-Schwergewichten wie Thalia oder Weltbild/Hugendubel (Quelle: Stern).

Die Kleinen sterben leise: Sie schließen einfach ihre Tür.

Amazon Umsatz 2012

Update: Der e-commerce hat 2012 weltweit erstmals die Umsatzgrenze von einer Billion Do#llar überschritten

06-02-2013 12-06-02

Update: Mobiler Zahlungsverkehr: Banken im Wettbewerb mit InternetDienstleistern 

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Update: USA: Amazon zahlt keine Steuern auf Milliardengewinne

Staatsschulden der USA erreichen 16 Billionen Dollar

Ein Link auf eine immer schneller tickende Uhr: Der Schuldenstand der USA ist innerhalb nichtmal eines Jahres um EINE BILLION Dollar gestiegen.  Allein diese Nachricht sagt mehr aus als 1000 Worte, wenn es darum geht, die Äußerungen der Vereinigten Staaten in Bezug auf die Weltwährungspolitik zu bewerten.

Die interaktive Grafik hat noch einige andere interessante Funktionen – nehmen Sie sich Zeit …

Update: USA setzen erneut Schuldengrenze aus

Update: IWF ist alarmiert – die Welt versinkt in Schulden

Update: What economists think of the U.S. defaulting on its debt

Republikaner diskutieren Goldstandard

Wie ernst die konkrete Initiative gemeint ist, dar man durchaus offen lassen – Mitt Romney ist zurzeit jedes Mittel recht, um sich als Herausforderer gegen den USA-Präsidenten Obama zu profilieren. Dennoch ist die Meldung bemerkenswert: Beweist sie doch, das man sich auch in den USA sehr wohl darüber im Klaren ist, wie sinnvoll eine Rückkehr zum Goldstandard wäre.

Der folgende Artikel ist Goldreporter.de entnommen:

Gold deckt Papierwährung: Bis Anfang der 70er-Jahre war das Normalität!

Die Republikaner wollen im Wahlkampf erneut die mögliche Rückkehr zu einer Gold-Bindung des US-Dollars erörtern.

Im Rahmen des US-Wahlkampfs wollen sie eine Kommission einrichten, die die mögliche Rückkehr zum Goldstandard erörtern soll. Das berichtet das Wall Street Journal.

Die Republikaner erinnern sich dabei der einstigen Initiative von Ronald Reagan. Der ehemalige US-Präsident hatte während seiner Amtszeit ebenfalls ein Gremium einberufen, um die erneute Gold-Bindung des US-Dollar zu prüfen, die unter Präsident Ford Anfang der 70er-Jahre aufgegeben wurde. Reagans Experten kamen damals zu einem negativen Bescheid.

“Um die Machbarkeit einer Metallbasis für die US-Währung zu klären, soll eine ähnliche Kommission eingerichtet werden, die mögliche Wege untersucht, den Dollar an einen fixen Wert zu binden”, so ein Sprecher des Republican National Committee.

Selbst Präsidentschafts-Kandidat Mitt Romney steht dem Thema aufgeschlossen gegenüber: „Ich befürworte es, wenn wir eine ganze Reihe von Ideen untersuchen, die helfen unserer Währung und unserer Geldpolitik mehr Stabilität zu verleihen“, wird Romney zitiert.

Aber der Obama-Herausforderer schränkt die Sache ein: „Ich weiß, als wir in der Vergangenheit einen Goldstandard hatten, war es falsch, dem Kongress keinerlei Einflussmöglichkeiten zu lassen. Denn auch bei einem Goldstandard muss jemand entscheiden, wie das Umtauschverhältnis zwischen Gold und Dollar aussehen soll.“

Siehe dazu auch: Vervielfachung steht außer Frage  und Die Bundesbank hält den Prüfbericht über deutsche Goldreserven zurück

Update: The gold standard gets another look 

 

 

Wo steckt das Gold der Deutschen – und: Gehört es uns überhaupt noch?

Entnommen FAZ Finanzen vom 4.8.2012

Autor CHRISTIAN SIEDENBIEDEL

Die Bundesbank hat die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Der Schatz soll das Vertrauen der Bürger ins Geld stärken. Doch ein Großteil des Goldes lagert im Ausland. Seit langem hat es keiner mehr gesehen. Womöglich ist es nicht mehr da.

Nach der Sommerpause soll der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages sich mit einem ebenso heiklen wie schillernden Thema beschäftigen: dem Gold der Deutschen Bundesbank. 3396 Tonnen des glänzenden Edelmetalls gehören zum Bestand der Notenbank – Barren im Gegenwert von 175 Milliarden Dollar. Sie sollen eine goldene Reserve für Krisenzeiten darstellen und das Vertrauen der Bürger in das vergängliche Papiergeld stärken. Was für eine gute Vorsichtsmaßnahme, könnte man meinen, in Zeiten, da sich so viele Leute Sorgen um den Euro machen.

Doch die Sache hat einen Haken: Nur der kleinere Teil dieser Währungsreserven lagert in den Tresoren der Bundesbank in Frankfurt unter dem Parkplatz vor der Zentrale am Diebsgrund. Der größere Teil befindet sich im Ausland – in Amerika, Großbritannien und Frankreich. Angeblich soll das meiste Gold in den Kellern der Federal Reserve Bank (Fed.) of New York an der Südspitze Manhattans liegen – in fremden Händen also, ziemlich weit weg.

Auf „Vollständigkeit“ und „Unversehrtheit“ prüfen

Auffällig ist nun, wie schmallippig sich Bundesregierung und Bundesbank seit langem geben, wenn es um die Frage geht, ob das Gold eigentlich noch da ist, und ob Deutschland im Ernstfall schnell genug darauf zugreifen könnte. Anfragen im Bundestag wurden von der Bundesregierung oft ausweichend beantwortet – mit Verweis auf die Unabhängigkeit der Bundesbank. Bei anderer Gelegenheit hieß es, die Sicherheitsinteressen ausländischer Staaten erforderten eine strenge Geheimhaltung.

Das nährte allerhand Verschwörungstheorien und rief im Frühjahr sogar den Bundesrechnungshof auf den Plan. Offenbar hat seit vielen Jahren niemand aus Deutschland mehr nachgeschaut, ob das Gold wirklich noch da ist. Eine solche „körperliche Inaugenscheinnahme“ alle drei Jahre auf „Vollständigkeit“ und „Unversehrtheit“ der Goldreserve aber halten Bilanzexperten wie der Münsteraner Professor Jörg Baetge schon aus rechtlichen Gründen für geboten. Er hat sich im Auftrag des CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler mit dem Thema befasst. „Angesichts dieses enormen Wertes ist es notwendig, dass die im Ausland gelagerten Goldreserven Deutschlands von Vertretern der Bundesbank auch regelmäßig in Augenschein genommen und überprüft werden“, sagt Baetge.

Keiner versteht so richtig, warum die Bundesbank das nicht macht. „Wir vertrauen unseren Partnern wie der amerikanischen Notenbank“, sagt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. „Unsere Bilanzierung beruht auf Barrenlisten und einer ausdrücklichen Bestätigung der Partnernotenbanken über die Anzahl der bei ihnen für uns verwahrten Feinunzen Gold.“

Mittlerweile konnte man aber auch schon die unterschiedlichsten Begründungen hören, warum die Goldbarren in New York nicht einfach mal stichprobenhaft kontrolliert werden – wie man das im Keller in Frankfurt schließlich auch macht. Mal hieß es, die Barren in New York seien so eng gestapelt, dass dort kein Mensch hindurch käme. Dann hörte man, zu viel Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten könnte womöglich zu diplomatischen Verwicklungen führen. Auch die hohen Kosten für eine Reise über den großen Teich wurden schon mal vorgeschoben.

Vielleicht ist es einfach unangenehm, darum zu bitten?

Immerhin sind die Sicherheitsvorkehrungen bei der Fed in New York streng. Fast wie in Fort Knox im Bundesstaat Kentucky, wo traditionell ein Großteil der amerikanischen Goldreserven lagert. 4580 Tonnen sollen es in Fort Knox sein, wo die erste amerikanische Infanteriedivision mit 10.000 Soldaten und 300 Panzern das Gold bewacht. Deutlich mehr Gold aber, rund 8000 Tonnen, lagern im Tresor der New Yorker Fed. Von denen gehören allerdings nur sechs Prozent den Amerikanern – der Rest auswärtigen Notenbanken.

Bild

Der Fed-Tresor liegt 80 Fuß unter der Erde, gebaut in den Fels von Manhattan. Nur mit einem Aufzug kommt man hinunter. Statt einer Tür gibt es einen 90 Tonnen schweren Stahlzylinder, der sich in einem 140 Tonnen schweren Stahlrahmen nur um 90 Grad drehen, aber nicht herausnehmen lässt. Kein einzelner Mitarbeiter kennt die Kombination zum Öffnen; nur gemeinsam können sie den Tresor aufmachen. Und zweimal im Jahr müssen die Mitarbeiter am Schießtraining mit unterschiedlichen Waffengattungen teilnehmen. Die Fed selbst wirbt damit, dass ihre Sicherheitsmaßnahmen so gut seien, dass selten ein Land darum gebeten habe, seine Goldvorräte überprüfen zu dürfen. Vielleicht ist es einfach unangenehm gegenüber den Amerikanern, darum zu bitten?

„Ein bisschen Überprüfung würde nicht schaden“

Immerhin gibt es Anzeichen, die Grund zur Beunruhigung bieten. „Ein bisschen Überprüfung würde nicht schaden“, meint Eugen Weinberg, Goldmarkt-Experte der Commerzbank. Notenbanken haben in der Vergangenheit nämlich zum Teil versucht, die hohen Kosten für die Lagerung und Bewachung ihrer Goldvorräte wieder einzuspielen, in dem sie Teile ihres Goldes verliehen haben. Solche Gold-Leasing-Geschäfte werden abgeschlossen zwischen einem Geschäftspartner, der physisches Gold besitzt, und einem, der aus irgendwelchen Gründen eine Verpflichtung hat, Gold zu halten, dies aber nicht physisch tun will.

Auch die Bundesbank hat eingeräumt, solche Geschäfte in der Vergangenheit in begrenztem Umfang getätigt zu haben. Im Augenblick soll aber kein Gold verliehen sein. Kritiker der Gold-Lagerung in Amerika hingegen argwöhnen, womöglich sei das deutsche Gold dort auch in irgendeiner Form verliehen – und existiere nur noch auf dem Papier. Sie fühlen sich bestätigt durch die Form der Bilanzierung der Goldvorräte in der Bilanz der Bundesbank. Dort sind nämlich „Gold und Goldforderungen“ in einem gemeinsamen Posten zusammengefasst. Was davon physisches Gold ist, auf das auch ärgste Kritiker in Krisenzeiten vertrauen würden, und was nur Goldforderungen, also letztlich auf Gold lautende Wertpapiere, sind, ist also zumindest nicht mit der Beweiskraft der Bilanz festzustellen.

„Es gibt keine Beweise dafür, dass das Gold nicht da ist“, sagt Weinberg, „aber angesichts der Währungskrise des Euro wäre es schön, das genauer zu wissen.“

Nazi-Gold soll nicht mehr dazwischen sein

Kein Wunder, dass diese Ungewissheit auch weiteren Spekulationen Tür und Tor öffnet. In Gauweilers Umfeld etwa erwähnt man, dass in der Vergangenheit auch schon mal gefälschte Goldbarren aufgetaucht sind. Nicht nur Notenbanken in Afrika haben sich wohl gelegentlich so etwas andrehen lassen. Auch in China sollen Barren aufgetaucht sein, die mit Wolfram gefüllt waren: einem Stoff, der ein ähnliches spezifisches Gewicht hat wie Gold. Nur durch Aufbohren konnte das bewiesen werden.

Die Franzosen immerhin haben ihr Gold bereits vor vielen Jahren nach Paris heimgeholt. Wie die Deutschen auch hatten sie in den 50er und 60er Jahren große Vorräte in New York angehäuft. Das war eine Folge des damaligen internationalen Währungssystems, des Bretton-Woods-Systems: In diesem System fester Wechselkurse sammelten Länder, die einen großen Überschuss im Außenhandel erwirtschafteten, Währungsreserven in Dollar an, die sie bei der amerikanischen Notenbank in Gold umtauschen konnten. Die Goldvorräte der Bundesbank in Amerika sind somit das „goldene Erbe des Wirtschaftswunders“, wie es ein Notenbanker einmal formuliert hat. Nazi-Gold soll nicht mehr dazwischen sein.

Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle jedenfalls wollte 1966 sichergehen – und tauschte große Mengen von Dollarreserven in Gold um und ließ das französische Gold von New York nach Paris bringen. Er sagte, es erscheine ihm unerträglich, dass Frankreichs Gold „dem Zugriff einer fremden Macht preisgegeben sein könnte“.

Wie das Gold genau transportiert wurde – ob mit dem Flugzeug, dem Kriegsschiff oder, wie manche vermuten, mit U-Booten, wurde geheim gehalten. Bekannt wurde jedoch, dass im Schnitt jede Woche zehn Tonnen Gold aus New York abgeschickt wurden – mit dem Ziel Banque de France.

Deutschlands Verhältnis zu Amerika war damals deutlich enger – die Bundesbank folgte dem Beispiel Frankreichs daher nicht. Veröffentlicht wurde viele Jahre später ein Brief des damaligen Bundesbankpräsidenten Karl Blessing (des Großvaters des heutigen Commerzbank-Chefs), in dem auch ein Zusammenhang mit der Stationierung amerikanischer Truppen in Deutschland hergestellt wurde. Blessing versicherte in diesem als „Blessing-Brief“ bekanntgewordenen Schreiben vom 30. März 1967 seinem amerikanischen Kollegen William McChesney Martin, Deutschland werde seine Dollarreserven nicht in Gold umtauschen und heimbringen lassen, solange amerikanische Truppen in Deutschland stationiert seien.

Aus Angst vor einem russischen Überfall

Das deutsche Gold eine Art Faustpfand also? In einem Interview mit dem „Spiegel“ kurz vor seinem Tod stützte Blessing diese These. Es habe eine unausgesprochene Drohung des amerikanischen Hochkommissars John McCloy gegeben, Amerikas „Boys“ könnten andernfalls aus der Bundesrepublik abgezogen werden.

Später gab es ein anderes Argument, warum die deutschen Goldvorräte lieber nicht in Frankfurt lagern sollten: die Angst vor einem russischen Überfall. Schließlich liegt die Stadt nur 100 Kilometer Luftlinie von jenem Punkt entfernt, der im Kalten Krieg den Namen „Fulda Gap“ trug – eine Stelle an der innerdeutschen Grenze, die sich aufgrund ihrer topographischen Gegebenheiten gut für einen Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts geeignet hätte.

Transport, Lagerung und Bewachung würde kosten

All das dürfte heute keine Rolle mehr spielen. Die Bundesbank argumentiert deshalb mit den Kosten, die es verlangen würde, das Gold mit Kriegsschiffen oder Flugzeugen nach Deutschland bringen zu lassen. Und auch mit den Kosten, die entstehen würden, wenn man es hier lagern und bewachen wollte. Und nicht zuletzt mit der Behauptung, wenn man das Gold im Krisenfall einsetzen wollte, um den Euro zu stützen, müsste die Bundesbank vermutlich Dollar dafür kaufen – und das sei in New York leichter als in Frankfurt.

Von einer Vorstellung müssen sich nämlich alle, die den Goldschatz der Bundesbank gern in Frankfurt sähen, ohnehin verabschieden: dass die Bürger in einer schweren Krise des Euro einfach mit ihren Geldscheinen zur Bundesbank hingehen und sie gegen Gold eintauschen könnten. Selbst wenn alle Barren der Bundesbank tatsächlich wie versprochen an ihrem Platz sein sollten: Das Eintauschen von Geldscheinen gegen Gold ist in unserem Währungssystem nicht mehr vorgesehen

Der Kampf um die neue Weltwährung ist in vollem Gang

Vor der heutigen Sitzung der EZB drängt Manfred Gburek in der Wirtschaftswoche auf eine „radikale Lösung“. Tenor: Eine internationale Staatsentschuldung sei illusorisch. Deshalb mache es Sinn, die Schulden über den ESM bei der EZB auszulagern, die sie dann „vernichte“. Auch Kanzlerin Merkel sei das klar. Angesichts des anstehenden Bundestagswahlkampfes lasse sie aber lieber andere vorpreschen.

Wie die ganz radikale Lösung nun aussieht, wagt wohl auch der Autor nicht auszusprechen: Letztlich läuft die Schuldenlage, die in den USA noch schlimmer ist als in Europa, nämlich auf eine neue Weltwährung hinaus, deren Banknoten nicht mehr beliebig mit Hilfe der Notenpresse vermehrbar sind. Eine Währung, die durch Gold gesichert wird.

Staaten in unserem Osten, wie etwa China, arbeiten daran bereits gezielt. Wie alle anderen Notenbanken der Welt, vermehrt auch China seinen Gold-Schatz kontinuierlich. Hier allerdings fiel in den letzten Tagen eine im Westen kaum beachtete Schlüssel-Aussage: China will mehr Gold anhäufen, als es die USA bereits besitzen.

Zu deutsch: China will Herr der nächsten Weltwährung werden. Wer das meiste Gold besitzt, wird, wenn nicht nur der Euro, sondern auch der Dollar crashen, bei einer neuen, goldgesicherten Weltwährung das meiste Geld haben – und damit die Macht. Bereits jetzt hält China hinter den USA, Deutschland, Frankreich und Italien die meisten Goldreserven der Welt.  Es kann außerdem weltweit auf die größte Gold-Fördermenge verweisen. Dazu kommt, dass China über riesige Bargeldreserven und mindestens ebenso riesige Schuldverschreibungen der USA verfügt, die in Dollar ausgestellt sind. In einer Währung also, die täglich an Wert verliert – je mehr Papiergeld die Fed auf den Markt wirft.

Weitgehend unbemerkt vom Westen, dessen Bürger um ihren Wohlstand bangen und dessen Politiker in Rangeleien und nationale Wahlkämpfe verstrickt sind, ist der Kampf um die neue Weltwährung bereits in vollem Gang.  Asien bereitet sich ohne viel öffentliche Selbstdarstellung konsequent darauf vor, den USA die Weltherrschaft endgültig abzunehmen.

Und unsere Politiker im Westen tragen ihre Scheuklapppen weiter. Wenn sie nicht bald erkennen, wo das Spiel wirklich gespielt wird, wird die „alte Welt“ das werden, was sie de facto schon lange ist: Abgeschlagen. Milliarden gut ausgebildeter, hungriger junger Menschen warten weltweit auf ihre Chance, am Wohlstand teilzuhaben. Sie werden sie bekommen.

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Nachtrag:

Die EZB hat die Entscheidung verschoben, denkt aber weiterhin darüber nach, Anleihen von Krisenstaaten zu kaufen. Hessens Justizminister will gegen die EZB klagen.

DAF: „Super-Mario hat Unruhe programmiert

ARD-Kommentar: Hat Mario Draghi doch Recht? 

Hat jemand was nicht verstanden? Welt Online erklärt nochmal die Begriffe und die Gründe für die ganze Hektik in Europa.

Update: Petro-Yuan Is The Newest Weapon For The China-Russia-Iran Anti-USD Alliance

Update: Russland will sich vom Petro-Dollar abkoppeln