Mit Adleraugen Verborgenes ins Bild setzen: Eagle Eye Foto Contest lädt ein Antwort

Ein Fotowettbewerb der besonderen Art ist zurzeit unter Regie des Frankfurter Kunstvereins ausgeschrieben: Der amerikanische Fotokünstler und Aktivist der politischen Linken lädt unter dem Titel #Eagle Eye Contest – Landschaften der Überwachung“ dazu ein, NSA-Standorte in Deutschland zu fotografieren. Damit Interessenten die nicht lange suchen müssen, werden in der Ausschreibung eine Karte und GPS-Daten gleich mitgeliefert. Paglen, der eigentlich Religionswissenschaften und Komposition, danach Kunst und Technologie, studiert, schließlich in Geografie promoviert hat, fotografiert heute mit Hilfe von Präzisions-Teleskopen immer wieder geheimdienstliche und militärische Anlagen.

Mit seiner Arbeit will er erreichen, dass die Öffentlichkeit mehr Interesse an den Aktivitäten dieser Dienste entwickelt. Er will aufzeigen, wer wo versucht, im Verborgenen Kontrolle über die Bevölkerung zu erlangen, sammelt alle Daten, die er bekommen kann, hat bereits an Filmen mitgewirkt und Bücher geschrieben. Mehr darüber erfährt man beispielsweise im Art Magazin. Der 1974 in Maryland geborene Paglen hat heute einen Lehrauftrag an der University of California und lebt laut Wikipedia hauptsächlich in Nedw York.  2008 widmete ihm das Berkeley Art Museum, Kalifornien eine umfangreiche Einzelausstellung. 2009 nahm Paglen an der Biennale in Istanbul teil und stellte 2010 er in der Wiener Sezession aus.

art21-paglen-trevor-bioSeine Astrofotografien zeigen Raumflugkörper vor einem Hintergrund von Sternen und Sternnebeln. Für dieses Projekt nutzte er die Beobachtungen eines internationalen Netzwerks von Satellitenbeobachtern. Mit Hilfe von Informatikern entwickelte er eine Software, die die orbitalen Bewegungen der geheimen Raumflugkörper darstellen kann. Seine Fotografien geheimer Militäranlagen entstehen ebenfalls unter Zuhilfenahme astronomischer Instrumente. Die unzugänglichen Anlagen sind weiträumig abgesperrt und befinden sich in unbewohnten Gegenden. Mit Präzisionteleskopen, die mit starken Brennweiten ausgestattet sind, entstehen Aufnahmen, die den Betrachter an die Grenzen des Sehens führen.

Vom 22. März bis zum 31. Mai 2015 sind nun Fotografen, Künstler und alle anderen Interessenten dazu aufgerufen, für den Eagle-Eye Photo Contest mit ihren Kameras sowohl zu dokumentieren, als auch zu recherchieren und das Bekannte wie das Unbekannte, das Schöne, Seltsame, Bedrohliche und Alltägliche mit Hilfe der Fotografie aufzudecken.

In der Ausschreibung heißt es dazu: „Durch Edward Snowdens Berichte, Analysen und die durch ihn zugänglich gemachten Dokumente haben die Menschen in Deutschland eine Menge über das Ausmaß internationaler Spionage gegenüber deutschen Staatsbürgern und ihrer Kommunikationsstrukturen gelernt. Die NSA fängt durch ihre Spezialeinheit Tailored Access Operations die Daten des deutschen Internetverkehrs über Standorte wie den „Dagger Complex“ bei Griesheim (in der Nähe von Frankfurt am Main) ab, infiltriert deutsche Telekommunikationsfirmen wie Stellar, um deren Netzwerke auszuspionieren, verbündet sich mit dem BND, um Funksignale in Bad Aibling und Augsburg im Süden Deutschlands abzufangen, und hört mit Hilfe starker Funkdetektoren in US-Botschaften Telefongespräche von Politikern ab. In den letzten zwei Jahren haben wir viel über Überwachungstätigkeiten in Deutschland gelernt, aber wir haben nach wie vor nur wenige Bilder davon, wie diese Infrastrukturen eigentlich aussehen.“

Die prämierten Fotografien werden vom 20. Juni bis 30. August 2015 im Kontext der Ausstellung „Trevor Paglen: The Octopus“ im Frankfurter Kunstverein präsentiert und im Journal Frankfurt publiziert. Eine Expertenjury (bestehend aus Trevor Paglen, Franziska Nori – Direktorin des Frankfurter Kunstverein, Ditmar Schädel – Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Photograhie (DGPh), Nils Bremer – Chefredakteur des Journal Frankfurt, und Luminita Sabau – Frühere Leiterin der Kunstsammlung der DZ Bank und Sprecherin der RAY Fotografieprojekte) wird aus allen Einreichungen drei, maximal fünf  Gewinner auswählen.

Die Initiatoren bitten außerdem alle Teilnehmer, ihre Fotos in sozialen Netzwerken und wo immer sonst möglich unter dem Hashtag #EagleEyeContest zu teilen. Alle Informationen, die man zur Teilnahme benötigt, finden sich in zwei Sprachen auf der Homepage des Eagle Eye Contest. 

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