Make America great again; mit Donald Trump ein Lügner und Betrüger im Amt Antwort

Update: Donald Trumps imigrant motherUpdateUDie Pop-Ikonen wollten am Freitag zu seiner Amtseinführung nicht auftreten, zahlreiche Abgeordnete der Demokraten boykottierten die Veranstaltung, bei der es Krawalle gab und auch gleich ein halbes Dutzend Journalisten verhaftet wurde. Am Tag danach marschierten die Frauen. Hunderttausende in Washington und nochmal so viele rund um den Globus waren unterwegs, um ihre Verachtung für den neuen Präsidenten der USA zu zeigen:Donald Trump, Milliardär, Pöbler, Mann der kurzen Sätze und klaren Worte mit einem soziopathischen Wesen. Und dann ging es rund: Die erste Woche der Amtszeit von Präsident Donald Trump stand unter dem Motto: „Die Zeit des Redens ist vorbei, die Zeit des Handelns ist gekommen.“

Seine Antrittsrede war im gleichen Ton gehalten wie sein Wahlkampf, trat dem Establishment, das hinter ihm auf der Ehrentribühne saß, unsanft in den Allerwertesten und klang wie die Rede eines Diktators: Ich gebe euch  eure Würde zurück –  unser Land wird wieder groß sein.  Und den islamischen Terror rotten wir aus.

Die weiteren Kernpunkte:

  • Eine korrupte Elite hat lange das Land ausgebeutet. Aber jetzt ist der richtige Führer gekommen, der alle Macht dem Volk zurück gibt.
  • Fortan gilt: Nicht zuerst die Welt retten, sondern zuerst das eigene Land .
  • Es wird Arbeit für alle geben: Durch den Ausbau von Straßen, Schienen, Flughäfen und durch die Protektion: US-Produkte kaufen, US-Bürger einstellen.
  • Ein neuer Nationalstolz wird alle verbinden. Grund zur Furcht gibt es nicht, denn Gott selbst schützt Amerika.

Das ist der Stoff, aus dem Kriege geboren werden. Die Rede erinnerte teilweise an die frühen Tage des Dritten Reiches, wie sogar Papst Franziskus öffentlich kundtat – nicht ohne anzumerken, dass sowohl Hitler, als auch Trump rechtmäßig gewählt wurden.  Eine hohe Arbeitslosigkeit, ein nach dem Ersten Weltkrieg von den Alliierten entwürdigtes Volk und ein Feindbild in einer bestimmten Menschengruppe brachte in Deutschland einen Soziopathen an die Macht und hielt ihn dort bis zum bitteren Ende. Die USA haben keinen Weltkrieg verloren. Das Land, das zu den reichsten weltweit gehört, hat zwar eine Arbeitslosenquote von nur 4,7 Prozent, weist aber eine enorme Schere zwischen Superreichen und sehr Armen auf, ist seit Jahrzehnten Einwanderungsland, verfügt teilweise über eine erstaunlich marode Infrastruktur. Und seit 9/11 hält sich hartnäckig eine Terror-Paranoia im Land, der nun mit einer strengen Begrenzung der muslimischen Imigratenzahl entgegengewirkt werden soll.

Noch am Abend der Amtseinführung änderte sich die Homepage des Weißen Hauses: Die Angaben zu Klimaschutzprojekten und dem Wasserrecht  wurden gelöscht, denn Trump will Kohle, Öl und Gas zu neuer Blüte verhelfen und die Wirtschaft nicht durch „schädliche Gesetze“ hemmen. Das rief einen Proteststurm hervor. Am ersten Tag im Amt begann der neue Präsident außerdem, das Gesundheitsvorsorgeprojekt „Obamacare“ in Teilen rückgängig zu machen.  Trump kündigte an, das Handelsabkommen NAFTA mit Mexiko neu zu verhandeln, und – brüskierte die versammelten Medien seines Landes mit „alternativen Fakten“: Bei seiner Amtseinführung seien (gegenteiliger Beweise zum Trotz) mehr Zuschauer als jemals zuvor bei einem Präsidenten anwesend gewesen. Punkt. Fragen ließ sein Sprecher nicht zu. Zehn Tage später gab ihm Ranga Yogeshwar zumindest teilweise recht: Die Fotos waren zu unterschiedlichen Uhrzeiten gemacht worden (das vonTrump ca 45 Minuten früher) und bei Obama sei das Wetter viel besser gewesen.

Auch ein Versprechen brach der Präsident gleich am Tag seines Amtsantrittes: Er erklärte, trotz Wahlsieg seine Steuererklärung nicht offenzulegen. Das brachte ihm umgehend eine Anzeige ein:“Citizens for Responsibility and Ethics in Washington“, eine Organisation, die gegen Korruption kämpft, hat sie eingereicht. Trump verletze die Verfassung der USA, indem er weiterhin Einkünfte im Ausland erziele, sagt sie. Trump verletzt noch mehr: Er übergab seine Firmen an seine Kinder – mit denen er jederzeit über die Firmenpolitik sprechen kann. Das ist eine unzulässige, nicht tolerierbare Verquickung von Amt und Geschäft.

Wie muss man nun diesen neuen Präsidenten einordnen? Worauf muss man sich einstellen? Soll man lachen, weinen, oder muss man sich fürchten?

1990

Geboren wurde Donald J. Trump am 14. Juni 1946 im New Yorker Stadtteil Queens. Die NZZ veröffentlichte im August 2016 ein lesenswertes Portrait des 70jährigen, der sagt, sein Vater Fred sei der wichtigste Mensch in seinem Leben gewesen. Ihn will er übertreffen: An Gerissenheit, an Erfolg, an Glamour.

Als er 13 war, deckte er sich heimlich in Manhattan mit Schnappmessern ein. Vater Fred steckte ihn daraufhin in eine Militärakademie, wo er den Siegeswillen entwickelte, auf den er sich bis heute beruft.

In der Militärakademie galt das Motto: „Gewinnen ist nicht alles, es ist das EINZIGE.“ „Die Erzieher prügelten dir die Knochen aus dem Leib“, erinnert sich Trump. Auf seine Internatszeit blickt er zurück wie auf einen gewonnenen Krieg und preist seinen Drillmeister Theodore Dobias, der den Hang hatte, schwächeren Zöglingen an die Gurgel zu gehen.

In der Akademie begann Donald, das Leben als Kampf gegen alle zu begreifen. Verachtung für Verlierer bleibt ein Generalthema seines Lebens. Auch geostrategisch ist sein Problemlösungsansatz  nicht die Verhandlungskunst, sondern: zurückschlagen, die Oberhand gewinnen, Amerika „wieder gross“ machen.  Besonders als Objekt der Narzissmus-Forschung empfiehlt er sich, findet der NZZ-Autor. Gegenüber seinem Schreibtisch im Trump-Tower hängt ein riesiger Spiegel, täglich lässt er sich einen Stapel mit Zeitungsartikeln über sich selbst auf den Tisch legen.

Trump hat Vorurteile gegen Minderheiten, Aversionen  gegen Geisteswissenschaften und eine militaristische Grundhaltung. Seine Käfer- und Virenphobie – er gibt Menschen ungern die Hand, ohne diese sofort danach zu desinfizieren – fügt sich in die Diagnose ein. „Autoritäre“ Charaktere tendieren zu Ekelgefühlen gegenüber allem Fremden und Unreinen. Besonders Körperflüssigkeiten von Frauen scheinen Trump abzustoßen. Die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly beschimpfte er als „Bimbo, bei der das Blut überall herausfliesst“. Eine Toilettenpause Hillary Clintons kommentierte er: „Ekelhaft!““

Zudem liest er – wie er dem Journalisten Michael D’Antonio, dem Autor einer gerade auf Deutsch erschienenen Trump-Biografie, erzählte – keine Bücher, interessiert sich weder für Kunst noch für fremde Sprachen und Kulturen. Sein einziger Maßstab ist der Erfolg, der sich nach Dollars bemisst.

Eine außerordentlich krasse Biografie des Präsidenten hat David Cay Johnson geschrieben: „Die Akte Trump“ listet chronologisch die Karriere eines Mannes auf, der sich mit Lügen, Betrug und weitreichenden Beziehungen zur Mafia und zu verurteilten Verbrechern immer wieder geschäftliche Vorteile verschafft hat. David Cay Johnson ist nicht irgendwer: Der 69jährige Pulitzer-Preisträger hat eine lange Karriere als investigativer Journalist hinter sich. Er listet die Familiengeschichte des Präsidenten auf  und charakteriert diesen dann anhand zahlreicher genau recherchierter Beispiele als Lügner, korrupt und korrumpierbar, als ungeheuer nachtragend und auf Rache sinnend,  als Rassist und Menschenverachter, und als Mann, dessen Maxime es ist, hundertmal härter zurückzuschlagen, als er angegriffen wurde. Ein lesenwertes Buch für jeden, der hofft, dieser Präsident werde sich noch an die Würde seines Amtes erinnern.

In Sachen Wirtschaft hat sich Donald Trump  klare Vorgaben gegeben: Sein Wirtschaftsplan soll das Wachstum auf vier Prozent hochschrauben (Obama erreichte nach 2009 im Durchschnitt 2,2 Prozent), und innerhalb von zehn Jahren will er 25 000 neue Jobs schaffen (das entspricht etwa der Menge, die unter Obama entstanden). Die Börsen lieben es. Aber: Seit 2005 waren die meisten neuen Jobs schlecht bezahlte Teilzeit-Arbeitsplätze am Ende der Produktionskette. 16 Millionen mehr Amerikaner als 2005 sind auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen, und seit 50 Jahren war die Zahl der Hausbesitzer nicht mehr so niedrig, schreibt Forbes. Sieben von zehn Amerikanern haben weniger als 1000 Dollar auf dem Sparkonto. Das ist die schwierige Klientel, die ihre Hoffnung in den neuen Präsidenten setzt.

Der Erfolg soll mit Protektionsmaßnahmen funktionieren: „In Amerika produzieren, in Amerika kaufen, Amerikaner einstellen.“ Das bedeutet Steuererleichterungen für Unternehmen (von 35 auf 15 bis 20 Prozent), Strafzölle von 20 bis 35 Prozent für im Ausland produzierte Waren und einen weichen Dollar, der den Export amerikanischer Waren begünstigt. Am Montag nach seiner Amtseinführung kündigte der neue Präsident das transpazifische  Freihandelsabkommen TPP auf und spielt damit China in die Hände. Was seinem Ziel hinderlich sein könnte, ignoriert er: Zum Beispiel, dass günstige Herstellung von Zulieferteilen oder kompletter Produkte in Ländern wie Mexiko oder China die Kosten der Endprodukte senkt und gleichzeitig potentielle Käufer für hochwertige Ware im Ausland aufbaut. Und, dass die amerikanischen Produkte den Menschen auch preislich, in der Qualität, sowie der Optik attraktiv erscheinen müssen.

Das Dekret für die Mauer zwischen den USA und Mexiko folgte am Mittwoch. Am Donnerstag sagte der mexikanische Präsident sein Treffen mit Trump verärgert ab und betonte zum wiederholten Mal, dass Mexiko auf keinen Fall die Kosten der Mauer zahlen werde. Ebenfalls am Donnerstag vernahm die interessierte Öffentlichkeit, dass die gesamte Führungsriege des Außenministerium unter Protest zurückgetreten ist und der Präsident nun auf geballtes Fachwissen nicht mehr zugreifen kann. Der designierte Außenminister Rex Tillerson  war da vom Kongress noch nicht bestätigt. Am Abend dann der Knüller: Der Präsident findet Waterboarding durchaus sinnvoll und erklärte: „Folter wirkt.

Still from 'The Stuff of Life'

Ray Dalio, Milliardär und erfolgreicher Hedge Fonds-Manager, analysierte das Kabinett des Wahlsiegers auf seine Kompetenz und kommt zu dem Ergebnis: Mit kumulierten 138 Jahren hat Trumps Spitzenteam nicht nur mehr Erfahrung als das Obamas, das es auf 122 Jahre brachte, sondern es kommt auch auf den historisch höchsten Erfahrungswert. Weit brisanter als die gesamte Erfahrung ist der Vergleich der Spitzenteams im Bereich Wirtschaft: Obama 5 Jahre, Trump 83 Jahre.

Seit Kennedy hatte Obamas Team die geringste wirtschaftliche Erfahrung, Trumps Team bringt es auf die größte. Auf politischem Gebiet liegt Trumps Team zwischen denen Reagans und Carters. Dalio schließt daraus, dass der Wechsel von der vergangenen zur gegenwärtigen Präsidentschaft wohl gravierendere Konsequenzen haben wird als der Wechsel Anfang der 80er Jahre von Carter zu Reagan. „Welcher Art könnten diese Konsequenzen wohl sein?“ fragt die FAZ.

Nun, er hat es doch klar gesagt: America first – das heißt: nach uns die Sintflut… Das scheinen auch die ersten Medien zu begreifen. „Amerika, du wirst uns fehlen“ titelt der Spiegel und arbeitet auf, was genau in Europa fehlen wird: Die Schutzmacht USA, an der wir (Deutschland) uns neurotisch in Sachen „Feindbild“ abarbeiten können. Dafür bekommen wir nun die Verantwortung, die wir solange eingefordert haben. Das gilt in Sachen Militär ebenso wie beim Thema Wirtschaft und Handel.

Hier setzt Professor Michael Hüter, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln an, um auf die Drohungen des Präsidenten zu Importzöllen zu antworten: Die deutsche Wirtschaft sei nicht umsonst so stark, erklärte er im ZDF: In flexiblen, kostengünstigen Produktionslinien stelle sie preis-werte Qualitätsware her, die den Kunden gefalle. Das müsse Amerika erstmal nachmachen. Zu Donald Trump selber erklärt er: „Ich habe diesen Mann lange beobachtet und gesehen: Er ist impulsiv  und tritt machtvoll auf.  Dagegen kann man nur eins machen: Selbst machtvoll auftreten.“

Das weitere wirtschaftliche Prinzip Trumps für Amerika  ist ebenfalls einfach: Der Macher will schnell viele Arbeitsplätze schaffen. Protektion allein wird nicht genügen: Er wird die Staatsschulden erhöhen und damit tun, was die Deutschen aus den 30er Jahren kennen: Viele Staatsschulden machen, ohne zu wissen, wie sie bezahlt werden können.  Zum Beispiel für den Bau der Mauer an der mexikanischen Grenze, die 20 Milliarden und mehr kosten könnte und von den USA „vor“finanziert werden muss.

Das wird die Inflation anfeuern.

Und dann?

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Wie schnell sich Protektion als Bumerang entpuppen kann, arbeitet das Handesblatt am Beispiel China auf:  Der US-chinesische Wirtschaftsrat USCBC sagt, dass die Handelsbeziehungen des Importweltmeisters USA mit China aktuell 2,6 Millionen Jobs in den USA sicherten – einschließlich der Arbeitsplätze, die chinesische Firmen in Amerika geschaffen hätten. Übrigens hängen auch 6 Millionen US-amerikanischer Jobs von Mexiko ab: In den USA werden die Teile produziert, aus denen Mexiko fertige Produkte für den Export herstellt. Auf diese Weise kommen 40 Prozent der mexikanischen Importe aus den USA.  Was passiert mit diesen Arbeitsplätzen, wenn Importzölle kommen?

Ein I-Phone würde bei der Produktion in den USA satte 500 Dollar mehr kosten, rechnet das Unternehmen Foxconn vor. Man plane zwar ein Werk in den USA – aber das werde nicht mehr Arbeitsplätze bringen. Mittelfristig solle die Produktion komplett von Robotern erledigt werden.

Für Europa fasst  FAZ  die Lage zunächst so zusammen: Obamas Amerika war ein Staat der Bürokraten, so wie auch Europa von Bürokraten regiert wird. Ab sofort begegnet  jedoch ein „Hau den Lukas“ der „Status-quo-Panik der Eliten“, was, so Autor Thomas Mayer, zumindest für Zerstörung gut sein dürfte. Ob diese auch schöpferisch sein wird, um den gordischen Knoten aus Finanz- und Euro-Krise zu durchschlagen, lässt er offen.

Und was machen wir einfachen Menschen mit der neuen Situation?

Jon Schwarz bei The Intercept hat sich dazu interessante Gedanken gemacht, die sich auch Nicht-Amerikanern anbieten:

„Die Leute, die Amerika regieren, haben ein politisches System konstruiert, das wie ein störungsbehafteter Killer-Roboter funktioniert; jetzt wissen wir, dass sie den nicht mehr unter Kontrolle haben.  Der Irakkrieg war eine kleinere Panne,  (…) die Immobilienblase schon schlimmer. (…) Mit Donald Trump nun hat der Roboter zum ersten Mal sämtliche Befehle ignoriert und ist völlig außer Kontrolle geraten. (…)

Politik ist ganz klar eine Sache, bei der es um Leben und Tod geht. Machen Sie, wenn Sie es können, Politik zum zentralen Thema Ihres Lebens,“ folgert er.

Statt wohl formulierte Phrasen zu dreschen oder in plakativ vereinfachte Bilder der Welt zu verfallen, rät Jon Schwarz zu Erkenntnissen wie:  „Wir haben seit 60 Jahren Bomben auf den Nahen Osten geworfen. Die Leute da sind empört über uns, so wie wir nach 9/11 empört waren. Solange wir nicht aufhören, Bomben auf sie zu werfen, wird es immer einen kleinen Teil radikalisierter Muslime geben, die es uns heimzahlen wollen. Irgendjemand wird immer da sein, um es auch auszuführen, egal was wir tun, um es zu verhindern.“

Medien, die sich über Werbung finanzieren, werden niemals politisch unabhängig sein, sagt der Autor: Öffentliches Crowdfunding sieht er als Lösung für freien Zugang zur Information. Politische Parteien in den USA sollten wieder die Menschen an der Basis einbinden – mit regelmäßigen Treffen und gemeinsamen Aktivitäten.

Ganz wichtig sei es, sich nicht entmutigen zu lassen: „Junge Amerikaner sind extrem progressiv; so sehr, dass sich jeder Führer aus Politik und Wirtschaft vor ihnen fürchten sollte“.

Europäer auch – oder?

Nehmen wir also endlich die rote Pille.

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Leben als Soziopath: „Das Schlimmste war: Ich konnte absolut nichts fühlen“ Antwort

Dieser zweite Teil meiner kleinen Reihe über Männer, die eine Spur gebrochener Herzen hinter sich herziehen,  beschäftigt sich mit dem Leben eines Soziopathen (auch Psychopath genannt). So unglaublich sie klingen mag, ist sie doch sogar weit ausführlicher belegbar, als hier ausgeführt wird. Im Unterschied zu einem Narzissten, wie er in Teil eins dargestellt wird, hat ein Soziopath beim Thema Mitgefühl ein besonders hohes Defizit. Auch leidet er meist wenig oder gar nicht unter Gewissensbissen. Er ist sein eigener Maßstab für alles, was er tut – das gilt auch für allgemeine gesellschaftliche Regeln, im Extremfall für Gesetze aller Art. Je nachdem wie klug so eine Person ist, kann sie erheblichen menschlichen und auch wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Wer in sein Visier gerät, sollte am besten laufen, so schnell er kann – denn retten kann man einen Soziopathen nicht. Im günstigsten Fall kann man sich mit ihm arrangieren – zu seinen Bedingungen.

Leiden wird der/die Partner/in aber immer.  

∞ ∞ ∞

An manche Jahre seiner Kindheit kann er sich nicht mehr erinnern. Was er noch weiß ist, dass alle drei Brüder im frühen Kindesalter an Lymphdrüsentuberkulose erkrankten und mit Röntgenstrahlen behandelt wurden. Danach war die Erkrankung dann weg.

Was er auch noch weiß ist, wie sehr die Ehe seiner Eltern im Gegensatz zu der wundervollen Umgebung stand, in der sie alle lebten: Der Vater, schmächtig, freundlich und ein großer Idealist, war Dorfpfarrer. Seine kleine, fast tausendjährige Kirche stand auf einem Hügel hoch  über dem Tal, und die Familie lebte im zugehörigen Pfarrhaus. Die Mutter,  groß für eine Frau, war drall, später stark übergewichtig und hatte stechende blaue Augen. Er selbst wurde als mittlerer von drei Brüdern geboren. Die beiden anderen waren schlank, mit dunklen Haaren und sanften braunen Augen; er selbst war untersetzt und kam mehr nach der Mutter. In seinen Augen lag allerdings nicht deren  hilflose Aggression, sondern eine stahlblaue innere Distanz und manchmal ein provozierendes, ungeheuer polarisierendes hellblaues Strahlen: Man mochte ihn, oder man lehnte ihn vollständig ab.

Die Mutter, zuständig für die drei Jungs, den Haushalt und die Ehrenämter, die Pfarrersfrauen so haben, war unzufrieden und nicht selten überfordert. Die engagierte Jugendarbeit, die ihr Mann mit dem örtlichen Abgeordneten betrieb, und die immer wieder jede Menge junger Menschen in ihr Haus schwemmte, war ihr ein ständiger Dorn im Auge. Alle Versuche, ihren Mann unter Druck zu setzen, diese Aktivitäten zu reduzieren, schlugen fehl. Je mehr Druck sie machte, desto weniger erreichte sie ihn. Als er sich schließlich scheiden lassen wollte, erpresste sie ihn mit der Drohung, sich wegen ehelicher Untreue bei der obersten Kirchenleitung zu beschweren. Der Vater blieb also – bis zum Erreichen des Ruhestandes. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was er auch noch weiß ist, dass er eine Weile im Kinderheim zubrachte – aber er erinnert sich nicht, warum. Warum er ins Internat „abgeschoben“ wurde, weiß er dagegen noch genau: Die aggressive Mutter war schuld. Er war ein Einserschüler, aber beliebt war er nicht. Das lag daran, dass er immer wieder auf höchst subtile Weise seine Mitschüler gegeneinander ausspielte. Freundschaft war ihm aber auch nicht wichtig: Er war leidenschaftlicher Sportler mit großen Erfolgen im Hürdenlauf.

Schon als kleiner Junge hat er einen großen Wunsch: Fliegen. Am liebsten mit potenten Militärmaschinen. Deshalb bittet er nach dem Abitur  seinen Vater um Hilfe. Der schaltet den Abgeordneten ein, und tatsächlich: Er darf auf eine Ausbildung als Pilot hoffen, sofern er sich langfristig bei der Bundeswehr verpflichtet. Begeistert unterschreibt er und geht in das Vorpüfungsverfahren. Er lernt mit Leichtigkeit, er weiß sich in den psychologischen Tests perfekt zu behaupten, und auch die erste medizinische Untersuchung verläuft einwandfrei. Aber als es richtig losgehen soll, wird zu hoher Bludruck diagnostiziert. Der sinkt zwar zwischendurch auch wieder, bleibt allerdings nie auf niedrigem Niveau stabil. Das ist das Ende. Man lehnt ihn ab.

Seine Wut ist grenzenlos.

Soll er nun etwa mindestens 16 Jahre im Stubenmief der Uniformträger ersticken? Oh nein.

Er wendet alle Mittel an, die ihm zur Kenntnis kommen,  unlautere sind auch dabei. Dann ist er aus der Bundeswehr raus, der Abgeordnete ist diskreditiert und sein Vater will nichts mehr mit ihm zu tun haben – seine Brüder auch nicht.

Ok, dann eben nicht.

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Er geht ins Ruhrgebiet, um Medizin zu studieren. Finanzielle Unterstützung hat er keine, aber er kommt auch so durch: Er fährt Taxi – besonders an den Wochenenden und Feiertagen, wenn andere frei haben wollen. Er studiert in Rekordzeit und nimmt an einem Klinikum die Arbeit auf. Er spezialisiert sich, wird Herz- und Gefäßchirurg.

Das ist die Zeit, als er entdeckt, welche Wirkung er auf Frauen haben kann, wenn er will. Es dauert nicht lange, und er lebt im Haus einer Bochumer Ärztin und deren Kind aus geschiedener Ehe. Sie arbeiten in der selben Klinik, haben viele gemeinsame Interessen, und eine Zeitlang scheint sein Leben stabil.

Aber die Gleichmäßigkeit in den Lebensumständen macht ihn schnell nervös. Er fühlt sich eingesperrt in einem unwirklichen Stillstand – dazu kommt, dass der Chefarzt ihn auf dem Kicker hat. Abhilfe lässt sich nur teilweise schaffen: Krankenschwestern für die Abwwechslung im Bett – auch hie und da einmal genesene Patientinnen – finden sich leicht und lassen sich ebenso leicht auswechseln. Der Chefarzt aber nicht. Und der bekommt gesträubte Nackenhaare, sobald er den stahlblauen Weit-Entfernt-Blick in den Augen seines Chirurgen sieht.

Im Krankenhaus passieren seltsame Unregelmäßigkeiten. Krankenakten verschwinden oder sind nachträglich geändert – die Medikamente und die Lieferlisten stimmen nicht überein, in der Ärzteschaft entsteht Unruhe. Als ein erheblicher finanzieller Posten unter ungeklärten Umständen umgeleitet wird, gerät er unter Verdacht. Er verlässt die Klinik und die zu eng gewordene Lebensgemeinschaft. Mit einer anderen Frau unternimmt er eine lange Reise durchdie Alpenländer, Italien und Südfrankreich. Inzwischen hat er privat den Pilotenschein gemacht und darf eine mehrsitzige Cessna fliegen. Das tut er mit Begeisterung.

Sich in eigener Praxis niederzulassen, kommt für ihn nicht infrage: Es stellt seinen Albtraum der Gefangenschaft an einem einzigen Ort dar. Also versucht er es anders: Er wird Arzt im Dienst eines österreichischen Unternehmens, das in Afrika Öl bohrt. Zu besten finanziellen Bedingungen zieht er ins „Weißencamp“, leitet eine Krankenstation mit mehreren Schwestern und behandelt die Privatpatienten auf eigene Rechnung. Und was das Schönste ist: Zwischen Lagos/Nigeria und Paris/Charles-de-Gaulle gibt es „Linienflüge“ mit der Concorde. Wundervoll. Er braucht zwar Anschlussflüge, aber er nimmt das Überschallflugzeug, wann immer es geht. Als „african resident“ ist das nichtmal wirklich teuer.

Eine der Krankenschwestern ist eine Französin: 40, gut situiert, verheiratet und rettungslos in ihn verliebt. Sie lässt ssich scheiden, verzichtet auf einen finanziellen Ausgleich von ihrem Ex-Mann, nimmt nur 40 Goldstücke mit. Er ist sehr geschmeichelt: So ein wildes und schönes Weib will ihn haben, obwohl er nun Mitte 40 ist – klasse. Sie kaufen ein Haus bei Innsbruck – in einem kleinen Dorf, ganz am Rand, für die Zeit nach Afrika. Sie haben einen kleinen schwarzen Jungen bei sich aufgenommen, der von seiner Mutter ausgesetzt worden war und wollen nach Ende ihres Vertrages in Österreich leben.

Mythos des Vaters benutzt

Aber vorher will er noch ein Entwicklungshilfeprojekt in Gang setzen.  Noch einmal fährt er zurück in den Ort, wo er geboren wurde. Der Mythos seines inzwischen verstorbenen Vaters lebt: Die Generation, der damaligen Jugendarbeit sitzt nun auf Entscheiderposten in den Verwaltungen. Auch die Brüder heißen ihn willkommen – skeptisch zwar, aber Blut ist dicker als Wasser. Dafür schläft er auch mal in der von der ungeliebten Schwägerin für ihn ausgeräumten Besenkammer. Was zu diesem Zeitpunkt niemand außer ihm selbst weiß: Er kann nicht ins Camp zurück. Dort ist die Patientenkartei zusammen mit einer knapp sechstelligen Summe Bargeld verschwunden.

Sie gründen einen Verein zwecks Spendensammlung für den Bau eines Krankenhauses in Afrika: Alle wesentlichen Multiplikatoren und sein jüngster Bruder sind Mitglieder.  Der Verein startet eine Spendenkampagne in den lokalen Medien. Das Geld fließt, aber ihm geht alles viel zu langsam. Er schafft es, einen Termin beim Chefredakteur einer der Tageszeitungen zu bekommen und geht mit allem ihm zur Verfügung stehenden Charme zu Werke. Er plaudert über klassische Musik, internationale Küche und die Leser-Blatt-Bindung von Lokalausgaben. Der Chefredakteur ist tief beeindruckt von diesem Mann von Welt. Die Zeitung veranstaltet ein Gala-Konzert und spendet eine fünfstellige Summe.

Auch eine Freundin vor Ort ist schnell gefunden. Er bewirft sie wochenlang mit langstieligen roten Rosen: Jeden Tag liefert das Blumenhaus einen neuen Straß, mal in die Wohnung, mal ins Büro. Dann zieht er von der Besenkammer in ihr Haus. Sie ist 30 und er kann ihr viel beibringen. „Willst du führen oder willst du geführt werden?“ ist seine Standardfrage, wenn sie beginnt, über Teamarbeit und Gleichberechtigung zu sprechen. „Eine andere Wahl hast du nicht. Es gilt IMMER das Recht des Stärkeren. Also entscheide dich.“

Sie sprechen über Afrika, die Notwendigkeit von Entwicklungshilfe, sein Leben. Und sie fahren weg, wann immer es geht. Er hat jeden Monat einen anderen Leihwagen: Immer im Wechsel Mercedes oder BMW. Er liebt es, wenn sie fährt. Und er liebt es, sie zu formen. Sie hat zum Beispiel die falsche Garderobe: Er bringt sie deshalb in die große Stadt, läuft mit ihr durch mehrere Boutiquenen, trinkt Champagner und sieht zu, wie die Verkäuferinnen sie einkleiden. Die Sachen, die ihm an ihr gefallen, kauft er. Sie fahren in kleine Hotels in die Vogesen, und sie sind oft in der Schweiz: Am liebsten in Lugano. Er liebt die Anonymität großer, teurer Hotels. Dort parkt er die Freundin gern bis zur Abreisestunde, um mit einem kleinen schwarzen Köfferchen in die Stadt zu fahren, wo er „Geschäfte“ erledigen muss. Viel später wird sie erfahren, dass er versucht hat, von ehemaligen Patienten Geld einzutreiben.

Einmal schaut sie neugierig in seinen blauen Koffer, den er immer wieder irgendwo auf wundersame Weise mit frisch gebügelten weißen oder blauen Hemden bestückt: Außer diesen und einigen Accessoires findet sie zerknitterte Kontoauszüge. Die Summe nimmt rapide ab. Geldquellen kann sie keine ausmachen.

Er reagiert kalt und konsequent, wenn sie nicht funktioniert: Hotels zahlt er nur, wenn er sie auch ausgesucht hat. Es kostet beinahe ihr ganzes Monatseinkommen, als sie einmal ein „falsches Hotel“ anfährt: Er lässt sie bei der Abreise gnadenlos allein an der Rezeption stehen und die gesamte Rechnng bezahlen. Ähnlich geht es beim Einkleiden zu: Als sie einmal selbst ein Kleid aussucht, sagt er mit charmantem Lächeln und grell-provokantem Blick erst an der Kasse: „Dieses Kleid zahlt die Dame selbst.“

Immer wenn sie Fahrten unternehmen, ist er ein anderer Mensch. „Es gibt nichts schöneres, als unterwegs zu sein,“ erklärt er ihr. „Wann und wo man ankommt, ist völlig egal.“ So fahren sie mal hierhin, mal dahin. Zum Beispiel mal eben nach Paris. Um mit den Hintergrundgeräuschen von Charles-de-Gaulle bei geöffneter Tür der Telefonzelle in Afrika anzurufen und der Französin zu erklären, dass die Concorde gut gelandet sei.

Eines Abends, als er sie im Büro abholt, gibt es einen Eklat: Die Tür öffnet sich und „seine“ Französin ist da. Sie legt eine lautstarke, wenig schmeichelhafte Szene hin – die neue Freundin schweigt hilflos, er selbst bekommt einen peinlich roten Kopf, führt das zeternde Weib zur Tür, befördert es zu seinem Fluchtpunkt: Das Hotel am Flughafen. Das ist zwei Tage bevor er mit der Freundin für eine Woche nach Miami fliegen will. Die Tickets liegen bei ihr zuhause, die Koffer sind gepackt. Am Tag des Abflugs, als er sich immer noch nicht gemeldet hat, ruft sie im Flughafenhotel an. Er ist da, sie hört das eine Frauenstimme im Hintergrund. Dann sagt er: „Wir fliegen nicht“ und legt auf.

Lügner, Betrüger und Hochstapler

Sie bekommt einen Aruf seines jüngsten Bruders mit der Bitte um ein Treffen. Als sie sich sehen, redet er Klartext: „Mein Bruder ist ein Lügner, Betrüger und Hochstapler. Das war er schon als Kind. Glaube ihm nichts und verlasse dich niemals auf ihn.“

In der Zwischenzeit war der Verein rege aktiv.  Medikamente wurden von Firmen und Großhändlern gesammelt, medizinisches Gerät und ausgediente Krankenbetten bei Kliniken aus der ganzen Republik. Sie lagern in der Verwaltung, sollen aber da weg, weil sie zuviel Platz brauchen. Entwicklungshilfeorganisationen sind eingebunden, um Ärzte und medizinisches Personal für das neue Krankenhaus zu finden, das derweil im Bau ist. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist groß. Das Haus der Freundin ist – ganz ohne ihr Einverständnis – Telefonzentrale: Hier melden sich alle, die den mal wieder verschollenen Doktor sprechen wollen oder sonstige Fragen haben. Wie zum Beispiel die Autovermietung: Die will wissen, wer nun den Totalschaden an einem Mercedes zahle, den er nach dem Unfall kommentarlos auf dem Hof abgestellt hat. Glücklicherweise sei ja weder ihm, noch der Beifahrerin etwas passiert… Wenig später meldet sich die Krankenkasse: Wie das nun mit den Beitragsrückständen aussehe…

Nach mehrwöchiger Abwesenheit ohne sich zu melden taucht er abends wieder bei ihr auf, in der Hand ein Baquette, Räucherlachs und eine Flasche Champagner: „Sie ist zurück in Afrika,“ sagt er fröhlich und strahlt die Freundin an. Die Augen unter den buschigen Brauen leuchten hellblau und charmanter denn je. Sie zeigt auf seinen gepackten blauen Koffer, der im Flur wartet: „Raus.“

Er geht nicht. Statt dessen deckt er den Tisch, setzt sich und berichtet, wie schwierig es sei, sich von der Französin zu trennen. Nun sei aber alles auf bestem Weg, und er gedenke, sich dauerhaft am Ort niederzulassen. Er hat Vertretungen in lokalen Arztpraxen organisiert, eine auch schon angetreten, im übrigen beschlossen, sich endlich selbst einen Wagen zu kaufen. Auch ein Vereinsbüro will er mieten und dort die ganzen gesammelten Spenden unterbringen.

Sie sagt: „Weißt du eigentlich wie es mir ging, als du einfach verschwunden bist?“ Mit rotem Kopf bricht er in Tränen aus. Als sie um den Tisch herumgehen will, um ihn zu umarmen, sagt er: „Lass das! Du weißt ja nicht, warum ich weine.“ Er berichtet von seinen Taxifahrten an Wochenenden, zu Ostern oder Weihnachten während des Studiums. „Ich war ganz allein. Ohne Freunde, ohne Familie. Aber was das schlimmste war: Ich konnte nichts, absolut gar nichts fühlen. Nichtmal Trauer.“

Sie quartiert ihm im Gästezimmer ein und fragt sich zum hundertsten Mal, warum sie diesen Menschen nicht zum Teufel schickt.

MARS GLOBAL SURVEYOR VIEW OF HAPPY FACE CRATER

In der Folgezeit scheint er sich zu sammeln. Er mietet ein Haus in einem versteckten Winkel eines Nachbarortes. Die Miete lässt er von der Kirchengemeinde zahlen: Die darf im Obergeschoss eine Asylantenfamilie einquartieren. An der Haustür steht der Name des Vereins. Er verfügt jetzt über Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Büro, Küche und Bad. Die Rolladen sind immer unten. Die Freundin bekommt einen Schlüssel.

Er verschwindet für immer längere Zeiträume, ohne sich zwischendurch zu melden. Sie hört, dass er zeitweise bei der Leiterin des Arbeitsamtes lebt. Eine Bekannte, die für eine Airline arbeitet, erzählt ihr am Telefon, dass er versucht habe, sich bei ihr einzuquartieren. Mittlerweile hat sie auch erfahren, dass die Beifahrerin bei seinem Unfall im Mietwagen die Frau eines anderen Arztes war, mit der er offenbar ein Wochenende verbracht hatte. Auf gerader Strecke war der Wagen ausgiebig an den Leitplanken entlang gescheuert.

Die „guten Gene“ weitergeben

Wenn er selbst auftaucht, konfrontiert er sie mit abstrusen Ideen: „Ich möchte, dass wir ein Kind zeugen. Ich habe gute Gene, die weitergegeben werden sollten – und ich denke, deine sind auch soweit ok. Wenn das Kind dann da ist, machen wir einen Vaterschaftstest und stellen fest, ob es wirklich von mir ist. Dann finanziere ich es bis zum abgeschlossenen Studium.“ Ihr fällt die Kinnlade herunter. „Sag mal, spinnst du?“ „Nein, keineswegs.“ Seine Augen sind klar und kühl. „Ich muss schließlich wissen, dass es wirklich meine Gene sind.“ Sie lehnt empört ab: „Ich will, dass du künftig in deiner eigenen Wohnung schläfst.“ Das tut er. Die Spenden sind jetzt auch dort. In der Garage steht jetzt ein Kleinbus, gestiftet von einem örtlichen Arzt.

Eigentlich will sie ihn zur Rede stellen wegen der zahllosen Forderungen, die immer bei ihr landen. Wieder einmal hat er einen hochroten Kopf, jetzt auch die Augen eines gehetzten Tieres. Sein Hals ist irgendwie dicker. Sie muss mehrfach nachfragen, was los ist, bis er tonlos sagt: „Heiße Strumas in der Schilddrüse. Ich habe Krebs. Eine Folge der Röntgenbehandlung in meiner Kindheit.“

In Deutschland kann er sich nicht operieren lassen, keine Krankenkasse mehr.  Er beschließt, nach Chicago zu fliegen und sich dem Sohn seines Doktorvaters anzuvertrauen. Sie fragt nicht, woher er das Geld nehmen will. Es wäre zwecklos. Er ist jetzt erkennbar gefährlich – wie ein waidwundes Tier. Also fragt sie nach den Überlebenschancen. „Ganz gut, wenn noch keine Methastasen da sind,“ antwortet er. Für einen kurzen Moment kann sie seine Angst erkennen, bevor der Weit-Entfernt-Blick alles überdeckt.

Er verschwindet. Als er vier Wochen später wieder auftaucht, ist er ein anderer Mensch. Hektisch, hochrot, jähzornig, gehetzt. Die Medikamente seien schuld, sagt er. Es sei so schwierig, die nun fehlenden körpereigenen Hormone richtig einzustellen. Später wird klar: Weder seine Brüder, noch seine Mutter haben ihm Geld geliehen. Er hat die OP-Rechnung mit einer ungedeckten Kreditkarte gezahlt, ebenso die des Hotels, wo er während der Nachbehandlung wohnte.

Alarmstufe rot – bitteres Ende

Sie fährt zu seiner Wohnung, um nachzusehen, ob die Spenden noch da sind. Sie findet zum Trocknen aufgehängte Kleidung eines Mannes, einer Frau und eines Kindes. Weit können sie nicht sein, die Kleidung ist noch feucht. Im Büro liegen drei Kreditkarten samt zugehörigen Forderungen der Banken im fünfstelligen Bereich. Im Regal findet sie Bücher aus ihrem Haus, die sie bereits vergeblich gesucht hatte. Und eine Handtasche aus Schlangenleder, die er ihr vor Monaten geschenkt und die sie bisher in ihrem eigenen Schrank gewähnt hatte. Der Kleinbus in der Garage ist voll gepackt mit Medikamenten. In der Schreibtisch-Schublade liegt ein „letzter Wille“: Zynisch hat er formuliert, dass die Frau, die ihn bis zum Ende pflege, seinen Nachlass ihr Eigen nennen dürfe.

Alarmstufe rot.

Sie informiert die Vereinsmitglieder und den Vertreter der Zeitung. In Windeseile stellen sie die Spenden sicher. Später werden sie vor Ort feststellen, dass auch alles wohlbehalten im afrikanischen Krankenhaus angekommen ist.

Diesmal taucht er nicht wieder auf. Das letzte, was sie erreicht, ist ein Anruf von irgendwo: „Ich habe Metastasen. Und alles, was man dir über mich erzählt hat, sind Lügen. Sie mochten mich nie wirklich.“ Dann reißt der Kontakt endgültig ab.

Bis die Anrufe abreißen, dauert es länger. Ein Makler sucht ihn – das Haus bei Innsbruck sei nun verkauft. Ein Arzneimittel-Großhändler sucht ihn: Er hat sich Medikamente für ein Dreifaches der vorhandenen Spendensumme liefern lassen und die Berichte der Tageszeitung als Referenz vorgelegt. Bezahlt hat er nicht.

Jahre später hört sie das Ende der Geschichte. Inzwischen sind die beiden anderen Brüder an Krebs gestorben. Eine der Nichten berichtet ihr, wie er seine letzte Zeit  verbrachte: Im Rollstuhl.

Eingesperrt und unbeweglich.

Die Frau, die ihn bis zu seinem Tode pflegte, hat er geheiratet.

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Die Psychopathie-Checkliste von Robert D. Hare unterscheidet laut Wikipedia zwei Dimensionen der Psychopathie mit folgenden Punkten:

Dimension 1: ausnützerisch

  • trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
  • erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
  • pathologisches Lügen (Pseudologie)
  • betrügerisch-manipulatives Verhalten
  • Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
  • oberflächliche Gefühle
  • Gefühlskälte, Mangel an Empathie
  • mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen

Dimension 2: impulsiv

  • Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger), ständiges Gefühl der Langeweile
  • unzureichende Verhaltenskontrolle
  • frühere Verhaltensauffälligkeiten
  • Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen
  • Impulsivität
  • Verantwortungslosigkeit
  • Abwertung anderer Menschen
  • Jugendkriminalität
  • Verstoß gegen Bewährungsauflagen bei bedingter Haftentlassung

Weitere Punkte:

  • Promiskuität
  • viele kurzzeitige eheähnliche Beziehungen
  • polytrope (vielgestaltige) Kriminalität

Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung (früher auch als Soziopathie, also – etwas frei übersetzt – als sozialer, gesellschaftlicher Störfaktor bezeichnet) lässt sich im allgemeinen am sichersten diagnostizieren. Das liegt nicht zuletzt an ihrem meist eindrucksvollen (negativ auffallenden) Beschwerdebild: verantwortungsloses und antisoziales (gegen jede gesellschaftliche Regeln verstoßendes) Verhalten, und zwar von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Vor allem scheinen antisoziale Persönlichkeiten wegen ihrer Impulsivität (also spontanen, hier besonders überschießenden, unkontrollierten Wesensart), ihrer Unzuverlässigkeit, Bindungsschwäche, Egozentrizität (krankhafter Ichbezogenheit) und wegen des Mangels an Schuldgefühlen therapeutisch kaum beeinflussbar zu sein.

Zusätzliche Probleme, seien sie gesundheitlicher, seien sie sozialer Art, entstehen oft durch den gleichzeitigen Missbrauch von Alkohol, Rauschdrogen, Tabak und Medikamenten. Die Heilungsaussichten sind deshalb in aller Regel ungünstig.

Behandlung: Nach dieser negativen Einführung nimmt der Satz nicht Wunder: Versuche mit (meist) gruppentherapeutischen Verfahren werden in der Regel im Rahmen von Besserungseinrichtungen, in Vollzugsanstalten oder in der forensischen Psychiatrie durchgeführt (rechtskräftig verurteilte psychisch Kranke in der Behandlung dafür spezialisierter Abteilungen der psychiatrischen Krankenhäuser).

Medikamentös gibt es für antisoziale Persönlichkeiten keine speziellen Therapievorschläge. Reizbarkeit und Aggressivität werden – soweit möglich – durch antipsychotische Neuroleptika und die Phasenprophylaktika Lithium und Carbamazepin (leicht) gebessert. Das eigentlich antiepileptisch zum Krampfschutz eingesetzte Carbamazepin wird vor allem dann empfohlen, wenn sich im Hirnstrombild (EEG) bei Patienten mit antisozialer Persönlichkeitsstörung eine so genannte Temporallappen-Schädigung feststellen lässt (Schädigungen im Temporal- oder Schläfenlappen des Gehirns sind für eine ganz besonders auffällige und für Laien ungewöhnliche Form der Epilepsie verantwortlich, was sich gerade durch solche Antiepileptika erfolgreich behandeln lässt).

Verhaltenstherapeutisch ist bei den antisozialen Persönlichkeitsstörungen eine Erkenntnis von nachteiliger Bedeutung, die sich auch nicht erfolgreich „wegtrainieren“ lässt, zumindest bei einer nicht geringen Zahl von Betroffenen: Diese „Soziopathen“ sind durch Strafreize weniger gut konditionierbar (prägbar) und lernen schlecht aus Erfahrungen, und seien sie noch so schmerzlich und damit für eine entsprechende Verhaltenskorrektur wegweisend. Dazu kommt das bereits erwähnte Risiko-Suchtverhalten, das weit über dem Durchschnitt liegen kann (was offenbar auch mit bestimmten Funktionsstörungen des Gehirns zu tun hat). So kommt man meist um einen Gesamt-Behandlungsplan nicht herum, der mit Psychotherapie, Konditionierungsverfahren, Belohnung und Beeinflussung durch Eltern und Beziehungspersonen sowie oft genug durch entsprechende Medikamente arbeitet – leider letztlich mit begrenztem Erfolg.   Quelle: Psychosoziale Gesundheit

HILFE: Bei www.narzismus.net gibt es diverse Foren und Partnerseiten, wo auch Probleme in der Partnerschaft mit Soziopathen besprochen werden.

Siehe auch:

Teil eins: Nie wieder verletzt werden: Ein Blick ins Herz eines Narzissten

 Teil drei: Ein gebrochenes Herz wird andere Herzen brechen – es kann nicht anders

und:

Wo andere ein Gewissen haben, ist da nichts

Wie man einen Soziopathen erkennt

Unterschiede zwischen Soziopath und Psychopath

Persönlichkeitsstörungen einteilen

Video mit ausfühlichen, klaren Definitionen und Verteidigungsstrategien

Update: Der wahre Wolf der Wall Street – auch nochmal hier

Update: 5 major signs your guy is an emotional psychopath

Update: Magdalena Kopp, die Gefährtin des „Schakals“