Make America great again; mit Donald Trump ein Lügner und Betrüger im Amt Antwort

„Die Akte Trump“ listet chronologisch die Karriere eines Mannes auf, der sich mit Lügen, Betrug und weitreichenden Beziehungen zur Mafia und zu verurteilten Verbrechern immer wieder geschäftliche Vorteile verschafft hat. Mehr…

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Leben als Soziopath: „Das Schlimmste war: Ich konnte absolut nichts fühlen“ Antwort

Dieser zweite Teil meiner kleinen Reihe über Männer, die eine Spur gebrochener Herzen hinter sich herziehen,  beschäftigt sich mit dem Leben eines Soziopathen (auch Psychopath genannt). So unglaublich sie klingen mag, ist sie doch sogar weit ausführlicher belegbar, als hier ausgeführt wird. Im Unterschied zu einem Narzissten, wie er in Teil eins dargestellt wird, hat ein Soziopath beim Thema Mitgefühl ein besonders hohes Defizit. Auch leidet er meist wenig oder gar nicht unter Gewissensbissen. Er ist sein eigener Maßstab für alles, was er tut – das gilt auch für allgemeine gesellschaftliche Regeln, im Extremfall für Gesetze aller Art. Je nachdem wie klug so eine Person ist, kann sie erheblichen menschlichen und auch wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Wer in sein Visier gerät, sollte am besten laufen, so schnell er kann – denn retten kann man einen Soziopathen nicht. Im günstigsten Fall kann man sich mit ihm arrangieren – zu seinen Bedingungen.

Leiden wird der/die Partner/in aber immer.  

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An manche Jahre seiner Kindheit kann er sich nicht mehr erinnern. Was er noch weiß ist, dass alle drei Brüder im frühen Kindesalter an Lymphdrüsentuberkulose erkrankten und mit Röntgenstrahlen behandelt wurden. Danach war die Erkrankung dann weg.

Was er auch noch weiß ist, wie sehr die Ehe seiner Eltern im Gegensatz zu der wundervollen Umgebung stand, in der sie alle lebten: Der Vater, schmächtig, freundlich und ein großer Idealist, war Dorfpfarrer. Seine kleine, fast tausendjährige Kirche stand auf einem Hügel hoch  über dem Tal, und die Familie lebte im zugehörigen Pfarrhaus. Die Mutter,  groß für eine Frau, war drall, später stark übergewichtig und hatte stechende blaue Augen. Er selbst wurde als mittlerer von drei Brüdern geboren. Die beiden anderen waren schlank, mit dunklen Haaren und sanften braunen Augen; er selbst war untersetzt und kam mehr nach der Mutter. In seinen Augen lag allerdings nicht deren  hilflose Aggression, sondern eine stahlblaue innere Distanz und manchmal ein provozierendes, ungeheuer polarisierendes hellblaues Strahlen: Man mochte ihn, oder man lehnte ihn vollständig ab.

Die Mutter, zuständig für die drei Jungs, den Haushalt und die Ehrenämter, die Pfarrersfrauen so haben, war unzufrieden und nicht selten überfordert. Die engagierte Jugendarbeit, die ihr Mann mit dem örtlichen Abgeordneten betrieb, und die immer wieder jede Menge junger Menschen in ihr Haus schwemmte, war ihr ein ständiger Dorn im Auge. Alle Versuche, ihren Mann unter Druck zu setzen, diese Aktivitäten zu reduzieren, schlugen fehl. Je mehr Druck sie machte, desto weniger erreichte sie ihn. Als er sich schließlich scheiden lassen wollte, erpresste sie ihn mit der Drohung, sich wegen ehelicher Untreue bei der obersten Kirchenleitung zu beschweren. Der Vater blieb also – bis zum Erreichen des Ruhestandes. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was er auch noch weiß ist, dass er eine Weile im Kinderheim zubrachte – aber er erinnert sich nicht, warum. Warum er ins Internat „abgeschoben“ wurde, weiß er dagegen noch genau: Die aggressive Mutter war schuld. Er war ein Einserschüler, aber beliebt war er nicht. Das lag daran, dass er immer wieder auf höchst subtile Weise seine Mitschüler gegeneinander ausspielte. Freundschaft war ihm aber auch nicht wichtig: Er war leidenschaftlicher Sportler mit großen Erfolgen im Hürdenlauf.

Schon als kleiner Junge hat er einen großen Wunsch: Fliegen. Am liebsten mit potenten Militärmaschinen. Deshalb bittet er nach dem Abitur  seinen Vater um Hilfe. Der schaltet den Abgeordneten ein, und tatsächlich: Er darf auf eine Ausbildung als Pilot hoffen, sofern er sich langfristig bei der Bundeswehr verpflichtet. Begeistert unterschreibt er und geht in das Vorpüfungsverfahren. Er lernt mit Leichtigkeit, er weiß sich in den psychologischen Tests perfekt zu behaupten, und auch die erste medizinische Untersuchung verläuft einwandfrei. Aber als es richtig losgehen soll, wird zu hoher Bludruck diagnostiziert. Der sinkt zwar zwischendurch auch wieder, bleibt allerdings nie auf niedrigem Niveau stabil. Das ist das Ende. Man lehnt ihn ab.

Seine Wut ist grenzenlos.

Soll er nun etwa mindestens 16 Jahre im Stubenmief der Uniformträger ersticken? Oh nein.

Er wendet alle Mittel an, die ihm zur Kenntnis kommen,  unlautere sind auch dabei. Dann ist er aus der Bundeswehr raus, der Abgeordnete ist diskreditiert und sein Vater will nichts mehr mit ihm zu tun haben – seine Brüder auch nicht.

Ok, dann eben nicht.

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Er geht ins Ruhrgebiet, um Medizin zu studieren. Finanzielle Unterstützung hat er keine, aber er kommt auch so durch: Er fährt Taxi – besonders an den Wochenenden und Feiertagen, wenn andere frei haben wollen. Er studiert in Rekordzeit und nimmt an einem Klinikum die Arbeit auf. Er spezialisiert sich, wird Herz- und Gefäßchirurg.

Das ist die Zeit, als er entdeckt, welche Wirkung er auf Frauen haben kann, wenn er will. Es dauert nicht lange, und er lebt im Haus einer Bochumer Ärztin und deren Kind aus geschiedener Ehe. Sie arbeiten in der selben Klinik, haben viele gemeinsame Interessen, und eine Zeitlang scheint sein Leben stabil.

Aber die Gleichmäßigkeit in den Lebensumständen macht ihn schnell nervös. Er fühlt sich eingesperrt in einem unwirklichen Stillstand – dazu kommt, dass der Chefarzt ihn auf dem Kicker hat. Abhilfe lässt sich nur teilweise schaffen: Krankenschwestern für die Abwwechslung im Bett – auch hie und da einmal genesene Patientinnen – finden sich leicht und lassen sich ebenso leicht auswechseln. Der Chefarzt aber nicht. Und der bekommt gesträubte Nackenhaare, sobald er den stahlblauen Weit-Entfernt-Blick in den Augen seines Chirurgen sieht.

Im Krankenhaus passieren seltsame Unregelmäßigkeiten. Krankenakten verschwinden oder sind nachträglich geändert – die Medikamente und die Lieferlisten stimmen nicht überein, in der Ärzteschaft entsteht Unruhe. Als ein erheblicher finanzieller Posten unter ungeklärten Umständen umgeleitet wird, gerät er unter Verdacht. Er verlässt die Klinik und die zu eng gewordene Lebensgemeinschaft. Mit einer anderen Frau unternimmt er eine lange Reise durchdie Alpenländer, Italien und Südfrankreich. Inzwischen hat er privat den Pilotenschein gemacht und darf eine mehrsitzige Cessna fliegen. Das tut er mit Begeisterung.

Sich in eigener Praxis niederzulassen, kommt für ihn nicht infrage: Es stellt seinen Albtraum der Gefangenschaft an einem einzigen Ort dar. Also versucht er es anders: Er wird Arzt im Dienst eines österreichischen Unternehmens, das in Afrika Öl bohrt. Zu besten finanziellen Bedingungen zieht er ins „Weißencamp“, leitet eine Krankenstation mit mehreren Schwestern und behandelt die Privatpatienten auf eigene Rechnung. Und was das Schönste ist: Zwischen Lagos/Nigeria und Paris/Charles-de-Gaulle gibt es „Linienflüge“ mit der Concorde. Wundervoll. Er braucht zwar Anschlussflüge, aber er nimmt das Überschallflugzeug, wann immer es geht. Als „african resident“ ist das nichtmal wirklich teuer.

Eine der Krankenschwestern ist eine Französin: 40, gut situiert, verheiratet und rettungslos in ihn verliebt. Sie lässt ssich scheiden, verzichtet auf einen finanziellen Ausgleich von ihrem Ex-Mann, nimmt nur 40 Goldstücke mit. Er ist sehr geschmeichelt: So ein wildes und schönes Weib will ihn haben, obwohl er nun Mitte 40 ist – klasse. Sie kaufen ein Haus bei Innsbruck – in einem kleinen Dorf, ganz am Rand, für die Zeit nach Afrika. Sie haben einen kleinen schwarzen Jungen bei sich aufgenommen, der von seiner Mutter ausgesetzt worden war und wollen nach Ende ihres Vertrages in Österreich leben.

Mythos des Vaters benutzt

Aber vorher will er noch ein Entwicklungshilfeprojekt in Gang setzen.  Noch einmal fährt er zurück in den Ort, wo er geboren wurde. Der Mythos seines inzwischen verstorbenen Vaters lebt: Die Generation, der damaligen Jugendarbeit sitzt nun auf Entscheiderposten in den Verwaltungen. Auch die Brüder heißen ihn willkommen – skeptisch zwar, aber Blut ist dicker als Wasser. Dafür schläft er auch mal in der von der ungeliebten Schwägerin für ihn ausgeräumten Besenkammer. Was zu diesem Zeitpunkt niemand außer ihm selbst weiß: Er kann nicht ins Camp zurück. Dort ist die Patientenkartei zusammen mit einer knapp sechstelligen Summe Bargeld verschwunden.

Sie gründen einen Verein zwecks Spendensammlung für den Bau eines Krankenhauses in Afrika: Alle wesentlichen Multiplikatoren und sein jüngster Bruder sind Mitglieder.  Der Verein startet eine Spendenkampagne in den lokalen Medien. Das Geld fließt, aber ihm geht alles viel zu langsam. Er schafft es, einen Termin beim Chefredakteur einer der Tageszeitungen zu bekommen und geht mit allem ihm zur Verfügung stehenden Charme zu Werke. Er plaudert über klassische Musik, internationale Küche und die Leser-Blatt-Bindung von Lokalausgaben. Der Chefredakteur ist tief beeindruckt von diesem Mann von Welt. Die Zeitung veranstaltet ein Gala-Konzert und spendet eine fünfstellige Summe.

Auch eine Freundin vor Ort ist schnell gefunden. Er bewirft sie wochenlang mit langstieligen roten Rosen: Jeden Tag liefert das Blumenhaus einen neuen Straß, mal in die Wohnung, mal ins Büro. Dann zieht er von der Besenkammer in ihr Haus. Sie ist 30 und er kann ihr viel beibringen. „Willst du führen oder willst du geführt werden?“ ist seine Standardfrage, wenn sie beginnt, über Teamarbeit und Gleichberechtigung zu sprechen. „Eine andere Wahl hast du nicht. Es gilt IMMER das Recht des Stärkeren. Also entscheide dich.“

Sie sprechen über Afrika, die Notwendigkeit von Entwicklungshilfe, sein Leben. Und sie fahren weg, wann immer es geht. Er hat jeden Monat einen anderen Leihwagen: Immer im Wechsel Mercedes oder BMW. Er liebt es, wenn sie fährt. Und er liebt es, sie zu formen. Sie hat zum Beispiel die falsche Garderobe: Er bringt sie deshalb in die große Stadt, läuft mit ihr durch mehrere Boutiquenen, trinkt Champagner und sieht zu, wie die Verkäuferinnen sie einkleiden. Die Sachen, die ihm an ihr gefallen, kauft er. Sie fahren in kleine Hotels in die Vogesen, und sie sind oft in der Schweiz: Am liebsten in Lugano. Er liebt die Anonymität großer, teurer Hotels. Dort parkt er die Freundin gern bis zur Abreisestunde, um mit einem kleinen schwarzen Köfferchen in die Stadt zu fahren, wo er „Geschäfte“ erledigen muss. Viel später wird sie erfahren, dass er versucht hat, von ehemaligen Patienten Geld einzutreiben.

Einmal schaut sie neugierig in seinen blauen Koffer, den er immer wieder irgendwo auf wundersame Weise mit frisch gebügelten weißen oder blauen Hemden bestückt: Außer diesen und einigen Accessoires findet sie zerknitterte Kontoauszüge. Die Summe nimmt rapide ab. Geldquellen kann sie keine ausmachen.

Er reagiert kalt und konsequent, wenn sie nicht funktioniert: Hotels zahlt er nur, wenn er sie auch ausgesucht hat. Es kostet beinahe ihr ganzes Monatseinkommen, als sie einmal ein „falsches Hotel“ anfährt: Er lässt sie bei der Abreise gnadenlos allein an der Rezeption stehen und die gesamte Rechnng bezahlen. Ähnlich geht es beim Einkleiden zu: Als sie einmal selbst ein Kleid aussucht, sagt er mit charmantem Lächeln und grell-provokantem Blick erst an der Kasse: „Dieses Kleid zahlt die Dame selbst.“

Immer wenn sie Fahrten unternehmen, ist er ein anderer Mensch. „Es gibt nichts schöneres, als unterwegs zu sein,“ erklärt er ihr. „Wann und wo man ankommt, ist völlig egal.“ So fahren sie mal hierhin, mal dahin. Zum Beispiel mal eben nach Paris. Um mit den Hintergrundgeräuschen von Charles-de-Gaulle bei geöffneter Tür der Telefonzelle in Afrika anzurufen und der Französin zu erklären, dass die Concorde gut gelandet sei.

Eines Abends, als er sie im Büro abholt, gibt es einen Eklat: Die Tür öffnet sich und „seine“ Französin ist da. Sie legt eine lautstarke, wenig schmeichelhafte Szene hin – die neue Freundin schweigt hilflos, er selbst bekommt einen peinlich roten Kopf, führt das zeternde Weib zur Tür, befördert es zu seinem Fluchtpunkt: Das Hotel am Flughafen. Das ist zwei Tage bevor er mit der Freundin für eine Woche nach Miami fliegen will. Die Tickets liegen bei ihr zuhause, die Koffer sind gepackt. Am Tag des Abflugs, als er sich immer noch nicht gemeldet hat, ruft sie im Flughafenhotel an. Er ist da, sie hört das eine Frauenstimme im Hintergrund. Dann sagt er: „Wir fliegen nicht“ und legt auf.

Lügner, Betrüger und Hochstapler

Sie bekommt einen Aruf seines jüngsten Bruders mit der Bitte um ein Treffen. Als sie sich sehen, redet er Klartext: „Mein Bruder ist ein Lügner, Betrüger und Hochstapler. Das war er schon als Kind. Glaube ihm nichts und verlasse dich niemals auf ihn.“

In der Zwischenzeit war der Verein rege aktiv.  Medikamente wurden von Firmen und Großhändlern gesammelt, medizinisches Gerät und ausgediente Krankenbetten bei Kliniken aus der ganzen Republik. Sie lagern in der Verwaltung, sollen aber da weg, weil sie zuviel Platz brauchen. Entwicklungshilfeorganisationen sind eingebunden, um Ärzte und medizinisches Personal für das neue Krankenhaus zu finden, das derweil im Bau ist. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist groß. Das Haus der Freundin ist – ganz ohne ihr Einverständnis – Telefonzentrale: Hier melden sich alle, die den mal wieder verschollenen Doktor sprechen wollen oder sonstige Fragen haben. Wie zum Beispiel die Autovermietung: Die will wissen, wer nun den Totalschaden an einem Mercedes zahle, den er nach dem Unfall kommentarlos auf dem Hof abgestellt hat. Glücklicherweise sei ja weder ihm, noch der Beifahrerin etwas passiert… Wenig später meldet sich die Krankenkasse: Wie das nun mit den Beitragsrückständen aussehe…

Nach mehrwöchiger Abwesenheit ohne sich zu melden taucht er abends wieder bei ihr auf, in der Hand ein Baquette, Räucherlachs und eine Flasche Champagner: „Sie ist zurück in Afrika,“ sagt er fröhlich und strahlt die Freundin an. Die Augen unter den buschigen Brauen leuchten hellblau und charmanter denn je. Sie zeigt auf seinen gepackten blauen Koffer, der im Flur wartet: „Raus.“

Er geht nicht. Statt dessen deckt er den Tisch, setzt sich und berichtet, wie schwierig es sei, sich von der Französin zu trennen. Nun sei aber alles auf bestem Weg, und er gedenke, sich dauerhaft am Ort niederzulassen. Er hat Vertretungen in lokalen Arztpraxen organisiert, eine auch schon angetreten, im übrigen beschlossen, sich endlich selbst einen Wagen zu kaufen. Auch ein Vereinsbüro will er mieten und dort die ganzen gesammelten Spenden unterbringen.

Sie sagt: „Weißt du eigentlich wie es mir ging, als du einfach verschwunden bist?“ Mit rotem Kopf bricht er in Tränen aus. Als sie um den Tisch herumgehen will, um ihn zu umarmen, sagt er: „Lass das! Du weißt ja nicht, warum ich weine.“ Er berichtet von seinen Taxifahrten an Wochenenden, zu Ostern oder Weihnachten während des Studiums. „Ich war ganz allein. Ohne Freunde, ohne Familie. Aber was das schlimmste war: Ich konnte nichts, absolut gar nichts fühlen. Nichtmal Trauer.“

Sie quartiert ihm im Gästezimmer ein und fragt sich zum hundertsten Mal, warum sie diesen Menschen nicht zum Teufel schickt.

MARS GLOBAL SURVEYOR VIEW OF HAPPY FACE CRATER

In der Folgezeit scheint er sich zu sammeln. Er mietet ein Haus in einem versteckten Winkel eines Nachbarortes. Die Miete lässt er von der Kirchengemeinde zahlen: Die darf im Obergeschoss eine Asylantenfamilie einquartieren. An der Haustür steht der Name des Vereins. Er verfügt jetzt über Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Büro, Küche und Bad. Die Rolladen sind immer unten. Die Freundin bekommt einen Schlüssel.

Er verschwindet für immer längere Zeiträume, ohne sich zwischendurch zu melden. Sie hört, dass er zeitweise bei der Leiterin des Arbeitsamtes lebt. Eine Bekannte, die für eine Airline arbeitet, erzählt ihr am Telefon, dass er versucht habe, sich bei ihr einzuquartieren. Mittlerweile hat sie auch erfahren, dass die Beifahrerin bei seinem Unfall im Mietwagen die Frau eines anderen Arztes war, mit der er offenbar ein Wochenende verbracht hatte. Auf gerader Strecke war der Wagen ausgiebig an den Leitplanken entlang gescheuert.

Die „guten Gene“ weitergeben

Wenn er selbst auftaucht, konfrontiert er sie mit abstrusen Ideen: „Ich möchte, dass wir ein Kind zeugen. Ich habe gute Gene, die weitergegeben werden sollten – und ich denke, deine sind auch soweit ok. Wenn das Kind dann da ist, machen wir einen Vaterschaftstest und stellen fest, ob es wirklich von mir ist. Dann finanziere ich es bis zum abgeschlossenen Studium.“ Ihr fällt die Kinnlade herunter. „Sag mal, spinnst du?“ „Nein, keineswegs.“ Seine Augen sind klar und kühl. „Ich muss schließlich wissen, dass es wirklich meine Gene sind.“ Sie lehnt empört ab: „Ich will, dass du künftig in deiner eigenen Wohnung schläfst.“ Das tut er. Die Spenden sind jetzt auch dort. In der Garage steht jetzt ein Kleinbus, gestiftet von einem örtlichen Arzt.

Eigentlich will sie ihn zur Rede stellen wegen der zahllosen Forderungen, die immer bei ihr landen. Wieder einmal hat er einen hochroten Kopf, jetzt auch die Augen eines gehetzten Tieres. Sein Hals ist irgendwie dicker. Sie muss mehrfach nachfragen, was los ist, bis er tonlos sagt: „Heiße Strumas in der Schilddrüse. Ich habe Krebs. Eine Folge der Röntgenbehandlung in meiner Kindheit.“

In Deutschland kann er sich nicht operieren lassen, keine Krankenkasse mehr.  Er beschließt, nach Chicago zu fliegen und sich dem Sohn seines Doktorvaters anzuvertrauen. Sie fragt nicht, woher er das Geld nehmen will. Es wäre zwecklos. Er ist jetzt erkennbar gefährlich – wie ein waidwundes Tier. Also fragt sie nach den Überlebenschancen. „Ganz gut, wenn noch keine Methastasen da sind,“ antwortet er. Für einen kurzen Moment kann sie seine Angst erkennen, bevor der Weit-Entfernt-Blick alles überdeckt.

Er verschwindet. Als er vier Wochen später wieder auftaucht, ist er ein anderer Mensch. Hektisch, hochrot, jähzornig, gehetzt. Die Medikamente seien schuld, sagt er. Es sei so schwierig, die nun fehlenden körpereigenen Hormone richtig einzustellen. Später wird klar: Weder seine Brüder, noch seine Mutter haben ihm Geld geliehen. Er hat die OP-Rechnung mit einer ungedeckten Kreditkarte gezahlt, ebenso die des Hotels, wo er während der Nachbehandlung wohnte.

Alarmstufe rot – bitteres Ende

Sie fährt zu seiner Wohnung, um nachzusehen, ob die Spenden noch da sind. Sie findet zum Trocknen aufgehängte Kleidung eines Mannes, einer Frau und eines Kindes. Weit können sie nicht sein, die Kleidung ist noch feucht. Im Büro liegen drei Kreditkarten samt zugehörigen Forderungen der Banken im fünfstelligen Bereich. Im Regal findet sie Bücher aus ihrem Haus, die sie bereits vergeblich gesucht hatte. Und eine Handtasche aus Schlangenleder, die er ihr vor Monaten geschenkt und die sie bisher in ihrem eigenen Schrank gewähnt hatte. Der Kleinbus in der Garage ist voll gepackt mit Medikamenten. In der Schreibtisch-Schublade liegt ein „letzter Wille“: Zynisch hat er formuliert, dass die Frau, die ihn bis zum Ende pflege, seinen Nachlass ihr Eigen nennen dürfe.

Alarmstufe rot.

Sie informiert die Vereinsmitglieder und den Vertreter der Zeitung. In Windeseile stellen sie die Spenden sicher. Später werden sie vor Ort feststellen, dass auch alles wohlbehalten im afrikanischen Krankenhaus angekommen ist.

Diesmal taucht er nicht wieder auf. Das letzte, was sie erreicht, ist ein Anruf von irgendwo: „Ich habe Metastasen. Und alles, was man dir über mich erzählt hat, sind Lügen. Sie mochten mich nie wirklich.“ Dann reißt der Kontakt endgültig ab.

Bis die Anrufe abreißen, dauert es länger. Ein Makler sucht ihn – das Haus bei Innsbruck sei nun verkauft. Ein Arzneimittel-Großhändler sucht ihn: Er hat sich Medikamente für ein Dreifaches der vorhandenen Spendensumme liefern lassen und die Berichte der Tageszeitung als Referenz vorgelegt. Bezahlt hat er nicht.

Jahre später hört sie das Ende der Geschichte. Inzwischen sind die beiden anderen Brüder an Krebs gestorben. Eine der Nichten berichtet ihr, wie er seine letzte Zeit  verbrachte: Im Rollstuhl.

Eingesperrt und unbeweglich.

Die Frau, die ihn bis zu seinem Tode pflegte, hat er geheiratet.

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Die Psychopathie-Checkliste von Robert D. Hare unterscheidet laut Wikipedia zwei Dimensionen der Psychopathie mit folgenden Punkten:

Dimension 1: ausnützerisch

  • trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
  • erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
  • pathologisches Lügen (Pseudologie)
  • betrügerisch-manipulatives Verhalten
  • Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
  • oberflächliche Gefühle
  • Gefühlskälte, Mangel an Empathie
  • mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen

Dimension 2: impulsiv

  • Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger), ständiges Gefühl der Langeweile
  • unzureichende Verhaltenskontrolle
  • frühere Verhaltensauffälligkeiten
  • Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen
  • Impulsivität
  • Verantwortungslosigkeit
  • Abwertung anderer Menschen
  • Jugendkriminalität
  • Verstoß gegen Bewährungsauflagen bei bedingter Haftentlassung

Weitere Punkte:

  • Promiskuität
  • viele kurzzeitige eheähnliche Beziehungen
  • polytrope (vielgestaltige) Kriminalität

Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung (früher auch als Soziopathie, also – etwas frei übersetzt – als sozialer, gesellschaftlicher Störfaktor bezeichnet) lässt sich im allgemeinen am sichersten diagnostizieren. Das liegt nicht zuletzt an ihrem meist eindrucksvollen (negativ auffallenden) Beschwerdebild: verantwortungsloses und antisoziales (gegen jede gesellschaftliche Regeln verstoßendes) Verhalten, und zwar von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Vor allem scheinen antisoziale Persönlichkeiten wegen ihrer Impulsivität (also spontanen, hier besonders überschießenden, unkontrollierten Wesensart), ihrer Unzuverlässigkeit, Bindungsschwäche, Egozentrizität (krankhafter Ichbezogenheit) und wegen des Mangels an Schuldgefühlen therapeutisch kaum beeinflussbar zu sein.

Zusätzliche Probleme, seien sie gesundheitlicher, seien sie sozialer Art, entstehen oft durch den gleichzeitigen Missbrauch von Alkohol, Rauschdrogen, Tabak und Medikamenten. Die Heilungsaussichten sind deshalb in aller Regel ungünstig.

Behandlung: Nach dieser negativen Einführung nimmt der Satz nicht Wunder: Versuche mit (meist) gruppentherapeutischen Verfahren werden in der Regel im Rahmen von Besserungseinrichtungen, in Vollzugsanstalten oder in der forensischen Psychiatrie durchgeführt (rechtskräftig verurteilte psychisch Kranke in der Behandlung dafür spezialisierter Abteilungen der psychiatrischen Krankenhäuser).

Medikamentös gibt es für antisoziale Persönlichkeiten keine speziellen Therapievorschläge. Reizbarkeit und Aggressivität werden – soweit möglich – durch antipsychotische Neuroleptika und die Phasenprophylaktika Lithium und Carbamazepin (leicht) gebessert. Das eigentlich antiepileptisch zum Krampfschutz eingesetzte Carbamazepin wird vor allem dann empfohlen, wenn sich im Hirnstrombild (EEG) bei Patienten mit antisozialer Persönlichkeitsstörung eine so genannte Temporallappen-Schädigung feststellen lässt (Schädigungen im Temporal- oder Schläfenlappen des Gehirns sind für eine ganz besonders auffällige und für Laien ungewöhnliche Form der Epilepsie verantwortlich, was sich gerade durch solche Antiepileptika erfolgreich behandeln lässt).

Verhaltenstherapeutisch ist bei den antisozialen Persönlichkeitsstörungen eine Erkenntnis von nachteiliger Bedeutung, die sich auch nicht erfolgreich „wegtrainieren“ lässt, zumindest bei einer nicht geringen Zahl von Betroffenen: Diese „Soziopathen“ sind durch Strafreize weniger gut konditionierbar (prägbar) und lernen schlecht aus Erfahrungen, und seien sie noch so schmerzlich und damit für eine entsprechende Verhaltenskorrektur wegweisend. Dazu kommt das bereits erwähnte Risiko-Suchtverhalten, das weit über dem Durchschnitt liegen kann (was offenbar auch mit bestimmten Funktionsstörungen des Gehirns zu tun hat). So kommt man meist um einen Gesamt-Behandlungsplan nicht herum, der mit Psychotherapie, Konditionierungsverfahren, Belohnung und Beeinflussung durch Eltern und Beziehungspersonen sowie oft genug durch entsprechende Medikamente arbeitet – leider letztlich mit begrenztem Erfolg.   Quelle: Psychosoziale Gesundheit

HILFE: Bei www.narzismus.net gibt es diverse Foren und Partnerseiten, wo auch Probleme in der Partnerschaft mit Soziopathen besprochen werden.

Siehe auch:

Teil eins: Nie wieder verletzt werden: Ein Blick ins Herz eines Narzissten

 Teil drei: Ein gebrochenes Herz wird andere Herzen brechen – es kann nicht anders

und:

Wo andere ein Gewissen haben, ist da nichts

Wie man einen Soziopathen erkennt

Unterschiede zwischen Soziopath und Psychopath

Persönlichkeitsstörungen einteilen

Video mit ausfühlichen, klaren Definitionen und Verteidigungsstrategien

Update: Der wahre Wolf der Wall Street – auch nochmal hier

Update: 5 major signs your guy is an emotional psychopath

Update: Magdalena Kopp, die Gefährtin des „Schakals“

Update: Loslassen macht frei – Tipps wie man das macht

Update: Love Bombing: Wenn man mit Liebe überschüttet wird