Papst Benedikt XVI: Hoffnung zum Abgang eines pragmatischen Gelehrten Antwort

Millionen Menschen feierten die heiligen Tage des Straßenkarnevals – und so mancher stöhnte innerlich: Hätte er nicht bis Aschermittwoch warten können? Nein – der Papst verkündete pünktlich zum Start der großen Umzüge in den deutschen Faschingsmetropolen seinen Rückzug.

Typisch Benedikt, ausgerechnet am Rosenmontag den Blick auf die Kirche und ihre Führung zu richten – mag manch anderer für sich erkannt haben. Dieser Papst ist ein Intellektueller – der Zeitpunkt war ganz sicher mit Bedacht gewählt. Die Medien übten sich also auf dem Höhepunkt der närrischen Tage im Spagat zwischen Tollhaus und Rom.

Das Ergebnis war durchaus eindrucksvoll. So gab es beispielsweise im ZDF einen Blick auf acht Jahre Pontifikat, der treffend herausarbeitete, woran die deutschen Christen beider Konfessionen sich reiben – und wie hoffnungsvoll sogar kleinste Zeichen aus dem Vatikan positiv zu deuten versucht werden. So freundlich, lächelnd und verbindlich Benedikt XVI. auch erscheinen mochte: In der Sache ist das Oberhaupt der Katholiken bis zum heutigen Tag knallhart.

Der deutsche Blätterwald war in der Dienstagausgabe gezwungen, die Narren auf die hinteren Seiten zu verbannen. Kreativ zeigte sich bei der Umsetzung des Themas der Boulevard, wie die Süddeutsche trefflich zusammenfasst. Im Bild weiter unten die kritische Umsetzung zu Papstwahl (links) und -abschied (daneben).

Im Netz brach nach der Ankündigung ein beispielloser Sturm aus, den PC-Welt so analysierte:

Montag, 11.Februar 2013, 11 Uhr bis Dienstag, 12 Uhr
  • ca. 468.000 Treffer zu „Papst“ und „Pope“ im gesamten Web
  • davon ca. 435.000 Treffer auf Facebook und Twitter
Montag, 11. Februar, zwischen 11 und 17 Uhr
  • ca. 223.000 Treffer zu „Papst“ und „Pope“ im gesamten Web
  • davon ca. 199.400 Treffer auf Facebook und Twitter
Gesamtzahl der Posts bis Dienstag, 12 Uhr:
  • Twitter: mehr als 295.000
  • Facebook: mehr als 140.000
Spitzenwerte zwischen Montag, 11 und Dienstag 12 Uhr
  • Tweets pro Stunde: 24.000 Tweets; entspricht 6,6 Tweets pro Sekunde
  • Facebook-Beiträge pro Stunde: 11.400 Beiträge; entspricht 3 Beiträgen pro Sekunde
Zum Vergleich: Durchschnitt für vorige Woche (3.2. bis 10.2.)
  • etwa 140 Tweets pro Stunde
  • etwa 9 Facebook-Beiträge pro Stunde

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Während sich die meisten Medien und Politiker mit großem Respekt zur „mutigen Entscheidung“ des Papstes äußerten, seinem Alter Rechnung zu tragen, wird im Netz spekuliert, welche Gründe Joseph Ratzinger auch bewegt haben könnten, sein Amt aufzugeben. Sie reichen von einer Morddrohung, die binnen eines Jahres nach seinem letzten Geburtstag in die Tat umgesetzt werden sollte bis hin zur Unterstellung von  Homosexualität.

Sicher ist, dass Kardinal Ratzinger seine Wahl zum Papst empfand, als sei „ein Fallbeil“ auf ihn herabgestürzt. Warum das so war, beschreibt die Welt in einem Artikel zu seinem Geburtstag im Jahr 2012 sehr treffend: „Schon mit 31 Jahren forderte er eine radikale Abkehr der Kirche „von Macht, von der Kumpanei, vom falschen Schein, vom Mammon, von Betrug und Selbstbetrug“, heißt es da.

„Doch Papst ist kein Ausbildungsberuf. Er lässt sich nicht erlernen. Und Strippenziehen, Hausmächte um sich zu sammeln und Netzwerke zu seinem Vorteil zu knüpfen, all dies hat Joseph Ratzinger nie gelernt, weder als Erzbischof von München noch als Chef der Glaubenskongregation in Rom. Es blieb ihm wesensfremd.“

„Verwalten war nie seine Stärke“, titelten Medien gestern – verbunden mit der Hoffnung, es möge ein Nachfolger gewählt werden, der die verkrusteten Strukturen der Kirche mal kräftig aufräume – eine Hoffnung, die wohl ähnlich vergeblich bleiben wird wie die, dass der Rücktritt von Benedikt XVI. eine Erneuerung der Kirche einläuten könnte.

Mittlerweile überschlagen sich Spekulationen, wer denn nun Chancen auf eine Wahl haben könnte. Auch hier erweist sich aber, dass nicht automatisch der Kontinent mit den meisten Katholiken oder der am stärksten wachsenden Zahl der Gläubigen auch die besten Chancen auf einen Kandidaten hat. Ein Blick in das neuste vorliegende päpstliche Jahrbuch zeigt, dass die Zahl der Kardinäle, die zur Wahl zugelassen sind, sehr ungleich verteilt ist:

1,96 Milliarden Katholiken gibt es weltweit (Stand 2010), das sind 17,5 Prozent der Weltbevölkerung. Den größten Anteil an der Gesamtbevölkerung haben sie in Südamerika mit 28,34 Prozent, gefolgt von den USA (24), Europa (23,34), Afrika (15,55) und Südostasien (10,87 Prozent).  Am stärksten steigt die Zahl der Katholiken in Lateinamerika und den entsprechenden Einwanderungsländern. In Europa dagegen nimmt sie kontinuierlich ab.

Wählen dürfen den Papst nur Kardinäle, die maximal 80 Jahre alt sind. Die Verteilung der wahlberechtigten Kardinäle: Europa 62 (davon 28 aus Italien), Nordamerika 14, Lateinamerika 19, Asien und Afrika je 11, Ozeanien einer. 91 Kardinäle haben die Altersgrenze überschritten, davon kommen 52 aus Europa.

Im Bild unten: 1977 wurde Joseph Ratzinger Erzbischof von München und Freising. Hier sieht man ihn bei einer Fronleichnamsprozession.

9-6-1977 Joseph Ratzinger zum neuen Erzbischof von München und Freising ernannt - hier Fronleichnamsprozession

Siehe auch:

Schock am Rosenmontag: Ein einsamer alter Mann tritt ab

Zahlen zur katholischen Kirche in Deutschland: http://goo.gl/QpDNR  und jede Menge Informationen und weiterführende Links: http://goo.gl/T70ti

Update: Freimaurer: Vatikanbank ist eine Eiterbeule

Update: 2500 Euro Pension

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