Erlösung durch Liebe ist von außen unmöglich 1

„Wenn Menschen konsequent vor Nähe flüchten, liegt der Grund dafür in ihnen selbst, nicht in den anderen – auch wenn sie das oft so vermitteln. Meist ist ihnen das nicht einmal bewusst, denn sie haben gelernt, ein für sie lebensgefährliches Gefühl zu verdrängen.“

Dr. Hans Luhk ist Nervenarzt, Psychologe und seit vielen Jahren Leilas Supervisor. Der 60jährige hat eine Menge Erfahrung mit diesem Problem, das unter den verschiedensten Gesichtern auftritt, aber immer die gleiche Ursache hat.

Der oder die Betroffene, erklärt er, war menschlicher Nähe „ausgeliefert“ und wurde im Stich gelassen. Erfahrungen dieser Art machen beispielsweise Kinder, die sich der Liebe ihrer Eltern nicht sicher sein konnten. Nicht immer müssen sie geschlagen oder missbraucht worden sein. Eltern, die ambivalente Gefühle zwischen Liebe und Ablehnung für ihre Kinder hegen, können ebenfalls Traumata auslösen, weil sie weder Sicherheit noch Geborgenheit vermitteln.

Kinder, die in prägenden Situationen die Liebe ihrer Eltern brauchten, aber nicht bekamen, lernen, dass sie „hart“ sein müssen, werden Meister des Taktierens und Ausweichens oder neigen dazu, potentielle Partner extrem zu „klammern“. Alles dient dem selben Zweck: Nie mehr hilflos ausgeliefert zu sein.

Schließlich gibt es Männer (und Frauen), die in erwachsenen Beziehungen so tief verletzt wurden, dass sie nicht mehr bereit sind, sich noch einmal einem Partner zu öffnen. Auch dahinter steht ein Erleben absoluter, lebensbedrohlicher Verlassenheit zu einem Zeitpunkt, in dem die Betroffenen nicht in der Lage waren, sich selbst zu schützen.

Solcherart traumatisierte Menschen sehnen sich trotzdem weiter nach Nähe. Manche verlieben sich in schnell wechselnder Reihenfolge immer wieder neu – andere versuchen, körperlichen Kontakt auf eine Weise zu ersetzen, die ihnen eine „sichere“ Distanz ermöglicht.

Wird diese Distanz durchbrochen, kommt der verletzte Mensch neu mit sich selbst in Kontakt. Dadurch erlebt er alle Ängste und Verlassenheitsgefühle aus der traumatischen Situation noch einmal. Würde er diese Konfrontation überstehen und gelänge es außerdem, die Erfahrung zu implementieren, diesmal nicht im Stich gelassen zu werden, wäre der Weg in eine neue Beziehung möglich.

Da die Frauen und Männer die damalige Hilflosigkeit aber als absolut schrecklich erfahren haben, werden sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehren. Echte Nähe mit ihnen wird dadurch unmöglich.

„Man kann sie nicht von außen mit Liebe erlösen“, sagt Dr. Luhk. „Auch nicht mit der größtmöglichen Aufopferung. 99 von 100 Partnern die das versuchen, werden daran zerbrechen. Erlösung gibt es nur, wenn die Betroffenen sich selbst entscheiden, den Sprung zu wagen.“

 

Siehe auch: Der Mann meines Lebens ist Narzisst und die dortigen Links

Ein Kommentar

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