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Wo genau wie viel deutsche Gold liegt und warum es da bleiben soll

Erstmals in ihrer Geschichte veröffentlichte die Bundesbank detaillierte Zahlen, wo ihre Goldbestände lagern: 1536 Tonnen (45 Prozent) liegen in Tresoren der US-Notenbank Fed in New York, 450 Tonnen (13 Prozent) bei der Bank of England in London, 374 Tonnen (11 Prozent) bei der Banque de France in Paris. Knapp ein Drittel (31 Prozent) des Edelmetalls verwahrt die Bundesbank in eigenen Tresoren im Inland: 1036 Tonnen.

Wörtlich heißt es in einer Pressemitteilung der Bundesbank unter anderem: „Zu den Währungsreserven zählen 3.396 Tonnen Gold zum Bilanzstichtag 31.12.2011. Das Eigentum an den Barren bleibt durch die Verwahrung bei den Partnernotenbanken unberührt und begründet ein insolvenzsicheres Recht. Darüber hinaus genießt die Bundesbank als Notenbank einen besonderen Immunitätsschutz und damit auch Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen. Eine Vermischung mit den Beständen Dritter ist ausgeschlossen.

Dass es sich bei den Verwahrstellen der Bundesbank um Adressen von allerhöchster Reputation und Bonität handelt, steht außer Zweifel. Zu Prüfungshandlungen, die über die Buchinventur hinausgehen, ist mit den Partner-Notenbanken der Bundesbank Stillschweigen vereinbart worden.

Ungeachtet der bestehenden Rechtsauffassung wird die Bundesbank Anregungen des Bundesrechnungshofs, soweit es möglich ist, aufgreifen. Maßgeblich für Entscheidungen über die Lagerung der Goldbestände bleibt jedoch deren Charakter als Währungsreserve. Wie bereits in der Vergangenheit wird die Bundesbank auch künftig Teile der Goldbestände aufarbeiten und überprüfen lassen. Damit können  auch partielle Verlagerungen verbunden sein. Damit die Goldbestände ihre Funktion als Währungsreserven erfüllen können, müssten sie im Bedarfsfall ohne logistische Einschränkungen in gängige Reservewährung eingetauscht werden können. Dies ist der Grund für die Lagerung von Teilen der Goldreserven bei Partner-Notenbanken im Ausland.“

„Wir haben Anfang des vergangenen Jahrzehnts 930 Tonnen Gold von London nach Frankfurt gebracht und dabei akribisch kontrolliert“, schilderte Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele jetzt in Frankfurt. Es habe kein Gramm gefehlt. „Wir haben nicht die geringsten Zweifel, dass auch unsere in New York und Paris verwahrten Bestände aus reinstem Feingold bestehen. „Uns liegen lückenlos dokumentierte Barrenlisten vor und die Partnernotenbanken bestätigen uns jedes Jahr nicht nur die Existenz der Barren, sondern auch deren Qualität.“

Zwar erhebe die Bank of England jährliche Lagergebühren in Höhe von rund 500. 000 Euro. Aber auch die Aufbewahrung im Inland sei mit Kosten verbunden. „Viel wichtiger sind die Verwendbarkeit des Goldes als Währungsreserve und die Sicherheit der Lagerung“, sagte Thiele. „Gold, das bei Ihnen zu Hause im Tresor liegt, können Sie nicht so einfach als Sicherheit verwenden, um an Devisen zu kommen.“  Quelle: Die Welt

Die Banken in den USA und Frankreich böten eine kostenlose Aufbewahrung der Goldreserven an, sagte der Bundesbank-Vorstand weiter. Es gebe außerdem keinen Zweifel, dass die dort verwahrten Bestände aus reinstem Feingold bestehen. „Ein Teil der Diskussion in Deutschland ist schon einigermaßen grotesk“, kritisierte Thiele, der bis zu seinem Wechsel in die Bundesbank für die FDP im Bundestag saß.

In den kommenden drei Jahren werde die Bundesbank jährlich 50 Tonnen Gold aus New York nach Deutschland bringen. Das gebe ihr die Gelegenheit, diese Barren zu überprüfen, einzuschmelzen und in die Form des heutzutage im Großhandel üblichen Good-Delivery-Standards zu bringen. Quelle: Spiegel Online

Warum ist so viel Gold im Ausland?

Das hat historische Gründe. Zunächst sind die Goldreserven im Ausland „entstanden“, was mit dem Währungssystem der Nachkriegszeit, dem Bretton-Wood-System, zu tun hatte. Der Dollar war damals die Leitwährung, die in einem festen Kurs zu allen anderen Währungen stand. Um den Geldwert stabil zu halten, versprachen die Amerikaner jeder anderen Notenbank, ihre Dollars in Gold umzutauschen.

In den Jahren des Wirtschaftswunders exportierte die deutsche Wirtschaft viel in die USA. Dafür bekamen sie Dollar, bei der Bundesbank entstanden so Forderungen an die Fed – in Gold. Anders als die französische Zentralbank ließ die Bundesbank die Reserven aber nicht nach Deutschland bringen.

Das hatte auch mit dem Kalten Krieg zu tun. Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Wood-Systems war es ein wichtiges Argument, die Goldreserven vor dem Zugriff der Warschauer-Pakt-Staaten zu schützen. Die Zentrale der Bundesbank in Frankfurt, nur Hundert Kilometer von der Grenze zu Ostdeutschland entfernt, erschien damals nicht als der geeignetste Ort zum Aufbewahren riesiger Staatsvermögen.

Gerade im Bereich der Notenbanken spielt Vertrauen eine große Rolle. Offensichtlich fürchten die Banker, mit Kontrollen ihre langjährigen Partner zu düpieren. Die anderen Notenbanken seien von „einwandfreier und unzweifelhafter Integrität“, schreibt die Bundesbank. Jegliche Zweifel würden „jeder Grundlage entbehren“.

Fakt ist, dass Frankreich im Gegensatz zu Deutschland zu Zeiten des Bretton-Woods-Abkommen seine Goldreserven nicht in New York belassen, sondern nach Paris geholt hat. Er wolle das Gold Frankreichs nicht „dem Zugriff einer fremden Macht preisgeben“, soll Frankreichs Präsident Charles de Gaulle damals gesagt haben.

Der damalige Bundesbankpräsident Karl Blessing (der Großvater des heutigen Commerzbank-Chefs) schrieb dagegen einen Brief an seinen amerikanischen Kollegen: Die Bundesbank plane nicht, die Goldreserven abzuziehen. Jahre später bestätigte er in einem Interview mit dem Spiegel, dass dieses Versprechen auf Druck der USA erfolgt sei. Das Versprechen aus dem Brief als Verpflichtung für alle Zeiten abzuleiten, klingt allerdings eher nach Verschwörungstheorie.

Aus den dürren Äußerungen der Notenbanker sind zwei Argumente zu hören, warum das Gold im Ausland bleibt: Zum einen sei es betriebswirtschaftlich sinnvoll, das Gold direkt an den Orten der großen Handelsplätze zu lagern. Zum anderen sei es zu teuer, das Gold nach Deutschland zu transportieren.

Darüber hinaus dürften sich die Verantwortlichen aber auch Gedanken darüber machen, wie ein Zurückholen der Goldreserven in Zeiten der Eurokrise gedeutet werden könnte: Als Vorbereitungsschritt eines möglichen Euroaustritts Deutschlands beispielsweise. Man kann davon ausgehen, dass die Verantwortlichen diesen Eindruck unbedingt vermeiden wollen, um keine Panik an den Finanzmärkten auszulösen.  Quelle: Süddeutsche

Siehe auch: Lagern in Fort Knox nur noch Fakes? sowie die dortigen Zusatzlinks und Updates

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Update: Rückendeckung aller Fraktionen für die Bundesbank – Gespräche mit der Fed wegen Forderungen des Rechnungshofes laufen

Update: Auch Österreichs Gold lagert im Ausland

Update: Bundesbank holt bis 2020 700 Tonne Gold heim

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Wie sicher ist der Kauf von Goldbarren? Lagern in Fort Knox nur noch Fakes?

Indizien zu einem Gerücht, das seit Jahren kursiert, ging heute Spiegel Online nach. Einem Gerücht, das – sollte es wahr sein – in seiner psychologischen Wirkung gar nicht gefährlich genug eingeschätzt werden kann. Sind die Goldreserven in Fort Knox schon seit langem geplündert? Lagern dort statt dessem gefakte Goldbarren? Und: Wurde der IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn politisch ruiniert, weil er die Wahrheit darüber erfahren hatte und nicht schweigen wollte?

Es sieht ganz so aus, als ob es sich nicht nur um Gerüchte handelt, sondern um einen groß angelegten Betrug.

Aber der Reihe nach:

Die Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder (l.) und Marco Wanderwitz haben nach dem Versuch, die deutschen Goldreserven in der Federal Reserve Bank, kurz Fed in Fort Knox zu sehen, jetzt auch bei der französischen Notenbank angeklopft, um die dort gelagerten deutschen Goldbestände zu besichtigen. Darauf habe sich Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in einem Brief an Mißfelder und Wanderwitz gewandt. In dem Brief schreibt der Bundesbanker, die Zentralbanken in Paris und London verfügten nicht über geeignete Räume für Besuche…

Das berichtet heute die Welt Weiter heißt es: „Bei Gold-Reserven ist direkte Verfügbarkeit entscheidend“, sagt Folker Hellmeyer, Chefökonom der Bremer Landesbank. Das Edelmetall sei eine „ultima ratio“ der Währungspolitik. Experten schätzen, dass nur ein Bruchteil der deutschen Edelmetall-Reserven im Inland liegt. Die Bundesbank selbst spricht davon, dass sich „gut zwei Drittel“ des Goldes außerhalb der Grenzen befinden. „Das hat sich historisch so entwickelt und ist betriebswirtschaftlich sinnvoll“, sagte ein Sprecher der Frankfurter Institution.

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die fordert: “ Holt unser Gold heim!“ Zu den Erstunterzeichnern gehören neben Hellmeyer auch der FDP-Bundesbankabgeordnete Frank Schäffler und der Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel. Nach eigenen Angaben haben sich bisher mehr als 10.000 Personen der Initiative angeschlossen, darunter auch zahlreiche Prominente, aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.

Spiegel online berichtet nun heute erneut von der Aufforderung des Bundesrechnungshofes an die Bundesbank, mit den drei ausländischen Notenbanken (USA, Frankreich, England) ein Recht zur physischen Prüfung der Bestände auszuhandeln , da umstritten ist, ob die von der Bundesbank seit Jahren geübte Praxis ausreicht, sich lediglich auf eine schriftliche Bestätigung zu den Goldbarren durch diese zu verlassen.

Siehe dazu auch die ausführliche frühere Berichterstattung in diesem Blog, unter anderem: Wird die Inventur des deutschen Goldes zur Staatsaffaire?  Außerdem: Die Bundesbank hält den Prüfbericht über die deutschen Goldreserven zurück

Der Spiegel weiter:  „Mit der Umsetzung dieser Empfehlung hat die Bundesbank dem Bericht zufolge begonnen. Außerdem habe sie beschlossen, in den kommenden drei Jahren jeweils 50 Tonnen des bei der Fed in New York liegenden Goldes nach Deutschland zu bringen, um es hier einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. In dem Bericht sind mehrere Stellen geschwärzt. So geht aus dem Papier nicht hervor, wie viel Gold genau bei welcher ausländischen Notenbank liegt.

Die in der Bundesbank-Zentrale verwahrten Bestände bestehen dem Bericht zufolge aus 82.857 Barren, die überwiegend in verplombten Containern mit je 50 Barren lagern, die in vier separat verschlossenen Tresorboxen aufbewahrt werden. Ein Teil davon (6183 Barren) lagert demnach in offenen Regalen in einem separaten Tresor – der sogenannten Goldkammer. Zur Sicherung des Goldes heißt es in dem Bericht: „Der Tresoraußenverschluss steht unter Zweifach-, die Innenverschlüsse und die Goldkammer unter einem Dreifachverschluss.“

Im selben Artikel heißt es: „Tatsächlich halten sich zu dem Thema zahlreiche Verschwörungstheorien – so sollen die US-Goldreserven in Fort Knox seit langem geplündert sein.“

Das Magazin verweist dazu auf einen bereits vor einer Woche veröffentlichten eigenen  Artikel, in dem es wörtlich heißt: Das Wissen über die leere Schatzkammer kann gefährlich sein. Das musste Dominique Strauss-Kahn im Mai des vergangenen Jahres schmerzhaft erfahren, glaubt man jener von der schweizerischen Tageszeitung „20 Minuten“ zitierten Geschichte: Demnach wurde, so wisse es der russische Geheimdienst, der damalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht deshalb am New Yorker Flughafen verhaftet, weil ein Zimmermädchen ihn der Vergewaltigung beschuldigte – sondern weil Strauss-Kahn kurz zuvor erfahren hatte, dass Fort Knox tatsächlich leer ist.“

Besagte Tageszeitung berichtete am 20. Juni 2011 folgendes:

Das Gerücht, dass Fort Knox leer ist, taucht seit seiner Eröffnung 1935 in regelmässigen Abständen auf. In den 1970er Jahren kämpfte der republikanische Abgeordnete Philip Crane für einen Tag der offenen Tür in Fort Knox – und setzte sich durch. Am 23. September 1974 konnten zum ersten und bis dato letzten Mal zwölf Abgeordnete und 100 Journalisten das Depot betreten und den Goldschatz mit eigenen Augen begutachten. Die Filmaufnahmen (siehe Videolink im Bericht) bleiben bis heute die einzigen Bilddokumente des intimsten Innenlebens von Fort Knox.

Eine der Verschwörungstheorien ist die Vorstellung, die US-Regierung habe angesichts des riesigen Haushaltsdefizits angefangen, heimlich ihre Goldreserven abzustoßen. Nicht auszuschließen ist, dass der Abgeordnete (Ron Paul) auch über eine andere Geschichte gestolpert ist. Sie ist ebenso unglaubwürdig wie spektakulär, eine perfekte Vorlage für einen Agententhriller.

Demnach soll der russische Geheimdienst FSB in einem Bericht zu Händen von Premierminister Wladimir Putin behaupten, der Ex-Chef des IWF Dominique Strauss-Kahn (DSK) habe kurz vor seiner Verhaftung am 14. Mai erfahren, dass Fort Knox tatsächlich leer ist. Ein CIA-Informant habe ihm die brisante Information gesteckt, nachdem DSK sich bei der US-Regierung über eine ausstehende Überweisung von 191,3 Tonnen Gold an den IWF beklagt hatte.

Der französische Auslandgeheimdienst DGSE habe ihm daraufhin geraten, New York umgehend zu verlassen. Sein Handy sollte er im Hotelzimmer zurücklassen, damit dessen Signal seinen Aufenthaltsort nicht verrate. Im Flugzeug nach Paris habe er schließlich den fatalen Fehler begangen, das Hotel zu kontaktieren. Seine Bitte, ihm das Handy nachzuschicken, sei von den US-Geheimdiensten abgefangen worden, worauf ihn die Polizei am New Yorker Flughafen JFK in einer Maschine der Air France verhaften konnte. Dass die Sexgeschichte mit der Hotelangestellten eine Erfindung der US-Geheimdienste ist, versteht sich von selbst.“

Ob dies so unglaubwürdig ist wie der Spiegel meint, möge jeder nach der Lektüre der folgenden Zeilen für sich selbst beantworten…

Die vom Spiegel zitierte „andere Geschichte“ veröffentlichte die European Union Times am 31. Mai 2011:

Wie es im russischen Geheimdienstbericht an Wladimir Putin heißt, hatte Dominique Strauss-Kahn (DSK) seinen guten Freund, den ägyptischen Top-Banker Mahmoud Abdel Salam Omar gebeten, die Information der CIA zu überprüfen, wonach Fort Knox leer sei. Einen Tag später wurde er wegen Vergewaltigung verhaftet. Putin ließ daraufhin auf der offiziellen Website des Kreml als erster Staatschef der Welt feststellen, dass DSK einem politischen Komplott der USA zum Opfer gefallen sei.

Drei Tage nach der Verhaftung Strauss-Kahns stellte der US-Kongressabgeordnete Ron Paul den Antrag, die Goldreserven des Staates zu verkaufen, um den Schuldenberg zu reduzieren. Direkt angesprochen auf die Frage, ob Fort Knox vielleicht leer sei, habe Paul geantwortet, er halte das für möglich.

Die European Union Times verweist weiter auf einen Bericht bei Viewzone:

Im Oktober 2009 erreichte China eine Schiffsladung Goldbarren. Die Regierung bestand darauf, die Goldbarren auf Reinheit und Gewicht zu prüfen und ließ in jeden Barren vier kleine Löcher bohren. Der Schock nach der Untersuchung war groß: Es habe sich herausgestellt, dass es sich um Barren auf einer Wolfram-Kupfer-Legierung handelte, die nur mit Gold ummantelt waren. Die 5600 bis 5700 Fake-Barren hatten amerikanische Seriennummern und waren jahrelang in Fort Knox gelagert worden.

Als viele Gold-Experten annahmen, dass die Fälschungen aus China stammten, so Viewzone, habe sich die dortige Regierung an die Recherche gemacht und folgendes herausgefunden: Während der Zeit der Clinton-Regierung (also Robert Rubin, Sir Alan Greenspan und Lawrence Summers) wurden zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Barren dieser Größe und dieser Wolfram-Kupfer-Legierung gegossen. Davon wurden 640 000 mit Gold ummantelt und nach Fort Knox transportiert, wo sie bis dato blieben. Der Rest der Barren sei ebenfalls mit Gold ummantelt und auf dem freien Markt verkauft worden – entsprechend einem Wert von etwa 600 Milliarden Dollar.

Dan Eden, der Autor des viewzone-Artikels hat umfangreich weiter nachgeforscht und bringt etliche andere Nachrichten in Zusammenhang. So war am 2. Februar 2004 in der New York Times ein Artikel erschienen, in dem von der offiziellen Befragung eines Top-Managers der NYMEX; Stuart Smith, berichtet wird. NYMEX steht für New York Mercantile Exchange, die New Yorker Handelsbörse. NYMEX verwaltet alle Seriennummern und Echtheitszertifikate für physisches Gold, das jemals an der Börse gehandelt wurde und hat die Pflicht, alle Dokumente dazu dauerhaft aufzubewahren.  Stuart Smith trat von seinem Amt zurück, nachdem sein Büro verwüstet worden war – seitdem habe man nichts mehr von ihm gehört. Seltsamerweise, so Dan Eden, habe kein anderes Medium über den Vorfall berichtet.

Am 14. April 2004 berichtete Reuters, die NM Rothschild & Sons Ltd. London ziehe sich aus dem Börsenhandel zurück – inclusive dem Handel mit Gold. Dan Eden schließt daraus: „Sie wissen, dass ein Riesen-Skandal bevorsteht und wollen nicht hinein gezogen werden.“

Eden weiter: Im Sommer 2009 fragte die GATA ( Gold Antitrust Action Committee)  bei der Federal Reserve Unterlagen nach, die mit Gold Swaps zu tun hatten. Am 5. August schickte die Fed einen Bericht, der eigentlich hätte 173 Seiten lang sein sollen. 137 Seiten fehlten jedoch gänzlich und auf den verbleibenden waren zahlreiche Stellen geschwärzt. Jegliche weitere Auskunft wurde von der Fed verweigert.

Auch die Vorgeschichte der Wolfram-Kupfer-Barren hat Dan Eden untersucht: 2008 stellte sich heraus, dass Goldbarren im Wert von Millionen bei der Bank von Äthiopien gefälscht waren. Sie bestanden aus goldplattierten Wolfram-Kupfer-Barren. Die Dichte dieses Materials ist der von Gold sehr ähnlich, so dass die genormte Größe der Goldbarren und ihr Originalgewicht kaum von den Fakes abweichen. Die Produktionskosten sind vergleichsweise niedrig: Barren im Gold-Verkaufswert von 400 000 Dollar kosten in der Wolfram-Kupfer-Produktion gerade 50 000 Dollar. In diesem Zusammenhang wird auf einen kurzen Beitrag des deutschen Senders Pro 7 verwiesen, in dem eine Wolfram-Fälschung gezeigt wird.

Last, not least zitiert Viewzone einen Report von Kirby Analytics in Toronto. Danach hat die chinesische Zentralbank weitere gefakte Goldbarren in ihrem Bestand entdeckt. Sie seien über Goldhandelshäuser bezogen worden, hätten aber alle ihren Ursprung in den USA.

Sollte also, um an den Ursprung dieses Artikels zurück zu kehren, die Bundesbank nun wie geplant tonnenweise deutsches Gold auf Reinheit und Gewicht untersuchen und dabei herausfinden, dass Teile des Schatzes – oder gar der Ganze – nicht mehr vorhanden sind, würde das eine allgemeine Panik an den Goldmärkten hervorrufen. Die Folgen auch für die internationalen Währungen wären unabsehbar.

Und die Weltmacht Amerika stünde als Lügner und Betrüger da.

Siehe auch: Wo genau wie viel deutsches Gold liegt und warum es da bleiben soll und

Fort Knox – legendäre Festung: Was lagert wirklich in den Schatzkammern?

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Updates:

Deutsches Gold: Wenn aus Verschwörungstheorie Realität wird 

Chefs der betroffenen Zentralbanken: Wahres Gold liegt in den Herzen der Menschen

Gauweilers Sorge: Deutsches Gold könnte im Euro-Bürgschaftsfall gepfändet werden

Auch Brüderle will Gold nach Hause holen

Hat Deutschland noch die Verfügungsgewalt?

„The emperor has no gold“ 

Angriff auf den Goldschatz von Fort Knox

Update: „I asume, the gold is still there“

Deutsches Gold ist angeblich sicher

Das deutsche Gold, das größtenteils in den USA lagert, ist komplett in unserem Eigentum. Sagt jedenfalls der aus Börse im Ersten bekannte Kommentator Michael Best. Woher er das weiß, erschließt sich aus dem kurzen zugehörigen Fernsehbeitrag von ntv allerdings nicht.

Die Bundesbank hält den Prüfbericht über die deutschen Goldreserven zurück

Entnommen dem Wall Street Journal vom Mittwoch, 22. August

Der Streit zwischen der Deutschen Bundesbank und dem Bundestag über die Prüfung der deutschen Goldreserven kommt ins Stocken. Ein Bericht des Bundesrechnungshof zur Bilanzierung, der dem Haushaltsausschuss versprochen war, liegt seit Monaten bei der Bundesbank. Die soll im wohl nächsten Kapitel des kuriosen Scharmützels prüfen, welche Teile des Berichts öffentlich gemacht werden dürfen.

Der Rechnungshof hatte im Auftrag des Bundestags ermittelt, ob die Bundesbank ihre im Ausland lagernden Goldbestände ausreichend genau prüft. Dabei war strittig, ob die von der Bundesbank seit Jahren geübte Praxis ausreicht, sich die Zahl der Goldbarren von der ausländischen Zentralbank schriftlich bestätigen zu lassen. Von Zeit zu Zeit lassen sich Bundesbank-Vertreter die Goldbarren auch zeigen, sie zählen sie aber nicht durch.

Die Bundesbank verfügt über Goldreserven von etwa 3.396 Tonnen, wovon aber der größte Teil in New York, London und Paris lagert. Das liegt daran, dass Deutschland in den 50ern und 60ern seine größten Leistungsbilanzüberschüsse mit diesen Ländern erzielte. Dort liegen die Barren neben Beständen anderer Zentralbanken. Das weckt bei besonders misstrauischen Beobachtern die Befürchtung, dass es da zu Verwechslungen kommen könnte.

Aber nach Meinung der Bundesbank liegt das Gold im Ausland sicher. Eine Sprecherin sagte: „Wir haben an der Integrität und der Reputation der ausländischen Notenbanken keinen Zweifel. Wir erhalten jährlich eine Bestandsbestätigung in Feinunzen, die dient als Grundlage der Bilanzierung.“

Sicher ist, dass der Bericht des Bundesrechnungshofs „Hinweise“ zur Bilanzierungspraxis enthält. Bereits im Mai hatten die Rechnungsprüfer des Bundes dem Haushaltsausschuss einen Bericht darüber angekündigt, welche Beanstandungen es an der Bilanzierung der Goldreserven durch die Bundesbank gibt.

Eine Entscheidung über die Form des Berichts sollte „in relativ kurzer Zeit“ erfolgen. Seitdem sind drei Monate vergangen. Eine vollständige Veröffentlichung des Bericht war unter Verweis auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse nicht nur der Bundesbank und anderer Stellen, zum Beispiel der New Yorker Fed, ausgeschlossen worden.

Eine Bundesbank-Sprecherin lehnte einen Kommentar zu dem Vorgang mit der Begründung ab, dass es sich um ein laufendes Verfahren handele. Nach Aussage des Bundesrechnungshofs befindet sich der Bericht „in der Abstimmung“. Eine Sprecherin sagte: „Es geht darum, dass die Bundesbank Gelegenheit erhält, dazu Stellung zu nehmen.“ Sehr wahrscheinlich werde der Bericht dem Ausschuss nach der Sommerpause vorgelegt. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung, am 26. September, befindet er sich bisher nicht.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

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Veränderungen in den Goldreserven der zehn wichtigsten Staaten

Stoff zum Nachdenken und Hintergrund für eigene Anlagestrategien:

USA

  • Goldreserven 2006: 8135,1 Tonnen
  • Goldreserven 2010: 8134 Tonnen
  • Goldreserven 2012: 8133,5 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -1,6 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 0,0 Prozent
  • Goldreserven: 261,499 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 449.778 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 344.658 Millionen Euro

Deutschland

  • Goldreserven 2006: 3427,8 Tonnen
  • Goldreserven 2010: 3403 Tonnen
  • Goldreserven 2012: 3396,3 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -31,5 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -0,9 Prozent
  • Goldreserven: 109,194 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 187.814 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 143.919 Millionen Euro

Italien

  • Goldreserven 2006: 2451,8 Tonnen
  • Goldreserven 2010: 2452 Tonnen
  • Goldreserven 2012: 2451,9 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 0,1 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 0,0 Prozent
  • Goldreserven: 78,829 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 135.586 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 103.897 Millionen Euro

Frankreich

  • Goldreserven 2006: 2820,5 Tonnen
  • Goldreserven 2010: 2435 Tonnen
  • Goldreserven 2012: 2435,4 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -385,1 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -13,7 Prozent
  • Goldreserven: 78,301 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 134.678 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 103.201 Millionen Euro

China

  • Goldreserven 2006: 600,0 Tonnen
  • Goldreserven 2010: 1054 Tonnen
  • Goldreserven 2012: 1054,1 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 454,1 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 75,7 Prozent
  • Goldreserven: 33,890 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 58.291 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 44.667 Millionen Euro

Schweiz

  • Goldreserven 2006: 1290,1 Tonnen
  • Goldreserven 2010: 1040 Tonnen
  • Goldreserven 2012: 1040,1 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -250,0 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -19,4 Prozent
  • Goldreserven: 33,439 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 57.515 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 44.073 Millionen Euro

Russland

  • Goldreserven 2006: 386,6 Tonnen
  • Goldreserven 2010: 726 Tonnen
  • Goldreserven 2012: 873,6 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 487,0 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 126,0 Prozent
  • Goldreserven: 28,086 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 48.308 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 37.018 Millionen Euro

Japan

  • Goldreserven 2006: 765,2 Tonnen
  • Goldreserven 2010: 765 Tonnen
  • Goldreserven 2012: 765,2 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 0,0 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 0,0 Prozent
  • Goldreserven: 24,602 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 42.315 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 32.426 Millionen Euro

Niederlande

  • Goldreserven 2006: 694,9 Tonnen
  • Goldreserven 2010: 612 Tonnen
  • Goldreserven 2012: 612,5 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -82,4 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -11,9 Prozent
  • Goldreserven: 19,691 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 33.869 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 25.953 Millionen Euro

Indien

  • Goldreserven 2006: 357,7 Tonnen
  • Goldreserven 2010: k.D.
  • Goldreserven 2012: 557,7 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 200,0 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 55,9 Prozent
  • Goldreserven: 17,932 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 30.843 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 23.635 Millionen Euro

Taiwan

  • Goldreserven 2006: 423,3 Tonnen
  • Goldreserven 2010: k.D.
  • Goldreserven 2012: 422,4 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -0,9 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -0,2 Prozent
  • Goldreserven: 16,173 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 27.818 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 21.316 Millionen Euro

Vereinigtes Königreich

  • Goldreserven 2006: 310,8 Tonnen
  • Goldreserven 2010: k.D.
  • Goldreserven 2012: 310,3 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -0,5 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: -0,2 Prozent
  • Goldreserven: 9,975 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 17.157 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 13.147 Millionen Euro

Türkei

  • Goldreserven 2006: 116,1 Tonnen
  • Goldreserven 2010: k.D. 179,1 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 63,0 Tonnen
  • Veränderung seit 2006: 54,3 Prozent
  • Goldreserven: 5,571 Millionen Feinunzen
  • Marktwert in Dollar (Preis: 1720 Dollar): 9582 Millionen Dollar
  • Marktwert in Euro (Kurs: 1,3050 Dollar): 7342 Millionen Euro

Quelle: Bloomberg, World Gold Council, WELT

Siehe auch:  Gold ist im Weltall entstanden

Gold mit fulminatem Chartausbruch

und: Goldpreis bei 16 Wochen-Hoch

Lesen Sie außerdem hier im Blog: Vervielfachung steht außer Frage 

Update: Gold-Experte Luitz: Goldpreis wird weltweit weiter durchstarten

Update: Abgeordnete dürfen deutsche Goldreserven nicht sehen

 

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Wo steckt das Gold der Deutschen – und: Gehört es uns überhaupt noch?

Entnommen FAZ Finanzen vom 4.8.2012

Autor CHRISTIAN SIEDENBIEDEL

Die Bundesbank hat die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Der Schatz soll das Vertrauen der Bürger ins Geld stärken. Doch ein Großteil des Goldes lagert im Ausland. Seit langem hat es keiner mehr gesehen. Womöglich ist es nicht mehr da.

Nach der Sommerpause soll der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages sich mit einem ebenso heiklen wie schillernden Thema beschäftigen: dem Gold der Deutschen Bundesbank. 3396 Tonnen des glänzenden Edelmetalls gehören zum Bestand der Notenbank – Barren im Gegenwert von 175 Milliarden Dollar. Sie sollen eine goldene Reserve für Krisenzeiten darstellen und das Vertrauen der Bürger in das vergängliche Papiergeld stärken. Was für eine gute Vorsichtsmaßnahme, könnte man meinen, in Zeiten, da sich so viele Leute Sorgen um den Euro machen.

Doch die Sache hat einen Haken: Nur der kleinere Teil dieser Währungsreserven lagert in den Tresoren der Bundesbank in Frankfurt unter dem Parkplatz vor der Zentrale am Diebsgrund. Der größere Teil befindet sich im Ausland – in Amerika, Großbritannien und Frankreich. Angeblich soll das meiste Gold in den Kellern der Federal Reserve Bank (Fed.) of New York an der Südspitze Manhattans liegen – in fremden Händen also, ziemlich weit weg.

Auf „Vollständigkeit“ und „Unversehrtheit“ prüfen

Auffällig ist nun, wie schmallippig sich Bundesregierung und Bundesbank seit langem geben, wenn es um die Frage geht, ob das Gold eigentlich noch da ist, und ob Deutschland im Ernstfall schnell genug darauf zugreifen könnte. Anfragen im Bundestag wurden von der Bundesregierung oft ausweichend beantwortet – mit Verweis auf die Unabhängigkeit der Bundesbank. Bei anderer Gelegenheit hieß es, die Sicherheitsinteressen ausländischer Staaten erforderten eine strenge Geheimhaltung.

Das nährte allerhand Verschwörungstheorien und rief im Frühjahr sogar den Bundesrechnungshof auf den Plan. Offenbar hat seit vielen Jahren niemand aus Deutschland mehr nachgeschaut, ob das Gold wirklich noch da ist. Eine solche „körperliche Inaugenscheinnahme“ alle drei Jahre auf „Vollständigkeit“ und „Unversehrtheit“ der Goldreserve aber halten Bilanzexperten wie der Münsteraner Professor Jörg Baetge schon aus rechtlichen Gründen für geboten. Er hat sich im Auftrag des CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler mit dem Thema befasst. „Angesichts dieses enormen Wertes ist es notwendig, dass die im Ausland gelagerten Goldreserven Deutschlands von Vertretern der Bundesbank auch regelmäßig in Augenschein genommen und überprüft werden“, sagt Baetge.

Keiner versteht so richtig, warum die Bundesbank das nicht macht. „Wir vertrauen unseren Partnern wie der amerikanischen Notenbank“, sagt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. „Unsere Bilanzierung beruht auf Barrenlisten und einer ausdrücklichen Bestätigung der Partnernotenbanken über die Anzahl der bei ihnen für uns verwahrten Feinunzen Gold.“

Mittlerweile konnte man aber auch schon die unterschiedlichsten Begründungen hören, warum die Goldbarren in New York nicht einfach mal stichprobenhaft kontrolliert werden – wie man das im Keller in Frankfurt schließlich auch macht. Mal hieß es, die Barren in New York seien so eng gestapelt, dass dort kein Mensch hindurch käme. Dann hörte man, zu viel Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten könnte womöglich zu diplomatischen Verwicklungen führen. Auch die hohen Kosten für eine Reise über den großen Teich wurden schon mal vorgeschoben.

Vielleicht ist es einfach unangenehm, darum zu bitten?

Immerhin sind die Sicherheitsvorkehrungen bei der Fed in New York streng. Fast wie in Fort Knox im Bundesstaat Kentucky, wo traditionell ein Großteil der amerikanischen Goldreserven lagert. 4580 Tonnen sollen es in Fort Knox sein, wo die erste amerikanische Infanteriedivision mit 10.000 Soldaten und 300 Panzern das Gold bewacht. Deutlich mehr Gold aber, rund 8000 Tonnen, lagern im Tresor der New Yorker Fed. Von denen gehören allerdings nur sechs Prozent den Amerikanern – der Rest auswärtigen Notenbanken.

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Der Fed-Tresor liegt 80 Fuß unter der Erde, gebaut in den Fels von Manhattan. Nur mit einem Aufzug kommt man hinunter. Statt einer Tür gibt es einen 90 Tonnen schweren Stahlzylinder, der sich in einem 140 Tonnen schweren Stahlrahmen nur um 90 Grad drehen, aber nicht herausnehmen lässt. Kein einzelner Mitarbeiter kennt die Kombination zum Öffnen; nur gemeinsam können sie den Tresor aufmachen. Und zweimal im Jahr müssen die Mitarbeiter am Schießtraining mit unterschiedlichen Waffengattungen teilnehmen. Die Fed selbst wirbt damit, dass ihre Sicherheitsmaßnahmen so gut seien, dass selten ein Land darum gebeten habe, seine Goldvorräte überprüfen zu dürfen. Vielleicht ist es einfach unangenehm gegenüber den Amerikanern, darum zu bitten?

„Ein bisschen Überprüfung würde nicht schaden“

Immerhin gibt es Anzeichen, die Grund zur Beunruhigung bieten. „Ein bisschen Überprüfung würde nicht schaden“, meint Eugen Weinberg, Goldmarkt-Experte der Commerzbank. Notenbanken haben in der Vergangenheit nämlich zum Teil versucht, die hohen Kosten für die Lagerung und Bewachung ihrer Goldvorräte wieder einzuspielen, in dem sie Teile ihres Goldes verliehen haben. Solche Gold-Leasing-Geschäfte werden abgeschlossen zwischen einem Geschäftspartner, der physisches Gold besitzt, und einem, der aus irgendwelchen Gründen eine Verpflichtung hat, Gold zu halten, dies aber nicht physisch tun will.

Auch die Bundesbank hat eingeräumt, solche Geschäfte in der Vergangenheit in begrenztem Umfang getätigt zu haben. Im Augenblick soll aber kein Gold verliehen sein. Kritiker der Gold-Lagerung in Amerika hingegen argwöhnen, womöglich sei das deutsche Gold dort auch in irgendeiner Form verliehen – und existiere nur noch auf dem Papier. Sie fühlen sich bestätigt durch die Form der Bilanzierung der Goldvorräte in der Bilanz der Bundesbank. Dort sind nämlich „Gold und Goldforderungen“ in einem gemeinsamen Posten zusammengefasst. Was davon physisches Gold ist, auf das auch ärgste Kritiker in Krisenzeiten vertrauen würden, und was nur Goldforderungen, also letztlich auf Gold lautende Wertpapiere, sind, ist also zumindest nicht mit der Beweiskraft der Bilanz festzustellen.

„Es gibt keine Beweise dafür, dass das Gold nicht da ist“, sagt Weinberg, „aber angesichts der Währungskrise des Euro wäre es schön, das genauer zu wissen.“

Nazi-Gold soll nicht mehr dazwischen sein

Kein Wunder, dass diese Ungewissheit auch weiteren Spekulationen Tür und Tor öffnet. In Gauweilers Umfeld etwa erwähnt man, dass in der Vergangenheit auch schon mal gefälschte Goldbarren aufgetaucht sind. Nicht nur Notenbanken in Afrika haben sich wohl gelegentlich so etwas andrehen lassen. Auch in China sollen Barren aufgetaucht sein, die mit Wolfram gefüllt waren: einem Stoff, der ein ähnliches spezifisches Gewicht hat wie Gold. Nur durch Aufbohren konnte das bewiesen werden.

Die Franzosen immerhin haben ihr Gold bereits vor vielen Jahren nach Paris heimgeholt. Wie die Deutschen auch hatten sie in den 50er und 60er Jahren große Vorräte in New York angehäuft. Das war eine Folge des damaligen internationalen Währungssystems, des Bretton-Woods-Systems: In diesem System fester Wechselkurse sammelten Länder, die einen großen Überschuss im Außenhandel erwirtschafteten, Währungsreserven in Dollar an, die sie bei der amerikanischen Notenbank in Gold umtauschen konnten. Die Goldvorräte der Bundesbank in Amerika sind somit das „goldene Erbe des Wirtschaftswunders“, wie es ein Notenbanker einmal formuliert hat. Nazi-Gold soll nicht mehr dazwischen sein.

Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle jedenfalls wollte 1966 sichergehen – und tauschte große Mengen von Dollarreserven in Gold um und ließ das französische Gold von New York nach Paris bringen. Er sagte, es erscheine ihm unerträglich, dass Frankreichs Gold „dem Zugriff einer fremden Macht preisgegeben sein könnte“.

Wie das Gold genau transportiert wurde – ob mit dem Flugzeug, dem Kriegsschiff oder, wie manche vermuten, mit U-Booten, wurde geheim gehalten. Bekannt wurde jedoch, dass im Schnitt jede Woche zehn Tonnen Gold aus New York abgeschickt wurden – mit dem Ziel Banque de France.

Deutschlands Verhältnis zu Amerika war damals deutlich enger – die Bundesbank folgte dem Beispiel Frankreichs daher nicht. Veröffentlicht wurde viele Jahre später ein Brief des damaligen Bundesbankpräsidenten Karl Blessing (des Großvaters des heutigen Commerzbank-Chefs), in dem auch ein Zusammenhang mit der Stationierung amerikanischer Truppen in Deutschland hergestellt wurde. Blessing versicherte in diesem als „Blessing-Brief“ bekanntgewordenen Schreiben vom 30. März 1967 seinem amerikanischen Kollegen William McChesney Martin, Deutschland werde seine Dollarreserven nicht in Gold umtauschen und heimbringen lassen, solange amerikanische Truppen in Deutschland stationiert seien.

Aus Angst vor einem russischen Überfall

Das deutsche Gold eine Art Faustpfand also? In einem Interview mit dem „Spiegel“ kurz vor seinem Tod stützte Blessing diese These. Es habe eine unausgesprochene Drohung des amerikanischen Hochkommissars John McCloy gegeben, Amerikas „Boys“ könnten andernfalls aus der Bundesrepublik abgezogen werden.

Später gab es ein anderes Argument, warum die deutschen Goldvorräte lieber nicht in Frankfurt lagern sollten: die Angst vor einem russischen Überfall. Schließlich liegt die Stadt nur 100 Kilometer Luftlinie von jenem Punkt entfernt, der im Kalten Krieg den Namen „Fulda Gap“ trug – eine Stelle an der innerdeutschen Grenze, die sich aufgrund ihrer topographischen Gegebenheiten gut für einen Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts geeignet hätte.

Transport, Lagerung und Bewachung würde kosten

All das dürfte heute keine Rolle mehr spielen. Die Bundesbank argumentiert deshalb mit den Kosten, die es verlangen würde, das Gold mit Kriegsschiffen oder Flugzeugen nach Deutschland bringen zu lassen. Und auch mit den Kosten, die entstehen würden, wenn man es hier lagern und bewachen wollte. Und nicht zuletzt mit der Behauptung, wenn man das Gold im Krisenfall einsetzen wollte, um den Euro zu stützen, müsste die Bundesbank vermutlich Dollar dafür kaufen – und das sei in New York leichter als in Frankfurt.

Von einer Vorstellung müssen sich nämlich alle, die den Goldschatz der Bundesbank gern in Frankfurt sähen, ohnehin verabschieden: dass die Bürger in einer schweren Krise des Euro einfach mit ihren Geldscheinen zur Bundesbank hingehen und sie gegen Gold eintauschen könnten. Selbst wenn alle Barren der Bundesbank tatsächlich wie versprochen an ihrem Platz sein sollten: Das Eintauschen von Geldscheinen gegen Gold ist in unserem Währungssystem nicht mehr vorgesehen